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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-11-21 · 47 (21.11.1913) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
47 (21.11.1913)
Date
1913-11-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 864 Dt. Blochs Wochenschrift. Nr. 47 fleißigen und aufopfernden Mitarbeit des Kuratoriums, genommen hat. Insbesondere dankte er den Herren Kuratoren Rabbiner Tr. M- Grunwald, Regieruugsrai Tr. S. Frankfurter, Prof. Isidor Kauf in a n n, Direktor C. Lemberg er. Tr- Sigmund Stiaßny und Dr. Bela Taußig. Hierauf erteilte er dem Herrn Prof. A. Z. 2delsohn aus Jerusalem das Wort zu seinem Vortrage über den traditionellen Gesang der orientalischen Juden. 2n geistvoller und anregender Weise führte Herr Professor I d e l s o h n in seinem großangelegten Vortrage aus, daß es eine spezifisch jüdische Musik gebe, die auf jene der alten Hebräer zurückgeh'. An Hand von grammophonischen und oralen Demonstrationen wies er auf den unzweifelhaften Zusammenhang alljüdischer Weisen des Orients und Europas hin, und damit ist auch schon der Beweis einer spezifisch jüdischen Musik gegeben. Der eigentümliche Zauber dieser Weisen gab dem Vortragenden Recht, als er mit den Worten schloß: „So ist denn die Behauptung Richard Wagners, daß die Juden Stümper auf dem Gebiete der Musik seien, nicht richtig!" Ein gemeinsames Abendessen im Restaurant Pinkas beschloß den Abend. Ehrung für den Kmtuss off« eher Adolf Schrämet. Ein freudiges und herrliches Gemeindefest, wie ein solches in den Wiener Vereinstempeln selten stattgefunden hat, feierte Samstag, den 8. November, der Vorstand des Beihausvereines ,,Am VolkerL". Galt es ja. dem verdienstvollen, langjährigen Obmann des Vereines, Herrn Adolf Schrämet, der mit seinen Vorstandsmitgliedern in herzlichster Weise zusammenarbeitet, den Ausdruck aufrichtiger Hochschätzung, den Tank für die reiche Arbeit, die er während seiner 33 jährigen Obmannschaft geleistet hat, und für die schönen Erfolge dieser Arbeit abzustatten. Schon lange vor Beginn des Gottesdienstes versammelte sich der gesamte Vorstand in dem neuerbauten Tempel, in welchem eine große Anzahl Festgäste erschienen war. Rach dem Schacharisgebete begann der Festgattesdienst, wobei Oberkantor Josef Giblichmann die beim Ausheben der Thora üblichen Gesänge in feierlichem Vortrag rezitierte. Als Schlischi wurde nun der Obmann zur Thora gerufen und wurde diese Paraschah ebenfalls vom Oberkantor Giblichmann in besonderer Weise vorgetragen. Bei diesem Anlaß spendete der Gefeierte namhafte Beträge für humanitäre Zwecke. Nachdem sich hierauf alle Vorstandsmitglieder nebst der Familie des Obmannes um diesen auf der Estrade gruppiert hatten, hielt Obmannstellvertreter Herr HerrmannE Ehrenfeld die Festrede, in der er in schönen Worten die ersprießlichen Dienste und das segensreiche Wirken des allseits geschätzten Obmannes beim Erbauen dieses prächtigen Gotteshauses würdigte. Nun wurde eine schöne, drei Meter hohe Gedenktafel aus rotem Veroneser Marmor enthüllt. Dieselbe trägt in großen, goldenen Lettern die Inschrift: Dem Vereinspräsidenten Herrn Adolf Schrämet in dankbarer Würdigung der großen Verdienste anläßlich der Erbauung dieses Tempels gewidmet vom Vorstand. 8. Cheschwan 5674. Tiefgerührt dankte Herr Adolf Schrämet dem Gesomtvorstand für die solenne Ehrung und sprach dem Baukomitee seine Anerkennung für die treue und fleißige Mitarbeit aus und hob besonders lobend die Leistungen des Architekten Ignaz Reiser hervor. Zum Schlüsse betonte er noch, daß sein stetes Streben für das einträchtige Zusammenwirken mit seinen Vorstandsmitgliedern war und sprach die Hoffnung aus, daß diese schöne Eintracht auch in dem neuen Hause aufrecht bleibe und erhalten werde. Sodann würdigte der Vereinsrabbiner Herr I. L. Ab el es die mühevolle und erfolgreiche Tätigkeit und das freundliche Entgegenkommen des Präsidenten sowie die besondere Betätigung auf humanitärem Gebiete. Nach mehreren schönen Choralgesängen wurde der Jubilar durch einen Mischeberach geehrt, den Oberkantor Giblichmann verfaßt hatte und feierlich zum Vortrag brachte. Viele Gäste brachten die herzlichsten und aufrichtigsten Glückwünsche in der Hoffnung dar, daß