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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-12-01 · 47 (1.12.1916) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
47 (1.12.1916)
Date
1916-12-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 47 £r. Bloch's Wochenschrift Seite 78b Es wurde, entsprechend den stets betätigten Absichten des verblichenen Monarchen, die Gründung eines Erinnerungsfonds zur Ausspeisung Bedürftiger am Todestage unseres unvergeßlichen Kaisers beschlossen. Die „Weibliche Fürsorge" veranstaltete am Sonntag, den 26. November, im schwarzdrapierten und mit der umflorten Kaiserbüste gezierten Saale der Israel. Humanitätsvereine, 1. Bezirk. Universitätsstraße 4. eine Trauerkundgebung, der die Präsidien sämtlicher angeschlossenen Vereine, Baronin Irma M a y e r - K e t s ch e ndorf, Frau Sarah von Stern, Hofrätin Else Kura n d a, die Herren Kultusvorstandsinitglied Emanuel Grünw ald, Rabbiner Dr. Feuchtwang und Doktor Grunwakd, Herr Josef May und der Gesamtvorstand der „Fürsorge" anwohnten. Freifrau Charlotte von Königswarter eröffnete die Trauersitzung, worauf Regine Ulmann eine tiesergreifende Gedenkrede hielt, welche alle Anwesenden stehend anhörten. Eine Beileidsdepesche mit den Unterschriften sämtlicher Anwesenden wurde an das Allerhöchste Hoflager abgesendet. Am 24. Noveniber versammelte sich der hier amtierende Vorstand der israelitischen Kultusgern e i n d e C z e r n o w i tz zu einer außerordentlichen Sitzung, bei welcher aus Anlaß des Heimganges unseres geliebten Kaisers der Vorsitzende, Landtagsabgeordneter Dr. N e u m a n n - We n d e r, einen ergreifenden Nachruf hielt, der stehend angehört wurde. Es wurde der Beschluß gefaßt, die Kundgebung in das Protokoll auszunehmen und nachstehendes Telegramm im Wege der Bukowinaer k. k. Landesregierung an das Allerhöchste Hoflager zu leiten: „Tief erschüttert beklagt die Judenschaft der Bukowina den Heimgang unseres unvergeßlichen, großherzigen Monarchen und bittet, den Ausdruck innigsten Beileides sowie die Erneuerung des Gelöbnisses unverbrüchlicher Treue und Anhänglichkeit an das angestammte Kaiserhaus an die Stufen des Allerhöchsten Thrones geleiten zu wollen. Czernowitzer israelitische Kultunsgemeinde. Dr. Wender." Der Vorstand der Kultusgemeinde Lemberg entsand zur Leichenfeier Seiner Majestät des Kaisers und Königs Franz Josef eine Deputation, bestehend aus den Herren: Präsident Dr. Simon Schaff, kais. Rat Jakob Weis e r, kais. Rat Philipp N a t h a n s o n und Rabbiner Doktor Samuel Gutmann. In Baden bei Wien berief zu einer Trauersitzung der Präsident der israel. Kultusgemeinde, Herr Moriz Leitner, für Donnerstag, den 24. November, 5 Uhr abends, den Gesamtvorstand Zusammen. An derselben nahm auch Herr Oberrabbiner W. Reich teil. Beide, der Herr Präsident wie der Herr Oberrabbiner, haben in warmen und tiefgefühlten Worten der Trauer Ausdruck verliehen. In der Sitzung wurde beschlossen: 1. Sonntag, den 26. November, 5 Uhr abends, im .Tempel einen Trauergottesdienst abzuhalten; 2. alljährlich am Sterbetage des verstorbenen Kaisers ein Seelenlicht im Tempel anzuzünden; 3. sollen am Begräbnistage Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef I. 200 Kronen an bedürftige Soldaten verteilt werden. — Sonntag — bei Abhaltung des Trauergottesdienstes — )üXe den schwarz dekorierten Tempel eine immens große Menge von Andächtigen. Mann an Mann stand sie und lauschte in tiefster Ergriffenheit den Worten des Herrn Oberrabbiners W. Reich, der ein Bild vom verewigten Kaiser entwarf, das unvergänglich im Geiste aller Anwesende!: bleiben wird. Den gesanglichen Teil des Trauergottesdienstes brachte Herr Oberkantor Ferdinand Jura zum Vortrage. Mit seiner klangvollen Stimme rezitierte er die Trauervsalmen und das El mole rachamim. Anwesend waren: der Gesamtvorstand der israelitischen Kultusgemeinde mit dem Präsidenten Herrn Moriz Leitner an der Spitze; ferner der Bürgermeister der Stadt Baden Dr. Franz Trenner, Ge: emlstabsarX Dr. S ch ul^r; in Vertretung der Bezirkshauvtmannschaft Dr. Buchs bäum und Frekwillig, Herr Major Scheuer, Fachschulinspektor Professor