Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 40 (3.10.1913)
- Date
- 1913-10-03
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 40 Seite 729 Dr. Blochs Wochenschrift Tarnay Berta, Private, geb. 28. Juli 1891, Wien, I., Zelinkag. 18 Weiss Daniel Otto, Beamter, geb. 2. November 1881, Wien, III., Stammgasse 5 Weiss Leni geb. Herkovic-Saaz, geb. 1876, Horlyo, II., Stuwerstrasse 39 Wiener-Neustadt. Ende vorigen Monates hat die Familie Weiskops unsere Stadt, in der sie über 19 Jahre gelebt, verlassen. Mit Herrn Fabriksdirektor Friedrich Weiskops verliert die jüdische Gemeinde ein werktätiges Mitglied, das überall zu finden war, wo es galt, mit vollen Händen zu geben. Er war vor einigen Jahren Vizepräses der Kultusgemeinde und gehört seit einer Reihe von Jahren als Obmann-Stellvertreter dem Vorstände der Chewra- Kadifcha an, in welcher Eigenschaft er stets hilfsbereit am Platze war und die Friedhofsverwaltung musterhaft führte. Seine edle Gattin war als langjährige Präsidentin des Fraueir - Vereines eine wahre Wohltäterin und der Verein hat ihr Wirken durch einstimmige Wahl zum Ehrenmitglied gewürdigt. Die Familie, die nun in Wien Aufenthalt nimmt, begleiten die Segenswünsche aller aufrichtigen Freunde. — Bei der am 25. September stattgefundenen Generalversammlung des Frauen- und Mädchen-Wohltätigkeitsvereines wurde Frau Dr. Karoline Karpfen, Gattin des Kultusrates Dr. S. Karpfen, zur Präsidentin, Frau Hedwig Mayer, Gattin des Obmannes der Lhewra Kadischa, Herrn Adolf Mayer sen., zur Vizepräsidentin neu- und in den Vorstand die. Damen Sofie Stern, Hermine Gold und Rosa Mayer wiedergemählt. Eine jüdische Mensa für Mädchen. Aus Budapest wird uns geschrieben: Der israelitische Frauenverein des V. Bezirkes hat eine interessante Neuerung getroffen. Er hat beschlossen, für die weiblichen Hörer der Budapester Universität, sowie für weibliche Beamte eine jüdisch-rituelle Mensa zu errichten, in welcher die Mädchen üm 50 Heller ein,gutes Mittagessen erhalten. Die Mensa wurde am 28. v. M. feierlich eröffnet und erfreut sich bereits eines starken Zuspruches. Installation des Rabbiners Dr. Kalman- Nürnberger in Ung.-Brod. Rach heißem Wahlkampfe um den stark beworbenen Posten zum Nachfolger des Oberrabbiners Dr. Moriz Jung, London, wurde gestern, am ersten .Slichotage^ der gewählte Herr Dr. Nürnberger installiert. Eine Deputation, bestehend aus den Herren Dr. Weil, Hotelier Smektana, Berthold Schön, Assistent Tauber, fuhr dem Herrn Rabbiner nach Ung.-Hradisch entgegen. Am Bahnhofe erwartete ihn der ganze Vorstand. Die Gattin des Rabbiners wurde vom Ausschuß des Frauenvereines begrüßt und in die Eemeinderabbinerwohnung per Wagen gebracht, wo ein Diner für die Rabbinerfamilie und Gäste arrangiert wurde. Der Vorsteher übergab Herrn Rabbiner die Wohnung mit vielen Glückwünschen. Um 33/4 Uhr wurden Herr Rabbiner und Frau in den im Rabbinerhause befindlichen Sitzungssaal geleitet, wo der Gesaintvorstand der Kultusgemeinde, der israelitischen Stadtgemeinde, Frauenverein, Bikur Cholim-Verein, Gemilus-Chasodim-Verein, Gesangsverein „Hasomir", Jüdischer Bildungs- und Geselligkeitsverein „Corebh" anwesend waren, und von Herrn Dr. Spieglev, als Aeltesten des Rabbinerkomitees, begrüßt, und die Vorstellung der einzelnen Mitglieder fand statt. Präzise 47* Uhr trat Herr Rabbiner den Weg zum Tempel an, wo die Schulkinder, alles in Weiß, Spalier .gebildet haben. Am Eingänge des Tempels begrüßte Herr Oberlehrer Freschl schwungvoll den Rabbiner im Namen der Schuljugend, und die Tochter des Oberkantors Körner, die kleine Tilka, trug ein Begrüßungsgedicht vor und überreichte ein Bukett. Zum Tore des Tempels gingen die ältesten Gemeindemitglieder und die jungen Leute, mit der Chewra-Kadischa an der Spitze, mit der Thora in den Händen, Se. Ehrwürden im Namen der Alten und im Namen der Jungen zu. begrüßen, in deren Begleitung der Rabbiner einzog. Es war dies ein imposanter Anblick im ganz dicht gefüllten Tempel. Vertreten waren die Bezirkshauptmannschaft durch den Kommissär Herrn Eugen Peduzzi, Oberpostmeister Kleinschnitz, das Bezirksgericht, Steueramt, die Stadtgemeinde Ung.-Brod, der Nachbarkultusvorstand durch den Vorsteher Herrn Malzfabrikanten Siegmund Fürst und Herrn Direktor Moritz März, Ung.