Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 42 (17.10.1913)
- Date
- 1913-10-17
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Nr. 42 Dr. Blochs Wochenschrift Sette 770 Lehrer schützten jedoch wieder einen anderen plausibleren Grund für die gebotene zeitliche Abstinenz vor, indem sie dozierten, daß durch den reichlicheren Genuß von Nüssen eine gewisse Rauheit, Heiserkeit, zumindest aber Verschleierung der Stimme hervorgerufen werde, die dem vielen lauten Beten und der Rezitation der Gesänge an den drei höchsten Festtagen im Jahre leicht Abbruch tun könnte!. Sei dem nun, wie man wolle, der Genuß der Nutz blieb uns solange vorenthalten, bis der letzte Schofacton verklungen, die letzte Schaano entblättert war. Und so fügten wir uns denn in Geduld. Dieselbe ward aber dann später auch reichlich gelohnt, gelohnt durch die Gemeinde selbst, offiziell freilich erst am allerletzten Tage des Sukkosfestes. An diesem, dem S i m ch a s t h o r o, nach dem Mussafgebete, wo wir, „Lol haneorim", wie ein Mann (!), auf den Almemor zur Thora waren gerufen worden und auch ea masse erschienen, gab es dann ein Massenaufgebot der Jugend auf dem großen Platze vor der Synagoge, der berühmten „Altslchul", und alle blickten wir sehnsuchts- und erwartungsvoll zum Giebel des Daches empor. Denn „der Segen kommt von oben!" An einer der größten Dachluken erschien der, unsern aufmerksamen Lesern von früher her dem Namen nach bereits bekannte, „Schames Neuschüler" und ließ die reichlichen Gaben des „Gabben", des reichen Vorstehers, einen Sack voll der schönsten und größten Nüsse vom Dache zur Erde rollen, wo alsdann das lebhafte Balgen und Jagen nach den billigen Nüssen losging, zum' größten Ergötzen der erwachsenen Zuschauer. „Wecliol liamarbe lesaper, liare se niescliulioclil“, wobei das Wörtchen „sapper“ in seines Wortes weiterer Bedeutung des „Einsammeln, Zusammenlesen" zur vollen Geltung kam. In manchen kleineren Gemeinden haben sich auch die Großen lMhaft an dieser „Sefira" beteiligt und nach der Erzählung eines Augenzeugen soll z. B. in Deutsch-Kreutz (Zelem) der ehrwürdige Rabbi selbst „mit dem Hute in der Hand" sich an dem Auffangen der Nüsse beteiligt haben.-- — Wenn ich schließlich, der Genauigkeit halber, noch erwähne, daß die Nuß oder vielmehr die Nutz schale in der sogenannten „Nittelnacht" (Weihnacht) beim für die Jugend obligaten „Schele-Mele-Spiel" im Ghetto eine Rolle spielte, glaube ich der Reputation der Nußbaumftucht alle erdenkliche Bedeutung und Ehre im Rahmen der Aufschrift dieser Skizze angediehen lassen zu haben. Literatur. Theater, Kunst und Literatur. Alexander Moissi gab in der Berliner Singakademie einen Orientalischen Abend. Er las auch aus der Bibel. Da war Moissi am stärksten. Er machte aus den heiligen Versen .ein realistisches Drama, mit allen Schärfen der modernen Mittel vorgetragen, und das Buch Hiob wirkte wie ein Koloß, erschütternd und groß. An dem Erfolg konnte man erkennen, daß dieser Vibelvortrag am besten gefiel. _ Georg Brandes. Ohne jeden Kommentar registrieren wir die Meldung russischer Blätter, daß die russische Regierung den bekannten jüdischen Publizisten und Kritiker Georg Brandes eine Spezialerlaubnis, nach Rußland zu kommen, erteilt hat. Brandes hat diese Erlaubnis angenommen und wird in Petersburg einen Zyklus von Vorträgen über Goethe Und Strindberg hallen. Die VollenidjUirg der hebräischen Enzyklopädie. Dieser Tage ist der zehnte und letzte Band des von I. D. Eisenstein herausgegebenen enzyklopädischen Werkes „Ozar Israel" erschienen. Das Werk wurde hauptsächlich durch hinreichende Subskriptionen ermöglicht. Wie uns berichtet wird, wird in kurzer Zeit ein neues Sammelwerk Eisensteins unter dem Titel »Kesponsa geonini« erscheinen. Diese Responsensammlung wird hauptsächlich deshalb interessant sein, weil sie den Versuch machen wird, in die verschiedenen Versionen der bekannten Responsen-Literatur einiges Licht zu bringen. 