Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 39 (29.9.1916)
- Date
- 1916-09-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 39 Tr. Bloch's Wochenschrift 100 Kilogramm, Sublimat 50 Kilogramm, Acid Carbolic 150 Kilogramm, Lysol 50 Kilogramm, Bismut^h-Salizyl 25 Kilogramm, Opium 5 Kilograium, Spiritus «90 °o; 100 Kilogramnr, Kampfer *25 Kilogramm, C o r - t e x d e q u i u a u i n 100 slilogramm. Dieps Ouanium ijt nach Ansicht der Sachverständigen eminent notwendig. Die gesperrt gedruckten Meditamente sind überhaupt nicht erhättlich. Größeres und Wichtigeres tarrn es jetzt faum geben." Für die religiösen Bedürfnisse der österreichischen jüdischen Kriegsgefangenen in Italien hat unser Zentralkomitee in der Schweiz bisher namhafte Beträge aufgewendet. Auch für die bevorstehenden hohen Feiertage ivird von ihnen zu demselben Zwecke drirrgend nur größere Geldmittel ersucht. Wir wenden uns deshalb an unsere Glaubensgenossen mit der Bitte, gütige Spenden hierfür ehestens an das Zentralkomitee vom Roten Mögen Dovid (Dr. M. Erlange r, Luzern) oder an die Redaktion dieses Blattes senden zu wollen. Oesterreichisches Landeskomitee vom Roten Mögen Dovid. Dr. Max Grunwald, Jacques Brichta, Rabbiner. Direktor. Dr. Julius Schlag, 1 k. Hofrat. Aufruf. Wie alljährlich, so soll auch dieses Jahr die Kinderlesehalle des Elternvereines „Pestalozzi" wieder beginnen. Diese Lesehalle, die einzige derartige Institution in Wien, ist der Lieblingsaufenthalt der Schuljugend genwrden. Wie die Kinder des morgens zur Schule strömen, so sieht man sie nach der Unterrichtszeit in Scharen dieser Erholungsstätte zuwandern. Nicht nur, daß es den Kindern erspart bleibt, sich auf der Straße auszuhalten, finden sie hier reichliche Anregung ihrer geistigen Anlagen. Durch das Lesen guter, gehaltvoller Bücher und durch die Erklärung des Gelesenen seitens der Aufsichtsperson wird der Gesichtskreis der Kinder gebildet und erweitert. Da jedoch dein Elternverein „Pestalozzi" nicht genügend Mittel zu Gebote stehen, die notwendigen Räumlichkeiten sowie die nötigen Bücher, - welche eine solche Kindermenge beansprucht, herbeizuschasfen, erlaubt er sich an die verehrten Leser und Leserinnen dieses Blattes, die höfliche Bitte zu richten, den Verein mit Geldspenn den und'Büchern zu unterstütze^,; . . . In der fcftcit Ueberzeugung, nicht umsonst an den Edelmut der geschätzten Damen und Herren appelliert zu haben, zeichnet hochachtungsvoll für den Vorstand: Arnold L e m b e r g e r, Präsident. Oberlehrer Jakob K o h n, Schriftführer. Geldsendungen mögen gütigst an die Administration dieses Blattes oder an die „Nene Freie Presse" gerichtet werden, welche von dieser veröffentlicht werden. ' Bücherspenden mögen direkt an die Kanzlei des Vereines, 2. Bezirk, Große Sperlgasse 32, gesendet werden. Tie akademische Würde Tr. Baranyis. Seit einiger Zeit bereits ivird in wissenschaftlich ärztlichen Kreisen Wiens eine Affäre erörtert, i\i deren Mittelpunkt der Nobel-Preisträger für Medizin in: Jahre 1915, Dozent Dr. Sara n y i, steht. Man erzählt nämlich, daß das Professorenkollegium der medizinischen Fakultät, in Wien dem Gelehrten den Titel eines außer- IciteWo ordentlichen Professors verweigert hat. Nun hat sich dieses gewiß nicht gewöhnlichen Falles auch die Fl ns landspresse bemächtigt. So weiß das „Berliner wageblatt" ans Wien zu berichten, daß das Wiener Pro fessorenkollegium in seiner letzten Sitzung, in