Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 47 (1.12.1916)
- Date
- 1916-12-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3022195-3022243--25588-3050899- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 786 Tr. Bloch's Wochenschrift , Nr. 47 Ärakau. Anläßlich des Ablebens unseres erhabenen Monarchen hat der Krakauer Kauftnännische Verein eine Tranersitzung abtzehalten. In tiefempfundenen Worten gedachte der Vorsitzende, Herr Samuel Spir a, des unermeßlichen Verlustes, welcher das Reich betroffen hat, und die tiefen Trauer, in der die Völker der Monarchie gehüllt find. Nach Absendung eines Beileidstelegrammes an die Kabinettskanzlei und den galizifchen Statthalter Exzellenz Diller wurde der Beschluß gefaßt, zu Ehren des Andenkens des verblichenen Monarchen 300 Kronen an die „Neue Freie Presse" zu senden, als Spende für den „Wiener Verein zur Rettung der israelitischen verlassenen Kinder Galiziens und der Bukowina". In WilhelntSLurg fand am Sonntag, den 26. November, im Tempel ein Trauergottesdienst statt, welchen: der hiesige Gemeinderat, Oberpoflmeister Franz Lackit c r, der Kommandant der Wasserleitungswache Oberleutnant Hoffmann, der Lehrkörper und viele Honoratioren beiwohnten und Religionslehrer Josef L ö w i nger die Gedenkrede hielt. Gründuntzsversammlung des Israelitischen Fmuenrereines für den 2. und 3. Bezirk. Dienstag, den 21. November, fand ün Sitzungftsaale der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien die von Freifrau Charlotte von Königswarter aW Ehrenpräsidentin der „Weiblichen Fürsorge" und Regine Ulmann und Frau Dr. Grunwald als Proponentinnen einberusene Gründungsversammlung des Jsr. Frauenvereines für den zweiten und dritten Bezirk statt. Baronin Königswarter eröffnete in ihrer liebenswürdigen Weise die Sitzung, worauf der Erste Vizepräsident der Kultusgemeinde, . Hofrat R a p p a p o r t, die Schaffung dieses Vereines der sich unter dem Schutze einer so edlen Wohltäterin gestellt, auf das lebhafteste begrüßte und ihm den Schirm der Kultusgemeinde und der Zentralstelle in Aussicht stellte. Regine Ulmann, als erste Anregerin, setzte die Notwendigkeit der Gründung trotz der schwierigen Kriegsverhältnisse auseinander; die zahlreichen in der Leopoldstadt so segensreich wirkenden Vereine, die heute hier vertreten seien, sind alle Spezialvereine, der gewesene Leopotdstädter Frauenverein hat sich in das so eminent wohltätige und notwendige Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenheim umgewandelt, besonders seit dem Bestände der „.Weiblichen Fürsorge" hat sich die Lück' fühlbar gemacht, daß gerade in diesem größten jüdischen Bezirke kein Verein für Armenpflege zu Gebote stand. Frau Dr. Grunwald erstattete das Referat über die Vorarbei e;i und entwickelte das Programm des Vereinesder in moderner Weise Pflegschaften über die einzelnen Familien übernehmen will und die Armenvslege beim Säuglingsschutz beginnen wird. So schwer es sei, in Kriegszeit einen derartigen Verein zu gründen, habe gerade der Krieg seine Notwendigkeit dargetan, auch unser erster Frauenverein sei im Kriegsjahre 1915 begründet nwrden. Frau Anitta M ü l l e r, stürmisch begrüßt, entwickelt in meisterhasten Worten ihr Programm. Der Verein wird nicht nur mit einmaliger Spende helfen wollen, die Damen werden alle Bedürfnisse der Familien im Auge behalten, Freundinnen und Beraterinnen der Verarmten werden. Sie denkt sich den Verein als ersten Ausgangspunkt eines Jüdischen Frauenbundes, der — nach Muster des katholischen — ganz Oesterreich umspannen und die jüdischen Frauen wenigstens organisieren, schwesterlich einen, den Behörden gegenüber als geschlossene