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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-05-29 · 22 (29.5.1914) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
22 (29.5.1914)
Date
1914-05-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 22 Seite 380 Wiener-Neustadt, Theodor Guttmann, Mähr.-Ostrau, Josef Haas, Holleschau, Adolf Hermann, Nusle, Hermann Horner, Mißlitz, Albert Hüttner, Pohrlitz, S. I. Krauskopf, Klattau, Arnold Küchler, Saaz, Hermann Langer, Witkowitz, Dr. Friedrich Lauer, Trautenau, Albert Levi, Salzburg, David Löwenchal, Marrenbad, Siegmund Löwy, Saaz, Giuseppi Morpurgo, Görz, Alois Pollak, Zwittau, Adolf Roth, Lobositz, Max Singer, Klattau, Gustav Selikossky, Leitmeritz, Siginund Szekely, Graz, Max Wilhelm Schiller, Lobositz, Bernhard Schnabl, Pohrlitz, Salomon Schönfeld, Friedau. Hermann Steiner, Znaim, Dr. I. Steiner, Klattau, Wilhelm Steiner, Klattau, Jakob Stern, M.-Schönberg, Emanuel Tauffig, Pilsen, Leopold Telatko, Saaz, Julius Teweles, Leitmeritz, kais. Rat M. Weiner, Pilsen, Josef Weinstein, Wrschowitz, Josef Weisl, Klattau, Heinrich Wohryezek, Adlerkosteletz, Max Zifferer, Zwittau. Der Vorstand der „Union" hat durch die Kooptierung des Herrn Hofrates Dr. Josef Löwner eine willkommene und wertvolle Bereicherung erfahren. Geehrte Generalversammlung! Entsprechend der Stagnation des öffentlichen Lebens vermochte auch der heute vorgelegte Jahresbericht nicht auf außerordentliche' Vorgänge hinzuweisen und bedeutsamere Ausblicke zu bieten. Wir können nur feststellen, daß in der allgemeinen Lage der österreichischen Judenschaft im allgemeinen eine Erleichterung eingetreten ist — wenn auch vielleicht nur darum, weil unsere Gegner mehr als je mit Sorgen um ihre eigene politische oder nationale Existenz zu kämpfen hatten. Auf keinen Fall darf uns diese Feststellung in Sicherheit wiegen oder gar bestimmen, die Waffen leichtfertig aus der Hand zu legen. Nach wie vor bedarf es der vollen Einigkeit und der energischen Kampfbereitschaft der gesamten österreichischen Judenschaft, um das Errungene zu verteidigen und uns drohende künftige Angriffe abzuwehren. Zu dieser Einigkeit und Kampfbereitschaft rufen wir auch jetzt wieder auf mit der dringenden Bitte an alle unsere Freunde, unserem Schutz- und Trutzvereine möglichst viele neue Mitglieder zu werben. Präsident Dr. Samuely spricht im Namen des Vorstandes dem Sekretär für dessen unermüdliche Tätigkeit den besten Dank aus, ebenso den anderen Mitgliedern des Bureaus. Herr Hofrat Löwner wünscht, daß einige Stellen im Berichte milder gefaßt werden, um etwaigen Könislikten mit den Betroffenen auszuweichen. Herr kais. Rat A n n i n g e r bittet, den Bericht in der vorliegenden Fassung zu genehmigen und an demselben keine Aenderung vorzunehmen. Sekretär Fleischer führt aus, daß die in dem Berichte mitgeteilten Tatsachen aus Grund sorgfältigster Informationen festgestellt wurden, und daß zu einer Abschwächung des Urteils über jene Personen, welche gegen die Juden hetzen, keine Veranlassung vorliege. Vizepräsident Dr. Ornstein bemerkt, daß die Versammlung den Bericht nur annehmen oder ablehnen könne, eine Aenderung in der Fassung jedoch nur dem Vorstande überwiesen werden könnte. Hofrat Löwner ersucht, seinen Wunsch im Protokoll ersichtlich zu machen. Der Bericht wird sodann einstimmig zur Kenntnis genommen. Herr