Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 30 (1913)
- Issue
- 20 (16.5.1913)
- Date
- 1913-05-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20 ©t. Plochs Wochenschrift Sette 359 fliehen merkwürdigerweise genau dahin, wohin die verhaßten Juden, Polen und Littauer wandern, denn wie der Ausweis des Genpralkommifsärs für die Einwanderung in den Vereinigten Staaten besagt, sind im abgelaufenen Jahre mehr als 18.500 echte Russen nach Amerika ausgewandert, während die Zahl der eingewanderten Russen im Jahre 1902 bloß 1500 betrug. Mit anderen Worten, je mehr die nichtrussischm Nationalitäten und insbesondere die Juden sich gezwungen sehen, aus Rußland auszuwandern, in desto verschärfterem Maße suhlen die echten Russen, zu derem Schutz diese nationalistische Politik betrieben wird, den Schaden und das Verderbliche dieser Politik. Daß eine solche Erscheinung auch den nationalistischen 'Führern nicht verborgen bleiben konnte, ist selbstredend. Aber auch hier zeigt es sich wieder, einerseits die Engherzigkeit, andererseits das Verbrecherische dieser Politik. Anstatt den wahren Grund dieser allgemeinen Landflucht zu erkennen und zu bekennen, versuchen sie, der Bevölkerung das Märchen aufzuhälsen, daß die russischen Bauern und Arbeiter nicht freiwillig und nicht infolge der unhaltbaren Verhältnisse in Ruß land die heimatliche Scholle verlassen, sondern weil die Juden sie mitschleppen, um sie auch dort als Sklaven zu behandeln, wie sie es zu Haufe getan haben. Diesen Politikern ist also vorderhand nicht zu helfen. Es werden kräftigere Beweise kommen müssen, um die Ilnhaltbarkeit dieser Politik hinfällig zu Machen. Vereinigung der Familie Eger. Am 20. März 1913 fand in Berlin der 1. Eg er-Tag statt. Zu der Versammlung waren etwa 250 Familienangehörige erschienen, darunter eine stattliche Anzahl aus England, Polen, Oesterreich und den verschiedenen Teilen Deutschlands, die den großen Saal des Logenhauses bis auf den letzten Platz füllten. Die Tafel, an der das vorbereitete Komitee Platz genommen hatte, bestehend aus den Herren Simon Eger (Ivönigsberg-Pr.), Siegfried Caro (Berlin). Dr. Joseph Eiger (Berlin), Rechtsanwalt Dr. Leo Eger (Berlin), Redakteur Fritz Engel (Berlin). Rechtsanwalt Dr. Frankfurter (Berlin) und Frau Schriftstellerin Lila Wolff-Frank (Berlin), zierte ein altes Oelgemülde des großen Ahnen Rabbi A k i b a Ege r, das bei den Erschienenen pietätvolles Interesse fand. Die Tagung wurde durch Dr. Joseph Eiger (Berlin) eröffnet. Er begrüßte zunächst die Erschienenen, insbesondere die zum Teil aus weiter Ferne herbeigeeilten Verwandten. Er schilderte, wie das Interesse für die Familientradition in der Familie E g e r stets lebendig gewesen ist, wie es sich durch mündliche Ueberlicfcrung, von Generation zu Generation, durch das Mischnastudium, durch die Biographien von Kämpf, Bleichrode, Lcwysohn und Wreschner und durch die Angaben, die sich in den Chroniken von Halberstadt, Lissu, Ungarisch- Brod finden, wach erhalten hat. Die Grabsteine auf den alten jüdischen Friedhöfen in Halberstadt, 'Worms, Frankfurt am Main, Prag, Wien, die Eger-Synagoge (i. J. 1745 gegründet) in Prag, die Fränkel-Eger-Stiftung aus dem Jahre 1764 in Halle, die Fränkelsche Stiftung in Breslau sind noch heute Zeugen einer großen Vergangenheit. Dann ging der Redner dazu über, darzulegen, wie der Gedanke einer Familienvereinigung Gestalt gewonnen und durch die tatkräftige Initiative der Frau Ulla Wolff-Frank schließlich zur Einberufung des Eger-Tages geführt habe. In weiten Kreisen habe der Aufruf zu der Tagung begeisterte Gefühle ausgelöst; dafür zeuge das Erscheinen so vieler angesehener Persönlichkeiten und die schon jetzt erfolgten reichlichen Geldspenden. An größeren Beiträgen haben gestiftet: die Brüder Juljusz, Boleslaw und Bronislaw Eiger (Warschau) und Dr. Maryan Eiger (Krakau) . 11,000 M. Moritz Eiger (Warschau). 1 000 „ Hermann Goldberg (Berlin-CIiarlottenburg) . 1 000 „ Das Bankhaus Goldfeder (Warschau), dessen Inhaber nicht zur Familie gehören, „Aus Verehrung für die Persönlichkeit Akiba Egers“ . 