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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-07-03 · 27 (3.7.1914) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
27 (3.7.1914)
Date
1914-07-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 468 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 27 Haupt: nur ein Jude weniger-sollte das nicht gar etwa ein gottgefälliges Werk sein? Sie, die Juden, haben ja „unseren" Herrn Jesus Christus gekreuzigt. Auch hier ist die Wahrheit wieder die, daß es die Römer waren, der römische Imperialismus, welcher in unverfälschter Tücke den um das Wohl seines Volkes zitternden Hohenpriester ausstachelte und ausspielte, um dem großen Sozialreformer für immer den gefährlichen Mund verschließen zu können. Namentlich kommen da zwei Orte, u. zw. im „heiligen" Lande (Tirol), welche die Judenhetze in Wort und Bild besonders pflegen, in Betracht: Ep pan und Trient. Aber auch die Zentrale der. Intelligenz, unser Wien, besitzt solch ein aufreizendes Bild. Ueber den ersten Fall berichtete Professor Dr. Rich. Andrce in München an den Herausgeber der „Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde", Herrn Rabbiner Dr. Max Grunwald in Wien, und führte an, daß laut einer sehr ausführlichen Erklärung auf einem Bilde in der St. Paulskirche zu Eppan der Mord an einem gewissen Knaben Locherer am 9. August 1744, einem Samstag, im Walde von Montiggl von einer „unchristlichen jüdischen Hand" nach Art des „heil. Simon von Trient" ausgeführt wurde. (S. „Wochenschrift" Nr. 42 v. I. 1909, S. 717.) Es bot nun dieses Bild dem Unterzeichneten Vereine den Anlaß, an die Gemeinde Eppan heranzutreten, um die Entfernung dieses ständig aufreizend wirkenden Ausflusses einer blutrünstigen Phantasie zu erwirken. Natürlich ist eine Antwort nicht erfolgt. Ebensowenig erhielt der Unterzeichnete Verein einen Bescheid auf seine vor einem halben Jahre an den neuernannten Erzbischof Dr. Piffl gerichtete Eingabe betreffs Entfernung eines ähnlich anstößigen Bildes in der Rudolfsheimer Pfarrkirche zu Wien. Des aktuellen Interesses wegen, da die antisemitische Woge in der Gemeindestübe wieder einmal ihren schmutzigen Schaum sehr hoch aufspritzen ließ, sei dieselbe hier der Oeffentlichkeit übergeben. Sie lautete: \! Wie n, 25. Dezember 1913. Hoch würdigster, liochzuverehrender Herr Fürsterzbischof! Jm Vertrauen auf die vielbewährte Urbanität Euerer Fürsterzbisehöflichen Gnaden Avagen wir, die tiefergebenst Unterzeichnete Vereinsleitung, mit der Bitte heranzut-reten, in nachstehender Angelegenheit geneigtest im Geiste der erhabenen Lehren unserer christlichen Religion eingreifen zu wollen. Wie einem Artikel der „Reichspost“ vom 2./XII. a. c. zu entnehmen ist, befindet sich in der Rudolfsheimer Pfarrkirche ein dreiteiliges Altarbild, dessen rechtes Feld ein angebliches Opfer des „Ritualmordes“, den „Märtyrer“ Rudolf mit dem Schächtmesser in der linken Hand und mit der rechten auf die Mordwunde am Halse deutend, darstellt. — Ohne auf die Ausfälle polemischer Natur dieses Artikels einzugehen, welchem die Abfuhr von anderer Seite zuteil ward, müssen wir uns nun erlauben, auf die entschieden aufreizende Tendenz dieses Bildes hinzuweisen, deren Wirkung auf die zahlreichen Besucher, namentlich Kinder, nicht ausbleiben kann. I3gß dieser Effekt des Kirchenbesuches kein anderer als die Aufstachelung zur R aclre sein kann, der sich überdies noch das Gefühl der Legitimation durch die höchste Autorität hinzugesellt, unterliegt wohl keinem Zweifel. Weiters wird dadurch' der längst als Wahnidee stigmatisiert e Ritualmord, der auch von der obersten kirchlichen Instanz als jedes Grundes entbehrende Beschuldigung bezeichnet wurde, neuerdings, und zwar autoritativ bestätigt, wodurch blutiger Haß gegen unsere jüdischen Mitbürger in ebenso ungerechtfertigter wie zweckloser Weise entfacht wird. Wie kann nun unter diesen Umständen von der anderen, nichtchristlichen Seite das so wünschenswerte liebevolle und offene Entgegenkommen bestehen — wenn derartige, aus dem dunklen Mittelalter stammende Vorkommnisse, durch den geheiligten Ort jeder Kritik entzogen, immerwährend in die Erscheinung gerückt werden? Wenn immer aufs neue — und leider gibt es der Beispiele dieser Art überdies noch mehrere — von höchster öffentlicher Stelle aus die Verfolgung des seines Vaterlandes beraubten Volkes Israel förmlich gepredigt wird! Wäre aber selbst die Tatsache wahr, wären selbst in früheren Jahrhunderten solche Morde von Glaubens wegen vorgekommen, so konnten