Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 15 (20.4.1917)
- Date
- 1917-04-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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S-ite 238 Dk. BLüch'S Wie man aus diesem Schreiben eines „Lesers" ersieht, geht es dabei ohne ein Denunziatiönchen nicht ab, es wird ein lustiges Kesseltreiben gegen die Schaffnerinnett inszeniert und mit einem deutlichen Hinweis auf die WagennumMer die Aufmerksamkeit der Straßenbahnleitung auch auf das. .übrige Personal di-'es Zuges gelenkt. Die dort so zahlreiche vertretenen Elemente der christlichsozialen Partei nrögen sich für die Liebenswürdigkeit der „Reichspost" bei diesem Blatte selbst bedanken. Daß der Inhalt , dieses Schreibens nur von Uebertreibungen strotzt, bedarf, wohl keiner besonderen Hervorhebung." Warunr gibt aber das Blatt feinen arischen Lesern nicht Kenntnis von der Vorgeschichte des Inhaltes jener -großen Plakate, die an den Garteu.umfriedungen des „Rudolsinerhauses" angebracht,mit weithin sichtbaren Lettern die Bitte um Nachtruhe für die kranken Soldaten ausspricht? Ja, das war ein himmelschreiender Unfug! Grohlend, johlend und singend torkelten: die Leute voll des Weinnebels aus den Heurigenstätten Grinzings und Sieverings heimwärts, bar jeder Rücksicht auf die im Rudolfinerhause untergebrachtew und .eines ruhigen Schlafes .bedürftigen kranken Krieger. Diesem Unfug wurde erst durch die Anbringung jener Tafeln gesteuert. Bon selbst kam die Einsicht den Heurigenexzedenten wahrlich nicht! Die staMchx WüchtlmMMforge in Oesterreich und ihre Politische Bedeutung für die Gegenwart und Zukunft. Ueber dieses höchst aktuelle, auch weitere Kreise lebhaft interessierende Thema hielt der. Organisator dieser größten österreichischen, Humanitären Aktion für Wien, ' Herr Gemeinderat Dr. Rudolf S ch w a r z - H i l l e r, im Festsaale des Niederösterreichischen Gewerbevereines kürzlich einen Vortrag, in welchem der hervorragende Redner, anknüvsend an die unsterblichen Worte Grillparzers: - „Die Gott als Slav' und Magyaren schuf, Sie streiten um Worte nicht hämisch, . ' Sie folgen, ob deutsch auch der Fetdherrnruf, e Denn „Vorwärts" ist ungUisch und böhmisch. - Gemeinsame Hilst in gemeinsamer Not Hat Reiche und Staaten gegründet; Der Mensch ist ein Einsamer nur im Tod, Doch Leben und Arbeit verbündet," .ansführte, daß diese herrlichen.Worte das Leitmotiv der ganzen Flüchtlingsfürsorgeaktion bildeten, wie sie überhaupt das Leitmotiv für jede Arbeit in unserem Vaterlaude bilden sollen. Die Wiener Oesfeutlichleit sei eigentlich über die schwierigen Probleme der Flüchtlingsfürsorge so ziemlich uuinsormiert, weiters hätten, die um erwartete Länge des Krieges, feine zuliehmendeir Härten Wandlungen nttd Aeirdernngen in den Gedanken und ÄuschauunZLN n.aßgebender Personeir wie auch gewisser öffentlicher Stellen nttd ittsolgedessen auch mancher Bevölkerungskreife verursacht, daß er es für seine vaterländische Pflicht empfunden habe, der Oeffentlichkeit die .nötigen Aufklärungen zu geben. Man. sei auf manchen Seiten bereit, den Flüchtlingen, d e n bedauerrtsiv e r t e n O v f e r n d i e s c s K r i e g e s, Bürge rn unseres gemeinsamen großen Vaterlandes Erschwerungen auszuerlegen, die unnötig und grausam wären, vor allem aber wieder einen verhängnisvollen Fehler unserer Politik - darstellen würben, und so erinnern: an Fonchets Wort: - „Das ist melhr als ein Verbrechen, das ist ein Fehler." Es wäre inr höchsten Grade bedauerlich und ein großer politischer Fehler, wenn. amtliche und halbamtliche Stellen, verleitet von unverantwortlichen Marodeuren des öffentlichen Lebens, der .staatlichen Flüchtlülgsfürsorgeaktion Schwierigkeiten bereiten wollten. — : Behörde gegen Behörde, in einer so wichtigen Aktion Wochenschrift Nr. 15 