Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 45 (7.11.1913)
- Date
- 1913-11-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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. Seite L26 Wh BWch« menten des Volkes von Mesepotamien stanimt. Aber die konstante Gegenüberstellung mit dem israelitischen und mohammedanischen Rechts- und Sittenkodex war insofern irreführend, als ja der Code Napoleon und die modernste Gesetzgebung noch keineswegs bei der vollkommenen Gütertrennung angelangt sind, wie der „Code Hammurabi". Auch betonte Delitzsch nicht, daß sich Praxis und Schrift weder bei den Israeliten noch Arabern decken; haben doch, wie die Erzählung der Bibel von Sarah, Rebekka, Miriam, Deborah beweist, die jüdischen Frauen im Haus und in der Oeffentlichkeit oft die führende Rolle gespielt, wie. noch heute. Wenn Delitzsch aus der Bibel das schöne Trostwort eines Galten für seine kinderlose Frau in anderem Zusammenhang anführte: „Ich mutz Dir mehr sein als zehn Söhne", so hätte er sich sagen müssen, datz in der Praxis das Los der Kinderlosen nicht so hart ist, wie in der Theorie. Ebenso hatte Delitzsch Gelegenheit, zu beobachten, wie bei seinen arabischen Arbeitern die Furcht vor der Frau weit grötzer war, als bei europäischen, wie dort der Weiberfeind Mohammed in der bekannten Sure des Korans als alternder, alles verleihender und verstehender Gatte bei seiner letzten Gattin einen eklatanten Ehebruch mit dem Schleier des Richtsehenwollens bedeckt. Wie im Judentum alles auf Jahrtausende alte Tradition zurückgeht, ist die Stellung, welche die jüdische Frau als Gattin und Mutter selbst, oder namentlich in den unkultiviertesten Schichten unseres Volkes einnimmt und um die sie von der antisemitischesten Fürstin beneidet werden kann, trotz aller Härten biblischer und rabbinischer Gesetze, eine uralten Gewöhnung entsprechend, wozu freilich der Einfluß des babylonischen Exils sein Scherflein beigetragen haben kann. C. Venedikt. SMer Boywtt der ruffischen Papiere. ■ - Wie die ängesÄhene englisch^ FinanMiltmg" „Mlformation" behauptet, ist der Grund dafür, weshalb die russischen Wertpapiere in der letzten Zeit so stärk im Kurse gefallen sind, in der Tatsache zu suchen, datz seit Beginn des Beilis-Prozesses alle russischen Papiere von den angesehensten Kapitalisten in England und Amerika im Stillen boykottiert werden, was natürlich den Eindruck auch auf die übrigen wichtigeren Börsen der Welt nicht verfehlen kann. Die Ritualmordlüge tu den galizischen öffentlichen Schulen. Aus Lembetg und aus Krakau kommen gleichlautende Berichte über die verheerende Wirkung, welche der Kiewer Riutalmordhrozetz bereits auf die christliche Bevölkerung in Galizien ausübt. Es ist unglaublich, aber wahr, datz in Galizien jetzt in mehreren Volksschulen durch die Lehrkräfte die Ritualmordhetze in der schamlosesten Weise betrieben wird. So hat in einer Lemberger Volksschule die Lehrerin den Kindern während der Unterrichtsstunde direkt erzählt, datz Juden zur Bereitung des Osterbrotes Christenbkut verwenden. Der jüdische Religionslehrer Dr. Mandel, der hievon Kenntnis erhielt, protestierte gegen diese Vergiftung der jugendlichen Gemüter durch die Lehrerin und verlangte vom Direktor Genugtuung. Der katholische' Katechet verhinderte jedoch ein Einschreiten derSchuldirektion. was. natürlich zur Folgehatte, datz die Lehrerin ihre aufwieglerische Agitation nunmehr in nachdrücklicherer Weife fortsetzt: Wie uns milgeleilt wird, hat sich Religionslehrer Dr. Mandel deswegen mit einer Beschwerde an den Schulrat gewendet. In ein« .anderen Lemberger Schule geht die Lehrerin in ihrer Agitation noch weiter und fordert die Kinder.' ghüchzeitig, auf, .nichts Sei Juden zu kaufen und-auch von . ihren Eltern M . verlangen, datz sie die jüdischen Geslhäftsleute boykottieren. Wochenschrift. Jh. 4 fr In •; Krakau fanh.M . auch - eine BürgerschMehrerin, die den Mädchen die Mär aufband, datz die Juden zu Ostern Christenblut verwenden. Aber hier kam die Lehrerin nicht so glimpflich davon, denn sie hatte den Erfolg, datz die christlichen Schülerinnen noch in derselben Stunde einen Boykott gegen ihre jüdischen Mitschülerinnen proklamierten und erklärtem mit den jüdischen Mädchen nicht verkehren und in einer Klasse beisammen sein zu wollen. <Oie Lehrerin, selbst erschrocken Wer die Wirkung