Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 30 (24.7.1914)
- Date
- 1914-07-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Dr. Bloch's Wochenschrift N ' 30 . Seite 522 Die russischen Adeligen für eine Haftpflicht des Staates bei Pogromen. Der Zentralrat des Verbandes der russischen Adeligen hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, der Regierung einen Gesetzentwurf behufs Unterbreftung in der Duma vorzulegen, . in welchem ausgesprochen wird, daß der Staat für die bei Pogromen entstandenen Schäden den Beschädigten gegenüber haftpflichtig ist. Der Beschluß entspricht der Furcht vor den drohenden Bauernrevolten auf den adeligen Besitzungen, und der Antragsteller gab dem auch dadurch Ausdruck, daß er beantragte, daß die Haftpflicht des Staates sich nur auf die Dörfer beziehen möge. Mehrere Adelige sprachen sich gegen diese Einschränkung aus und wiesen darauf hin, daß im Grunde genommen die Pogrymgefahr in den Städten größer sei als in den Dörfern. Schließlich wurde der weitergehende Antrag ohne jede Einschränkung angenommen. Ob die Regierung sich veranlaßt sehen wird, den Gesetzentwurf sich zu eigen zu machen, bleibt noch abzuwarten. Verband der orientalischen Juden in Newyork. Vor kurzem fand in Newyork die Jahreskonferenz des Verbandes der orientalischen Juden in Amerika statt. Dem Berichte ist zu entnehmen, daß gegenwärtig ungefähr .1.5.000 in Amerika lebende orientalische Juden dem Verbände angehören. - Interessant ist, daß nicht alle diese Juden, die aus Spanien stammen, fpaniolisch sprechen. In dem Verbände sind aus diesem Grunde alle im Orient üblichen Sprachen: griechisch, arabisch, rumänisch und. fpaniolisch sowie verschiedene andere Dialekte vertreten. Daraus ergeben sich für die Verbandsleitung nicht geringe Schwierigkeiten. .Der Verband erhält eine Anzahl .Talmud-Thoraschulen und legt das größte Gewicht; darauf, seine Mitglieder so rasch als möglich zu ameri- "Tanisieren und ihnen vor allem die Kenntnis der englischen Sprache beizubringen. Der Verband beschloß schließlich den hervorragenden Gelehrten Rabbi Abraham Galante als Chacham Baschi der in Amerika lebenden orientalischen Juden nach Newyork zu berufen. Wassermangel in Jerusalem. Das aschkenasische Zentralkomitee in Jerusalem versendet den folgenden telegraphischen Hilferuf: Wir befinden uns in einer ernsten Wassernot. Der Vorrat wird kaum für einen Monat reichen. Das Wasser muß daher von ferngelegenen Quellen beschafft werden, was mit unendlichen Kosten verbunden ist. Wir werden in der Lage sein, höchstens ein Drittel der hieraus entstehenden Kosten selbst zu tragen, aber auch dieses übersteigt fast unsere Kräfte. Im Namen der armen Juden in Jerusalem bitten wir um dringende Hilfe, damit die Kalamität, deren Folgen, gar nicht abgesehen werden können, rechtzeitig abgewehrt werde. Vermischtes. Wien. (Auszeichnung.) Der Kaiser hat den Oberinspizienten am Hofoperntheater, Heinrich Fried, anläßlich seines Schechens aus dem Aktiv verband in Anerkennung vieljähriger treuer Dienste das goldene Verdienstkreuz mit der Krone allergnädigst zu verleihen geruht. Wien. (Verlobung.) Fräulein Charlotte Blau, Tochter des Herrn Philipp Blau, Obmann des Vereines „Kinderstütze" für den XVI. und XVII. Bezirk, hat sich mit Herrn Hugo Rubin stein, k. k. Postbeamter, verlobt. Rabbiner I. L Abeles s. A. Montag den 13. Juli 1614 fand unter überaus großer Beteiligung weitester Kreise der hiesigen Gemeinde die Beerdigung Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners I. L. Abeles statt. Der Verblichene verkörperte den immer seltener werdenden Typus, in welchem aUjüdischcs Lamdonus. umfassende