diese niemals von jüdischer Seite erfolgen, da gerade die strengen mosaischen Lehren es sind, welche bekanntlich' jeden Gebrauch von Blut ausschließen. Je orthodoxer daher der Jude, desto mehr ist er vom Ritualmorde entfernt. Allein, auch wenn die Gesetze Moses nach dieser Richtung hin nicht so klar zutage lägen, könnte es unmöglich Aufgabe der christlichen Kirche bilden, etwaige in grauer Vorzeit geübte Blutakte den heutigen Nachfahren immer noch, wenn auch nur im Bilde, vorzuhalten, damit die ohnehin bestehende Kluft zwischen Menschen und Menschen erweitert und die stets auf Opfer lauernde Beute- und Mordgier der großen Massen immer wach erhalten wird! Wäre es nicht auch in diesem Falle die heiligste Pflicht der katholischen Kirche, über solche — jedoch von jüdischer Seite niemals begangene — Verbrechen den Mantel wahrer christlicher Liebe durch ewiges Vergessen und Vergeben 'zu breiten? Besteht doch die Tradition in Büchern weiter, müssen da noch die rohen Triebe durch bildliche Darstellung weiter aufgepeitscht werden? Um wieviel mehr muß aber diese blutrünstige Abbildung unsere Mitmenschen jüdischen Glaubens verletzen und zugleich' beunruhigen, wenn, wie im vorliegenden Falle, die ganze Begebenheit, soweit Juden in Betracht kommen^ unwahr ist?! Wenn, wie gewöhnlich in solchen Fällen, der Mord zwar begangen wurde, aber nicht von Jude n, sondern von Christen! Wie unitf das kirchliche Handlexikon von Mich. Buchberger, München 1907 — mit kirchlicher Genehmigung gedruckt, somit eine einwandfreie Autorität — aufklärt, ist der Mord den J u d e n Z u Unrecht zugeschoben, überdies ist der Knabe Rudolf weder kanonisiert, noch als Märtyrer erklärt worden. Unse es Erachtens kann aus solchen, " ohl nur in bsichtlichen Geschichtsfälscliungen auch der Kirche kein Heil erblühen, und wir glauben nicht nur nicht unsere Kompetenz zu überschreiten, wenn wir, in Erfüllung unserer Mission, uns erlauben, auf das Unstatthafte des genannten Bildes in aller Ergebenheit aufmerksam zu machen, sondern wir fühlen uns hiezu geradezu in Ansehung der demselben innewohnenden und, wie erwähnt, überdies auf falscher Grundlage aufgebauten agitatorischen Tendenz schlimmster Art, verpflichtet. Aus diesem Grunde beehrt sich die tiefergebenst Unterzeichnete Vereinsleitung an den obersten Machthaber de!' katholischen Kirche allhier mit der ehrfürchtigen Bitte sieh zu wenden, im Interesse der Nächstenliebe das ominöse Bild — eventuell auch1 sonstige dahin gehörige — durch andere, edlere Gefühle auslösende, somit den Tendenzen der Religiosität besser entsprechende Darstellungen ersetzen lassen zu wollen. Da die Kirche, wie ja begreiflich,; auf die Selbstaufopferung das größte Gewicht legt, so dürften hiebei als Bedrücker und Bedränger nur Angehörige heute nicht mehr existenter Völker in Betracht kommen. Ohne vorgreifen zu wollen, glaubt sie in dieser Hinsicht namentlich auf die entsetzlichen Episoden aus der Zeit der Christen Verfolgungen liinweisen Zu sollen. Hiedurch würde auch gleichzeitig der nicht zu unterschätzende Vorteil erreicht, daß der Abscheu gegen den heidnischen Götzendienst, als der Urheberschaft dieser Grausamkeiten, wachgehalten würde -— im Gegensätze zum heutigen Stand, wonach dieser Haß gegen die he bräische Religion, die doch die Mutter des Monotheismus ist, geschürt wird. Und noch ein, wiewohl nur praktischer Zweck wäre mit dieser Aktion verbunden: die Beschäftigung und Befruchtung der kirchlichen Kunst, was gerade gegenwärtig, angesichts der wirtschaftlichen Depression, von besonders wohltätigen Folgen wäre. Obgleich die tiefergebenst Unterzeichnete Vereinsleitung nicht im mindesten daran (zweifelt, daß die große katholische Kirche aus ihren eigenen Mitteln imstande ist, dieser elementaren Forderung der Humanität im allgemeinen und der christlichen Gebote im' besonderen zu entsprechen, so wäre sie erforderlichenfalls bereit, an der Beschaffung etwa hiezu notwendiger Beiträge sich zu beteiligen, sei es im Wege einer öffentlichen Subskription oder auf andere geeignet erscheinende Weise. Sie ist vollkommen überzeugt, daß ihr hiedurch reichlichst Mittel zufließen werden und verpflichtet sich schon gegenwärtig, den sich ergebenden Ueberschuß dem Spitale der „Barmherzigen Brüder“ zuzuwenden. In größter Ehrerbietung (Verein 'zlur Abwehr des Antisemitismus. Daß eine Antwort eintreffen würde, war wohl der Vereinsleitung im voraus zweifelhaft. Bei einer Bevölkerung, die einen Bielohlawek im n--ö. Landtag

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