Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 40 (3.10.1913)
- Date
- 1913-10-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Rr. 40 Dr. Blochs Wochenschrift ©ritr 727 kanntlich schon außerordentliche Verdienste im Kampfe gegen die Blutlüge erworben hat, in einem warm gehaltenen Schreiben das Ersuchen auszudrücken, in der kommenden Reichsratssession sich dafür einsetzen zu wollen, daß endlich auch der Iustizskandal Hilsner aus der Welt geschafft werde, — mit dem Hinweis darauf, daß nur Indolenz die berufenen Faktoren abhalten könne, einzugreifen, da kein einziger derselben von der Schuld Hilsners an den ihm angedichteten zwei Morden oder der Mitschuld überzeugt sein kann, indem ja jedes Indizium hiefür fehle. Antisemitische Bewegungen in Galizien. Ganz nach dem Muster der russisch-polnischen Voykottagitation gegen die Juden wird jetzt auch in Galizien die antisemitische Propaganda ganz systematisch betrieben. Durch die Fusion der Allpolen mit den Christlich-Sozialen hat diese antisemitische Bewegung einen für die Juden sehr bedrohlichen Charakter angenommen. Das offizielle antisemitische Organ „Glos Narodu" agitiert ganz offen für einen Boykott und hetzt die polnische Bevölkerung gegen ihren angeblichen Erzfeind, den Juden, auf. Ganz wie die Antisemiten in Rußland, bedient sich auch dieses antisemitische Blatt der Mitarbeit getaufter Juden, und erst jüngst versendete „GloÄ Narodu" als Beilage eine Broschüre des getauften Julius Unschlicht, das den aufrührerischen Titel „Der Pogrom auf das polnische Volk" führt und in welchem Unschlicht die polnische ^Bevölkerung glauben machen will, daß die Juden darauf ausgehen, gegen die Polen einen Pogrom zu inszenieren. Das polnische Volk wird von diesem teuflichen Renegaten gewarnt, gegen die Juden, von denen alles Leid der polnischen Nation stamme, rechtzeitig geeignete Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Es ist gar nicht abzusehen, welche Dimensionen und welche Folgen diese bisher ungestörte antisemitische Agitation zeitigen wird, wenn die Behörden nicht so rasch als möglich einschreiten und die Juden zu einer energischen Abwehr greifen werden. Die galizische Hilfsaktion. Aus Lemberg wird uns geschrieben: Die bisher bekannten Pläne der Regierung betreffend die galizische Hilfsaktion haben auf die galizischen Juden niederschmetternd gewirkt. Nach den Bestimmungen der geplanten Aktion sollen nur die Mitglieder der folgenden Organisationen: der Lemberger und Krakauer k. k. landwirtschaftlichen Institute, der polnischen Kolka-Rolnice, der ruthenischen „Silski-Pofpoda" bedacht werden. Da die Juden in keine dieser Organisationen ausgenommen werden, so sind sie aus der Hilfsaktion von vorneherein ausgeschlossen, ohne Rücksicht darauf, daß auch die jüdischen Landwirte und Gutspächter von der Krise erfaßt wurden. Wie gewöhnlich, müssen es die Juden auch diesmal am eigenen Leibe verspüren, daß sie wohl Steuer aller Arten zu zahlen haben, daß aber die Steuergelder selbst, wenn es sich um eine Hilfsaktion handelt, für sie keine Verwendung finden. Baden. Nach Berichten aus Palästina hat dort die Teuerung große Dimensionen angenommen, die durch die andauernden kriegerischen Verhältnisse in der Türkei sich noch immer mehr verschärften. Besonders leiden unterdieser Teuerung jene unserer Glaubensgenossen, die sich ausschließlich der Thora widmen und auf die „Chaluka" angewiesen sind. Die Kulturbestrebungen, die sich gegenwärtig auf Palästina erstrecken, um aus demselben ein hebräisch gefärbtes Kulturzentrum zu gestalten, legen die Gefahr nahe, daß diejenigen, die sich dort das.Thorastudium zu ihrer Lebensaufgabe gemacht haben, ganz ohne Stütze bleiben und das religiöse Hauptziel, die Erhaltung der Iudenheit in Palästina, ganz verschwindet. Diesem Gedankengange hat Se. Ehrwürden Herr Rabbiner W. Reich in einer zu Herzen dringenden Predigt unserer Gemeinde nahegelegt, um sie für die besondere Unterstützung der „Chaluka" in Palästina zu erwärmen, und wurde auf seinen Vorschlag hin die Anordnung getroffen, am Schabbos vor Rosch-Haschona alle Spenden der zur Thora Gerufenen diesem dringenden, wahrhaft frommen Zwecke zu widmen. Der Erfolg war ein sehr ausgiebiger und ist die Mitteilung hievon für die Öffentlichkeit, zur Nachahmung in anderere jüdischen