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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-07-24 · 30 (24.7.1914) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
30 (24.7.1914)
Date
1914-07-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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623 Nr.3.o Dr. Blocks Wochenschrift Aaitritie aa« Jvdeaiiun. Vom 12. Juli bis 18. Juli 1914. Alt Charlotte;: Sängerin, geb;-28. September 1886, Wien, XV11I.» ' Häin^äus räßß 23 Hermann Ivssk, Direktor, geb, 9- Juni 1882, Tiflis, Rußland, VII., / Lerchenfelderstraße 31. Jung Hane, geb. 3. März 1914, Wien, VII., Lerchenfelderstraße 9—11. Lackehbacher Anna, Schauspielerin, geb; 25. September 1893, Triest, VIII., Bennoplatz 6. Löwy Friedrich Ernst, Abiturient, geb. 19. November 1895, Wien, XIX., Hauptstraße 79. Mbsarek geh. Jung Hermine, Private, geb 20. Juli 1880, Galatz, ■r.i Rumänien, VII., Lerchenfelderstraße 9—11. Sachsl geb. Winter Hedwig, Private, geb. 4. April 1872, Wien, ... I., Wipplingerstraße 24. Schmidt Mäx, k. k. Ribhter, geb. 28. September 1879, Radautz, II., Kleine Stadtgutgasse 14. Schwarz Wanda Henriette, Private, geb. 2. April 1892, Lemberg, , XIX., Hasenauersiraße 10. Sewald geh. Ellenberger Laura, Private, geb. 19. März 1856, Szegedin, \ Ungarn, XIX., Hohe Warte 44. Stern Hilda, Privatbeamtin, geb. 5. Oktober 1886, Wien, II,, Untere-; Augartenstraße 26. Vogel Rosa, Kontoristin, geb. 30 Juli 1892, Wien, V., Jahannag, 42, Wechemsnn Martha, geb. 8. Juli 1891, Brünn, X., Gudrunstr. 140,. - Mähr.-Ostrau. Donnerstag, den 23. d. M., vormittags 10 Uhr, fand im großen Festsaale der Wiener, Universität die Promotion des Herrn Max Kläger zum Doktor der Rechte statt. Dr. Kläger ist der älteste Sohn unseres allgemein geschätzten Kantors und Kultusgemeindesekretärs R. Kläger und ist 22 Jahre alt. Der Familie Kläger kamen aus diesem Anlasse zahlreiche Gratulationen zu. Deutsch-Bxod. (Rabbinerwahl.) Auf Grund eines vor einigen Wochen von Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. Leo B er tis ch, Rabbiner in Ledetsch, hier .abgehaltenen Probevortrages wurde derselbe vorige Woche bei einer Vorstandssitzung zum hiesigen Rabbiner gewählt. Der Amtsantritt erfolgt am 15. August a. c. Ujvidek (Neusatz). Herr Leo Z o l d a n, Oberkantor aus Baden, wurde, nachdem er am 11. ds. einen mit großem Beifall aufgenommenen Probevortrag abgehalten hotte, in der tags darauf stattgefündenen Plenarsitzung des Kultusvorstandes einstimmig zum Oberkantor unserer Gemeinde, gewählt. Kartstadt. In Villach in Kärnten ist der Vizepräses der Karlstädter israelitischen Kultusgemeinde, Herr Samuel Kramer, am 12. d. M. im Alter von 70 Jahren plötzlich verschieden. Ihn Beisein einer großen Trauerversammlung fand Donnerstag, den 16. d. M, in Karlstadt die Leichenfeier statt. Nach dem rituellen gesanglichen Teil trat Oberrabbiner Dr. Bernhard Schik vor die Bahre und würdigte in seiner Grabrede in innigwarmer Weise die Verdienste des Verblichenen. Dem verdienstvollen Vizepräses wird seine Gemeinde für alle Zeiten ein ehrenhaftes Andenken bewahren. Berlin. (Das erste weibliche Mitglied der Waisendeputation.) Frau Henriette May (Königgrätzer Straße 97) ist als erste Dame zum stimmberechtigten Mitgliede der Berliner städtischen Waisendeputation nach Vorschlag des Ausschusses gewählt worden. Danksagung von Emigranten an den Norddeutschen Lloyd. Im Newyorker Tagblatt „Die Wahrheit" veröffentlichen 28 indische Emigranten, darunter 11 aus Galizien, an Dankschreiben an die Angestellten des Passagierschiffes „Barbarossa" des Norddeutschen Lloyd, in welchem sie ihre, besondere Freude darüber ausdrücken, daß sie während der ganzen Reise vorzüglich behandelt wurden und daß das Schiff eine unter strenger ritueller Aufsicht stehende koschere Küche milführte. Feindliche Kirbe. Unter den Namen'der Aerzte, welche die ungarische Regierung zur Zeit der