Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 46 (14.11.1913)
- Date
- 1913-11-14
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Serie 854 Nr. 46 Dr. Bkvchs Wochenschrift. lauten Ruf des Lebens vor ihren Toren, in diesen engen Bahnen weilerwandelt. Ein weiter Platz am Ausgange der Straßen dient als Trödlermarkt. Hier hat das Geschäftsleben seinen Höhepunkt erreicht und die kaufmännischen Geister sind grenzenlos entfesselt. Alles, was die täglichen. Bedürfnisse des Lebens und der Häuslichkeit erfordern, vereint sich auf diesem kleinen Großmarkt, und die zur Schau gestellten Waren beweisen uns, mit welch geringen Ansprüchen sich die vom Schicksal wenig Begünstigten begnügen. Was die Fabriken der Großstadt an dürftigster, mittelmäßigster Ware herzustellen imstande sind, ist auf diesem seltsam belebten Markte aufgestapelt: Stoffe. Kleider und Schuhe, Haus- und Küchengeräte, Eisen- und Messingwaren, Handwerkszeug jeglicher Art. Um die Buden drängt sich eine erregte Menge, wogt hin und her, kaufend, handelnd und schreiend, um ein Besitztum für wenige Pfennige zu erstehen. Und inmitten dieser Schar, die um die Erhaltung der ärmlichsten Eristenz kämpft und arbeitet, wimmelt eine Unzahl Kinder in sorgloser Unbekümmertheit. Sie wachsen und gedeihen wie die Pflanzen des Feldes, denn auch an ihnen werden keine Regeln der fortschrittlichen Hygiene angewendet und ihr Aussehen ist ein Beweis dafür, daß die Säuberung für den Freitagabend als genügende Erfüllung der Forderungen der nötigsten Körperpflege betrachtet wird. Aber sie sind eine lebendige Garantie für die sichere Tatsache, daßdieser traditionell erhaltene Stadtteil mit seiner konservativen Bevölkerung auch noch das 20. Jahrhundert überdauern wird. Am Samstag, dem heilig gehaltenen Ruhetage, ändert sich das Bild. Da ruhen alle Geschäfte, die Buden und Verkaufswägelchen sind von den Straßen verschwunden, die von einer umsichtigen Stadtverwaltung an diesem Tage einer durchgehenden Säuberung unterzogen werden. Vor den Türen sitzen die Männer und Frauen in ihrem besten Feiertagsstaat, nach dem Besuche der Synagoge den Frieden eines arbeitsfreien Tages genießend, Da sieht man manche Typen, die aus einer fernen Zeit zu stammen scheinen: Männer mit ernsten Charakterküpfen, deren Würde und Ausdruck an die Gestalten erinnert, die Rembrandt so unvergleichlich auf die Leinwand bannte. Frauen im Schmucke ererbter Tücher und Hauben sitzen gleich dem Bilde ihrer Urahnen im friedlichen Gespräch auf den Schwellen der Haustore. In dieser Sabbatruhe, die nichts weiß vom Lärmen und Hasten der Großstadt, die wenige Schritte enffernt ununterbrochen brodelt und gärt, ist das Mittelalter ganz lebendig geworden. Diese Menschen leben zufrieden in ihrer freiwilligen Abgeschlossenheit enge beisammen, ihrer Tradition und ihrem Gotte in treuem Dienste ergeben. Nachdenklich gestimmt, wandeln wir die Straße hinab, die uns wieder dem flutenden Leben entgegenführt. Noch ein Denkmal grüßt uns am Ausgangspunkte. Hier steht Rembrandts Wohnhaus, das er von 1639—1656 bewohnte, ein schlichtes Gebäude, das seinerzeit ein stolzes Patrizierhaus war. Ein anderer machtvoller Geist, entgegengesetzt der sprühenden Lebensfreude des bildenden Künstlers, sann und grübelte auch in diesen denkwürdigen Straßen. Baruch Spinoza, der Sohn portugiesischer Juden, wurde hier geboren, doch ist sein Geburtshaus unbekannt. Noch wenige Schritte und wir haben das alte Judenviertel der Stadt Amsterdam verlassen. Vor uns sehen wir die Gegenwart, machtvoll und vorwärtsdrängend, mit dem großartigen Ausbau aller Möglichkeiten, die der menschliche Geist kühn beherrscht: hinter uns liegt die Vergangenheit mit den Sitten und Gebräuchen einer längst überwundenen Zeit, die hier in einem kleinen Ausschnitt lebendig, geblieben sind. Wir schreiten weiter den blitzenden Lichtern der Stadt entgegen, die tltts als Gegenwartsmenschen gehört. Doch ein Gefühl der Ehrfurcht und der Rührung bleibt in uns für diesen kleinen Teilbestand eines großen Volkes, der als ein Ganzes, unbeirrt und unbekümmert um die Wandlungen einer drängenden Zeit, der Ehre und dem Glauben seiner