der es sich mit der Ernennung zu Professoren beschäftigt hat, den Nobel-Preisträger Dr. Robert Barany i aus 5'runden abgelehnt hat, die mit den wissenschaftlichen Arbeiten Barany iS in Zusammenhang stehen. Die Affäre erregt, wie das genannte deutsche Blatt hinzufügt, begre istich e rwe ise Äu ssehen. Soweit das Berliner Blatt. Dle Affäre erregt in weiten Kreiselt berechtigtes Aussehen. Denn die wißen schriftliche Bedeutung der Wiener Fakultät in Ehren, i'.l wissenschaftlichen Fragen gibt es aber keine höhere Instanz als das Nobel-Preisrichterkolleginm. Jeder, der weiß, unter welchen Umständen die Prämiierung eines Gelehrten, besonders eines Vertreters der exakten Wissenschaft, zustande kommt, wird es zumindestens höchst verwunderlich finden, daß ein Kollegium von anerkannten, Weltruf genießenden Gelehrten aus aller Herren Ländern einen jungen Wissenschaftler des höchsten ivissenschaftlichen Preises für würdig erachtet, daß die Wiener medizinische Fakultät demselben Gelehrten wenige Wochen nachher den — Titel eines außerordentlichen Professors verweigert. Aber Barany i ist nicht nur Träger des Nobel Preises. Er wurde wiederholt ausgezeichnet. Ter internationale Kongreß der Ohrenärzte verlieh in Budapest 1909 beit berühmten Leuval Preis für die beste Arbeit auf ototogifchem Gebiete. Dielen Preis erhielt damals Professor Neu mann. Aber der Kongreß fügte eine Bemerkung hinzu: Er bedauere, daß es nicht zwei Preise gebe, sonst müßte dem zweiten »Preis Dozent Robert Barany i erhalten.' In Boston wurde Barany i für die beste Arbeit auf ototogifchem Gebiete mit dem vom hiesigen Gelehrten Pollitzer gestifteten Pollitzer Preis ausgezeichnet: in Brüssel wurde eine seiner Arbeiten von der Akademie mit dem höchsten Preise gekrönt: er erhielt von der Deutschen neurologischen Gesellschaft die Erb- Medaille für die beste Arbeit auf neurologischem Gebiete, ferner den Gyot-Preis für die beste otologische Arbeit dorr der holländischen Universität Groningen. Nein, Bara nyi hat es nicht nötig, ans die Anerkennung der Wiener medizinischen Fakultät zu warten, die seit der Semmel weiß-Afsäre nichts gelernt zu haben scheint und sich noch immer in dem Wahne wiegt, über die Große und das Genie jedes Bewerbers in einem geheimen Femgericht entscheiden zu können. Die Abstimmungen des Wiener medizinischen Pro fessorenkollegiums sind geheim. Stillschweigen über die Gründe der Ablehnung ist Ehrenpflicht. So kann jeder der Richter mit den Achseln zucken, wenn er über die Gründe der Ablehnung befragt ivird, und sich ans die pflichtgemäße Diskretion berufen. Aber dieses Verfahren, das soviele Bequemlichkeit bietet, hat den Nachteil, daß der Angegriffene sich nicht verteidigen kann. Er ist Angriffen ans seine „wissenschaftliche Ehre", wie sie solche Ablehnungen naturgemäß in sich bergen, wehrlos ans geliefert. Wir erinnern uns aus früheren Jahren an den Fall des Dr. Mar Eitetberg, zufällig auch eines Assistenten des Professors Urban tsch itz. Er reichte um die Dozentur ein und wurde trotz höchster wissenschaftlicher Oualifikation abgeiviesen. Ein wehrhafter Mann, der über eine glänzende Feder verfügte, stellte er sich in einer Broschüre geaen dies Votum und r^-f die Oeffentlichkeit an. Das Resultat? Die akademische Karriere war ihm für alle Zeiten verschlossen. Er wnrde nie mehr Dozent, trotzdem er eine Reihe der wertvollsten Arbeiten und sogar ein Lehrbuch der Ohrenheilkunde publizierte.