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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-11-07 · 45 (7.11.1913) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
45 (7.11.1913)
Date
1913-11-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Seite 825 Nr. 45 Dr. Bkochs Wochenschrift. Ikorrespondenzen. Aus der öffenMchen Plenarsitzung des israelitischen Kultusvorstandes vom Mittwoch, den 29. Oktober 1913, unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Ster n. Wir erhallen folgendes Communiquö. In der am 29. Oktober 1913 vom Vorstande der israelitischen Kultus gemeinde veranstalteten Plenarsitzung wurde die Bestellung eines Rabbiners für den Leopoldstädter Tempel vorgenommen. Seit dem Tode des Herrn Rabbiners Dr. David wurden im Leopoldstädter Tempel von den Herren Rabbinern Dr. Bach^ Dr. Feuchtwan g, Dr. Grunwald und Dr. Rosenmann die Funktionen aus geübt. Auch haben während dieser Zeit Gastpredigten seitens auswärtiger Rabbiner stattgefunden. Die im Sinne des Statutes berufenen Vertrauensmänner haben sich dafür einmütig ausgesprochen, daß es angesichts des überaus verdienstvollen langjährigen Wirkens und der hervorragenden Eigenschaften der Wiener Gemeinderabbiner entsprechend sei, einen derselben in die Leopoldstadl zu berufen und sich demnach, bei aller Anerkennung und Hochschätzung der von den auswärtigen Herren Rabbinern gehaltenen hervorragenden Predigten und ihrer hochwiffenschastlichen Bedeutung, auf eine Wahl unter den vier Gemeinderabbinern zu beschränken. Im gleichen Sinne hatte die Bezirkskommission des II. und XX. Bezirkes zu der Frage Stellung genommen. Das Vertreter-Kollegium hat einen bestimmten Vorschlag dem Plenum nicht unterbreitet. In der Plenarsitzung vom 29. Oktober 1913, welche fast vollzählig besucht war, erstattete der Präsident Dr. Alfred Stern einen genauen Bericht über den gegenwärtigen Stand und bisherigen Verlauf dieser Angelegenheit. An der Debatte beteiligten sich die Herren: Vize- Präsidenten Dr. Gustav Kohn und Hofrat Dr. Rappaport. Salo Cohn, Prof. Dr. Ehrmann, Architekt Iakob G a r t n e r, Dr. Isidor Samueln, Dr. Heinrich Schreiber, Dr. Markus Spitzer, Samuel -Steiner und kais. Rat Ionas Weil, wobei allseits der ausgezeichneten Leistungen und Qualifikationen aller Wiener Rabbiner, die im Turnus fungierten, sowie der von auswärts berufenen Herren Rabbiner in ehrenvollster Weise gedacht würbe. Bei der geheimen, mittels Stimmzettel vorgenommenen Wahl erhielt im 3. Wahlgange Herr Rabbiner Dr. Mar Grunwald die im Statute für die Neuwahl eines Rabbiners vorgesehene qualifizierte Majorität. Der Präsident enunzierte, daß somit Herr Rabbiner Dr. Grunwald zum Gemeinderabbiner für den Leopoldstädler Tempel bestellt sei. Eimauf für die Plenarsitzung vom 29. Oktober 1913. Im Einlaufe befinden sich: Dankschreiben der Isr. Kultusgemeinde Brünn für die Teilnahme des Kultusvorstandes anläßlich des Hinscheidens des Präsidenten Dr. Hieronymus Fiälla. Dankschreiben des Herrn Kultusvorstehers Architekt I. Gärtner für die Kondolenz des Vorstandes anläßlich des Ablebens seines Vaters, des Herrn I. L. Gärtner s. A. Dankschreiben des Herrn Kultusvorstehers Prof. Dr. S. Ehrmann für die Glückwünsche des Vorstandes anläßlich seiner silbernen Hochzeit. Dankschreiben des Hofrates Moriz Stukart für die Gratulation des Vorstandes anläßlich seiner Ernennung zum Hofrat, Dankschreiben des Herrn Rabbiners Dr. Ign. Ziegler aus Karlsbad für die Glückwünsche des Vorstandes anläßlich seines 25 jährigen Amtsjubiläums. Dankschreiben des Herrn Dr. Iakob König aus Floridsdorf für die Glückwünsche des Vorstandes anläßlich der Vollendung seiner 40 jährigen bahnürztlichen Tätigkeit. Dankschreiben der Ehepaare Samuel P o l l a k, Religionslehrer. Moriz und Eva Schreiber und Albert und Karoline Pollak anläßlich der Gratulation des Vorstandes zu deren goldenen Hochzeit. Die Familie des verstorbenen Vorstehers k. k. Baurat Wilhelm Stiaßny widmete Hessen Porträt für den Sitzungssaal der isr. Kultusgemeinde. Sympathie-Kundgebung für Se. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. I. M. Bach. Nachdem Donnerstag den 30. Oktober a. c. die definitive Bestellung Sr. Ehrwürden des Herrn Dr. Max Grunwald zum Rabbiner des Leopoldflädter Gemeindetempels publik wurde, beschlossen die Korporationen des 16. und 17. Bezirkes Seiner Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. I. M. Bach Beweise steter Wertschätzung und Liebe öffentlich zum Ausdruck zu bringen. Zu diesem Zweck versammelten sich am Freitag den 31. Oktober a. e., abends 6 Uhr, nach dem Gottesdienste in der Gemeindekanzlei, XVI., Hubergasse 8, die Vertreter sämtlicher Vereine und zahlreiche Gemeindemitglieder. Der Obmann des Tempelvorstandes Herr Salomon W e i z m a n n, sowie der Obmann der Bezirks-Kommission Herr Dr. Jacob Deutsch versicherten in Ansprachen Herrn Rabbiner Dr. Bach der steten Verehrung, Achtung und Liebe, die sich derselbe nach 15 jähriger ersprießlicher Tätigkeit im Bezirke erworben. Der Bezirk freue sich, daß Herr Rabbiner Dr. I. B a ch nach 3 jährigen bangen Sorgen diesem Bezirke erhalten bleibe. Nun hielten noch folgende Herren an Rabbiner Dr. I. M. Bach Ansprachen: Eduard Pollitzer, Direktor K a h a n e, Sigmund Weiler, Bernard T r n k a, Sigmund S ch i ck l e r, Dr. Martin Förster, Philipp Blau, und jeder der Redner gedachte der besonderen Achtung und Liebe, die sich Herr Dr. Bach im ganzen Bezirke erworben habe. Tief gerührt dankte Herr Dr. Bach für diese Kundgebung, die ihn außerordentlich freue, und schloß mit dem Wunsche, daß der Friede, für den er stets eingetreten, im Bezirke erhalten bleibe. Die Sympathie-Kundgebung verdient deshalb besonders hervorgehoben zu werden, weil sie beweist, wie sehr auch in unserer Zeit ein Rabbiner hochgeschätzt wird, der es versteht, als wahrer Seelsorger in seiner Gemeinde segensreich sich zu betätigen. Vortrag des Professors Delitzsch über die Stellung der Frau in Assyrien und Babylonien. Am 28. Oktober hielt der berühmte Orientalist über dieses aktuelle Thema einen leider nur schwach besuchten interessanten Vortrag. Seine Ausführungen erhärteten die anläßlich der Hammurabitafel-Auffindung schon vor 11 Iahren in das Publikum gedrungene, staunenerregsnde Entdeckung, daß kein moderner Koder der Frau, namentlich im Scheidungs-, Ehe- und Erbrecht, solche Gleichberechtigung einräumt wie diese nahezu oiertausendjährigen Gesetzestafeln. Allerdings ist die Tatsache weniger erstaunlich bei einem Volke, das eine Semiramis hervorgebracht hat, zuerst die Engel in weiblicher Gestalt gebildet hat und zuerst „Meine Herrin, die Madonna, die Göllermutter," mit dem Kind thronend im Kult und der bildenden Kunst als Mittlerin zwischen der leidenden Menschheit und der obersten Gottheit eingeführt hat. Delitzsch hatte Recht, zu betonen, daß der Frauendienst der Babylonier, wie ihn uns die Kunst, die Poesie und das Recht, namentlich aber auch erhaltene Liebesbriefe und die schöne Bedeutung der Frauennamen erhalten hat, von den sumerischen, nicht semitischen Ele-

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