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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-03-13 · 11 (13.3.1914) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
11 (13.3.1914)
Date
1914-03-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 174" Dr. Blochs Wochenschrift. N-. 1l Nach dieser mit großem Beifall aufgenommenen Rede hielt "der erste Vizepräsident der Kultusgemeindc, Dr. Gustav Kohn, den Kaisertoast, in dem er hervörhob, daß die 50jährige ersprießliche Tätigkeit des jubilierenden Vereines mit 50 Jahren der glorreichen Regierung unseres erhabenen Monarchen zusammenfällt, dessen 60jähriges Regierungsjubiläum den Beweis erbracht hatte, mit welcher Liebe die Juden an unserem väterlichen Beschützer auf dem Throne hängen. Er folge daher nicht nur einer alten Sitte, sondern es entspringe dem Herzensbedürfnisse jedes Juden dieser Monarchie, bei festlichen Zusammenkünften unseres Kaisers in Dankbarkeit zu gedenken, der in Freud und in Leid, in ruhigen und in kritischen Zeiten ein Hort der Gerechtigkeit aller Schichten dieses'völkerreichen Staates gegenüber geblieben ist. Dankbarkeit und Liebe sind es, die uns alle beseelt, wenn wir auch bei diesem Jubelfeste das Glas erheben und aus innigem Herzen rufen: Seine Majestät der Kaiser, er lebe hoch, hoch, hoch! — Die Versammlung, welche diese Ausführungen stehend anhörte, stimmte enthusiastisch in das Hoch ein, worauf die Musik die Kaiserhymne intonierte. Während des Menus erhob sich Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald, um in seinem Toaste aus die großen Verdienste der Fünfhauser Chewra und ihres Präsidenten Herrn Hermann Weinberger hinzuweisen. Herr Weinberg ex sei schon von Kindheit an mit der Chewra enge verbunden und habe es stets als seine Ehrenpflicht angesehen, sich an den mildtätigen Werken dieser heiligen Brüderschaft tatkräftig zu beteiligen. Und es ist bezeichnend für diesen Mann, daß er es als seinen Stolz ansah, an die Spitze dieser Chewra zu gelangen, um sie mit Energie und Umsicht zielbewußt leiten zu können. Sein Stellvertreter, Herr Kommerzialrat Simon, habe sich als Finanzminister der Chewra ganz bedeutende Verdienste erworben, und jedes einzelne Mitglied dieses rührigen Vorstandes hilft wacker mit, um die Zukunft der Fünfhauser Chewra zu sichern und sie ihrer ruhmreichen Vergangenheit würdig zu gestalten. Diese Chewra-Sude mute chn an, wie ein Versöhnungsfest, das Vertreter aller Richtungen der jüdischen Gesellschaft Wiens hier zu einem Brudermahle vereint, und auch dies sei ein Verdienst des umsichtigen Präsidenten Weinberger, der weder Mühe noch Kosten gescheut hat, um bei der Herstellung des Mahles auch den rigorosesten Ansprüchen in ritueller Beziehung zu entsprechen. Er wünsche dieser Chewra auch für die fernere Zukunft ein glückliches Gedechen, das nicht ausbleiben kann, solange sie von Männern geleitet wird, wie es der jetzige Vorstand ist. Er trank auf das Wohl des Vorstandes und der Mitglieder. In längerer durch Bibel- und Midraschzitate . geschmückter geistreicher Rede schilderte der erste Vizepräsident der Chewra-Kadischa Wien I, Kultusvorsteher Dr. Markus Spitzer, die schönen Aufgaben einer Chewra-Kadischa, die nicht zuletzt darin . besteht, daß sie die Menschenwürde pflegt, indem ihre Mitglieder die Not und das Elend aufsuchen, um Werke der Nächstenliebe zu üben. Alle diese heiligen Brudervereine haben ein hehres Vorbild in Rabbi Akiba, der gewissermaßen als der erste Chewra- Präsident angesehen werden kann, denn er war es, der mit Gefährdung seines Lebens seine gefallenen Glaubensbrüder auflas und sie zur ewigen Ruhe bestattete. Die Fünfhauser Chewra habe mit chrer fünfzigjährigen erfolgreichen Tätigkeit sich der ruhmvollen Vorbilder in der Geschichte der Chewra-Kadischa-Jnstitution würdig, gezeigt. Er