Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 22 (29.5.1914)
- Date
- 1914-05-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 22 Dr. Ploch's Wochenschrift Seite 381 Zunächst bitten wir um Ihr geschätztes Erscheinen zu der Tonnerslag. den 4. Juni d. I., 6 Uhr abends, im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4 stattfirrderrden konstituierenden Generalversammlung. Wien, am 26. Mai 1914. Dr. Gustav Kohn, Dr. Max Grunwald. I. Vizepräsident der Rabbiner der israelischen isr. Kultusgemeinde, Landesschulrat re. Kultusgemeinde; Professor M- Anlscherl; Direktor Max Fischer; Karl Freund, Bethausvorsteher; Doktor Ad Herzfeld; Professor Dr. S Kraus; Doktor Elias Münz, Hof-und Gerichtsadvokat und Bechausvorsteher; Gustav Planer; Hofrat Dr. Julius Schlag; Dr. Julius Weiß; Kommerzialrat S. Rosenzweig, Alois Ttrcumann, Leop. Winter. Führungen anläßlich des Frauenwellbundtages. Unter den sozialen Führungen für die rückkehrenden Delegierten des Frauenweltbundes aus Rom waren am 25. auch zwei in jüdischen Anstalten, im Altersversorgungshaus und im gegenüberliegenden Mädchenunterstützungsverein. Im Versorgungshaus enipsing das Damenkomitee und Herr Salo Cohn die hundert Gäste, unter denen sich außer vielen Wiener Vereins Vorsteherinnen auch die Gattin des Rektors der Wiener Universität, Adele v. Wett st ein-Kerner, Hofrätin Cölestine Truxa, hauptsächlich Fremde, darunter die Präsidentin der jüdischen Fürsorge aus Frankfurt, Fräulein Bertha Pappen heim, Frau Aurelie Weiß u. v. a. befanden. Frau Jda Diamant als Präsidentin des Damenkomitees empfing die Fremden mit einer Ansprache, in der sie die Geschichte des Hauses, das seit 1860 der Wohltätigkeit, aber erst seit den achtziger Jahren, und besonders seit der Spende von Ernestine Thorsch der Altersversorgung dient, gab, sowie genaue statistische Daten über den Belag re. Nach Besichtigung des Hauses wurde dem alten, seit 1582 bestehenden Friedhof ein Besuch abgestattet. Der Friedhof wurde namentlich von den anwesenden christlichen Damen als eine leider zu wenig bekannte Hauptsehenswürdigkeit von Wien erklärt. Zum Schluß wurden den Gästen noch Erfrischungen gereicht. Hieraus begaben sich die Damen in die Schule des Mädchenunterstützungsvereines, wo Präsidentin Frau Dr. M. S ch ü ß l e r, die Hofrätinnen v. F r y d m a n n, O s e r, Winternitz, Kuranda, Frau Theddy Bloch, kais. Rat S ch ü tz, Frau Direktor U l m a n n und der gesamte Lehrkörper die Damen empfingen und während des Unterrichtes sowohl in die Industrieschule als auch in die Handelsschule geleiteten. Auch diese so überaus segensreiche Institution erregte das lebhafteste Interesse der reiche Institution erregte das lebhafteste Interesse, so daß diese Besichtigungen wohl einen Ehrentag für jüdische Wohlfahrts- und Unterrichtspflege bedeuten. Werbliche Fürsorge. Während der Frauenwelttag auf der Heimreise die beiden tapferen Pfadfinderinnen der Weiblichen Fürsorge, Fräulein Bertha Pappen heim und Frau Forchheimer-Fiallä über Rom nach Wien geführt hat, kommen wir auf den Vortrag zurück, den Frau Direktor Ulmann in der Generalversammlung des Hietzinger Vereines über die Fürsorge gehalten. Frau U l m a n n betonte zunächst, wie das Wort „Weibliche Fürsorge" heute in der Luft liege, daß uns oft eine Idee entgegentrete, der wir früher gar keine Beachtung geschenkt haben. Heute schlägt ein unbekanntes Wort an unser Ohr, morgen tönt es von anderer Seite wieder, demnächst finden wir es in einem Buch, einer Zeitschrift, und nun weicht es nicht mehr von uns. Und wo nun ein Begriff nach Klärung ringt, wo er sich Geltung verschaffen will, da kommt ihm