08t und West. Illustrierte Monatsschrift für das gesamte Judentum. Organ der Alliance lsraeiite Universelle. XIII. Jahrgang, Heft 10. Oktober 1913. Inhalt: Zionismus. — Dr. H. Hoppe: Die Fruchtbarkeit der Juden (II). — Karl Schwarz: Arnold Zadikow (mit 13 Illustrationen). — Dr. Simon Bernfeld: Mose ben Maimon (II). — Dr. Emil Cohn: Salomo. Ein Festspiel. — Dr. Max Grunwald: Juden als Erfinder und Entdecker <11). — Kol-Nidre (Noten), — Mitteilungen des Zentral-Comite der Alliance lsraeiite Universelle in Paris: Die Tätigkeit der A. 1. U. in der Türkei (Vortrag des Herrn Jaques Bigart, gehalten am 24. Mai in der jüdischen Volksuniversität zu Paris). — Die Israeliten in Rumänien. — Notizen. — Bücher-Einlauf. — Dr. Emanuel Lasker: Schach. — Aphorismen (Aus »Sal. Reinach, Orpheus«). — Verlag Ost und West Leo Winz, Berlin-Charlottenburg, Knesebeckstraße 32. Jung-Juda. Illustrierte Zeitschrift für unsere Jugend. XIV. Jahrgang, Nr. 19. Prag, den 10. Oktober 1913. (9. Tischri 5674). Inhalt: Betti Paoli: Am Versöhnungstage. — Ben Jehuda: Das Sukkothfest. — Prof. Dr. Nathan Grün: Die Prager israelitische Gemeinde im 18. Jahrhundert. — Ida Böck: Seit wann der Hase mit offenen Augen schläft. (Schluß). — Marek Scherlag: Die Weide am Bach. — Die Judenstadt in Prag. (Illustration). — Ploni Almoni: Die drei Brüder. — Josef Hart: Ferien. (Fortsetzung). — Guck in die Welt. — Uehersetzungs-Aufgabe und Rätsel. — Frage und Antwort. — Redaktion und Administration: Prag II., Stefansgasse 629. . Kriefkaste«. Germ. Die Behauptung des Wiener „Alldeutschen Tagblattes" vom 11. Oktober, daß Herr Rabbiner Dr. Ziegler aus Karlsbad zugegeben hat: auch unter den Juden weiß man von einer Lette, die mir den Rttualmorden zu tun haben könnte, ist natürlich eine Lüge. Nathan Hertzka, Wien. Ihre kritische Bemerkung zu der Enunziawn des Fürilpnmas von Ungarn, Johann Efernach, ist zweifellos wohl begründet; der Abdruck hat offenbar erfolgen müssen. L. in Berlin. Das„Wissenschaftliche Gutachten über den wahren Sinn der Stellen aus dem Sohar und aus Vital's liqqutim, auf die Herr Prof. Rohling seine Blutbeschuldigung gründen will — erstattet von Dr. Merx, Professor der protestantischen Theologie an der Universität Heldeiberg —" finden Sie in dem Werke „Akten und Gutachten in dem Prozesse Rohling contra Bloch" Seite i26 — 138. Sch. Für unsere Gegner wird das keine Wirkung haben und andere düfften darin ein halbes Zugeständnis erblicken. Nur Bildung und Aufklärung kann hier radikal helfen. Notizen. Jüdische Bühne. Direktion: M. Siegler, Hotel Stefanie, II., Taoorstratze 12. Freitag den 17. und Samstag den 18. Oktober: „Jehuda und Israel", oder die 2 S e r g e a n t e n, von M. Horowrtz. — Ab Sonntag den 19. Oktober täglich abends 8 Uhr: „Die drei Matunes". Märchen in 3 Aufzügen, 1 Prolog und 1 Epilog. Musik von Eh. W o 1 s s t h a I. — Sonntag den 19. Oktober nachmittags halb 4 Uhr, halbe Preise: „Schir Haschirem". Operette von A. S ch o r r. — In Vorbereitung: „U r i e l A c o st a. — Im Studium: „Die Iüdische Krojn", von I. L. Peretz. Jüdisches Theater, Varietee im neuerbauten Saale S. Bondi, II., Untere Augartenstratze 8 (nächst der Augartenbrücke), Direktor A. Hirsch, Leiter der Gesellschaft H. Weinberg. Wochen-Repertoir: Freitag, den 17., Samstag, den 18. und Sonntag, den 19. Oktober, Premiere: „Die zwei Sergeanten" oder „Jehuda und. Israel". Sonntag, 19. Oktober, nachmittags, bei halben Preisen: „Jschu rah". Montag, den 20. Ottober: „Das 10. Gebot". Dienstag, den 21. Oktober, „Der Vizekönig". Sonn- und Feiertag: Nachmittagsvorstellung. Halbe Preise.