Cholera-Epidemie. . in den Achtziger-Jahren des vorigen Jahrhunderts für die verlorenen Posten entlegener Dörfer au stellte, las ich auch den eines mir befreundeten jungen Mannes, der erst vor kurzem in Wien promoviert hatte. Ich staunte, wie derselbe sich für eine so prekäre. Praris gewinnen lassen konnte, da doch sein ganzes Wesen darnach angetan ist, sein Glück in der Großstadt zu machen. Eine männlich-schöne Gestalt und pikklug, um die Schwächen der Menschn für sich auszubeuten^ wäre er. ja der rechte Arzt fürs Boudoir. Ich suchte in dem Charakter meines Freundes einen Erklärungsgrund dafür — vielleicht ein idealer Zug edlen Wqhltuns für . die leidende Menschheit. Allein da war ich erst recht aus dem Holzweg. Denn wie ich ihn kannte, war sein Herz keiner weicheren Regung zugänglich Nie habe ich das Wort Eltern oder Geschwister über seine Lippen kommen gehört; er schien mir immer wie einem Steine entsprungen. Im Drange meiner Berufsgeschäste hatte ich bald wieder seiner vergessen. Da klopfte es.an einem der letzten Tage an der Türe meines Arbeitszimmers, und herein trat, mein Freund, ein schüchternes Landmädchen von 18 bis 20 Jahren nachziehend. Aber wie verändert! Es lag nicht mehr der sarkastische selbstbewußte Zug dämonisch um seine Mundwinkel. Gebrochen wie von einem furchtbaren Sturme, der plötzlich den Leuchtturm des Lebens auslöscht, war se'.n Auge, eine wahre. Jammergestalt. Nach einer innigen Umarmung stellte, er mir das mitgebrachte Frauenzimmer als seine Schwester vor. Und im vorhinein alle meine. Fragen abschneidend, sagte er: „Ich will dir das ganze Rätsel meinem Lebens lösen; du sollst alles wissen." Ich bot dem Mädchen einen. Sitz an, er warf sich in ein Fauteuil und begann, mit einer dumpfen Stimme, als wallte, ein Vulkan sich Luft machen, seine Erzählung: „Mein Vater war Pächter der Schankregalien eines Edelmannes in dem Dorfe St .... im . . . . Romitate." St.? unterbrach ich ihn, das ist ja der Name des Ortes, wo du als Epidemiearzt angestellt worden bist? „Ebenderselbe, doch höre.. Der Edelmann hatte Zwei Rinder, ebenfalls einen Rnaben und ein Mädchen, die ungefähr in. demselben Alter wir beziehungsweise ich und meine Schwester standen. Wir. sind miteinander ausgewachsen. Aber wie? — In Haß und Verachtung. Die herrschaftlichen Rinder waren tagelang in unserem Hofe, den nur ein Zaun von ihrem Rastell trennte, sie suchten uns auf, um! uns zu kränken, sie nannten uns nie anders als „Jud" urrd „Jüdin". Mein Menschentum empörte sich in mir, so oft sie uns anriefen; aber ich befaß schon so vchl Verstand, um zu begreifen, daß die Eristenz meines Vaters von ihnen abhänge. In solch feindlichem Verhältnisse zu meinem einzigen Altersgenossen, den ich kannte, den. Stachel der Schmach stets im Herzen tragend, erreichte ich das 13. Lebensjahr. Die Summe meines Wissens war ein notdürftiges Schreiben und Lesen, das mir mein Vater in seinen freien Stunden» wenn er keinen Alkoholgeist ausschenkte, beigebracht. Desto reicher aber war meine Gedankenwelt und desto kräftiger entwickelte sich mein Rörperbau. Ich glich den Pappeln vor dem Edelhof. , Eines Tages saß ich hoch oben auf einer Sprosse der Dachleiter pfnd sah, in Träume versunken, auf die blauen Berge, die unseren Horizont begrenzten. Meine achtjährige Schwester beschäftigte sich in einem kleinem Blumenbeet, welches ich tags bevor im Hofe angelegt. Da kamen Jmire —- so hieß der Junker — und seine Schwester Ilona mit einem großen Hund in den Hof gerannt, zertraten die Anlage meiner Schwester und hetzten die wilde Bestie auf sie, daß ihr Jammergeschrei mich aus meinen Träumen riß. In einem Satz war ich von der Leiter unten, packte den bösen Rnaben rücklings und schleuderte ihn zu Boden. In diesem Augenblicke aber ward mir durch seine Schwester mit einem schweren Steine der Ropf gelöchert und ich stürzte zusammen. Wochen-

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