Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 22 (29.5.1914)
- Date
- 1914-05-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 382 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 22 Königswarter seine Tätigkeit begonnen. Fräulein Bertha Pappenheim wird bei der nächsten Arbeitssitzung, Freitag, 29. Mai, gegenwärtig sein, und werden die angeschlossenen Damen und Herren, die sich näher orientieren wollen und noch bei keiner Sitzung waren, um ihr Erscheinen ersucht (X, Schottengasse 10, bei Fräulein Schur, 1 44 Uhr nachmittags). C. Benedikt Bibelschulprüfung im IV. und V. Bezirk in Wien. Am Sonntag, den 24 .d. M., fand im Tempel V., Siebenbrunnengasse 1 A. die zweite öffentliche Prüfung der Schüler und Schülerinnen der dortigen Lese- und Bibelschule statt. Die Bibelschule dieses Bezirkes ist im vorigen Schuljahre gegründet worden und der Tempel- und Schulvorstand dieser Bezirke haben, durch eine namhafte Subvention der Kultusgemeinde unterstützt, im Tempelgebäude mit großer Opferwilligkeit für die Schule ein besonderes Lehrhaus erbaut. Zur Prüfung hatten sich eingefunden die Herren: Präsident des Tempelvereines für den IV. und V. Bezirk Adolf H o f m a n n, die Vorsteher D. W o l l n e r, David S teinhardt, Samuel Stein, Tempelvorsteher W i e s e l t h i e r, Sc. Ehrwürden Rabbiner H. L. Reich, Bibelschnlinspektor Julius Braun als Delegierter des Kultusvorstandes und Juwelier Braun als Delegierter des Vorstandes der Bibelschule VI., Stumpergasse. Auch Eltern und andere Gäste waren zahlreich erschienen. Der Präsident des Tempelvereines, Herr A. H o fmann, begrüßte die Erschienenen und dankte insbesondere den Eltern für das rege Interesse, das sie für diese Schule bekunden. Er forderte die Erschienenen auf, den Schul-, den Tempel- und den Kultusvorstand, die sich so viel Mühe nehmen und große Opfer für diese Schule bringen, in ihrer Tätigkeit zu unterstützen. Nachdem die Schüler und Schülerinnen durch die Lehrer der Schule. Herren D. Steinbach und Leopold Weiß, geprüft wurden, hielt Se. Ehrw. Herr Rabbiner H. L. Reich eine gedankenreiche Ansprache. Er banftc zunächst dem Vorstand für die großen Opfer, die cr^sür diese heilige Sache bringt, ermunterte ihn, auch ferner für die Schule zu wirken. Auch den Lehrern, die sich sehr große Mühe gaben, zollte er Worte der Anerkennuna. und die Schüler und Schülerinnen der Lese- und Bibelschule lobte er besonders für das fließende und korrekte Lesen und Uebersetzen. Die Väter und Mütter forderte er aut. bei ihren Bekannten und Verwandten dahin zu wirken, diele Schule kräftigst zu unterstützen. Zum Schlüsse richtete Herr Jnsvektor Julius Braun einige Worte an die Kinder. Durch ein sehr hübsches Gleichnis belehrte er in humorvoller Weise die Kinder, daß man nie das Lernen unterbrechen solle und daß der häusliche Jleiß ebenso wichtig sei als der Schulunterricht. Damit schloß die 2. öffentliche Prüfung, die einen nachhaltigen günstigen Eindruck auf die Anwesenden gemacht hat. Karlsbad. In unseren! Kurorte ist eine große Besorgnis ausgebrochen. Der Jahresausweis der vorjährigen Frequenz gibt die Zahl der im Jahre 1913 anwesend gewesenen Badegäste mit 65.600 an. gegen 68.269 im Jahre 1912, somit eine Minderfrequenz von 2669 Personen, und nunmehr macht sich ein besorgniserregender Umstand bemerkbar, der nicht ohne Einfluß auf die diesjährige Frequenz zu sein droht. Unter den oben erwähnten Besuchern von 65.000 Badegästen befanden sich nämlich 17.065 Reichsdeutsche, also etwa 28 Prozent der Gesamtfrequenz, und nun wird bekannt, daß die reichsdeutschen Aerzte die Absicht haben, in Zukunft die böhmischen Bäder nicht mehr im bisherigen Umfange zu empfehlen, sondern in erster Reihe die reichsdeutschen Badeplätze zu berücksichtigen. Das Organ des Vizebürgermeisters