Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 15 (20.4.1917)
- Date
- 1917-04-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 236 Tn Bloch's Wochenschrift' Nr. Io geschiädigten Juden aller Kriegsländer viele Millionen gesammelt und zum Telle schon bisher zur Aufteilung gebracht Haber:, gleich bei Zuspitzung der politischen Verhältnisse eine Beratung darüber abgehalten haben, aus welche Weise die zur Unterstützung der europäischen Juden gesammelten und noch! nicht aufgeteilten Summen den vorgeschrieöenen Zwecken zugesührt werden sollen, wenn Amerika einem oder mehreren europäischen kriegführenden Staaten den Krieg erklären sollte. In der in Rede stehenden Sitzung wurden wohl keine endgültigen Beschlüsse gefaßt, doch geht schon aus den Ergebnissen dieser Beratung hervor, daßdas Stockholmer Hilfskomitee dasjenige Forum sein wird, welchemdie Amerikaner die Hilssgclder behufs weiterer Verteilung überweisen werden. Kin öemerLenswertes Kriegsdalum. In Brasso (Kronstadt) liefen die Schüler der dortigen Realschule infolge des seinerzeitigen rumänischen Einbruches Gefahr, das Schuljahr zu verlieren. Fm Januar dieses Jahres traten nun der protestantische Geistliche und sein Hilfsgeistlicher, ferner der unitarische Seelsorger und der Rabbiner Dr. Ludwig P a p° zu einer Beratung zusammen und beschlossen, um die Realschüler vor dem Verlust eines Jahres zu bewahren, den regulären Unterricht, und zwar völlig unentgeltlich, selbst zu Übernehmen. Die 144 Schüler genießen nunmehr, wenn auch in unbequemen Räumen, den vorgeschriebenen Unterricht. Rabbiner Dr. Pap Wernahm den Unterricht in Deutsch und Französisch. Oberdirektor Bela Wald h er inspizierte dieser Tage die Realschule und sprach seine Zuftiedenheit mit den erreichten Resultaten aus. Ire Mefreirrng der russischen Inden. -" / Ter Petersburger Berichterstatter .der 7,Times" meldet unter dem 10. d. M. über den Empfang , einer Abordnung der Petersburger Judenschaft unter Anführung des .Reichsdumä-Abgeordneten Fried- Mann beim Ministerpräsidenten, dem sie den Dank der Juden für die Aushebung der alten Schranken darbrachte. Dabei erklärte Fried mann: ' . „Während der letzten,35 Jahre haben die Juden in Rußland unsäglich viel gelitten. Sie Waren der Verfolgung ausgesetzh und ihre Lage war unerträglich. Die vorläufige Regierung hat eine edle Tat vollbracht, indem sie ihnen dieselben Rechte verschaffte, die hie übrigen -Bürger des russischen Reiches genießen. Cie fühlen sich völlig einig ,ms:t den übrigen Bürgern und denken ebenso wie diese über. die Hochhaltung des russischen Volkstums. Sie stehen zu ihnen für die Verteidigung des Landes, sie tun dies mit dem Eifer und der -Hingebung, die die jetzt verliehenen Rechte in vollem Maße rechtfertigen, und sie werden sich, da ihre Dienste in dieser Weise belohnt werddn, wenn möglich, noch mehr anspannen, um zur Zerschmetterung des Feindes beizutragen. Sie werden die vorläufige Regierung unterstützen und alles aufbieten, um .die für das neue Rußland gelegten Grundfugen zu befestigen. Die Juden werden sich der Freiheit auch ferner würdig erweisen." Fürst Lwow antwortete: „Die vorläufige Regierung rechnet es sich zur hohen Ehre an, die sämtlichen Verhinderungen der Freiheit für die einzelnen Stämme zum Reiche aufzuheben und die freie Entwicklung auch in gleichem Maße fördern zu können." L Die Abordnung begab sich darauf zu dem Ausschuß der Arbeiter und Soldaten, wo die Gefühle der jüdischen Bevölkerung in derselben