Väter lebt. Kunst und Literatur. Einen genußreichen Abend bereitete uns Viktor Heim in seinem letzten Konzert. Wir hörten selten gesungene alte Lieder italienischer Meister und Lieder von Pranz, dann den Nöch von Loewe, eine der besten Leistungen Heim's und einige Gesänge von Hugo Wolf, die uns der Sänger prachtvoll wiedergab. Während die Fülle der Stimme und ihr Wohlklang seit vorigem Jahre unverändert blieb, scheint Heim an Tiefe und Schönheit des Vortrags noch gewonnen zu haben. Das zahlreiche Publikum feierte seinen Liebling in gewohnter Weise und erzwang sich einige Zugaben. Mutzi. Das Novemberheft von „Nord und Süd“ (Herausgeber und Chefredakteur: Prof. Dr. Ludwig Stein, Berlin W., Lützowufer 5 a. — Verlag: Schlesische Buchdruckerei, Kunst- und Verlagsanstalt von 8. Schottlaender, A.-G., Breslau. — Preis pro Quartal 6 M.) gibt ausführliche und lehrreiche Aufschlüsse über Albanien. Angefügt ist ein kurzer Ueberblick über die Geschichte des Landes, in der namentlich der albanesische Nationalheld Skanderbeg eine Rolle gespielt hat. — Als einen Beitrag zur Klärung der politischen Lage in Kleinasien erörtert Dr. phil. B. Ischclianian das Thema: „"Warum gibt es in Armenien keine nationale Bewegung?“ — Der norwegische Minister und ehemalige Präsident des Völkerrechtsinstitutes, Francis H a g e r u p, dessen Bildnis dem Hefte beigegeben ist, bespricht das Programm einer „dritten Haager Friedenskonferenz“. — Aus einer soeben erschienenen Arbeit des Direktors der Deutschen Bank, Dr. Karl Helfferich, wird'ein Abschnitt über „Deutsche Wirtschafts- und Kolonialpolitik“ wiedergegeben, der das Anwachsen der Seeschiffahrt, des Handels und der Kolonien Deutschlands während der letzten 25 Jahre ersichtlich macht. — In Italien werden augenblicklich die allgemeinen Wahlen zum ersten Male nach dem „neuen italienischen Wahlrecht“ vollzogen, das im Jahre 1912 Gesetz geworden ist. Guido Pardo betrachtet nun die Bestimmungen des bisherigen Wahlgesetzes vom Jahre 1882, das Zustandekommen der neuen Wahlreform und deren voraussichtliche Folgen. — Anknüpfend an die zjweite Auflage von Vailiingers Buch „Philosophie des Als Ob“ untersucht Prof. Dr. Ludwig Stein die Frage: „Wie entstehen unsere Ideale?“ — Eine Fülle neuer interessanter und anregender Gedanken bietet der Beitrag: y,Richard Wagners Menschen“ von Arthur W o 1 f g a n g. Jung-Juda. Illustrierte Zeitschrift für unsere Jugend. XIV. Jahrgang Nr. 21. Prag, den 7. November 1913. (7. Marcheschwan 5674.) Inhalt: Ferdinand Gregorovius: Klagegesang der Kinder Juda in Rom. — Zum Wochenabschnitt Midrasch Rabbah'. — Prof. Dr. Nathan Grün: Die Prager israelitische Gemeinde im 18. Jahrhundert. — R. Simon ben Schetach. — A. M. Ten dl au: Halte deines Vaters Gebot. .— Albert Löw: Die Ehrfurcht vor deinem Lehrer sei gleich der Ehrfurcht vor Gott. — Josef Hart: Ferien (Schluß). — El Lädier: Im*Herbst. — Uebersetzungs- Aufgabe. :— Preis-Rätsel. — Frage und Antwort. — Redaktion und Administration: Prag, III., Stefansgasse 629. Ost uhd West. Illustrierte Monatsschrift für das gesamte Judentum. Organ der Alliance Israelite Universelle. Xm. Jahrgang. Heft 11. November 1913. Inhalt: Der Verband der deutschen Juden. Zu seiner Hauptversammlung in Hamburg am 9. November 1913. — Theodor Zlocisti: Vor Rosa Frenkel-Manussons Bildern (mit 5 Illustrationen). — Dr. Simon B e r n f e 1 d: Die Glanzzeit des osmanischen Reiches. (Die Juden in der Türkei in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.) — Dr. Max Grunwald: Juden als Erfinder und Entdecker. (III.) — Dr. Emanuel L a’s k e r: „Das Begreifen der Welt“. Besprochen von Arno Nadel. — Stephanie Forchh1 eimer: Ein Gang durch das Judenviertel in Amsterdam’. (Mit 2 Illustrationen.) — Dr. H. Hoppe: Die Fruchtbarkeit der Juden.. (EU.) — Mitteilungen des Zentralkomitees der Alliance Israelite Universelle. — Notizen. — Literarische Rundschau. — BücKereinlauf. — Verlag „Ost und West1 'Leo Winz, Berlin-Charlottenburg, Knes^beckstraße 32. _ Dr. Adolf Kohiijt. Fragen des Tages. Ritual-Morclprozesse. Bedeutsame Fälle aus der Vergangenheit. Verlag Dr, Basch & Co., G> m. b, H., Berlin—Wilmersdorf.