von Karlsbad, das deutschradikale „Karlsbader Badeblatt", ist nun auf die originelle Idee verfallen, zu empfehlen, „es mögen die reichsdeutschen Bäder von unseren Aerzten ebenfalls „boykottiert" werden". Man lache nicht über diese Idee; allein das Organ des Stadthauses, das „Karlsbader Badeblatt", fordert in einem Kampfartikel, betitelt: „Alle Mann an Bord" tatsächlich zu einem Boykott von ganz Deutschland auf — von der Bevölkerung Karlsbads, welche bei dem Gedanken zittern muß, was für Folgen ein Ausbleiben von nur 3000 reichsdeutschen Besuchern schon auf die Wohnungsverhältnisse und den Häuserwert haben würde, wird allen Ernstes erwartet, die deutschen Badeorte durch ihre Aerzte „boykottieren" zu lassen. Und eine derartige Insulte wagt ein halboffizielles Organ zu einer Zeit zu begehen, wenn wenigstens 4000 reichsdeutsche Badegäste in Karlsbad bereits anwesend sind. Ein Karlsbader Jurist hat diese unglaubliche Zumutung in einem hiesigen Blatte in richtiger Weise kritisiert und in das rechte Licht gestellt; allein er hat dabei vergessen, die wahren Ursachen der derzeitigen Bekämpfung Karlsbads festzustellen. Als es in Karlsbad bekannt wurde, daß im Jahre 1913 eine Minderfrequenz von 2669 Badegästen zu verzeichnen war, da schob man die Ursache auf die vorjährige wirtschaftliche Krise, den Balkankrieg und die Geldkrisis. Nun entsteht aber die Frage: Wieso verzeichnete auch das Vorjahr 1912 einen Rückgang in der Frequenz gegen das Jahr 1911 von 2666 Badegästen? Im Jahre 1912 waren in Karlsbad 68.269 Badegäße. im Jahre 1911 betrug die Frequenz 70.935 und Karlsbad, woselbst in den letzten zwei Jahren eine große Zahl neuer Hotels und Kurhäuser entstanden sind, hat somit in diesen zwei Jahren eine Einbuße von 5335 Badegästen erlitten, ein Ergebnis, welches seit dem Bestände Karlsbads nicht vorgekommen ist. Jnl Jahre 1912 gab es keinen Balkankrieg, keine Geldkrise und keine wirtschaftliche Krise, aber seit 1912 regiert im Karlsbader Stadthausc als oberster Machthaber der Gründer des Karlsbader Antisemitismus, der ehemalige Buchhändler und jetzige 1. Vizebürgermeister Hermann Jakob, und seither geht die Frequenz von Jahr zu Jahr zurück und wird auch in diesem Jahre allem Anscheine nach lzurückgehen, denn nicht die deutschen Aerzte, sondern die jüdischen Aerzte und jüdischen Zeitungen der ganzen Welt sind es, welche Karlsbad boykottieren. In einem internationalen Kurorte, welcher von 16.000 jüdischen Kurgästen besucht wird, darf ein erklärter 'Antiseinit nicht die wichtige Stelle eines ersten Vizebürgermeisters und ersten Machthabers der Gemeinde bekleiden, und wenn er sich zwar wohlweislich hütet, etwas davon seinem jüdischen Kurgäste, dem Chicagoer Millionär Nathan und dessen Familie, zu verraten, daß er den Antisemitisurus in Karlsbad erschaffen hat und er ein ausgesprochener Antiseniit ist. so läßt er trotzdem keine Gelegenheit vorübergehen, düs dort zu zeiaen und zu beweisen, wo es „unsichtbar" bleibt. Zur Aufklärung sei hier folgendes erwähnt. Dr. Ignaz Ziegler, der Karlsbader Rabbiner, hat in einem trefflichen Werke über die Kämpfe berichtet, welche die Juden bis in die neuere Zeit mit der christlichen Bevölkerung Karlsbads zu bestehen hatten, um sich in Karlsbad ansässig zu machen. In den 60er, 70er, 80er und einem Teile der 90er Jahre herrschte jedoch Frieden, und die Bevölkerung vermied tatsächlich glles, was den Eindruck erwecken konnte, man verfolge noch weiter die Juden. Es aab nur einen Mann, der sich rückhaltslos als Antisemit bekannte, und das war der Buchhändler Hermann Jakob. Als dann im Jahre 1898 der schönerianische Antisemitismus seine Arme nach Karlsbad ausstreckte, da war es dieser Mann, der sich an die Spitze des Kampfes gegen die Juden stellte, und was die Judenschaft Karls-