Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 39 (29.9.1916)
- Date
- 1916-09-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 646 Tr. Bloch'S Wochenschrift Nr. 39 Das neue Kultusregime in Lemberg. Mit Bezug auf unsere vorwöchentlichen Ausführungen, betreffend die Auflösung des Lemberger Kultusvorstandes, sei berichtet, daß mittlerweile die Ernennung des Regierungskommissärs in der Person des Herrn Dr. Emil Parnas, Präsidenten der „B'ne B'rith"-Log? in Lemberg, erfolgt ist. Als dessen Stellvertreter werden die Herren Dr. Hermann Feldstein und Tempelpräses Dr. Osias Wasser fungieren, dem Beirate gehören neun Mitglieder an, unter denen sich u. a. als Repräsentanten der zionistischen Organisation der bisherige Kultusrat Simon Oransz und der Vizepräses des galizischen zionistischen Zentralkomitees Dr. Michael Ringel befinden. Die Orthodoxie ist eigentümlicherweise, vielleicht dank dem ungestillten Mandatenhunger anderer Bewerber, nahezu ohne Vertretung geblieben, was gewiß nicht dazu beitragen wird, dem neuen Regime das Vertrauen der weiteren jüdischen Volksschichten zu sichern. Allgemeines Bedauern erregt auch der Umstand, daß der wegen seiner sehr rechtlichen und treu jüdischen Gesinnung allgemein geachtete Universitätsprofcssor Dr. Moriz Allerhand die Beiratswürde zurückgelegt hat. Wie verlautet, aus den: Grunde, weil er bei der Besetzung des Präsidiums übergangen wurde. Lebhafte Befriedigung findet die gleichzeitig erfolgte Ernennung des Üniversitätsprosessors Dr. Moses Schorr zum Vizepräses der Tempclverwaltung. Die konstituierende Sitzung der neuen Repräsentanz hat bereits stattgefunden. Möge ihre Wirksamkeit der jüdischen Gemeinde Leinberg und der jüdischen Sache in Galizien zum Segen gereichen. B . . . . Befreiung einer amerikanischen jüdischen Familie durch die Oesterreicher. Unter dieser Ueberschrift veröffentlichte die „Newyork World" in ihrer soeben angelangten Nummer vom 28. Mai einen ausführlichen Aufsatz mit Bildern, tu welchem die Befreiung einer amerikanischen jüdischen Familie, welche in Rußland weilte, aus den Händen der Kosaken geschildert wird. Herr und Frau Julius Schuwer samt Sohn — so schreibt die „World" — sind soeben aus Rußland, woselbst sie das Heim ihrer Eltern besucht hatten, nach Amerika zurückgekehrt und berichten über die ihnen zuteil gewordenen Mißhandlungen durch die Russen. Schuwer glaubte, daß der amerikanische Paß. welchen er für sich und seine Familie besaß, ihn vor allen Unbilden schützen würde; allein so oft er seinen Paß zeigte, schrien die Russen: „Zum Teufel mit den Amerikaner-::!" In dem Orte, in welchem er weilte, wurden die Christenhänser mit Kreuzen versehen und die jüdischen wurden bis auf die Mauern ausgeraubt und dann niedergebrannt. „Wir selbst wurden, trotzdem wir immer wieder unseren amerikanischen Paß vorzeigten, von den Kosaken mit vorgehaltenem Bajonett von Ort zu Ort getrieben, und so oft jemand ausglitt und niederfiel, stach der Soldat nach ihm, um ihn zu bewegen, rasch auszuspringen und wieder weiter zu laufen. Unter Tausenden von Russen, welche wir trafen, begegneten wir nur einen einzigen Russen, welcher überhaupt für eine Ansmache zugänglich war. Ich bat ihn auf den Knien, mich und meine Familie zu retten, und er erivirkte uns von seinem Hauptmanne, daß wir einen Wagen erhielten. Wir selbst haben Fälle gesehen, daß man alte Inden zwang, barfuß im Schnee zu gehen, und wiederholt begegneten wir Männer, deren Bärte an