Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 2 (12.1.1917)
- Date
- 1917-01-12
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 2 Seite 31 Dr. Blüch'sl Wochenschrift" Bertha 0. Suttner bildete, /welche seit seiner Witwerschast in der Regel die Honneurs machte. Ohne je den Namen Fischels gehört zu haben, verdanken ihm Tausende ihre Heilung, denn nach dem Tode seines einzigen brustkranken Sohnes faßte er -den ersten Plan zur Heilanstalt Alland, suchte gemeinsam mit Hofrat v. S ch r ö 1 t e r - 1k r x st e l I i den Platz aus und erlegte den ersten Betrag zur Gründung der Heilstätte. Fischet hat die namhaftesten Beträge stets anonym gespendet; der feinsinnige und hochgebildete, aus Prag stammende Mann war ein Muster von Bescheidenheir und Werktätigem Gemeinsinn. Obwohl er seinen Namen nie genannt haben wollte, erachte ich es als Herzenspflicht und Pflicht gegen das Judentum, wenigstens nach seinem Tode, diesem selten vornehmen Glaubensbruder an dieser Stelle Worte des Gedenkens zu . widmen, besonders da er in meiner Gesellschaft, in luftiger Berghöhe, wenige Wochen nach dem Tode seines Sohnes den Plan faßte, anderen unglücklichen Brustkranken beizustehen und sie vor dem Tode zu bewahren. Clotilde Benedikt. Wer weiß? Regimentsarzt Dr. Walter Schiller, derzeit in Kleinasien, schreibt: Leib Fischler, Adresse: Petachtikva bei Jaffa (Palästina), zuständig nach Kimpolung (Bukowina), sucht seme Söhne: Josel, 43 Jahre alt. Kimpolung, Markus, 36 Jahre alt, Bergwerk Jakubeni, Jsak, 29 Jahre alt, Kimpolung. Dem Bater sind seit Kriegsbeginn keine Nachrichten von seinen Söhnen zugekommen, er vermutet, daß sie eingerückt sind. Vier Kinder, galizische Flüchtlinge, früher in Nikolsburg, seit vier Monaten in Vag-Ujhely. erbitten Auskunft über den Aufenthalt ihrer Eltern Chune und - Jitl Krumm aus Stanislau. Zuschriften an Amalie Löwingec, Vag-Ajhely (Ungarn). Hersch Weiner sucht seine Schwiegereltern Malte und Inda Liebmann aus Jasliska, letzte Adresse Pohrlitz, Baracke 12, und seinen Enkel Baruch Fruhking, recte Rosenblatt. Nachrichten an das Rabbinat in Nosenberg (Süd-Böhmen). Kriegsgefangener Ver! Wasterstrm (Schlom), Spank bei Wladiwostok (Rußland), bittet um Nachricht von seiner Frau. Feuilleton* Das Acht im Exil. Das war ein aufgeregtes Türauf, Türzu am Nachmittage des 21. Dezembers in dem Lokale derSnppen- und Teeanstalt für die Flüchtlinge Galiziens. Frau Änitta Müller hatte die Schützlinge ihrer Säuglingsfürsorge zur Chanukkafeier geladen. Die Kleinen, die im tiefsten, heiligsten Sinne ihre Kinder sind, da sie ihnen, so gut wie Vater und Mutter, das Leben schenkte, das kleine, schwache, zarte Lebensslämmchen. das' vor den surchchar traurigen, furchtbar widrigen Verhältnissen, die sie beim! Eintritt in diese bitterernste Welt des Krieges vorsanden, erloschen wäre. Wär's zu verwundern, wenn solch ein Paar Kinderaugen sich erschreckt für immer schließen würden, rvenn . sie den ersten großen Blick getan in der Eltern heimatloses Elend? Frau Anitta Müller hat ihnen eine Heimat gegeben — denn Heimat ist überall, wo Liebe ist. Sie gab ihnen weitgehende Fürsorge, da sie noch eins waren mit ihrer Mutter mühsälbeladenem Leibe, hegte und pflegte sie ihr Leben in dein der Mutter; sie hegte und pflegte ech als es sich zum selbständigen Sein durchgerungen, hegte und pflegte ihm die Mutter und erzog sie ihm zur Wächterin und Schützerin seiner ersten Kinderjahre. Sie konnten natürlich nicht allein kommen, die winzigen Gäste der Frau Anitta Müller — sie brachten ihre Mütter mit, wenn sie natürlich auch die Hauptpersonen waren. Deutlich genug waren sich die Mütter ihrer Statistenrolle bewußt. Sie waren die Hände, die die Kinderwagen mit dem geliebten, kostbaren Inhalt herbeischoben, oder die den Liebling herbeitrugen, sie waren ganz