Schön gibt dem Wunsche Ausdruck, daß die „Union" häufigere Versammlungen abhalte und zwar abwechselnd in verschiedenen Bezirken.. Der. Präsident sagt die Erfüllung dieses Verlangens zu. . Es folgt nun die Verlesung des Kassaberichtes. Herr S. B r o d beantragt namens der Revisoren die Erteilung des Absolutoriums. (Dem Anträge wird einstimmig Folge gegeben.) Herr Medizinalrat Dr. König regt an, daß der Vorstand der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" bei solchen Jndustrieunternehmungen, an welchen hervorragend jüdisches Großkapital beteiligt ist, so insbesondere bei der Floridsdorfer Mineralöl-Gesellschaft und der Floridsdorfer Lokomotivfabrik, darauf achte, daß Juden nicht grundsätzlich von der Anstellung ausgeschlossen werden. Der Vorsitzende sagt zu, daß diese Anregung vom Vorstande eingehend, beraten. werden wird. Bei der hierauf vorgenommenen Wahl in den Vereinsvorstand werden die statutenmäßig ausscheidenden Herren einstimmig wiedergewählt. Mit herzlichen Dankesworten schloß der Vorsitzende die Versammlung. Korrespondenzen. Kurse für religiöse Fortbildung israelitischer Frauen und Mädchen. Aufruf! Die Frau, die Seele des Hauses, — die Mutter, die Bildnerin der Kindesseele, — sie, die Trägerin unserer Zukunft, kennt und pflegt gerade in unseren jüdischen Kreisen besonders eingehend die modernste Kultur. Unsere jüdischen Frauen stehen im Vordertreffen aller möglichen fortschrittlichen Bewegungen und sozialen Unternehmungen. Nur die rückschrittliche Bewegung des jüdischen Lebens und das s o z i a l e Elend ihrer Stammesgcnossen lassen sie unberührt. Die moderne Jüdin schämt sich nur zu oft ihrer jüdischen Herkunst. Wie eine offene Wunde empfindlich zeigt sich ihr Gemüt bei jeder Erinnerung an ihre Zugehörigkeit zum Judentum. Sie liebt es nicht, denn es trägt ihr nur Haß und Zurücksetzung ein. Sie achtet es nicht, denn sie kennt es nicht." Was uns dringend not tut, ist deshalb: Belehrung unserer jüdischen Frauen und Mädchen über die ewigen, unvergänglichen und unvergleichlichen religiösen und ethischen Werte des Judentums, die uns eine heilige Tradition der Jahrtausende zur Hütung, Pflege und Weitervererbung an unsere Kinder und Enkel anvertraut hat. Unsere Frauen und Mädchen sollen und müssen bewußte Jüdinnen werden. Die. bisherigen wohlgemeinten Versuche, in dieser Richtung Wandel zu schaffen, sind als nicht zureichend zu bezeichnen. Durchgreifend wirken kann nur ein Fortbildungskurs, der, dem Alter und Bildungsgrade der Heranwachsenden weiblichen Jugend angemessen, sich zum Ziele setzt: Gründliche Einführung in den Geist unserer Geschichte und die Symbolik des jüdischen Lebens, vergleichende Erörterung der Grundwahrheiten des Judentums im Lichte der modernen Zeitströmungen, vor allem aber eingehende, verinnerlichende, Herz und Gemüt belebende Darstellung unserer Glaubens- und Sittenlehre an der Hand unserer Gebete und heiligen Schriften. Einen solchen Fortbildungskurs für jüdische Frauen und Mädchen nach dem Vorbild akademischer Vorlesungen und seminaristischer Hebungen ins Leben zu rufen und zu erhalten, soll die Aufgabe eines Vereines sein, dem als Mitglied beizutreten wir Sie hiermit höflichst einladen. Der Verein wird bestrebt sein, mit Aufwendung bescheidener Mittel die bestmöglichen Erfolge zu erzielen.

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