Pferdefchweise gebunden waren und fortgezogen wnrden. Mein Vater und meine Mutter star-ben infolge des Schireckens und der Entbehrungen: die Cholera brach ans und raffte im Orte meiner Eltern 40 -50 Personen täglich weg. die jedoch nicht beerdigt wurden- Man verlangte von den Dorfbewohnern 20.000 Rubel, und als dieselben nicht gezahlt werden konnten, verhängte man über die Unglück-ich? n Dorfbewohner bis zu 75 Knntenhieb?. Junge Mädchen mußten 24 Stunden unuitterbroch.nl arbeiten. Ich selbst hatte mich mit meiner Familie int Keiler verborgen; allein schließlich zwang mich der Hunger, hinauszugehen, und dies kostete mich beinahe mein Leben. Endlich kamen die O-esterreicher. Das »Knattern ihrer Gewehre war uns die süßeste Musik, die wir je hörten. Wir lagen auf unseren Knien und baten, daß die Oesterreicher siegen mögen. Eine furchtbare Schlacht fand statt, in welcher General Pflanzer-Baltin nach hartem Kampfe siegte, und sobald er in die Stadt eingezogcn lvar, ließ er die jüdische Bewohnerschaft zusaunnenrufen und hielt Ansprache: Wir alle brachen in ein dreimaliges Hoch auf Kaiser- Franz Josef und die österreichische Armee aus, daun wurden denjenigen, welche im Orte waren, Kleider gegeben und bedürftige Familietr mit mehr als fünf Personen erhielten 15 Kronen per Woche aus der österreichischen Militärkasse und gleichzeitig wurde mit dem Wiederausbau der zerstörten Wohnungen begönnert." Schn wer hatte hierauf keine Schwierigkeiten, durch die österreichischen Truppen nach Oesterreich zu gelangen, ltnb durch Vermittlung eines amerikanischen Botschafters erhielt er dann die Mittel von zu Hause, um mit seiner Familie nach Amerika zurückzukehren. Heilbäder in Palästina. In einem Aufsatz der „Naturwissenschaftlichen Wochen schrift" macht Dr. A. Fried mann auf die berühmten Thermalbäder Palästinas aufmerksam, die. größtenteils in dem vulkanischen Jordan-Gebiete liegen. Die hohe Temperatur dieser Bäder und ihre außergewöhnliche Lage — etwa 200 Meter unter dem Meeresspiegel — mach e r diese Bäder schon in der Zeit der Antike bekannt und berühmt. Neben den Bädern von Tiberius genossen noch diejenigen von Gadara und El Hammi, die im Winter so heiß bleiben wie im Sowrner, seit jeher hohen Ruhm und Bewunderung als Naturwunder. Ihre unvergle'ch^ lich schöne Lage, die noch heute inmitten allgemeiner Zerstörung von einstiger Schönheit kündet, und die Heilkraft ihrer Quellen machten sie zu den ersten Badeplätzen der alterr Welt, urrd auch heute noch suchen namentlich die Eingeborenen aus aller: Teilen des Landes durch diese Quellen Heilung und Hilfe. Die wissenschaftliche Untersuchung dieser berühmten Thermen ist für die Wirtschaftlich? Erschließung des Landes von hoher Bedeutung. Es ergab sich, daß die Temperaturen dieser palästinensischeil Quellen 58'7, 61'5 und 6t'9 Grad Celsius betragen. Das Thermalwafsec entspricht in seiner Zusammensetzung einer Lösung, die in einem Liter 32.298 Gramm Salz enthält, wobei Chlor und Natrium, sowie Sulfat und Hhdrocarbonationcn vorherrschen. Der hohe Salzgehalt und die Radioaktivität der Quellen sind besonders bedeutsam. Vermischtes. „Hilfskommission 1915" und „Oesterreichifches Lanv.s konntee" für Palästina. Wien, 4. Dez., Frankenberggasse 14. Sammlung Rabbiner Markus Diamond und Kultusvorsteher Menachim Kohl, Kamiouka-Stromolowa, Kr. 130.—; Lederfabrik Wilhelm Freund, Marburg a. Drau, (2. Spende). Moritz Haas, Kutjevo, je 50.—; Regierungsrat Dr. S. Frankfurter, Wien,