Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 42 (17.10.1913)
- Date
- 1913-10-17
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 42 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 775 Pohrlitz Am 9. Oktober d. I. wurde hier Herr Karl Seidl zu Grabe getragen. Der Verblichene wirkte in der hiesigen Gemeinde mehrere Jahre als Mitglied des Kultus-Ausilbusses in verdienstlicher Weise und war der Vater der Frau Rosa Bader, der Präsidentin des hierortigen Frauen-Wohltätigkeits-Vereines. Er erfreute sich in allen Gesellschaftskreisen und weit darüber hinaus allgemeiner Wertschätzung. In rastloser Tätigkeit und mit eisernem Fleiße war er für seine Familie bestrebt und sein noch im altjüdrschen Geiste geführtes Haus stand jederzeit Armen und Bedürftigen offen. Als Geschäftsmann stand der Verstorbene mit weiten Kreisen in reger Verbindung und erwarb er sich durch seine Rechtschaffenheit Vertrauen und allseitige Hochachtung. Das Leichenbegängnis des Verewigten fand unter Beteiligung einer großen Anzahl von Trauergästen von hier und auswärts statt. Herr Rabbiner Dr. Löwy aus Brünn würdigte in ernem in warmen Worten gehaltenen Nachrufe die Verdienste des Heimgegangenen als Vater, als Jude und als Mensch. — An Kranzablösungsspenden gingen bei diesem Leichenbegängnisse Kronen 313 ein. Lemberg. Jüngst verschied Herr Leo Schnapptch, Schwiegervater des Rabbiners der Wiener Kultusgemeinde Dr. M. Rosenmann. Ein imposanter Leichenzug mit den Rabbinern B a b a d und Dr. G u t t m a n n an der Spitze legte Zeugnis ab von der besonderen Wertschätzung, deren sich der Verstorbene erfreute. Im Namen der Kinder nahm Rabbiner Dr. Rosenmann mit warmen Worten vom Verblichenen Abschied. Budweis. Samstag, den 4. d. M., verschied hier im Alter von erst 51 Jahren Frau Julie Kohn, die Gattin des hiesigen Rechtsanwaltes und Vorstehers der israelitischen Kultusgemeinde Herrn IUDr. I. Kohn. Das frühe Ableben der edelgesinnten und der Wohltätigkeit ergebenen Frau, die von allen, die ihr im Leben näherstanden, verehrt und geschätzt wurde, hat, trotzdem dieselbe bereits seit längerer Zeit einem ernsten Leiden verfallen war, allseitige Ueberraschung und Teilnahme hervorgerufen, nachdem von der aufopferungsvollen Pflege, welcher die Leidende teilhaftig wurde, ein Aufhalten des Leidens erhofft werden konnte.. - Die Dahingeschiedene war Ehrenmitglied des Chanukavereines. — Das am Montag nachmittags stattgefundene Leichenbegängnis gab Zeugnis mm der allgemeinen Achtung und Wertschätzung der Dahingeschiedenen, zumal sich Trauergäste aus allen Kreisen der Bevölkerung eingefunden halten. Unter denselben befanden sich u. a. die Herren: Bürgermeister Taschek, Bezirksobmann IUDr. M i e g l, die Stadträte Jakob von H e r - minenthal, Stegmann und IUDr. Dlouhy mit mehreren Stadtverordneten, Hofrat Krikawa, Bezirksschulinspektor Spatschek, Oberfinanzrat Prziborski. die kais. Räte Jg. Fantl, Iosef Siegmann und Ludwig Lederer, Sparkassa-Kanzleidirektor Ludwig Mal ln er, Sparkassendirigent Ed. Miksch mit einer Beamtenabordnung der Sparkasse, Vertreter anderer hiesiger Geldinstitute, Abordnungen der Beamtenschaft der Stadtgemeinde und verschiedener Vereine usw. Rach den Zeremonien im Trauerhause, bei denen auch der Tempelchor mitwirkte, bewegte sich der Leichenzug nach dem israelitischen Friedhöfe, in dessen Zeremonienhalle nach der Absingung des Chores „Es ist bestimmt in Gottes Rat" durch die Mitglieder des 'Tempelchorvereines Rabbiner Herr Dr. Thieberger der Dahingeschiedenen einen überaus ehrenvollen Nachruf widmete, der bei allen Anwesenden einen tiefen- Eindruck zurücklieh. In Llptö Rüzsahegy ist am 6. d. Frau Jakob Roth, rnborene Therese Gansel, Gattln des Präsidenten der hierortigen Chewra- K idischa, im 77. Lebensjahre nach längerem Leiden gestorben. Die Verblichene, die vor 50 Jahren an der Gründung des Rözsahe^y r israelitischen Frauenvereines teilaenommen, hat im Interesse dieses gemeinnützigen Institutes ersprießliche Dienste geleistet. Wo es galt, den Schmerz der Witwen und Waisen zu lindern, da war sie immer an erster Stelle. Die Frömmigkeit und den Wohltätigkeitssinn hatte sie vom Elternhause mitgebracht. Die allgemeine Wertschätzung und BeliebthMI deren sich die Dahingeschiedene in allen Kreisen der Bevölkerung erfreute, manifestiert? sich in der imposanten Teilnahme an der aüi'7. 