es dem Obmann noch viele Jahre gegönnt sein möge, in dem von ihm gegründeten Gotteshause und der Gemeinde segensreich zu wirken. Wien. (Bekleidungsfest.) Sonntug, den 16. d., fand im Festsaale des „Hotel Continental", II.. Taborstraße 4, das Bekleidungsfest des Vereines zur Bekleidung und Unterstützung armer alter Männer israel. Konfession statt, das sich, wie immer, eines recht zahlreichen Besuches erfreute und diesmal einen besonders würdigen und rhebenden Verlauf nahm. Unter den Festgästen waren anwesend: als Delegierter des Kultusvorstandes Kultusvorsteher Adolf Schrämet, die Kultusvorsteher Bezirksschulrat Dr. Markus Spitzer, S. Brod, Emanuel Grünwald und S. Steiner, Rabbiner Dr. Grunwald, die Bethausvorsteber Carl Freund, Theodor Kohn, Dr. Elias Münz und S. A. Waffervogl, die Orerkantoren. Bauer, Fuchs, Morgenstern m.d Giblichmann, Kantor Löwit, Hofrat Dr. Schlag. Schriftsteller Dr. I. S. Bloch, kaö. Rat Dr. Arnold Ascher. Beprkrvoisicher Blasel, Bezirksrat Edmund Hofmann. Gemeinderat Fischer, Armenrat Funk, die Ehrenmitglieder des Vereines kais. Rat Boskowitz und Carl Fuchs, die Tochter des kürzlich verstorbenen Ehrenmitgliedes Rabbiner Dr. Schmied! Frau Dr. Treu» ferner zahlreiche Vertreter und Vertreterinnen humanitärer Vereine. Die Feier wurde mit einem Präludium, aespielt von Professor S. Storch, eröffnet, worauf Vereinspräsident Isidor Schwarz nach Begrüßung der Festgäste dem heimaeaangenen, unvergeßlichen Ehrenmitgliede Rabbiner Dr. Adolf Schmiedl, der dem Vereine mit seltener Lrebe anhing und ihm durch sein begeisterndes Wort zahlreiche Gönner und Förderer warb, einen tiefempfundenen Nachruf hielt, der von der Versammlung stehend angehört wurde. Stimmungsvoll schloß sich hieran der Vortrag des von Dr. Schmiedl verfaßten Festgedichtes „Nathan der Weise" durch den Rezitator Herrn Benno Lie. Eine Glanznummer des Programmes bildeten die Vorträge des Wiener Kaufmännischen GesangsvereineS, der unter Leitung seines Chormeisters Herrn Arthur von Henriquez volle künstlerische Leistungen bot. Die Festrede hielt Herr Rabbiner Dr. Max Grün- Wald, der in geistreicher Ausführung eine Parallele zwischen der keimenden und der absterbenden Natur im Frühling und Herbst und der Jugend und dem Alter im Leben des Menschen zog und dann dem Wirken des Vereines vollste Würdigung zuteil werden ließ. In den Ansprachen des Bezirksvorstehers Blasel und der Kultusvorsteher Dr. Markus Spitzer und S. Brod kam die Anerkennung der Tätigkeit des Vereines in beredten Worten zum Ausdruck. Als Sängerin von feinem Geschmack, reichen Stimmitteln und empfindungSvollem Vortrag zeigte sich Frau Claudi Boudi, die von dem entzückten Auditorium zu immer neuen Zugaben ermuntert wurde. Zum Schluffe wurden einige Rezitationen des Rezitators Benno Lie lebhaft akklamiert. Der Verein kann auf die nach jeder Richtung gelungene Veranstaltung stolz sein, noch mehr aber auf sein liebevolles, großzügiges Hilfswerk das nicht nur in der Bekleidung unserer armen allen Glaubensbrüder, sondern in einer stetigen Fürsorge für dieselben während des ganzen Jahres durch Gewährung von namhaften Barunterstützungen allgemein anerkannten Ausdruck findet. Einen so segensreich wirkenden Verein reichlich zu unterstützen, sollte Herzenssache der weitesten jüdischen Kreise sein. Mödling. Sonntag den 16. d. M. fand daselbst die Schlußstein legung in der neuerbauten Synagoge statt. Nachdem sich der Gesamtvorstand versammelt hatte, verlas Architekt Ignaz Reiser, der Erbauer dieser prächtigen Synagoge, die Urkunde und nach vorgenommener Erneuerung derselben übergab er nunmehr mit einer kurzen Ansprache den fertiggestellten Bau dem verdienstvollen Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Herrn Ignaz B 6 l a i, welcher aus diesem Anlässe seinen bewährten Vorstandskollegen, sowie allen am Bau Beschäftigten und Beteiligten für ihre werktätige Beihilfe um das Gelingen dieses heiligen Werkes herzlichst dankte. Zum Schluffe wurden von allen Anwesenden die traditionellen Hammerschläge geleistet, worauf diese interne Feier ihren Abschluß fand. Die eigentliche, feierliche Einweihung dieses Gotteshauses findet erst im kommenden Frühjahre statt.

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