charitativen und vor allem auch politischen Charakters, bei welcher es vor allem gelte, dem feindlichen Ausland gegenüber zu erweisen, daß der' Völkerstaat Oesterreich, aus deffen ZnsaMmenbrnch es rechnete, fester als je zusammenhalte und alle Völker von geradezu instinktivem Zusammengehörigkeitsgesühl durchdrungen seien. . Iw dieser Völkerkv anderung von sast drcieinhalb Millionen, eine in der Weltgeschichte ohnegleichen dastehettde Maffenbewegtutg, muß hie Flucht aus den. pom Feinde bedrohten oder besetzten Gebieten zweifellos als eine Bejahung des österreichischen Gesamtstaats ged ankens bezeichnet werden. Die Flüchtlinge können mich nicht als'Flüchtlinge des infolge seiner geographischen Lage schwer getroffenen Landes,. s ie nt ii s s e tt als österreichische, ja mehr als dies, .sie inii f sen a l s Fl ü cht l i n ge . d e r g a tt z e tt M o tt - a r ch i e beurteilt werde tt, dentt der Krieg ivürde tticht von eitlem Land oder. einem Volk oder für eine . Reichshälfte, sondern er wird vott jedem Land.und jedem Volk für den Gesamtstaat, für die ganze Monarchie geführt. Das Ministerium des Innern, in dessen Ressort die Flüchtlittgsfürsorge lief, hat den großenpolitischen, dett großen österretchischen Gedanken, der die ganze Aktion durchzog, sofort und in großzügiger Weise erkannt. Es hat die ganze Aktion vollkommen internationlal und interkonfessionell durchgeführt, iviedies hier ttoch niemals in ähnlicher Weise zuvor geschehen ist. Es hat itl unvergleichlicher Weise mach dett Prinzivien -der Gerechtigkeit nnb bei: Gleich berechtigung gearbeitet. Mögen aus dem vollen Erfolge dieser Tätigkeit die richtigen Schlüsse /für die weitere Regterungstätigkeit.im Frieden gezogen werden. Wie der U-Boot-Krieg der Krieg der jungen Offiziere, der Käpitänleutnants ist, so ist auch! die Flüchtlingssürsorgeaktion hauptsächlich eine Arbeit der-jungen Beamtet: 'äm Ministerinm wie 'in chett 'Statthaltereiett gewesett, denn die riesige Arbeit, die vott verhältttismäßig Wenigen geleistet tverden mußte, hat an die Physische .Kraft wie an die Nerven der mit dieser Arbeit Befaßten ettvrme Ansorderungen gestellt. Auch der - Bürgermeister der Stadt Wien hat vom Anbeginn bis zum heutigen Tage der staatlichen Flüchtlittgsfürsorge jedes Entgegenkommen bewiesen und niemals den Standpunkt jener vertreten, die Wien im Kriege zur Hauptstadt des Kronlandes Nied erösler reich herab gedrückt ifj äftcn, w ä h r e n.d W i e tt gerade in diesem Kriege, wie nie zuvor, als die. wahre und wirkliche Reichshauptstadt a u fZ n t r c t e tt hatte. Auch wirtschaftliche Rücksichten waren ztl berücksichtigett, da man zu bedenken hatte, daß alle die, welche als Flüchtlinge im Kriege nach Jnnei> öüerreich kamen, im Frieden starke AbbnehMer der innerösterreichischen Fttdustrie sind. Es sittd leider auch Mißgriffe vorgekotmnen, wenn die Macht des Mintsteriunts des Innern sich tticht imitier bis iit die peripheren Teile des Reiches geltend machtej Mißgriffe, die wohl manchmal geeignet waren, Verbitteruttg in ttttglückliche Menschett zu bringett, die tticht allzu leicht tmb allzu rasch vergessen iverdett. Matt soll daher die Wiederholung -ähnlicher unliebsanter Zwischettfälle unbedingt - zu vermeidet! trachten. Was sich vor sticht allzu langer Zeit in Prag ereignet hat. muß. auf das fchürfste verurteilt werden. Redner sei auch destvegen znm Kaiser gegangen, und fein Weg sei nich t v er geblich g ew esen, Redner spricht.dann über das Los der Flüchtlinge äm allgemeinett, in dessett Psyche sich jemand, der sich seines sicheren Heimes und - seiner nnaeschmälcrtett Lgbettspositiott befindet/ nur schwer hüteinzudenken vermöM.'Auch die Vertveigeruttg des Ärbeitsbuches'.an FUchtlinge, ein Säumnis, das nicht dem Mittisieritlnt des Jnnertt zur Last falle, sei eilt Fehler