ihrer Agitation, wurde, wie uns gemeldet wird, vom Landesschulräte, dessen Vizepräsident Dr. TembovSky Wiederholt das feierliche Versprechen gab, in den Schulen antisemitische Agitationen nicht zuzulassen, zu strenger Verantwortung gezogen. Berlin, 31. Oktober. , In einer vom Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens einberufenen sehr stark besuchten Versammlung sprach gestern abend Rabbiner Dr. Werner (München) über „Talmud und Schulchan Aruch". Der Redner wies in längerem Vorträge nach, datz die Vorwürfe der Antisemiten, der Talmud gestatte den Juden gegen Andersgläubige jedes Verbrechen, eine arge Lüge sei. Der Talmud sei nichts weiter als ein Kommentar der Bibel, die Bibel der Juden predige aber die Nächstenliebe. Der Talmud lehre, datz alle Menschen Eotteskinder, Brüder seien. Jeder Mensch, der nach den Sittengesetzen lebe, sei Gott willkommen, auch der Nichtjude. Es sei gleichgültig, in welcher Weise die Gottesverehrung geschehe, wenn der Mensch nur auf dem Boden der Sittlichkeit und der Menschenliebe stehe. Wenn Dir besohlen wird, ein Kind zu töten, andernfalls Du selbst getötet wirst, dann, so sagt der Talmud, soll man sich.lieber selbst töten lassen als das Kind töten. Das, meine Damen und Herren, ist der Ritualyiord der Juden! (Stürmischer Beifall.) In keinem jüdischen Gesetzbuch ist auch nur eine Stelle enthalten, datz die Juden zu irgendwelchen Zwecken das Blut Andersgläubiger brauchen. Es hat niemals einen Ritualmord gegeben, weder bei der Allgemeinheit der Juden, noch bei irgend einer jüdischen Sekte. Aber auch der „Schulchan Aruch", der ein Kompendium von Sittengesetzen. ist, JM'WM'MNlMn öhne^'UnterMd-öLSMaMiis und der Rasse lieben und nach Möglichkeit unterstützen soll. Im „Schulchan Aruch" sind auch Ketzergesetze enthalten, die für die damalige Zeit gegeben worden sind. Aber welche Religion hatte im Mittelalter keine Ketzergesetze? Die Ketzergesetze der mittelalterlichen katholischen Kirche sind doch zweifellos zehnmal schlimmer als die Ketzergesetze des „Schulchan Aruch". Wir werden trotz aller Verfolgungen an unserer heiligen Religion festhalten. Wir erstreben die höchste Ethik. Jude sein heißt Mensch sein; Judentum ist Menschentum! (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Der Vorsitzende Justizrat Dr. Maximilian Horwitz dankte dem Vortragenden und bemerkte dann: Dem Vorstande des Zentralvereines - ist der Vorwurf gemacht . worden, datz er keine P r o t e st v e r s a m m l u n g gegen den augenblicklich in Kiew geführten Ritualmordprozetz einberufen habe. Wir haben die Einberufung einer Proiestversammlung unterlassen, weil Vernünftige und Gebildete auch ohne Protestversammlung wissen, datz der Prozetz in Kiew an die finstersten Zeiten des Mittelalters erinnert und mrt.den Herenprozesten eine frappante Ähnlichkeit hat. Diejenigen, die aus Bosheit und Niederträchtigkeit die Juden des Ritualmordes bezichtigen, werden wir nicht belehren. Eine Protestversammlung wäre aber auch schädlich. Ich habe die Ueberzeugung, datz durch ProtestversaMmlungen dem Angeklagten B eilis nur geschadet wird. Wir müssen uns hüten,, in ein schwebendes Prozeßverfahren eingreifen zu wollen. Kein Gerichtshof der Welt würde sich durch Protestversammlungen in seinem Urteil irgendwie beeinflussen, lasten. Im Eerichtssaale der ganzen Kulturwelt — and Rußland rechnet sich doch noch zur Kulturwelt — .haben mit Recht nur die Prozetzbeteiligten das. Wort. Eine Protestversammlung, noch dazu nn Auslande, .die gegen ein schwebendes Prozeßverfahren Einspruch erhebt, kann nür schädlich wirken... (Rufer -Die ganze Welt mütztePrv'te'st erheben.!)^ Auch wenn die. ganze Welt. Protestverheben wollte, so. würde das nicht-nur nichts nützen,-sondern nur schaden. Selbst wenn der Prozetz von einer Kabinetisjustiz geführt würde, könnten Protestversammlungen nur schaden. Böswillige und'niederträchtige Menschen kind eben Nicht. zu. "belehren: Wir' vertrauen' auf die Unparteilichkeit' und Gerechtigkeit der Richter in Kiew und geben uns der sicheren Hoffnung hist, daß das. Urteil - des Kiewer Gerichtshofesnicht--von Aberglaube und Religiönshatz diktiert werden, .'sondern dem Riecht und der-Werechtigckeit entsprechen wird! - (Lebhafter-Beisall.> - :•; Da.-sich, niemand weiler-zum' Wärt i meldete;-s ch l v tz Justizrat Dr. Horryitz darauf die Versqmmlung,