das Wort zu Hilfe, nicht lange, es ist unser Gemeingut geworden, hat es sich uns, haben wir uns ihm zu eigen gegeben. Wir wissen es nicht, wir stehen bereits in seinem Dienst. So ist es einem Kreise Wiener Frauen unter der Führung der Frau Dozent Grünsetd gegangen, nachdem die Damen Fialla-Forchheimer und Bertha Pappen he im im Dezember 1913 ihre Vorträge in Wien gehalten; sie wollten das Samenkorn aus der Fremde nicht verschütten lassen, da wir das jüdische Wort: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst", ln unserem Herzen tragen. Gleichzeitig, d. h. im März, trat die Stadt Wien in ihrem Amtsblatt mit ganz gleichartigen Gedanken aus, die Privat- und Vereinswohltätigkeit zu verbinden. Oberkommissär H e r t i k hat sogar öffentlich es als glückliches Zusammentreffen bezeichnet, daß gleichzeitig, wie die Stadt Wien ihre großzügige Aktion plant, eine Weibliche Fürsorge unter der Führung der Frau Sofie Grün seid ins Leben trete; er wies auch auf die in ihren Leistungen .von uns allen hochgeschätzte Zentralstelle für jüdisches Armenwesen hin unh auf die amerikanischen Städte, wo wenigstens in der jüdischen Armenpflege die anzustrebenden Ideale schon verwirklicht sind; Exzellenz Bärnreither wirft als Präsident der Zentralstelle für Kinderschutz dieselben Schlagworte in die Luft, die Frauenreichsorganisation fördert das Werk einer zentralisierten Armenpflege durch die Artikel der Frau Helene G r a n i t s ch im „Morgen" rc. Sie sehen also, fuhr die Rednerin fort, hier wie dort springt der gleiche Gedanke auf, er liegt in der Luft, er hat uns sich ihm dienstbar gemacht, man möge sich von den Schwierigkeiten nicht schrecken lassen. Sie erinnert an die kleinen Anfänge ihres eigenen Mädchenunterstützungsvereines, daß selbst ein so großer Geist wie Marie Boßhart-Demerghel, die Schöpferin des Frauenstudiums in Oesterreich, gegen den Frauenbund gewesen sei. den Frau Harnisch gerade jetzt so machtvoll in Rom vertrete. Die Fürsorge könne hier nicht wie in Frankfurt stanz ohne Geld arbeiten, in Oesterreich brauche man, wie schon Montecnccnli gesagt, zum Kriege Geld: wir wollen ja den Krieg gegen die Armut führen, wenn unsere Hauptaktion auch nur die rasche Vermittlung der Hilfe durch vereinte Arbeit von Privaten und den schon angeschlossenen 28 Vereinen bilden soll. Man habe das 19. Jahrhundert das Jahrhundert des Kindes genannt. das 20. verdiene aber wenigstens in seinem Beginn das Jahrhundert der Fürsorge benannt zu werden, denn nicht nur sich Kinder, für alle Formen der Armut sei der soziale ^-inn erwacht, wie sie sich auch in den Versicherunas- und Krankenkassengesetzen ausspreche. Der Sinn für Wohltun lag im Judentum seit Beginn seiner Geschichte, wie die zahlreichen Vorschriften der Bibel beweisen: zu dem stets gütigen Sinn der Jüdin ist aber setzt mit der Berufsbildung ein hober Sinn für soziale Verantwortlichkeit erwacht und ein Rechtsgefühl, so daß wir empfinden, der Arme dürfe nicht an unser Mitleid appellieren, er habe ein Recht, daß ihm aeholsen werden soll. Diese Fürsorge ist zugleich ein mächtiger Faktor, einer drohenden Beweguna aus den unteren Schichten zu beaegnen. die sozialen Gegensätze auszugleichen. Es erwächst daher für jedes weniger beschäftigte weibliche Wesens das sich kein Heim gegründet oder dessen Heim durch den Tod oder Schicksalsschläge verödet ist. die Pflicht, sich als Mitarbeiterin an einer charitativen Tätigkeit beteiligen. Die Fürsorge wird zum Ziele führen, weil sie aus den Strömungen der Zeit hervorgeht und ihnen entgegenkommt. Inzwischen hat das vorbereitende Komitee der Fürsorge unter dem Ehrenpräsidium der Frau Baronin