Masse vertreten soll. (Stürmischer Beifall.) Es gelangt ein Begrüßungsschreiben der Frau Sarah v o n S t e r.n und ein warmer Begrüßungsbrief der schuhzentrale zur Verlesung, di? dem neuen Verein als Angebinde Hehn Paar Schuhe schenkt. Bon der Verlesung des Statutes, von welchem die Mitglieder gedruckte Exemplare in Händen haben, wird über Antrag des Herrn Dr. Josef Winternitz Abstand genommen und werden dieselben nach Vorlage genehmigt. Ueber Vorschlag des Herrn Gustav Planer wurden folgende Damen in den Vorstand des Vereines gewählt: Natane Be ran, Marta Bon di, Helene Bosch an, Ella Bose r, Emiüe B r ü ck, Jofejine C z u r i a, Berta D o nr eich, Olga F i s ch e r, Margarete F r i s ch, Rosa F u n r, Annie Goldber g e r, Margarete G r u n w a l d, Hermine Kadis ch, Klara K a m i n k a, Marie K a n n, Charlotte K i s ch, Irene K r a u s, Else K u r a n d a, Paula L c n g. Sofie Mandl, Regine May, Anitta Müller, Hermine Neumann, Marta Raditz, Melanie Nie,Marie R ü b n e r, Erna Schwa r z -Hille r, Henriette S ch rv a r z, Marie Steiner. Dr. Max Grunwald begrüßt als Seelsorger de? Bezirkes voll Freude den neuen Verein, dessen Notwendig keit er in seiner Stellung am meisten empfunden hat; mit geistvollen Sätzen aus dem Talmud feiert er in zum Teil launiger Weise die Verdienste wohltätiger Frauen. Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Leopold Brady (Rudolfsbund) bittet gleichfalls, dem neuen Verein alles Interesse zuzuwenden. Es wird hierauf der Gründ u n g s b e i t r a g mit 50, der Stifte r b e i: r a g m i r 300, der Mitgliedsbeitrag mit 5 K rone n festgesetzt, gegenwärtig sind schon 37 Gründerinnen und 162 Mitglieder angemeldet. In ergreifender Weise schließt Frau Ulmann die Versammlung, indem sie verkündet, daß in allen Tempeln der Gemeinde soeben Bittgebete für Erhaltung des Lebens des Kaisers Franz Josef abgchalten werden, und. sie ersucht die Anwesenden, ihr Flehen mit diesen Gebeten zu vereinigen. Lebhaft war die Befriedigung aller Anwesenden über die neueste Schöpfung der „Weiblichen Fürsorge". Wir bemerkten unter den zahlreich Erschienenen: Prof. S. Ehr m a n n, Kultusvorsteher Cmanuel Grünwa l d, Rabbiner Dr. Krame r. Sekretär Dr. Adler, Frau Sofie Grünfeld, Hermme Kadisch, die Präsidien sämtlicher der „Fürsorge" angeschlossenen vierzig Vereine, Frau Cäcilie F r a n^k l und käis. Rat Krüger vom „.Lehrmädchenhort". Simmeringer Verein (Frau Josefine Mansfeld), Herren R e i m a n n und S i g a l l, Brody, Herr Markus (,.Beth- Hatnesched"), die Vertreterinnen des neuen Vereines ustv. Inzwischen hatte sich der Vorstand konstituiert und Frau Dr. G r u n w a l d zur Präsidentin, Frau Anitta M ü l l e r und Hofrätin Elsa. Kur and a zu Vizepräsidentinnen, Frau Dr. Kami n k a und Sofie Mandlzu Schriftführerinnen, Frau Natalie Beran und Olga Fischer zu Kassierinnen, Frau Stefanie Schei n und Frl. Emmy Kohn zu Revisorinnen ernannt. Es steht zu hoffen, daß es so bewährten Kräften gelingen wird, den neuen Verein in rascher und großzügiger Weise auf das Niveau seiner älteren Schwesterverein-e Zu heben. Jeder Bewohner der beiden Bezirke eile herbei und gebe sein Scherflein zu diesem Werk der Nächstenliebe. Wien. Im geschäftlichen Teile der Sitzung des erweiterten Exekuvikomitees erstattete das Mitglied des E.-A.-C. Herr Dr. Arthur Hantle ein beifällig aufgenommenes Referat über die Ergebnisse seiner Informationsreise nach Galizien, insbesondere wach Krakau und Lemberg. Es schloß sich an dieses Referat eine anregende Diskussion, an welcher eine Reihe von Mitgliedern des Exekutivkomitees sowie von Vertrauensmännern teilnahinen. Die Frage der Fürsorge für die Kriegswaisenkinder