Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 47 (21.11.1913)
- Date
- 1913-11-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 47 Dr. Bkochs Wochenschrift. Seite 865 Ein jüdischer Stadtrichter in Budapest gestorben.. Im besten Mannesalter, kaum 42 Jahre alt. starb vor wenigen Tagen in Budapest der Stadtrichter des fünften Bezirkes, Dr. Heinrich Incze. Der Verstorbene verfügte über ein vielseitiges und umfangreiches Wissen. Aus der Jeschibah hervorgegangen, genoß er seine höheren Studien im Auslande und wurde nach seiner Heimkehr zunächst Journalist. Später lenkte er durch seine hervorragenden Artikel über Kunst und Aesthetik die Aufmerksamkeit auf sich, so daß er zum Professor der Schauspieksrakademie ernannt wurde. Dr. Incze blieb bis an sem Lebensende ein überzeugter konservativer Jude, der seiner religiösen Ueberzeugung überaus große Opfer gebracht hat. Als Kenner des hebräischen Schrifttums suchte und fand er Anschluß an jene gelehrten Gesellschaften, deren Tätigkeit der Wissenschaft des Judentums gewidmet ist. In seiner Eigenschaft als Richter erwarb er sich wegen seiner Klugheit mit seiner scharfen Urteilskraft das Ansehen und Vertrauen aller Parteien. Auch die Arbeiter, die Dr. Incze als Professor an das ArbeiterZym nasium beriefen, zollten diesem glänzenden Charakter die unbedingte Anerkennung. An seinem Leichenbegängnis e haben sich denn auch alle diese Kreise in überaus starkem Maße beteiligt. Pohrlitz. (Zur Erinnerung an Herrn Rabbiner Dr. A. Schmiedl.) Am 1. Oktober 1855 wurde die Einweihung des hiesigen Tempels vorgenommen, eines Prachtbaues, der noch jetzt die Zierde unserer Gemeinde bildet. Herr Dr. Schmiedl, der zu jener Zeit als Rabbiner in Proßnitz wirkte, wurde eingeladen, die Einweihung vorzunehmen. Ec entsprach dieser Einladung in der bereitwilligsten Weise, scheute die für die damalige Zeit ziemlich weite und beschwerliche Reise von Proßnitz nach Pohrlitz nicht und vollzog hier den Einweihungsakt in glänzendster Weise. Für seine Mühewaltung verlangte er keinen anderen Lohn, als daß die Erinnerung an die Einweihung des Gotteshauses durch eine Schulstistung festgehalten werde. Diesem Wunsche wurde selbstverständlich seitens der Gemeindevertretung sofort Rechnung getragen. ES wurde von derselben ein angemessener Betrag zur Errichtung einer „Dr. Schmiedl Schu l st i f t u n g" gewidmet, deren Zinsen alljährlich unter 2 in den hebräischen Lehrgegenständen vorzüglichen Schülern verteilt werden. So hat sich der nunmehr in Gott ruhende ausgezeichnete Mann durch seine edle Uneigennützigkeit in unserer Gemeinde ein dauerndes und gesegnetes Andenken gesichert. Spanische AusMchmmg Br einen Inden in Saloniki. Wie aus Saloniki gemeldet wird, hat der König von Spanien dem Dragoman beim spanischen Konsulat in Saloniki, Marius Naar, das Kavalierskreuz de; Ordens der katholischen Jsabella verliehen. Anstatt des „roten Zettels" der . weiße Zettel". Dem Warschauer „Haint" wird aus Jerusalem geschrieben: Am letzten Feiertag langte von der Regierung an den hiesigen Pascha die telegraphische Mitteilung ein, daß der „rote Zettel" zu existieren aufgehört habe. Der Pascha von Jerusalem hat diese Meldung sofort nach Jaffa weitergegeben. Die Nachricht hat unter den Juden naturgemäß große Freude verursacht, doch stellt es sich heraus, daß die Freude ein wenig verfrüht war. Die Einschränkung, daß ein Jude in Palästina nicht länger als drei Monate sich aufhalten dürfe, ist, wie behauptet wird, noch nicht aufgehoben worden. Im Gegenteile, sie wird jetzt noch strenger gehandhabt und erstreckt sich nicht nur auf die fremden Juden, sondern auch auf ottomanische Juden, die aus anderen türkischen Provinzen nach Palästina kommen. Die Kontrolle hierüber ist auch jetzt nicht schwächer geworden. Nach wie vor