Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 46 (14.11.1913)
- Date
- 1913-11-14
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 859 Dr. Bkochs Wochenschrift. Nr. 46 mutzte zur Rettungsgesellschaft gebracht werden, wo er verbunden wurde. Einer der beteiligten Studenten wurde verhaftet, die anderen flüchteten. So weit der Bericht. Den jüdischnationalen Studenten in Czernowitz scheint es jedenfalls sehr gut zu gehen, datz sie keine bessere Betätigung ihres jüdischen Nationalismus finden, als sich untereinander herumzuraufen. Berün. Achad Haam (Ginzberg), Schmarja Lewin und Dr. Tschlenow, die zionistischen Mitglieder des Kuratoriums des jüdischen Technikums in Haifa, haben ihren Austritt aus dem Kuratorium erklärt, weil das Deutsche zur Unterrichtssprache bestimmt worden ist und das Hebräische erst an zweiter Stelle rangiert. Golris-Blüten. 2n Duisburg führen die jüdischen „Liberalen" einen erbitterten Kampf gegen das Wahlrecht der Ausländer, die den Herren bei ihren Reformbestrebungen ein wenig hinderlich im Wege stehen. Welcher Mittel sich die Offiziellen zu Duisburg bereits bedient haben, um ihre steuerzahlenden ausländischen Brüder mundtot zu machen, ist aus früheren Berichten aus der westfälischen Industriestadt bekannt. Mit ihrer letzten Tat dürffen sie aber in der Geschichte des zerstörenden Vruderhasses einen Rekord geschlagen haben. Nach der „Jüdischen Rundschau" vom 31. Oktober — der wir die Verantwortung für die Richtigkeit der ungeheuerlich klingenden Mitteilungen überlassen müssen — legten die Repräsentanten der dortigen Gemeinde kurz vor ihrem unfreiwilligen Scheiden aus dem Amte einen Protest gegen die Wahl der neuen Repräsentanten bei der Regierung zu Düsseldorf ein, mit der Begründung, das Wahlergebnis sei durch einen in umfangreichem Matze betriebenen Stimmenkauf zustande gekommen: der Führer der in Duisburg wohnhaften galizianischen Juden, die nach Sitte und Weltanschauung den deutschen Juden gänzlich fernständen und der von den rechtgläubigen Israeliten als ketzerisch angesehenen Sekte der Chassidäer angehvrten, habe die Stimmen seiner Sektenbrüder zum Preise von je fünf Mark zugunsten der Gegner der Liberalen gekauft und die Verkäufer angewiesen, die ihnen zustehenden Beträge nach der Wahl bei einem namentlich bezeichneten (inländischen) Mitglied des Repräsentantenkollegiums aus einem zu Wahlbestechungszwecken gebildeten Fonds in Empfang zu nehmen. Die Unterzeichner seien gezwungen, diese strafbaren Handlungen aufzudecken, um die Würde der Synagogengemeinde Duisburg zu wahren. Der Protest war von zahlreichen Personen unterschrieben! Würden diese Angaben auf Wahrheit beruht haben, so hätten sie nach Recht und Gesetz Gefängnisstrafe und nachträgliche Ausweisung — worauf es wohl den Anglern hauptsächlich ankam — für die „unerwünschten Ausländer" zur sicheren Folge haben müssen. Zum Glücke ergab aber die vom Gerichte eingeleitete Untersuchung die völlige Grundlosigkeit der Anschuldigung, so datz das Verfahren vom Staatsanwalt eingestellt und vom Regierungspräsidenten in einer Zuschrift an die Protestler den Wählern attestiert wurde, datz „Stimmkauf und WahDeeinflussung nicht vorgekommen seien". Allein nicht das interessiert uns so sonderlich, uns interessiert im Augenblick vornehmlich die ganz eigene Form der /.liberalen" Eingabe. Man bedenke: zu einer Zeit, da in der russischen Ukrainestadt unter den Augen der gesamten Kulturwelt Oer die jüdische Gemeinschaft zu Gericht gesessen wird, da wir aus unreinem verleumderischen Munde täglich hören Müssen, datz wir blutdürstende Sekten in unserer Mitte dulden/ zu einer Zeit, da das gesamte freie Europa sich wie ein Mann austehnt gegen die Verunglimpfung der jüdischen