Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 49 (15.12.1916)
- Date
- 1916-12-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 816 Dr. Bloch'S Wochenschrift Nr. 49 war rührend schön. 400 Offiziere haben die schönen, alten Melodien wieder gehört, um auf zwei Tage zu vergessen, daß sie so weit, so sehr weit von ihren Teuersten sind! Man machte mir Ovationen, sie strömten zu mir, um sich zu bedanken, daß ich Gelegenheit bot, mit Andacht beten zu können. Gott möge unser Gebet erhört haben, damit ich Euch, meine Lieben, in Gesundheit und Freude wiedersehe." Auf einer späteren Karte: .. Gestern hatten wir Jom-Kippur gefeiert, schön, sehr schön war der .Gottesdienst; ich habe in weißem Talar und Kappe, weiße Halbschuhe, weiße Hose angekleidet, Mussaf mit Chor und Harmonium vorgebetet. Sehr rührend war M a s k i r für die gefallenen Soldaten. Es war eine deutsche und u n g a - rische Gedenkrede, solch einen feierlichen Gottesdienst hätte ich zu Hause nicht sehen können. Es waren sehr viele Offiziere von anderen Konfessionen anwesend. Der Altar, der Luster, alles durch eigene Mannschaft und Offiziere nach stilgemäßen Zeichnungen hergestellt, war sehr imposant. Der Allmächtige möge unser und Euer Gebet erhört haben! Ich habe noch nie so gut gefastet, das Borbeten war mir ein -Genuß...." Geffentliche Mkkage wegen des Vorwurfes w „Prückeverger". Aus 'Berlin wird gemeldet: Bor dem Amtsgericht in Charlottenburg fand eine Verhandlung statt, bei der die Staatsanwaltschaft wegen öffentlicher Beleidigung Strafantrag gestellt hatte, weil ein -Lchlteider einen Zahnarzt öffentlich als „D rückeberg e r" bezeichnet^ Der als Bühnenschriftstellcr bekannte Zahnarzt W. tarn mit dem Schneider Rönsch auf dem Kursürstendamm in Wortwechsel, in dessen Verlauf Rönsch den ^Zahnarzt, der jüdischer Konfession ist, durch antisemitische -Redensarten beleidigte und ihm zurief: „Gehen Sie lieber in den Schützengraben, Sie Drückeberger!" W., der als Zahnarzt bereits längere Zeit im Felde stand,-meldete. diesen Vorfall der Polizei, und der Staatsanwalt erhob Anklage. In der Verhandlung wurde durch Zeugen die beleidigende Aeußerung bestätigt. Rechtsanivalt Dr. Neumond hob hervor, es müsse mit besonderer Genugtuung erfüllen, daß die Staatsanwaltschaft in diesem Falle zur öffentlichen Anklage geschritten fei, und zwar gerade im Hinblick auf die konfessionelle Verbrämung, mit der der beschimpfende Ausdruck Drückeberger gebraucht wurde. Wolle das Gericht dem Sinne des Eröffnungsbefchlufses gerecht werden, so könnte es nur durch eine exemplarische Bestrafung des Angeklagten geschehen. Gerade im vorliegenden Falle, tvo sein Mandant. für das Vaterland schwere Dienste geleistet und krank aus dem. Felddienst heimgekehrt sei, zeige es sich, welcher Unfug mit dem Ausdruck Drückeberger getrieben werde und wie notwendig es sei, ausreichend Schutz dagegen zu gewähren. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu hundert Mark Geldstrafe und sprach dem Zahnarzt W. Publikationsbefugnis des Urteils zu. Korrespondenzen. Tic Not der ostgalizischen Juden in Palästina auf dem Höhepunkt. Die folgenden Telegramme, die ein ergreifendes Bild der verzweifelten Lage der ostgalizischen und Bukowinaer Juden in Palästina bieten, find in rascher Aufeinanderfolge an uns gelangt: Telegramm 1 7035 Saffed 78 85 11. 