trank auf das fernere Gedeihen der Chewra. Rabbiner Dr. Tag licht sagte in seinem Trinkspruche, daß, wenngleich Jubelfeiern im allgemeinen immer weniger Anklang finden, so bilde das Jubiläum der Chewra-Kadischa eine Ausnahme, denn in ihr lebe eine Idee, die auch in dem Jubiläum gefeiert wird. Gewiß verdiene die Pietät der Chewra für die Toten volles Lob. Aber ihm 'stehe die segensreiche Tätigkeit des Vereines gegenüber den Lebenden viel höher. Und gerade hierin leistet die Chewra-Kadischa XII —XV Hervorragendes, und er wünsche ihr, daß sie noch lange wie bisher in humaner Weise nicht nur die Toten begrabe, sondern auch die Lebenden leben lasse. Nun folgten die vom ersten Kantor Jakob Schleifer unter allgemeinem Beifall rezitierten. Mischeberach auf den Vorstand und die Gäste, worauf dann Rabbiner Dr. Abel es in humorvoller Weise darlegte, daß fünfzig Jahre Chewra-Kadischa unter den heutigen Zeitläuften fünfzig Jahre Judentum bedeuten. Es sei bezeichnend, daß die Chewra-Kadischa zu allen Zeiten ein eigenes selbständiges Leben führte, und daß auch die Fünfhauser Chewra selbst als die damalige Fünfhauser Kultusgemeinde in die große Kultusgemeinde Wien einverleibt wurde, ihr selbständiges Leben nicht aufgab, sondern bis auf den heutigen Tage ihre hohe Mission erfüllte, und er wünsche, daß sie auch in den kommenden fünfzig Jahren mit gleichem Erfolge ihre heilige Pflicht zu erfüllen in der Lage fei. Präsident der Chewra-Kadischa Herr Weinberger brachte den Toast auf die Gäste aus, denen er dafür dankte, daß sie der Einladung Folge leisteten. Besonderer Dank gebühre den erschienenen Herren Rabbinern, welche die Chewra-Sude mit ihren sinnigen Reden würzen. Große Freude bereite es ihm, dem allverehrten Herrn Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn, diesem bewunderungswürdigen Mann, der zu jeder Zeit bereit sei, im Interesse der Gemeinde und seiner Mitmenschen tätig zu sein, sowie seinem Kollegen im Präsidium Herr Hofrat Dr. Rappaport. Nicht minder fühle er sich veranlaßt, den erschienenen Vertretern der Chewra-Kadischa I für ihre freundschaftliche Gesinnung zu danken, sowie dem Beamtenkörper der Kultusgemeinde mit. dem ersten Sekretär kaiserlichen Rat Dr. Lieben und dem Sekretär Dr. Adler an der Spitze für ihre Bereitwilligkeit, die Chewra mit Rat und Tat zu unterstützen, den Dank auszusprechen. Auch die erschienenen Vertreter der anderen Körperschaften mögen den Dank der Fünfhauser Chewra ihren Mandanten mit nach Hause nehmen. Rabbiner Reich trank auf das Wohl der jüdischen Jugend, des Nachwuchses des heutigen Vorstandes und der Mitglieder der Chewra-Kadischa, auf deren Erziehung zu wohltätiger Lebensweise, zur Betätigung der in der Chewra-Kadischa verkörperten Prinzipien besonderes Gewicht gelegt werden müsse. Kultusvorsteher S. Steiner ergriff die Gelegenheit, um die anwesenden Mitglieder des Präsidiums der Kultusgemeinde zu ersuchen, den Fünfhausern sobald als möglich wieder einen Rabbiner zu geben. Es sprachen noch Rabbiner F l e s ch und Sekretär Siegfried Fleischer, welch letzterer darauf hinwies, daß die Fünfhauser Chewra-Kadischa in einem politisch stark bedrängten und exponierten Bezirke ihre mit Recht gepriesene soziale Tätigkeit ausübe, was ihre Bedeutung nur noch erhöhe. Zum Schlüsse verdolmetschte Herr Siegfried S t e i n, der Vizepräsident der Chewra-Kadischa für den XVI. und XVII. Bezirk, die Grüße und die besten Wünsche seines Vereines, wobei er der Verdienste des .im abgelaufenen Jahre verstorbenen früheren Präsidenten der Fünshauser Chewra, Herrn N e u f e l d, gedachte und die Genugtuung darüber aussprach, daß der Verein auch jetzt von so bewährten Männern geleitet wird, wie es der Präsident Weinberger und seine Kollegen im Vorstande sind.

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