Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 40 (3.10.1913)
- Date
- 1913-10-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 728 Dr. Vlochs Wochenschrift ’Jt:. 40 erschien der Obergespan Erzellenz Zoltan o. Kallay, Wirk!. Geheimrat, Vizegespan V. v. Majzik usw. An der Spitze der Stadtrepräsentanz Bürgermeister Jankooics, das Offizierskorps unter Anführung des Oberst Lederer usw. Präsident v. Kanitz erstattete den Rechenschaftsbericht, und nun strömte die Festversammlung mit der großen Menge des mitfeiernden Publikums vom Komitatsgebäude in den alten Tempel. Der Oberkantor Cavel Kwartin aus Budapest, der mit seinem wahlgeschulten Chore die kantoralen Funktionen versah, eröfsnete den Abschiedsgottesdienst mit dem herrlichen Psalm 121. Hieraus betrat unser beliebter Rabbiner Dr. Schweiger die Kanzel. Mit tief ergreifenden, herzbewegenden Worten schilderte er in kurzen Zügen die Geschichte der Gemeinde während der vergangenen 70 Jahre. Mit den Worten des Wochenabschlusses „Gesegnet seist du in der Stadt" begrüßte er die feiernde Gemeinde, und mit den Worten „Gesegnet seist du auf dem Felde" gedachte er des segensreichen Wirkens der dahingeschiedenen Gemeindemitglieder, die aus dem Totenfelde ruhen. Kein Auge blieb tränenleer, aber es waren auch Tränen der Freude. Dr. Schweiger forderte zum Schlüsse den verdienstvollen Präsidenten und die Vorstände aus, -die Thorarollen zu übernehmen. Im Triumphzuge wurden diese unter dem Baldachin getragen und unter den erhebenden Klängen Sulzerischer Gesänge/, besonders des »lecho doiiüi h' gdulu« zog der Festzug durch die mit Blumengewinden und Fahnen festlich geschmückte Straße zu dem neuen Tempel. An der Pforte übergab Architekt Vaumhorn dem Präsidenten v. Kanitz die Schlüssel. Die Tore öffneten sich weit, unter den herrlichen Akkorden des ma tauwu=©eöetes füllte die Menge den feenhaft beleuchteten, mit Palmen und tropischen Pflanzen geschmückten Tempel. Nach den gebräuchlichen Umzügen zündete Rabbiner Dr. Schweiger das >ne,- tuined* an und sprach ein tief empfundenes, ergreifendes Weihegebet. Nachdem die Thorarollen in die Bundeslade gestellt waren, hielt Rabbiner Dr. Schweiger eine zündende, gedankenreiche Festrede, in welcher er die Bestimmung des Tempels und die Aufgabe der Eeineinde im Tempel in beredten Worten zeichnete. Nach dem Minchagebete hielt der Meister des Wortes, Rabbiner Dr. Hevesi aus Budapest, die Weiherede. Anknüpfend an die Worte der Haftorah sprach er über Schalem und Zedokoh und erklärte das jüdische Glaubensbekenntnis. Das über 1000 zählende Publikum, in dem alle Schichten der Bevölkerung und alle Konfessionen vertreten waren, folgte in lauschender Stille mit angehaltenem Atem diesen beiden herrlichen Festreden und unter dem unvergeßlichen Eindruck derselben verließ es nach Absingung des Mlenu und der Nationalhymne den neugeweihten Tempel. Es folgte ein Festmahl, das viele schöne Toaste würzten. Es sprachen Obergespan v. KaUay, Vizegespan v. Majzik, die Bürgermeister von Eger und Gyöngyes, Oberst Lederer, die anwesenden Rabbiner und noch viele Nolabilitäten. Zahlreiche Begrüßungsschreiben und Telegramme wurden verlesen. Besonders begrüßt wurden die Depeschen vom Ministerpräsidenten Grafen Stefan Tisza, Staatssekretär Naray, des Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Budapest, der Präsidenten der Wiener Kultusgemeinde, Dr. Alfred Stern und Dr. Gustav Kohn, ferner der Kultusgemeinden SZbgedin, Hatvan Gyöngyös, Nagujhely, Temesvar, Lewa usw., und vieler Private. Vermischtes. Wien. Im Gemeindetempel in der Leopoldstadt werden die rabbinischen Funktionen am diesjährigen Roschhaschono-Feste von Herrn Gemeinderabbiner Dr. David Feuchtwang, am Jom Kippur von Herrn Gemeinderabbiner Dr. Max Grunwald versehen werden. Wie«. (Silberne Hochzeit.) Am 29. d. feierte Herr Julius Beck, Chef der bekannten Buchdruckereifirma L. Beck & Sohn, mit seiner Gattin Rosa, geb. Winterstein, im engsten Familienkreise seine Silberne Hochzeit. Wiener Beth-Hawidrasch. Samstag den 4. d. M., präzise 11 Uhr vormittags, wird Herr Lektor Dr. S. Rubin im Beth-Hamidrasch-Lokale, II., Ferdinandstraße 23, einen Vortrag halten. Thema- „Der Kultus der hohen Feiertage und seine Entwicklung". Wie». Die Einschreibungen an der Bibelschnle, XVIII., Schopenhauerstraße 39, finden am 6. und 8. Oktober 1913 zwischen V25 und V26 Uhr abends statt. — Die Wiedereröffnung der jüdischen. Jugendbibliothek der Bibelschule für das Schuljahr 1913/14 findet am 8. Oktober d. I. um. %6 Uhr abends statt. Talmud-Thora-Schule des