8: M. stattgehabten Leichenfeier. Herr Dr. Arthur Weißkopf schilderte in eloquenter Weise die Biederkeit, Herzensgüte und Mutterliebe der Verstorbenen und ihr ideales Eheleben. An der Leichenfeier beteiligten sich auch die städtische Abordnung und Andersgläubige in großer Zahl. Josef Leitersdorfer. Smyrna. Der k. und k. Konsulararzt Dr. Aug. Margulies wurde vom Sultan zum Kommandeur des Medjidieh-Ordens ernannt. Diese hohe Auszeichnung, die seit fünf Jahren zum ersten- Snale wieder verliehen wurde, bedeutet die Anerkennung der Verdienste, die sich Herr Dr. Margulies um die Bekämpfung der Choleraepidemie erworben hat und nicht zuletzt den Dank der türkischen Regierung für die langjährige selbstlose Tätigkeit des Genannten am türkischen Hospital. Feuilleton. Me Muß im Ghetto. (Eine Skizze aus dem alten Ghettoleben.) Von Dr. Leo Ehrentheil, Hof- und Gerichtsadvokat, Wien. Es gibt wohl wenige Festtage im Jahre, zu und an welchen die verschiedenartigsten Früchte des Feldes und Baumes eine so große und wichtige Rolle im religiösen Leben und Weben, im Zeremoniell des Judentums, insbesondere aber in den, Gott Lob, poch immer in stattlicher Reihe, allerdings mehr qualitativ wie quantitativ, zählenden jüdischen Gemeinden, oder, um es mit dem richtigen Namen zu bezeichnen, „Kehilhos", spielen, wie diejenigen, die wir zurzeit festlich begehen und feiern wollen, die S u k k o s tage. Schon der äußere Rahmen derselben, die Sukko, deutet darauf hin, daß nicht so sehr im geschlossenen Raume der Synagoge, sondern in der von Blättern. Blüten und Früchten umrankten, gegen oben, den blauen Himmel zu, offenen, kleinen Hütte die meisten freien Stunden verbracht, die festlichen Symposien abgehalten werden, während in den Gotteshäusern der Reihe nach die vielblättrigen Schaanos, der fächerartige Lulaw und — last but not least die fein duftende, goldfarbige, Frucht des E s r o g, eine bedeutende Rolle spielen. — - — All' diesen niederen und höheren, gewöhnlichen und exzeptionellen Pflanzen und Früchten im Ritus der letzten Festtage will ich nun heute - si parva licet componere — auch die reife Frucht des Nutzbaumes (Walnußbaum, Juglans regia) hinzufügen. Stammt doch dieselbe noch dazu direkt aus den Balkanländern und dem Oriente, erscheint demnach sogar als stammverwandte Pflanze, deren Reife auch knapp vor die letzten Festtage des Mondjahres fällt. Und nicht so rasch und leicht, wie zu anderen Baumfrüchten, ist zu ihr der Weg des Genusses gebahnt. Die Götter haben vor den Erfolg den Schweiß gesetzt. Diesfalls sagt Dr. v. Managelt a: „Der äußere, saftige, grün-bittere Teil der Fruchtwand löst sich von dem holzigen Steine (Nußschale) ab und dieser erst enthält die Frucht." Aber nicht nur der Weg zur eigentlichen Frucht war mit Zeit und Mühe verbunden. Auch der endliche Genuß derselben war uns im Ghetto insolange vorenthalten, ja direkt verboten, bis nicht die „Jomim noroim", Rofch- Haschana und Jom Kippur vorübergegangen, ja sogar oft bis zum Tage hoschano rabbo. And weshalb dieses Verbot, warum diese gebotene Abstinenz? Unter welchem Präteite sollten und durften wir die schmackhafte Frucht des Walnutzbaumes nicht vor und während diesen Festtagen genietzen? Unsere Altvordern hatten sich für dieses Verbot an die Jugend eine ganz eigentümliche Begründung zurechtgelegt. Man höre und staune! Sie sagten und lehrten wie folgt: Der jüdische Name der Nuß: ro* deckt sich mit der seinen Buchstaben innewohnenden Zahl: 1 -j- 3 -f 6 + 7 17, mit demselben Zahlenergebnis, wie das der Sünde: =&-j-9. Und das Fazit war und blieb, daß wir die Frucht des Nutzbaumes vor Jom Kippur nicht genießen, nicht essen durften. Andere, vielleicht klügere, (?) Mahner und