10. Rabbiner Dr. Max Grunwald, Wien, II., Ferdinandsstraße 23. In Erwartung neuer Geldsendung, um Mehl- und Waisen iHilfsaktion weitersühren zu rönnen und um Weizenlager 10.000 Rotols laut Komiteebeschluß wegen bevorstehender Hausse und begonnenen Wiutervorrat nicht anzugreifen, war gezwungen, auf Kredit zu nehmen. Bis jetzt hundertfechzig Napoleons für Mehl schuldig außer vierhundert Napoleons für lagernden Weizen. Angesichts dieser Lage und Kursdepression erbitte dringende Aushilfe mit dreißigtausend Kronen. Behufs Zeitersparnis erbitte telegraphischen Kredit auf Baron Rothschild, da mit ich Scheck ziehe. Konsularagent Miklaf iewicz. Telegramm 2 Saffed 7028 85 28/27 21 4 s. Rabbiner Dr. Max G r u n w a l d, Wien, II., Ferdinandsstraße 23. Weizenlieseranten drängen Zahlung oder Rückstellung, wenn zwölftausend Kronen von Juli nicht erhalten. Unbedingt Aushilfe durch telegraphischen Kredit nötig. Konsularagent M i k l a s i e w i c z. Telegramm 3 7048 Teberias 38 52 2852 s bul. Rabbiner Dr. Max Grunwald, Wien, II., Ferdinandsstraße 23. Mehlpreise änderten sich spz daß die Summe 2600. die zu verteilen war/ steigt. Unsere Kassa besitzt nur soviel für eine Woche zu verteilen. Dritte Sendung 20.000 uocfj nicht angekommen,- bitte sofort telegraphisch Geld überweisen/ damit wir tkicht gezwungen sein fofCteit, die dringende Mehlverteilung abzustellen. Groß, Heister, G o l d z w e i g. Telegramm 4 7155 Saffed 8 6 17 4 12 s. Depesche erhalten und ausgefolgt. Mehlverkauf eingestellt. Drahtet,- ob schoit Geld geschickt. B r o ch e r. Wir wenden uns wiederholt an die Barmherzigkeit aller Menschenfreunde mit der Bitte, uns die telegraphische Ueberweisung größerer Beträge nach dem Heiligen Lande zu ermöglichen, da feite Armen, .denen außer dem BisseniBrotlein anderes Nahrungsmittel, wie etwa Kartoffeln/ Gemüse usw., zur Verfügung steht, nicht auch noch das Brotmehl entzogen werde, und sie buchstäblich Hungers' sterben müssen. „Die HilMommission 1915 für Palästina." Verein für unentgeltlichen Arteitsnachweic', 2. Bez.. Taborstraße 59. Donnerstag, den 7. Dezember d. I., hat im Vereinslokale des Israelitischen Humanitätsvereines „B'nai B'rith" die 17. ordentliche Generalversammlung dieses Vereines stattgefunden. Der Vorsitzende, Herr Dr. Bela T a u s s i g, eröffnete die Sitzung mit einer Trauerkundgebung für weilaud Seine Majestät Kaiser Franz Josef I. Er gedachte insbesondere der Errungenschaften auf bent Gebiete sozialer Fürsorge, lvie Altersversorgung. Jnvaliditäts- und Krankenversicherung und Kinderschutz, welche alle in die Regierungszeit dieses Kaisers fallen und zum großen Teile sich unter seiner kräftigen Förderung vollzogen. Sodann begrüßte der Vorsitzende die erschienenen Mitglieder und Gäste, namentlich Herrn Dr. I. Samuelti als den zur Generalversammlung delegierten Vertreter der Israelitischen Kültusgemeinde, die Vertreter der Israel. Humanitätsvereine „B'nai B'rith" „Wien", Herrn Dr. Wilhelm Knö p sin ach er, und „B'nai B'rith" „Eintracht", Herrn Ernst Simon. Die Herren Oberrabbiner Dr. M. bemann, Rabbiner Doktor Max G r u n w a l d, Rabbiner Dr. D. F e u ch t w a u g, ferner Reichsratsabgeordneter Dr. Julius Ofner, Domänendirektor Heinrich Glücksthal und S. Brod, Prä-