Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 11 (13.3.1914)
- Date
- 1914-03-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 Dr. Vkochs Wochenschrift. Seite 173 des weitestgehenden Rechtes der Kritik der Tätigkeit des Kultusvorstandes im allgemeinen und des Präsidenten der Kultusgemeinde im besonderen, kann in diesen Angriffen nichts anderes als die Absicht erblickt werden, das Ansehen des Präsidenten und des Gesamtvorstandes in unberechtigter Weise in den Augen der Gemeindemitglieder herabzusetzen und dadurch den Unfrieden in die Gemeinde zu tragen. Indem wir uns gegen ein solches Vorgehen verwahren, sprechen wir gleichzeitig dem Herrn Präsidenten das vollste Vertrauen aus und richten an ihn 5 die Bitte, unbekümmert um diese Angriffe auch weiterhin seine unschätzbare Kraft und seine reichen Erfahrungen dem Wöhle unserer Gemeinde zu widmen." Präsident Dr. Alfred Stern dankt für diese Kundgebung und erklärt, so wie bisher auch in Zukunft sein ganzes Können in den Dienst der Gemeinde stellen zu wollen. Der Vorstand hat bisher es verstanden, das Ansehen der Gemeinde nicht nur in Wien und Oesterreich, sondern auch im Auslande zu wahren und wie bisher werde er auch in Zukunft das größte Gewicht darauf legen, daß das Ansehen der Gemeinde und ihres Vorstandes nach innen und außen gewahrt bleibe. (Beifall.) Wahl eines Rabbiners für den Gemeindetempel in Fünfhaus. Kultusvorsteher Dr. Leopold K o h n erstattet namens des Vertreter-Kollegiums ein eingehendes Referat in dieser Angelegenheit, welches dahin konkludiert, daß das Vertreter-Kollegium von einem Nominativen Vorschlag an das Plenum zu erstatten, Abstand genommen hat. Nach einer eingehenden Debatte, an welcher die Herren Dr. Jakob Engel, S. B r o d, Dr. Heinrich Schreib e r, kais. Rat Jonas Weil, S. Steiner, Max Zirner, Obering. Stricker, Dr. Markus Spitzer und Dr. Leopold Kohn teilnahmen, wurde zur Abstimmung geschritten. Nachdem in den ersten zwei Wahlgängen keiner der Kandidaten die im Statute vorgeschriebene Stimmenanzahl erhalten hatte, wurde ein dritter Wahlgang vorgenommen, bei welchem der Rabbiner des Tempelvereines in Mariahils Dr. Israel T a g l i ch t mit 20 von 27 abgegebenen Stimmen zum Gemeinderabbiner für den Tempel XV., Turnergasse 22, gewählt wurde. Herr Rabbiner Dr. Taglicht, auf welchen die Wahl des Vorstandes fiel, hat sich während der zwei Jahrzehnte seines Wirkens an dem Vereinstempel von Mariahilf zahlreiche Sympathien erworben, die ihn auch in den neuen erweiterten Berufskreis mit aufrichtigen Wünschen begleiten. Umbau des Gemeindehauses XV. Turnergasse 22. Das Vertreter-Kollegium und das Bau-Kollegium beantragen mit Rücksicht auf den ungemein baufälligen Zustand des Gemeindehauses in Fünfhaus den Umbau desselben und die Errichtung eines je drei Stock hohen Gassen- und Kopftraktes zur Unterbringung von Kanzleien, Amts- und Privatwohnungen. Der Antrag des Vertreter-Kollegiums wird bei Anwesenheit von 26 Mitgliedern einhellig angenommen. Nach Erledigung von Steuerangelegenheiten und Personalien wird die Sitzung um 9 Uhr abends geschlossen. Aas Jubiläum der Khewra-Kadischa Xd—XV. Mittwoch, den 4. d. M., fand inStrassers Saallokalitäten in der Sechshauserstraße 56 das 50jährige Jubiläumsfest statt, dem ein feierliches Requiem für die verstorbener Chewra-Mitglieder im Gemeindetempel in der Turnergasse 22 vorangegangen war. Der Jubelfeier des 50jährigen Bestandes dieser rührigen Chewra- Kadischa, die auch nach der Einverleibung der