Auge, bereit, die Bewunderung zu bemerken und zu registrieren, die er erregen mußte, waren ganz erwartungsvoll und dankbar schlagende Herzen. Und es .w ar offenbar genug,,, daß diese .Einladung und diese Feier sie schon lange Zeit vorher ganz intensiv beschäftigt hatte — ganz spiegelblank itäß sauber hatten sie die Kinder dazu vorberenet —, da eine rote Masche in schüchternes, schwarzes Gelock geknüpft, dort ein stolz und prächtig gesteiftes, weißes Schürzchen .Mer ein armes Kleiochen gebreitet — Schätze, Die, Gott weiß, unter welchen Listen und Entbehrungen, erworben worden waren. Der Erfolg war ein vortrefflicher, und hatte die Liebesmüh reich gelohnt. Die Mütter tonnten stolz sein auf die kleine Schar, und die Pflegemutter aller tonnte sie mit Stolz besehen und begrüßen. Ueber 300 waren erschienen. Vom winzig Kleinen, das erst vor kaum mehr als Wochenfrist Der Frau Anitta Müller seine Reverenz gemacht, bis zu den „großen", den „erwachsenen" Zweijährigen, Die eigentlich Der Säuglingschrsorgestelle schon entwachsen sind, die ihren Schutz nur dis zum fünszehnten Monat über die Kinder breitet, die aber Dennoch geiaoen waren — als Ehrengäste gleichsam, und weil sie es doch gewesen, über die sich als Die ersten die Fülle der hesienoen, mitfühlenden Liebe ausgegossen. Ein jedes Kind bekam sein Päckchen. Ein warmes Kleidchen, zwei neue Hemdchen darin und irgendein buntes, spiecerisches Ding, und für die Mutter gab es ebenfalls kleine Geschenke — sie sollten doch nicht leer ausgehen an solch einem Tag. Auch eine Jause wurde ihnen gereicht, und es ging fröhlich dabei zu, wie immer, wenn Frauen zueinanoer geraten, die ein gemeinsames Erleben verbindet und die ein großes, unerschöpfliches, allen gleicherweise geläufiges Thema zu erörtern haoen; und welches wäre ewiger, süßer, treuer urrd interessanter als: das Kind! Rabbiner Dr. Max Grunwald zündete die Chanukkalichter an und sprach die Festpredigt. Er fand wunderschöne, große und warme Worte, die aus warmem und großem Herzen kamen: „Wo Gott nicht hinkann." sagte er, „dort schickt er eine Mutter hin." Die Mutterliebe, die alles duldet, alles leidet, die sich selbst zum Opfer bringen kann für das Kind. Aber alle Mutterliebe, aller Opfermut und alle Selbstverleugnung wird hilflos und klein, wenn furchtbare Schick,alsschläge wuchtig und dräuend in das Leben einbrechen, wie es in das der Flüchtlinge geschehen. Auch die zärtlichsten Mutterhänoe hätten in der Fremde der bittersten Not das Kind nicht zu schützen vermocht. Aber die Güte großherziger Frauen hat ihnen ihr Kind geschützt und erhallen, das ihnen ein Helles Licht geworden ist auf dem dunklen Wege, den sie in der Fremde gehen müssen. Zum drittenmale, sägte Dr. Grunw al d, zündeten die Flüchtlinge die Chanukkalichter in der Fremde an, fern der zerstörten Heimat. Aber dieses Licht ist ein Licht der Hoffnung und der Zuversicht. Es mag sie mit Glauben und Hoffnung erfüllt haben, daß der Gott, der ihnen unter Fremden warmherzige Schützer und Helfer erstehen ließ, sie in ihre neuerstandene Heimat leiten wird. Beivegt und gerührt dankten über dreihundert Frauen Frau Müller für den schönen Tag und trugen sorgsam ihre kleinen Schätze wieder heim, die kostbaren, freuoigen Lichtlein, die sie ihr im Grunde auch verdanken. Auch Frau Professor Marie Diener und .Fräulein Emmy Ko hn, die, wie bekannt, Frau Müllers treueste und unermüdlichste Mitarbeiterinnen in ihrer Säuglingsfürsorge sind und die sich auch um das Zustandekommen der schönen Feier liebevoll bemüht hatten, erhielten ihren Dank. Ihren Lohn mag jede im eigenen Herzen tief empfinden. Im Anschluß an diese Feier für die Schützlinge der Säuglingsfürsorge fand um 7 Uhr abends desselben Tages, in den gleichen Raumen, die Chanukkafeier für die Schülerinnen der Arbeitsschule statt. Es hatten sich über