Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 39 (29.9.1916)
- Date
- 1916-09-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 644 Tr. Bloch's Wochenschrift Nr. 59 Freitag, den 29. September 1916, von 7—12 Uhr vormittags; Freitag, den 6. Oktober 1916, von 5—8 Uhr nachmittags; Samstag, den 7. Oktober 1916, den ganzen Tag. Da das Neujahrsfest und der Versöhnungstag die heiligsten jüdischen Feste sind, der Gottesdienst den grüßten Teil der Zeit ausfüllt, sind alle jüdischen Soldaten^ auch die landsturmpflichtigen Zivilarbeiter in Betrieben unter militärischem Kommando, wenn es der Dienst nicht unbedingt unmöglich erscheinen läßt, an diesen Tagen, insbesondere am Versöhnungstage, dienstfrei, bezw. stationsfrei zu belassen. Der Versöhnungstag ist ein strenger, von jedem gläubigen Juden beobachteter Fasttag. An diesem Tage, d. i. Samstag, den 7. Oktober 1916, darf der jüdischen Mannschaft die Menage nicht am Mittag, sondern erst nach Beendigung des Festes! verabfolgt werden. Diese Verordnung findet auch sinngemäße Anwendung auf die Kriegsgefangenen und die Professionisten des Austauschkaders jüdischer Konfession. Ausruf. Unsere Glaubensbrüder im Heiligen Lande sind infolge des Krieges und verheerender Seuchen (Cholera, Flecktyphus u. a.) mit dem Untergange bedroht. Diesen Aermsten der Armen rasche Hilfe zu bringen, hat sich die ^Hilfskommission für Palästina" zur Aufgabe gemacht. 300.000 Kronen haben wir bereits durch das hohe k. u. k. Ministerium des Aeußern nach Palästina gesandt und durch unsere Konsulate an Ort und Stelle verteilen lassen. Hiervon wurden in erster Reihe die Ostgalizianer, Bukowinaer und Marmaroser mit Mehl und anderem Lebensunterhalt versorgt, weil diese von der Kriegsnot am härtesten betroffen worden sind, ferner wurden weit über200Kriegswaisen inSaftd allein in Pflege genommen, außerdem andere Arme in ganz Palästina ohne Unterschied der Staats- und Gemeindeangehörigkeit unterstützt, sowie verschiedene Wohlfahrtsinstitute und die in Wien zurückgebliebenen Palästinenser mit monatlichen Beiträgen bedacht. Für die Besserung der sanitären Verhältnisse im Heiligen Lande ist von uns die „KriegDspitalshilfe für Palästina" ins Leben gerufen worden. Wir bedürfen dringend weiterer Mittel und bitten alle Glaubensbrüder, bei den Spenden vor der Seserthora, besonders an den hohen Festen DT ♦i'UtPn ttwn min nnettfl jrötr .mio .msD auch unsere „H ilfs - komMission für Palästina" zu bedenken. Gott lohne jede, auch die bescheidenste Gabe! Mit vorzüglicher Hochachtung £"!TC nD"Q1 Für die „Hilsskommission 1915 für Palästina": Dr. M. Grunwald Dr. Adolf Kapralik Rabbiner. Dr. Julius Schlag Oberrabbiner L8. Reich k. k. Hofrat. Raden. Adresse für sämtliche Zuschriften: Dr. Adolf Kapralik, Wien, IV., Frankenberggasse 14. Zahlstelle: für Oesterreich: Bankhaus S. M. von 3! o t h s ch i l d, Wien, I., Renngasse 3; für Ungarn: Magyar A l t a l a n o s H i t e l - bank, Budapest; für Deutschland: Deutsche Bank, Berlin, Postscheck-Konto Nr. 1000 (auf Konto „Kriegsspitalshilfe oder Hilfskommission l9l5 für Palästina"). Kriegsspitalshilse für Palästina. 