Dr. Pawel als Vertreter des Landes- und Oberrealgymnasiums, Herr Volks- und Bürgerschuldirektor Franz Martin und viele Offiziere der Garnison. Nach Schluß des Trauergottesdienstes drängte sich alles zu dem Herrn Oberrabbiner, um demse.ben für seine vorzügliche gottesdienstliche Leistung zu danken. In St. Pötten wurde am Sonntag. den 26. November, vom Kultusvorftande im Sitzungssaale der Kultusgemeinde eine Trauersitzung abgehalten, während deren Verlauf der Kultusvorf'eher Albert Leicht in Worten tiefsten Empfindens der Trauer um den verblichenen Monarchen Ausdruck gab. Es ivurde auch beschlossen, im Wege der hiesigen k. k. Bezirkshauvtmannschaft eine Trauerkundgebung an die Stufen des Allerhöchsten Thrones gelangen zu lassen. Im israelitischen Tempel in Linz wurde Sonntag, den 26. November, um 1k Uhr vormittags, ein feierlicher Trauergottesdienst abgehalten, dem anwohnten seitens der n.-ö. Statthalterei Hosrat Graf Rudolf A t t e m s, Rechnungsdirektor kaiserlicher Rat Donath und Baurat. Stern, seitens des Stationskommandos Platzkommandant Oberst Reisegger mit einer Offiziersaöordnung, jder Bürgermeister pon Urfahr Dr. H i n s e n k a m v, die Vorstandschaft der israelitischen Kultusgemeinde mit ihrem Präses Herrn B. Schwa g e r an der Spitze, viele Mitglieder der Gemeinde und hier in Garnison befindliche Offiziere und Mannschaften jüdischer Konfession. Die Bundeslade und die sie umgebende Einfriedung waren schwarz verkleidet. Mit einem Trauergesange des Temvelchores und weihevollen Gesängen des Oberkantors L ö - wenfohn wurde der Gottesdienst eingeleitet, worauf Rabbiner Friedmann eine ergreifende Gedenkrede hielt und ein Kaisergebet sprach. Unmittelbar darauf hielt der Vorstand eine öffentliche Trauersitzung ab. Präses Herr Benedikt Schwageerrichtete an die Versammlung eine herzliche Ansprache, schildernd den Schmerz der Völker Oesterreichs beim Hinscheiden dieses geliebten Monarchen und fuhr dann fort: „Geliebt von allen seinen Völkern dieses weiten Reiches, haben speziell wir Juden alle Ursache, seinen Heimgang lies zu beklagen, denn unter seiner Regierung ward uns die lange entbehrte Gleichberechtigung zu Teil. Jeder konnte seine geistigen und physischen Fähigkeiten entfalten und Glaubens- und Gewissensfreiheit ward proklamiert." „Der herrliche Bau des im Jahre 1867 geschaffenen Staatsgrundgesetzes war wohl im Laufe der Zeiten häufig der Gegenstand politischen Kampfes und oft drohte derselbe von seiner herrlichen Fassade, in seiner Schönheit Einbuhe zu erleiden. Allein Kaiser Franz Josef stand aus hoher Warte und sorgte dafür, dah er nicht in seinen Grundfesten erschüttert werde. Dafür sind wir Juden ihm auch stets dankbar geblieben und hielten Stand im edlen Wetteifer mit unseren Mitbürgern. Den Satz in unserer herrlichen Volkshymne: „Gut und Blut für unseren Kaiser, Gut und Blut für unser Land", können wir unter allen Umständen für uns in Anspruch nehmen. Dem gerechten und weitblickenden Monarchen entging diese Hingebung nicht, und genau aus den Tag, werden es morgen acht Jahre, als Kaiser Franz Josef anläßlich seines 60 jährigen Regierungsjubiläums den Repräsentanten der österr.-israel. hauptstädtischen Kultusgemeinden auf die Ansprache des greisen Präsidenten der Wiener Kultusgemeinde antwortete: »Ich weih Ihre Liebe und Anhänglichkeit an mich und an mein Haus zu würdigen. Ich schätze Ihren Familiensinn und Liebe zum Wohltun." Wahrlich goldene Kaiserworte, geeignet, in dem Herzen eines jeden österreichischen Juden verewigt zu werden." „Wie seine persönliche Gestalt überragen 'war, so war es auch seine Denk- und Handlungsweise. Und wenn es in unseren Psalmen heiht:2"UK Kntomnr .Tiv o h K r>ros Rilvo» m psen (Der Gerechte blüht empor, wie die Zedern des Libanom), so konnte dieser Satz auf ihn Anwendung finden. Wir aber, die wir in Wehmut zurückgeblieben, wir geloben in. dieser weihevollen Stunde, dah wir sein Vermächtnis Hochhalten und dah wir seiuem Thronerben, das fein wollen, das wir ihm zu aller Zeit waren: „Treue Untertanen für und für." Jeder treue Jude seichnet die fünfte Kriegsanleihe

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