Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 27 (3.7.1914)
- Date
- 1914-07-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 27 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 467 teilt ihm hierauf seine hagadische Deutung mit: Spende den Zehnten, damit du reich werdest. Der Junge gibt sich aber mit der Antwort nicht zufrieden und forscht, nach Art der Großen im Lehrhause, weiter: „Woher weißt du, daß dem so ist?" R. Jochanan: „Mache den Versuch." Knabe: „Ist es denn gestattet, Gott zu versuchen? Es heißt doch: Ihr sollt den Ewigen nicht versuchen." (Deuter. VI, 16.) Nun nimmt auch R. Jochanan die ernste Art an, als ob er im Lehrhause wäre und antwortet: „So hat Hoschia (mein Lehrer) gelehrt, das Versuchen Gottes ist in diesem Falle ausnahmsweise gestattet, denn es heißt: bringet alle Zehnten in das Schatzhaus, daß Speise sei in meinem Hause, und prüfet mich doch dadurch, spricht der Ewige der Heerscharen, ob ich euch nicht öffne die Schleusen des Himmels und für euch ausschütte Segen bis zum Uebermaße." (Maleachi III, 10.) Der Knabe, selbstbewußt: „Wäre ich im Unterrichte so weit, daß ich diesen Vers schon gelernt hätte, so hätte ich mir diese Deutung selbst gegeben."^) Beim Unterrichte in den außerpentateuchischen Büchern der Heiligen Schrift beobachtete Chija b. Abba die Methode seines Lehrers R. Jockanan, den Pentateuch als Konzentrationsstoff zu betrachten und bei den späteren in der Bibel vorkommenden Begebenheiten darauf hinzuweisen, daß diese schon im Pentateuch ausgesprochen oder angedeutet seiend) Die Schüler des R. Chija b. Abba erlangten in dem Aufsuchen von sinnverwandten! Stellen eine staunenswerte Uebung. R. Jochanan traf wieder einmal den Knaben des inzwischen verstorbenen R. Simon b. Lakisch beim Lesen des Satzes: Die Torheit des Menschen führt ihn auf einen krummen Weg und drum ist sein Herz gegen den Ewiaen verbittert. l'Svr. XIX. 3.) „Wo ist dieser Gedanke (daß der Mensch für sein Verschulden Gott verantwortlich »nacht) im Pentateuch ausgedrückt?" fragte R. Jochanan. Schlagfertig verweist der Knabe auf den Vers: „Da entfiel ihnen (den Brüdern Josefs) der Mut und zitternd sprachen sie einer zum anderen: Was hat uns Gott da getan?" (Genesis XXII, 28.) R. Jochanan hob erstaunt seine Augenbrauen emvor — diese waren so lang, daß sie seine Augen bedeckten — und betrachtete, den klugen Knaben. Da eilte die Mutter herbei und führte den Knaben schleunigst weg, denn sie fürchtete, der stechende Blick R. Jochanans könnte ihm schaden.^) Welcher Wertschätzung sich R. Cbiia b. Abba bei R. Simon b. Lakisch erfreute, zeigte sich, als er durch den Tod eines seiner Kinder in Trauer versetzt wurde. R. Simon b. Lakisch erschien in Begleitung seines Meturgemau im Trauerbawe und.richtete tröstende und aufrichtige Worte an die Leidtragenden.") Beim Bibelunterrichte seiner Kinder beobachtete R. Chija b. Abba den Grundsatz, das Unbekannte an das Bekannte anzuschließen. Zunächst wurde das frühere Pensum wiederholt, hierauf Neues gelernt. Dies hielt er täglich mit solcher Genauigkeit ein, daß er nicht eher seinen Moraenimbiß einnahm, als bis dieses Geschäft erledigt war.") Beim höheren halachischen Unterrichte scheint es zuweilen zwischen ihm und seinem Sohne zu Kontroversen gekomwen zu sein. Darauf wird es sich wohl beziehen, wenn er den Schlußworten des Psalms 127. welchen die Verherrlichung des Kindersegens als Geschenk Gottes vorangeht, eine Deutung gibt, welche das gegenseitige Verhältnis des Vaters und Sohnes, des Schülers und Lehrers beim Studium charakterisiert. „Mit Feinden am Tore", selbst der Vater und sein Sohn, der Lehrer und sein Schüler, die sich mit der Gotteslehre zusammen '•) S. Bacher, Terminologie II. S. 161. 