Kenntnis des ganzen talmudischen Gebietes mit moderner theologischer Bildung und profaneni Wissen vereint war. Ein Enkel des berühmten Rabbi Moses P e r l e s in Eisenstadt, erbte er dessen scharfe talmudische Dialektik, welche er auch in seinem vor einigen Jahren erschienen Responsenwerke NUN* das in der talmudischen Welt allgemeine Anerkennung fand, bekundete. Nachdem er über drei Jahrzente als Rabbiner in Ungarn wirkte, bekleidete er im letzten Dezennium die Stelle eines Rabbiners in dem konservativen Tempelvereine „Am Bolkert" in Wien, wo er sich durch seine seltene Pflichttreue, seine an die Magtdim der altklassischen Zeit erinnernde Kanzelberedsamkeit allgemeiner Beliebtheit erfeute. Sprichwörtlich und stadtbekannt war seine grenzenlose Bescheidenheit und seine das eigene Wohl und das eigene Interesse hi.rtansetzende Friedensliebe. Die allgemeine Hochachtung und Wertschätzung, deren sich Rabbiner Abeles in Wien erfreute, kam auch bei den würdevollen, von echt jüdischem Geiste durchwehten Beerdigungsfeierlichkeiten zum Ausdrucke. Nachdem im Trauerhause der Sohn, Herr Rabbiner Doktor Armin Abeles, in bewegten Worten von dem ausgezeichneten „Vater und Lehrer" Abschied nahm, wurde der Sarg nach dem Pazmaniten- Tempel getragen, wo der Obmann desselben, Herr Adolf S ch r a m e k, die Wirksamkeit des verdienstvollen Seelsorgers würdigte und Herr Rabbiner Dr. Moritz Bauer, der Schwiegersohn des Verblichenen, einen vom Herzen kommenden Hesped hielt. In der Zeremonienhalle des Zentralftiedhofes widmete Se. Ehrwürdcn Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald dem hochbegabten, Talmid Chochom innige Worte liebevollen Gedenkens. Die kantoralen Auktionen versahen Oberkantor Josef Giblichmann und Kantor Stift in ergreifender Weise. Ain offenen Grabe verabschiedete sich das Vorstandsmitglied Herr Samuel Adler namens des Vereines von dem treuen Hirten. Als wir den „guten Ort" verließen, hatten wir die Empfindung, um einen ,-irn Sriite‘r Motdtzn" zu sein. : Wien. (Silberne Hochzeit.) Am 14. b. M. feierte der Obmann des Allgemeinen Krankenimb Unterstützungs-Vereines „Monte siore", Herr Bezirksrat Edmund Hofmann mit seiner Gemahlin das Fest seiner silbernen Hochzeit. Dies gabdem Vorstande Veranlassung, dem Genannten die besondere Wertschätzung, deren er sich nicht nur in den Kreisen der Mitglieder, sondern auch im Schoße des Vorstandes erfreut, in einer schriftlichen Kundgebung zum Ausdrucke zu bringen. Bezirksrat Hofmann fungiert seit nunmehr 20 Jahren als Vorstandsmitglied des Vereines und hat seit ungefähr 8 Jahren die oberste Leitung desselben als Obmann inne; unter seiner Aegide wurden im Rahmen des Vereines verschiedene Wohlfahrtseinrichtungen geschaffen, deren außerordentlich humane Tendenzen allseitige Anerkennung fanden. Wien. (Spenden.) Für den jüdischen Kleingewerbetreibenden D. L. (Vide Aufruf Nr. 26) sind uns von Herrn I. H. Bittermann, Brünn, Kr. '2.—, „Ein Lehrer" Kr. 1.—, Komm.-Rat Emil Czeczowicka, Wien, Kr. 5.—, I. B., Brünn, Kr. 2.— zugekommen. Dr. I. L. Braun Kr. 5.—. Durch Herrn Karl Löwy, XXI., Franz Zieglergasse gesammelt: Chewra Chonen dalim Kr. 5.—, Chewra-Kadischa XXI., Kr. 5.—, Steinschneider Kr. 3.—, Therese . Grünwald Kr. 2.—, Deutsch Kr. 2.—, Kohn Kr. 2.—, Kohn, Lederhändler Kr. 2.—, D. Haas Kr. 2.—, Zilzer, Herzka. Sueka, I. Glaser, Kronowitz, Lazar, Goldschmidt, Eisinger je Kr. 1.—, S. Meininger Kr. 2.—, Schuh Kr. 0.50, Selchwarenfabrik Lazar Kr. 3.—, Moriz Ellinger Kr. 2.—, I. Schulhof Kr. 2.—, Hrubiczek Kr. 1.—, Perschak Kr. 1.—, Frau Rosenbaum, Enzersdorf Kr. 1.—, Frankl Kr. 0.60, Karl Weiß Kr. 0.60, Jakob Weiß Kr. 0.60, Mandl "'Kr. 1.—.