1 000 ,, Die Summe der einmaligen Spenden hat sich seitdem noch erhöht. Rechtsanwalt Dr. Eger (Berlin),, der darauf den Vorsitz übernahm, verbreitete sich eingehend über die Geschichte der Familie Eger an der Hand eines von ihm entworfenen Stammbaumes, den jeder Teilnehmer in einem Exemplar erhielt. Der Redner verfolgte diese Familiengeschichte von ihren ersten Anfängen bis zu den Söhnen Rabbi Akiba Egers. In ausführlicherer Darstellung verweilte er bei der Schilderung der Persönlichkeit des großen Vorfahren. Er wies darauf hin, was noch heute die Persönlichkeit Rabbi Akiba Egers für uns bedeute. Sie sei für uns nicht nur die letzte allgemein anerkannte Autorität, auf religionsgesetzlichem Gebiete, sondern auch die Verkörperung des reinsten jüdischen Idealismus. Dr. E g e r führte sodann im einzelnen aus, wie die Tätigkeit der neu zu gründenden Vereinigung gedacht sei und in welchem Geiste sie wirken solle. Im Anschluß an die Reden wurde den Erschienenen außer dem bereits erwähnten Stammbaum noch ein Abdruck einer im Jahre 1837 erschienenen Elegie auf den Tod Akiba Egers, sowie ferner ein volkstümlicher Auszug aus der bekannten Biographie von Akiba Eger, die von Rabbiner Dr. Wreschne r verfaßt ist, überreicht. Einstimmig wurde sodann die Gründung der „Vereinigung der Familie Eger“ beschlossen und die Satzungen der neuen Vereinigung ihrem Hauptinhalte nach festgestellt. Der Verein bezweckt die Pflege des Gefühls der Zusammengehörigkeit unter den Mitgliedern der Familie Eger, die Pflege des Studiums der Familiengeschichte, die Schaffung und Fortführung eines Stammbaumes, die Sammlung der auf die Familiengeschichte bezüglichen Literatur, die Herausgabe von noch ungedruckten Werken Akiba Egers, von Werken aus der Familiengeschichte und verwandte Bestrebungen. Von Zeit zu Zeit sollen Versammlungen von Familienmitgliedern (Familientage) einberufen werden, mindestens in jedem zweiten Jahre. Der zweite Familientag wird für März nächsten Jahres in Posen geplant. Mitglied der Vereinigung kann jede Person werden, die nachweislich von Rabbi Akiba Eger oder einem seiner Vorfahren abstammt und dem Judentums angehört, sowie die Ehegatten solcher Personen, wenn die Ehe besteht oder durch den Tod aufgelöst ist. Der Jahresbeitrag wurde auf mindestens 10 M. festgesetzt. In den Vorstand der neuen Vereinigung wurden folgende Personen gewählt: 1. Dr. Joseph Eiger in Berlin 2. Siegfried Oaro in Berlin 3. Rechtsanwalt Dr. Leo E g e r in Berlin 4. Rabbiner Dr. B 1 e i c h r o d e in Berlin 5. Hermann G o 1 d b e r g in Charlottenburg 6. Dr. Walter Iv a r o in Berlin 7. Geh. San.-Rat Dr. Jakob. E g e r in Berlin 8. Redakteur Fritz Engel in Berlin 9. Rechtsanwalt Dr. Richard Otto F r a n kf u r t c r in Berlin 10. Frau Ulla Wolff-Frank in Berlin 11. Simon Eger in Königsberg-Pr. 12. Jacques Eger in Paris 13. Juljusz Eiger in Warschau 14. Alexander Sal. Schreiber in Sereth Ihren Beitritt haben bereits über 200 Personen erklärt. Eine Liste der Mitglieder der Vereinigung wird demnächst versandt werden. Das Interesse an dein Familientagc zeigte sich nicht nur in der Zahl der Anwesenden, sondern auch in zahlreich zugegangenen Zuschriften und Tidegrammen. Es waren über 150 Briefe aus aller Herren Länder eingegangen und telegraphische Begrüßungen aus: Berlin. Dresden, Posen, Wien, Lemberg, Krakau. Monte Carlo, Nizza, Sereth, Petersburg» Moskau, Riga, Dünaburg. Wilna, Minsk, Warschau, Lazy, Orenburg, Homel, Jekaterinoslaw. Das Wort ergriff sodann Rechtsanwalt Dr. .Talowicz (Berlin), der im Namen der angeheirateten Verwandten sprach und seiner Freude Ausdruck gab, in eine Familie von jüdischem Geistesadel aufgenommen worden zu sein. Sodann sprach die Schriftstellerin Frau Regina Eiger- L i l i e n t h a 1 (Warschau). Sie begrüßte im Namen der auswärtigen Mitglieder aufs herzlichste den Gedanken einer Familien Vereinigung und schilderte, wie sie sieh die Tätigkeit der neuen Vereinigung denke. Nach einer Rede von Akiba Körnitz er (Wien), der das Wirken Akiba Egers und seines Schwiegersohnes M. Sofer für die ungarische Judenlieit pries, und nachdem Carl Lasch (Berlin) herzliche Dankesworte an die Einberufer des Familientages gerichtet hatte, wurde die Versammlung geschlossen. Am nächsten Tage vereinte ein Mittagsmahl etwa 60 Teilnehmer des Eger-Tages. Auch hier wurden herzliche Worte in Rede und Gegenrede gewechselt. Die Herren M. H. Eiger (Zgierz), Simon E g e r (Königsberg) und Wolf Rapaport (Przemysl) hielten Ansprachen in klassischem Hebräisch. > 1. Vorsitzender 2 1. Schriftführer 2 1. Kassenwart 2. Beisitzer