Fünfhauser Kultusgemeinde in die große Wiener isr. Kultusgemeinde ihre segensreiche Tätigkeit als selbständige Vereinigung fortführte, wurden aus allen Kreisen der jüdischen Gesellschaft die lebhaftesten und aufrichtigsten Sympathien entgegengebracht, die in der regen Beteiligung an der Jubiläums-Sude solennen Ausdruck fanden. Der allseits geschätzte Präsident der Chewra, Herr Hermann Weinberger, war denn auch in der Lage, bei der Eröffnung des Brudermahles, an welchem nahezu 160 Personen teilnahmen, außer den erschienenen Mitgliedern des Vorstandes und der Chewra-Kadischa auch zahlreiche Gäste zu begrüßen, und zwar die Vizepräsidenten der isr. Kultusgemeinde Dr. Gustav Kohn und Hofrat Dr. Benjamin Rappaport und Kultusvorfteher Max Zirner, in Vertretung der Chewra-Kadischa Wien I Vizepräsident I)r. snr. et pdil. Markus Spitzer mit den Vorstandsmitgliedern Samuel Go ld mann, Carl Lemberger, Samuel Steiner und Jacques Karpeles, die Gemeinderabbiner Dr. Grunwald, Dr. Abeles, Reich, Dr.Taglicht, Rabbiner Flesch, Obmann der Bezirkskommission XII.—XV., Samuel Mohr, Obmann des Tempelvereines Mieden-Margareten, Herr Ad. H o s m a n n, I. Sekretär k. Rat Dr. Th. Lieben, die Sekretär-Stellvertreter Emil Engel und Guido Fuchs gelb, Bibelschulinspektor Julius Braun, Friedhof-Amtsleiter Wilhelm Freistadt, Adjunkt Heinrich Engel, Materialverwalter Josef Steiner, Amtsleiter Rudolf Kraus, Sekretär Siegfried Fleischer, Direktor Richard L i s s a u, Redakteur Dr. I. S. Bloch, die Religionslehrer Berger, Bronner, Kreisky, Lichtendorf, Schulz,Schwarz,Schwertfinger u. m. a. Präsident Dr. Alfred Stern, Rabbiner Dr. Bach, Dr. Feuchtwan g, Sekretär Dr. Adler u. v. a. hatten ihr Fernbleiben telegraphisch entschuldigt. Nach herzlicher Begrüßung der Festgäste warf der Präsident einen Rückblick auf die fünfzigjährige Tätigkeit der Chewra, welche in dieser Zeit einen gedeihlichen Aufschwung nahm. Vor fünfzig Jahren wurde der Verein von einer kleinen Schar von Männern begründet, von denen nur noch das Ehrenmitglied Jacob D u s ch i n s k y unter den Lebenden weilt. Heute zählt der Verein etwa 300 Mitglieder. Bedenkt man, unter welch ungünstigen Verhältnissen die Juden der Vororte in jener Zeit zu leiden hatten und daß so viele wertvolle Gemeindemitglieder weggezogen oder durch den Tod abgegangen sind, ohne daß Ersatz in solchem Maße gewonnen worden wäre, so habe der Verein allen Grund, sich des heutigen Mitgliederstandes zu freuen. Mit Recht wies Redner darauf hin, daß der Verein im Laufe der 50 Jahre auch an Liebestaten und Werken der Bruderhilfe hervorragendes geleistet hat, die Not Tausender Menschen linderte, zahllosen Kranken und Heilungsbedürftigen die Mittel zur Wiedergenesung bot, wovon man sich aus den Jahresberichten die Ueberzeugung holen konnte. Die Chewra-Kadischa in Fünfhaus habe durch ihre eminent wohltätigen Leistungen auch wohltätige Menschen veranlaßt, diesen Verein, sei es durch Mitgliedsbeiträge, durch Spenden oder durch letztwillige Widmungen, materiell zu fördern, oder aber bei anderen Anlässen durch hochherzige Zuwendungen die Leistungsfähigkeit dieses Humanitätsvereines im schönsten Sinne des Wortes durch munifizente Zuwendungen zu erhöhen, wie dies ganz besonders der Präsident der Chewra-Kadischa Wien I, Herr Salo Cohn, in hervorragender Weise getan. Allen diesen Mitgliedern, Gönnern und Freunden sprach Herr Weinberger namens des Vorstandes den herzlichsten Dank aus und hieß sie sowie die Gäste herzlich willkommen.