2. Bez., Obere Donaustratze 109. Von Berliner Universitä!sprosessoren führen wir die folgenden Urte'le über unser Unternehmen an: Von meiner Reife zurückgekehrt, finde ich Ihr Anschreiben vor und beeile mich, Ihnen gegenüber auszudrücken, wie sehr mich das große Werk, das Sie Vorhaben, interessiert. Ich glaube, daß es ein Segen wäre, wenn für die alte Stätte der Kultur mehr in sanitärer Richtung geschehen würde als bisher. Zu diesen Ein-, richtungen gehört selbstverständlich die einer Klinik und Poliklinik, und ich würde mich freuen, wenn Sie mit Ihren Bestrebungen Erfolg hätten. Mit vorzüglicher Hochachtung Professor Dr. med. Blumenthal. Pros. Dr. med. Blumreich. Berlin W., 10./IX. 1916. Ich halte Ihr Unternehmen für ein außerordentlich segensreiches. Gerade nach zufällig in der letzten Zeit an mich gelangten Mitteilungen von Kollegen und Patienten aus Jerusalem und Umgegend scheint mir die Erfüllung Ihrer Bestrebungen dringendstes Bedürfnis zu sein. Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen, daß Ihre humanen Absichten von durchgreifendem Erfolg gekrönt sein mögen und werde im Kreise meiner Bekannten und Patienten nach Kräften für Ihre Bestrebungen eintreten. Hochachtungsvoll Dr. B l u m r e i ch. Der menschenfreundliche Arzt, der Palästina besucht, in Jerusalem geweilt, mit Sachverständigen gesprochen, die einschlägige ärztliche Situation gesehen hat, ist fest überzeugt, daß die Schaffüng von Kliniken und Polikliniken >in jenem ^unglücklichen, sverw ah i losten Lande seinem Bedürfnis entspricht und mit allen zu Gebote stehenden Mitteln aufs kräftigste gefördert werden soll. Julius Hirschberg, M.-D., _Professor zu Berlin. Als Ergänzung zu den in der vorigen Nummer abgedruckten Briefen des Herrn Direktors D. I e l l i n und des k. u. k. Konsulates itt Saffed an Herrn Dr. Grunwald mögen die nachfolgenden Zeilen dienen: (Aus einem Briefe des Herrn Rabbiners M. Groß, Geschäftsführers i. E. unseres von unserem Konsulat inIerusalem daselbst eingesetzten Verteilungskomitees.) „Jerusalem, 24.. Juni 1916. Woran es wirklich und in unbeschreiblicher Weise mangelt und was unaussprechlich dringend nottut, d. i. Medikamente. Ich! kann es Ihnen auf Grund zuverläßlichster Informationen sagen, daß die allernotwendigsten Medikamente, namentlich für Juden, überhaupt nicht mehr erhältlich sind. Die Aerzte sind hierüber ganz verzweifelt. Hunderte Menschen gehen in und außerhalb der Hospitäler elendiglich zugrunde, nur weil keine Arzneimittel vorhanden sind, womit sie zu retten, obgleich sie zu retten wären. Für manche noch vorhandene Medikamente werden unerhörte und unerschwingliche Preise verlangt. Es ist geradezu schrecklich. Wenn Euer Ehrwürden und Ihre geschätzten Mitarbeiter eine unendliche Wohltat üben wollen, so verschaffen Sie unverzüglich — denn eine jede versäumte Minute birgt Gefahren in sich — die Ausfuhrbewilligung für folgende von allen von uns zu Rate gezogenen jüdischen Aerzten und Apothekern zusammengestellte Medikamentenliste: Chinin 30 Kilogramm, Antiperin 5 Kilogramm, Jod 5 Kilogramm, Vaselin 50 Kilogramm,- Aspyrin 10 Kilogramm, G u m m i a r a b i k u M 20 Kilogramm, Rizinusöl 150 Kilogramm, S t a t r u m S u l f u r i c.