wird dem Einwanderer der Paß abgenommen, nur daß ihm an Stelle des „roten Zettels" jetzt — ein „weißer Zettel" ausgefolgt wird. Kriminalität und Konfession. Zu der kürzlich durch einen großen Teil der Presse gegangenen, aus der „Statistischen Korrespondenz" entnommenen Notiz über die Beteiligung der einzelnen Konfessionen an der Krimina- Utäl in Preußen schreibt uns das Bureau für Statistik der Juden in Berlin: Die Ziffern der gesamten Kriminalität können ein richtiges Bild von dem Anteil der Konfessionen am Verbrechen nicht geben. Hierzu wäre es vielmehr nötig gewesen, die in dem „Statistischen Jahrbuch für den preußischen «taat 1912" veröffentlichte Tabelle mitabzudrucken, welche die Zabien für die einzelnen Delikte enthält. Bei der Betrachtung der Tabelle ergibt sich ohne weiteres, aus welchem Grunde die GesamtkriminaUtätsziffer der Juden höher ist als. die der Evangelischen. Es wurden nämlich wegen der verschiedenen Vergehen gegen die Gewerbeordnung von je 100.000 strafmündigen Zivilpersonen bestraft: Evangelische 69 Katholiken 32 Sonstige Christen 62 Juden 238. Bringt man diese Zahlen von den Gesamtzahlen in Abzug, so ändert sich das Bild vollständig und die Kriminalität der Juden weist die niedrigste Ziffer (mit Ausnahme der „Sonstigen Christen") auf. Daß die Juden aber an jenen Gewerbevergehen so unverhältnismäßig stark beteiligt sind, ist die notwendige Folge ihrer Berufsgliederung, die von derjenigen der christlichen Bevölkerung insbesondere darin abweicht, daß die Juden im Handelsstande viel zahlreicher vertreten sind, als die Christen. In der oben erwähnten Notiz der „statistischen Korrespondenz" ist übrigens auch darauf hingewiesen, daß für eine genauere Darstellung der Kriminalität der Beruf herangezogen werden muß, wie dies heute auch bei allen wisfenscha, tlichen Erörterungen schon allgemein geschieht. Dann wird man zu dem Ergebnis kommen, daß die Kriminalität der Juden wesentlich.günstiger ist, als die der Christen: diese These stellt unter anderen auch der bekannte Strafrechtslebrer v. Liszt auf. Eine eingehendere Darstellung der Kriminalität der Juden in Preußen für das Jahr 1910 findet sich bereits in der „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" (Juni 1913). Vermischtes. Bortrag von Dr Max Grunwald im Festsaal des Hotel Continental, II, Taborstraße 4. Donnerstag den 27. November 1913, '/.,8 Uhr abends, findet im Festsaale des Hotel Continental, II., Taborstraße 4, der Eröffnungsvortrag für diese Saison statt. Es spricht Herr Rabbiner Dr. Max Grunwalb über das Thema: „Zur Psychologie des Ritualmord- Wahn e 8." Eintritt frei, ohne Karten. W'en. (Requiem.) Sonntag den 23. November 1.1., um 4 Uhr nachmittags, findet im Bethause „Neebib Jesclniah“ (II., Josefinengaffe 7), eine Trauerandacht für den in Chemnitz (Sachsen) verstorbenen Gründer des Vereines, Herrn I. M. Braun s. A., statt. Die Truuerrede hält Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Max G r u n w a l d, die kantorale Funktion wird Herr Oberkantor Morgenstern mit Chor versehen. Wien. (Verlobung.) Möbelhändler Rudolf Krauß hat sich mit Regine Ungar Fröhlich aus Bal. Gyarmat verlobt. Wien. (Auszeichnung.) Dem bekannten Klaviervirtuosen Emerich Kris, Sohn des Herrn Michael Kris in Wien und Bruder der in Wien sehr bekannten Klaviervirtuofin Else Kris, wurde vom Herzog von Coburg vorige Woche die Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen. Derselbe wurde schon mehreremal ausgezeichnet und zwar: vom deutschen Kronprinzen, vom Herzog von Oldenburg und vom Papst Pius X. Wien. Der jüd.-akad. Verein „Theologia" teilt mit daß die Promotion feines A. H. Noe C h a ch a m zum DoÜor der Philosophie Freitag den 21. November 1913, ysl Uhr mittags, im großen Festsaale der k. k. Universität in Wien stattfindet.