Lehre, da die Gelehrten aller Nationen ihr Gutachten dahin abgaben, datz das Judentum keine Sekten kenne und eine chassidische Geheimlehre bei den im Ritual von uns nur unwesentlich abweichenden Ehassidim nicht existiere, just um diese Zeit btingen es liberal sich nennde Juden übers Herz, vor der Behörde von einer „als ketzerisch angesehenen Sekte der Chassidäer" zu sprechen! Haben denn die /.liberalen" Herren zu Duisburg den letzten Rest von jüdischer Treue, menschlichem Solidaritätsempftnden eingebützt, datz sie in Verfolgung ihrer aus Machtlust dittierten Pläne kalten Herzens den Feinden eine so gefährliche, aus Lüge und Verleumdung geschmiedete Waffe in die Hand spielen? Datz mit dieser elenden Angeberei gegen hunderte jüdische Eristenzen der Dämon der KautschukbestimMung über „die lästigen Ausländer" heraufbeschworen werden Mutzte, ficht die Herren Liberalen weiter nicht an. Das ist nach allem', was-dort vorausgegangen ist, weiter nicht verwunderlich. Datz aber die Herren, unter denen sich auch Mitglieder der Alliance, des Zentralvereines, der Loge usw. befinden, vor der durch und durch unwahren Denunziation in dieser unerhörten und Wahrheitswidrigen Form nicht zurückscheuten, zeigt doch genau die Geistesrichtung, die die Reform in ihren neuesten Phasen einschlägt. Sie zeigt den Abgrund, an den der religiöse Liberalismus, der darauf aus ist, die Fäden, welche uns mit der Vergangenheit, mit den Leiden und Hoffnungen der Gesamtheit verbinden, abzuschneiden, einen Teil seiner Anhänger bereits Leführt hat. New-Aork. Allgemeines Aufsehen erregt ein Wohltätigkeitsakt eines Juden, wie er wohl selten Vorkommen dürfte. Der Chef des Hauses Altmann & Co., ein Multimillionär, hat seine während eines ganzen Lebens gesammelten Kunstschätze im Werte von 1x/2 Millionen Dollar der Stadt vermacht und sein riesiges Vermögen von zirka 30 Millionen Dollar nach Abzug von SU Millionen, die als Legate für Verwandte bestimmt sind, einer Stiftung gewidmet zur Unterstützung und Förderung humanitärer und wissenschaftlicher Anstalten. Vermischtes. Wien. Samstag, den 15. November a. c., vormittag beim Hauptgottesdienste Predigt des Herrn Rabbiner Dr. Max Grunwald im Leopoldstädter Tempel. Wien. Auf Einladung der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union wird der Professor an der Berliner Universität, Dr. Hermann L. Strack, Dienstag, den 18. d., präzise V28 Uhr abends, im Beethovensaale, I., Strauchgafse 7, einen Vortrag unter dem Titel: „Die Ritualmordbeschuldigung und die neuesten Prozesse" halten. Professor Strack ist Verfasser des bekannten Buches »Das Blut im Glauben und im Aberglauben der Menschheit" und hat an die Verteidigung im Kiewer Prozesse ein umfassendes Gutachten geliefert. Die Versammlung ist frei zugänglich. Wien. Sonntag, den 16. d. M., V24 Uhr nachmittags, findet im Festsaale des „Hotel Continental", II., Taborstraße 4, das Bekleidungsfest des Vereines zur Bekleidung und Unterstützung armer, alter Männer israelitischer Konfession statt, das mit einer Trauerkundgebung für das verstorbene Ehrenmitglied des Vereines, Herrn Rabbiner Dr. Adolf Sch mied l, verbunden sein wird. Die Festrede wird Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald. halten. Wien. (Trauung.) Sonntag, den 9. November, fand in Szombathely (Steinamanger) die Trauung des Herrn Artur Beck, Sohnes des Herrn Adolf Beck, aus Wien, mit dem Fräulein Vilma Engel, Tochter des Herrn Dr. S. Engel in Szombathely, statt. Herr Adolf Beck, Seniorchef der bekannten Uniformierungssirma Wilhelm Beck u. Söhne, ist als Vorsteher und einer der Gründer des Neudeggertempels in der Josefstadt, ebenso durch seine Wohltätigkeit und sein unentwegtes Streben, das Judentum zu fördern, bekannt.