Weise zum Ausdrucke gebracht wurden. Kürzlich-war Miljukow Gast des Jüdischen Klubs, wo Win am er ihn herzlich« willkommen hieß. Miljukow gab seine Freude Wer die Befreiung der Juden kund, worauf Winawer antwortete: „Zum erstenmal seit 2000 Jahren werden wir unser Passah, das eigentliche Fest der Freiheit, die Erinnerung an die Erlösung aus der ägyptischen Sklaverei, wieder feiern können, nicht als Sklaven, sondern als freie Bürger." Die „Vossische Zeitung" meldet aus Stockholm:Die provisorische Regierung hat aM 3. April einen ftkas über die völlige Gleichstellung der Juden i. n R/u Hl and u nie rz eich net. Das „JWische Korrespondenz-Bureau" im Haag erhielt vom DuMaabgeordneten N. Friedman u folgendes Telegramm?vom 23. März: - „In den Freudentagen des Triurnphes des Rechtes und der Gerechtigkeit hat das neue Regime die Prinzipien der bürgerlichen, nationalen und religiöse,: Freiheit proklamiert. Gemeinsam mit der russischen Nation erwartet das jüdische Volk mit völliger Sicherheit die unmittelbare Verwirklichung des Grundsatzes der Gleichheit." Die GleichpetkchliWng der Juden in der russischen Mmee bezweckt eine Bekanntmachung des Kriegsministers Gutschkow; Juden und andere Nationalitäten, die Wer die genügende Bildung verfügen, werden in die Offiziersschulen ausgenommen werden, mit Ausnahme der Deutschen, für derer: Loyalität bei der gegenwärtigen Kriegslage feine genügende- Garantien bestünden. Km Tempel der Gleichheit. Mdische Feiet in Petersburg. Der „K. Z." wird aus Amsterdam telegraphiert: Eine, Versammlung der jüdischen Gemeinde von Petersburg feierte die Aufhebung der Beschränkungen, die den Juden bisher entgegenstanden. Es wurde die Errichtung eines Tempels der Gleichheit in Berbll:dui:g mit einer internationalen Anstalt für das S t u d i um von Rasse fragen beschlossen. Eine gleich eröffnete Einzeichnung ergab einen Betrag von einer Million Rubel. u - Zionistische AordeMngem Der „F. Z." wird aus Stockholm, telegraphiert:- In Petersburg, Jekaterinoslaw und Odessa fanden zum erstenmal öffentliche, von Tausenden besuchte zionistische Versammlungen statt. Diese beschlössen, die Interimsregierung mit allen Mitteln zu unterstützen. Der Zentralhilfsausschuß, berief einen Kongreß aller jüdischen Bürger Rußlands nach Petersburg ein. Laut Petersburger Telegraphenagerrtur verlangter: die Redner aus der in Odessa, abgehaltenen Versammlung, daß, Die Bedingung eines A::siedlur:gsge'bietes für die Juden in P a l ä st: n a aus das Programm des künftigen Friedenskongresses gesetzt werde. Ein Ukas Wer die volle Gl e ich fl e l lu n g der Juden in Rußland wurde an: 3. d. M. unterzeichnet. Kine Konferenz der Wundisten in Aetersöurg. Nach einer Meldung der „Voffischen Zeitung" soll an: nächsten Sonntag in Petersburg eine Delegiertenversantrnlung der jüdischer: „Bundisten" aus Rußland, Polen und Litauen zusaMmentreten. Bekanntlich« hat die „Bundisten"-Partei (jüdische Sozialdenwkraten) schon bei der Revolution des Jahres 1005 eine -große Rolle gespielt. Ir: der kommenden Konferenz sollen drei Fragen verhandelt werden: 1. die Stellung zur Friedensfrage; 2. die Beziehungen der Bundistenpartei zum Arbeiter- und Soldatenverband; 3. Nationale Autonomie. Außerdem soll die Veranstaltung eines allgenreinen Kongresses der russischen Juden in Erwägung gezogen werden. Die jüdische. Bundistenpärtei war bekanntlich seit je in scharfer Gegnerschaft zu ben „Kadetten" und demgemäß auch zu der jetzigen kadettischen Regierung.' Man