Tempel- und Schul-Vereines, .Wieü, VI., Stumpergafse 42. Die Einschreibung der Schüler und Schülerinnen für das Schuljahr 1913/14 findet im Schulraume stäkt': Sonntag, den 12. Oktober d. I., von 10 bis 12 Uhr vormittags,, Montags 13. Oktober d. I., von 7—9 Uhr abends, Dienstag, den 14. Oktober d. I., von 7—9 Uhr abends. Die Anmeldungen — auch diejenigen Kinder, welche bereits im Vorjahre unsere Schule besuchten — wird für die angesetzte Zeit der Einschreibung erbeten, da eine spätere Anmeldung nur nach Maßgabe des vorhandenen Raumes berücksichtigt werden könnte. — Begleitung der Eltern ist dringend erwünscht. Der Unterricht beginnt Sonntag, den 2. November 1913. Auch Schüler und Schülerinnen der höheren Klassen, wie auch die der Schule entwachsene Jugend beiderlei Geschlechtes, können an dem Religionsunterrichte, der vom Rabbiner Flesch geleitet wird, teilnehmen. W i e n, rrn September 1913. Die Schulleitunig, Wien. (D i e n st j u b i l ä u m.) Am 1. Oktober vollendete die städtische Lehrerin an der Wiener Kommunalschule im 1l. Bez., Kleine Pfarrkirche 33. Frau Charlotte Frischauer ihre 40 jährige Lehrtätigkeit im öffentlichen Schuldienste. Sie wirkt 89 Jahre an einer und derselben Schule und ist die erste Jiibin, die auf eine so lange Dienstzeit in der Kommune Hinweisen kann. Unter den schwierigsten Verhältnissen begonnen, hat die Jubilarin unentwegt, unverdrossen und in pflichteifrigster Weise ihres verantwortungsvollen Amtes gewaltet. Außerdem hat sie weit über den Rahmen ihrer Lehrtätigkeit hinaus auf humanitärem Gebiete segensreich gewirkt. Sie ist die Begründerin und Präsidentin des bestbekannten, seit 18 Jahren bestehenden Vereines „Franz Joseph - Kinderhort" im II. Bezirk, der zwei Institutionen, einen Knaben- und einen Mädchenhort, unterhält und für dessen Interessen sie unausgesetzt in Wort und Schrift tätig ist. Durch diese Gründung, welche zu den ersten diesbezüglichen Schöpfungen in Wien gehört, hat die Jubilarin bahnbrechend auf dem Gebiete des Kinderschutzwesens in Oesterreich gewirkt. Sie war auch an ihrem Gedenktage Gegenstand vielfacher Ehrungen seitens der Schule und ihrer zahlreichen Freunde und Bekannten. Bei der aus diesem Anlasse stattgehabten Schulfeier hielt die dienstälteste Lehrerin Frau Sofie Meyer an die Jubilarin eine warme Ansprache, in welcher sie ihre vielfachen Verdienste hervorhob. Die also Gefeierte dankte tief bewegt für die ihr zuteil gewordenen Ehrungen. Jüdisch-Akademischer Techniker-Verband. Wie uns aus jüdischen Technikerkreisen mitgeteilt wird, hat sich an der k. k. Wiener technischen Hochschule ein Verein unter obigem Namen gebildet. Wer die Verhältnisse unseres Standes kennt, muß sich sagen, daß es hoch an der Zeit ist, wenn unsere Jugend zur Abwehr greift. Der jüdische Techniker, der die Hochschule verläßt, findet schwer einen Posten. Während seiner Studien kann er es nur besonderen Glücksumständen zuschreiben, wenn er eine Ferialpraris antreten kann. Skripten und Lehrmittel stehen ihm nicht so zur Verfügung, wie dem deutschen Studenten, der seinen .Verein hinter sich hat. Daß er an Exkursionen deutscher Vereine nicht teilnehmen kann, ist eine alte Tatsache, die jeder Techniker an sich gespürt hat. Der jüdische Provinzler, der nach Wien kommt, um zu inskribieren, steht ohne Führer der Wahl seines künftigen Berufes ratlos gegenüber. Lauter Mißlichkeiten, die der junge Verband abzuändern suchen will. . Wir wünschen ihm alles Glück dazu und vor allem recht viel Gönner und Förderer. Austritte ans dem Judentum. Vom 21. September bis inklusive 27. September 1913. Bartisz Josef, Fuhrwerksbesitzer, XX., Wallensteinstrasse 42 Beigl Karl, geb. 18. Oktober 1889, Wien, II., Leopoldsgasse 24 Brill Wilhelmine, Private, geb. 8. April 1884, Wien, II., Taborstrasse 71 Harmelin Michael, geb. 7. Juni 1883, Wien, XVI., Sautergasse 33 Hirsch Dr. Ludwig, Gymnasiallehrer, VIII., Lerchenfelderstr. 120 Hilpert Friederike, Friseurin, geb. 16. Oktober 1887, Wien, XIII., Glasauergasse 12 Kronstein Alphons, geb. 19. Mai 1882, Wien, XIX., Pokornyg. 14 Pollak Felix, Privatbeamter, VII,, Neubaugasse 66 Propper Ernst, Bankbeamter, geb. 19. November 1885, Prag, IV., Wiedner Hauptstrasse 70 Schick Salomon, Schuhmachergehilfe, geb. 1. Jänner 1877, Raubonitz, XIV., Sechshauserstrasse 47 Schmidl Hedwig, Bildhauerin, geb. 25. Oktober 1889, Wien, IV., Theresianumgasse 6 „ Spira Marie, Verkäuferin, geb. 12. Februar 1896, Wien, XI., Geiselbergstrasse 35 Spitzer Josefine, Private, geb. 18. Dezember 1887, Lundenburg, II., Erzherzog Karlplatz 1