-Hradisch, weiters die Intelligenz der Nachbargemeinden. Herr Oberkantor Mayer Körner sang mit dem Gesangvereine „Hasomir" einen schönen Boruch-habo und Mah Tauwo. Nach dem Minchagebet übergab Sr. Ehrwürden der Vorsteher M. H. Brammer die Kanzel, begrüßte alle Anwesenden und sprach den Wunsch aus, Se. Ehrwürden möge den Frieden anstreben und die Gemeinde in strengst konservativem Sinne führen. Herr Rabbiner hielt hierauf eine sehr beifällig aufgenommene Rede, wo er den Frieden anzustreben versprach und die Jugend im Geiste der Religion zu erziehen und die Institutionen im konservativen Geiste zu erhalten. Dann stimmte der Oberkantor Hallelujah an, und mit einem Gebete für unseren allergnädigsten Kaiser, unter Absingung der Volkshymne, schloß die selten schöne Feier. Lipto-Rosenberg. Die Rozsahegyer istaelitische Kultusgemeinde hat den als Talmudisten und tüchtigen Kanzelredner rühmlichst bekannten Turocsszentmartoner Rabbiner zu ihrem Seelsorger gewählt, dessen Installation am 28. d. M. im Rahmen einer großen Feierlichkeit begangen wurde. Eine aus über 30 Mitgliedern bestehende Deputation ging dem neugewählten Rabbiner nach Ruttka entgegen, den auch Deputationen aus sämtlichen Gemeinden des Turoczer Komitates nach Rozsahegy geleiteten. Am Rozsahegyer Bahnhofe erwartete den Rabbiner die Elite unserer Stadt, und Vizepräsident der Gemeinde, Dr. David Szilägyi, begrüßte ihn daselbst mit einer feierlichen Ansprache. Vor dem Tempelhofe der Synagoge wurde der neugewählte Rabbiner von der Schuljugend und dem Lehrkörper erwartet; daselbst richtete Ferdinand Bricht an ihn eine feierliche Ansprache und empfahl die gedeihliche Entwicklung der israelitischen Schule seiner Obsorge. Im Tempelhofe begrüßte ihn Präsident Jakob Klein namens der Gemeinde, Jakob Roth namens der Chewra Kadischa und Dr. Markus Polgar im Namen des Schulstuhles. Nach dem Minchagebete folgte die treffliche Antrittsrede, die, exegetisch formvollendet, gedankenreich, allgemeinen Beifall fand. Nach dem Gottesdienste empfing der Rabbiner in seiner Wohnung verschiedene Deputationen. Bürgermeister Bela Noll begrüßte ihn an der Spitze des Magistrates; ferner beglückwünschte ihn der Vorstand der Kultusgemeinde, die Schulkommission, die Chewra Kadischa, der Frauenverein und der Lehrkörper. Abends fand dem Rabbiner und den erschienenen Festgüsten zu Ehren ein Bankett statt. Feuilleton. Festklange. In einem Aufsätze schildert unter dieser Ueberschrift im „Wegw. f. d. Jugendlit" Nr. 5 Herr Th. Rothschild in Ehlingen die Eindrücke der herannahenden Feiertage. Schöne Stellen kommen in diesem Aufsätze vor. „So oft sie (die Festklänge) an mein Ohr schlagen, muß ich an meine Kindheit denken. So oft ihre ernstfteudige Musik in meine Hörweite kommt, stehen sie vor mir, die schönen, frohen Kindertage, und etwas dankbar Gläubiges durchzieht meine tastende Seele. So oft ihr milder Friede mich umgibt, wecken sie in lnir eine leise, wunderliche Sehnsucht, ein Heimweh nach den Himmelsgärten meiner Kindheit. Leise kamen sie herangeschlichen diese ernst-fröhlichen Herbsttage. Draußen fielen schon die Blätter von den Bäumen, eine leuchtende Pracht ging zur Neige, eine langsam verblühende Natur mahnte uns an den Winter. Da wurde unser Blick von dent Vergehen und Verwesen in der Natur abgelenkt und in das eintönige Leben unseres stillen Tales kam plötzlich wie über Nacht neues Leben, eigenartig und packend, und ließ uns auf Wochen nicht mehr los." ... „Schwermütige Melodien trafen unser Ohr. der Ton des Schofars machte unsere Seele erbeben, zahlreicher waren die Andachtsübungen, länger die Gebete, festlicher die Synagoge, Männer und Frauen waren in reines Weiß gehüllt, wir fühlten, daß hier ernste Dinge vorgingen, aber wir verstanden sie nicht in ihrer ganzen Tiefe." ... „Aber gerade das war das Packende dieser Tage, daß wir etwas erlebten, daß wir Zeuge von Vorgängen wurden, die tief in unsere Seelen sich einprägten, die wir nicht vergessen konnten." . . . „Und das Entscheidende dabei war das. wie wir alle diese Dinge auf uns wirken ließen: voll Ehrfurcht, voll Vertrauen, voll Gläubigkeit, voll Hingebung. Ich war nie andächtiger als in jenen Tagen, an denen ich zahlreiche unverstandene Gebete gesprochen und mit dem stolzen Bewußtsein nach Hause gegangen bin: Heute kann Gott mit dir zufrieden sein." „Wie freuten wir uns auf das erste Fasten, wir konnten die Erlaubnis hierzu kaum erwarten, und wer