Gemeinden, von eminent jüdischem Interesse. F. Tempelweihe. Aus Trenjcsön wird berichtet: Unter ergreifenden Festlichkeiten wurde Dienstag nachmittag der neuerbaute, monumentale Tempel der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde eingeweihr. Der in orientalischem "Stile gehaltene Bau ist das Werk unseres in Berlin ansässigen Landsmannes Dr. Richard Scheibner. Die Feier begann im Tempelhose, wo sich ohne Unterschied der Konfession ein zahlreiches, vornehmes Publikum eingesunden hatte. Es waren erschienen: Obergespan Geheimrat Julius F. o. Szalaotzky, Vizegespan Stephan Rudnay, Gerichtspräsident Kurialrichter Eeza Hajdu, Reichstagsabgeordneter Heinrich Böla, Oberst Ritter v. llnsichmld an der Spitze des Offizierskorps des 71. Infanterie-Regiments, Oberst Benke v. Tardoskedd mit den Offizieren des 15. Honvedinfanterie-Regiments, Baron Ernst Popper, Bürgermeister königl. Rat Ernst Ucsnay, Finanzdirektor königl. Rat Ludwig Sztanek, Vertreter der Konfessionen und Lehranstalten, Deputierte zahlreicher Kultusgemeinden rc. Im Tempelhose schilderte zuerst der Präses der Baukommission, Bankdirektor Bela Friedmann, die Geschichte des Tempelbaues, worauf Gemeindevorsteher Heinrich Kaiser das neue Gotteshaus in Begleitung einer gehaltvollen Rede übernahm und die Schlüssel des Tempels dem Obergespan Szalavßky überreichte. Dieser öffnete mit schwungvollen Worten die Synagoge, worauf das Publikum das Gotteshaus betrat. Oberkantor und Chor intonierten Psalmen, worauf der Vukovarer Oberrabbiner Dr. Julius Diamant, ein Sohn des verstorbenen Oberrabbiners der hiesigen Kultusgemeinde, Dr. Moriz Diamant, in Begleitung einer meisterhaften Rede das ewige Licht entzündete, in welcher er mit inniger Rührung jener Männer gedachte, die seinem Heimgegangenen Vater während seiner dreißigjährigen Tätigkeit mit Eifer und Hingabe zur Seite standen und ein leuchtendes Beispiel der Frömmigkeit und Wohltätigkeit waren; der bekannten Wohltäter und frommen Männer Josef Schlesinger und 'Simon Singers, sowie der ob ihrer tiefen Gelehrsamkeit in den weitesten Kreisen bekannten Jesaja Reichs und Heinrich Kauers fen., dann der Musterbilder der pflichttreuen Gemeindebeamten I. B. Lichten» stein und Iaquez Ländlers und der Schuldirektoren Adalbert Munchi und Moriz Bernhards. Nach dem Absingen neuer Psalmen hielt der Ofner Oberrabbiner Dr. Arnold Kiss eine poetisch angehauchte, zu Herzen dringende Festrede. Zum Schlüsse segnete Dr. Kiss den König, das Herrscherhaus, das Vaterland, die Spitzen des Komitats, der Stadt, die Glaubensbrüder und sämtliche Bewohner. Mit dem Absingen des „Himnusz" fand die Feier ihren Abschluß. Die Kultusgemeinde erhielt zahlreiche Begrüßungstelegramme, unter anderen ein innig gehaltenes Telegramm des Kultusministers Bela o. Jaukooich. Eger. (Erlau.) Im' Rahmen großer, heizerhebender Festlichketten wurde unser neuerbauter monumentaler Tempel am Sonntag, den 21. d. M., seiner heiligen Bestimmung übergeben. Die Erlauer israelitische Kultusgemeinde konstituierte sich im Jahre 1840. Drei Jahre später erbaute sie die Synagoge, die 70 Jahre lang als Andachtsstätte diente. In den letzten Jahrzehnten nahm die Gemeinde einen großen Aufschwung, immer lauter wurde der Wunsch, immer größer das Bedürfnis, ein größeres, würdigeres Gotteshaus zu errichten. — Vor 5 Jahren ttat an die Spitze der Gemeinde der Generaldirettor Desider v. Kanitz, der es sich zur Aufgabe stellte, den Tempelbau durchzuführen. Und seiner großen Energie und tatkräftigen Umsicht gelang es, den Plan aufs herrlichste zu realisieren. Der Bau dauerte — durch das strenge Einhalten des Sabbats und der Feiertage verzögert — zwei Jahre lang, wurde nach den Plänen des berühmten Synagogenarchitekten Leopold Baumhorn aufgeführt. Die Kosten dieses monumentalen Tempels belaufen sich auf ca. 300,000 Kronen. Vom herrlichsten Wetter begünstigt, strömte die Bevölkerung der Stadt ohne Unterschied der Konfession zu dem festlich geschmückten Tempel. Es war nicht nur das Fest der israelitischen Gemeinde, sondern der ganzen. Stadt. Um 11 Uhr vormtttags begann die Feier mit der Generalversammlung, die im Prachtsaale des Komitatsgebäudes abgehalten wurde. Sämtliche Konfessionen, Behörden, Vereine der Stadt und der Nachbarstädte waren vertreten. An der Spitze der Komitatsbehörden