7) Taanith 9 a. 8) Aboda Zarah 25a. °) Taanith 9 a. 10) Kethuboth 8b. ") Kidduschin 30 a. „in einem Tore" beschäftigen, werden lim Kampfe der Meinungen) zu Feinden; sie gehen aber nicht eher auseinander, bis sie wieder Freunde geworden sind, wie es heißt ns (Num. 21, 14), lies nicht sondern r-rca „die Kämpfe des Ewigen" führen am Ende zur Liebe a-n ans l2\ Das besondere Interesse und größere Verständnis, welches R. Chija b. Abba dem Jugendunterrichte entgegenbrachte, dürsten den Patriarchen R. Jehuda III.") veranlaßt haben, ihn in Gemeinschaft mit den angesehenen R. Ami und R. Assi mit der Verbesserung des zu dieser Zeit darniederliegenden Jugendunterrichtes in den Gemeinden zu betrauen. Als die Delegierten in einer Gemeinde, in der sie weder Bibelnoch Mischnablehrer vorfanden, die Hüter der Stadt zu sehen wünschten und ihnen die Stadtwache vorgeführt wurde, bezeichneten sie die Bibel- und Miichnalelner als die wahren Hüter der Stadt.") R. Chija b. Abba lebte in den dürftigsten Verhältnissen und war oft genötigt, als Wanderprediger umhermziehen.") Er erreichte ein hohes Alter, er wurde nahezu 90 Jahre 'alt.") (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen. HLeriezert. Wer sehnte sich jetzt nicht hinaus in die Reinheit und Frische der Gottesnatur? Wer empfände nicht die Sehnsucht, auszurasten vom Getümmel des Lebenskamvses, vom ewigen Ringen um den Erfolg? Erhabene Ruhe, die Ahnung von der Ewigkeit, der Unendlichkeit, aus den Bergesgipieln in wunderbaren Fernsichten aufdämmernd, herzerquickender Frieden im Walde, in den kleinen Dörfern. all das winkt dem zermürbtten geistigen Arbeiter der Großstadt. Ruhe und Behaglichkeit des Genießens werden hier dem stets Hastenden die verbrauchten Kräfte, vor altem die stark verringerte Energie wiederbringen. — Wenigstens einem Teile der Vorwärtsdrängenden, den arischen Bewohnern unserer Metropole. Den „anderen", den eigentlichen Stürmern aber mischt sich auch in diesen Freudenkelch ein starker Tropfen bittersten Wermuts, der Antisemitismus. Wie vielen möge die Sommerfrische durch die Empfindung verekelt werden, daß sie nur des Geldes wegen geduldet, als Menschen minderer Qualität angesehen werden — trotz aller gegenteiligen Versicherungen in das Gesicht —, daß sie als mehr oder minder „lästige Ausländer" wohl ihr Geld lassen dürfen, keineswegs aber den arischen Mitbürgern gleich geachtet sind. Insbesondere in jenen Orten, wo überdies durch bildliche, unter geistlichem Schutze stehende Darstellungen der Haß gegen Juden sanktioniert erscheint. Außer den gewöhnlichen Bildern und Statuen der Kalvarienberge sind es die Darbietungen über das bekannte „M a r t y r i u m" des einen oder des anderen Knäbteins, das, nach der Legende selbstverständlich, von Jude n, in Wahrheit aber von „guten" Christen ermordet wurde, zu dem (erwiesenen) Zweck, eine Judenhetze, ein mittelalterliches „Pogrom" zu veranstalten und dies in der ebenso sichergestellten Absicht, die Güter der Juden an sich zu reißen. P l ü n d e r n war von jeher arische Art. Auf einen Mord mehr kommt es dabei nicht an. Auch wenn es einen anderen, einen Zweckmord gilt. Die Beichte beruhigt ja dann das Gewissen, falls es sich regen sollte. Und über- Kidduschin 30b. Siehe Bacher, Ag. pal. Am. ll, 181. "s Grätz, IV. 301, Halevy, Doroth harischon. II. a. 39. 40, II b. 336 141 Jer. Chagiga I, 7. l5) Daselbst t, 8. Sotah 40 a. ") Hymann, Toldoth Tan. Be'amor. S. 439.