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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-05-16 · 20 (16.5.1913) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
20 (16.5.1913)
Date
1913-05-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 356 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 36 sucht, weilte gerade in b|er Provinz, als sie mir vom' Justizminister vertrauensvoll angeboten wurde, und erst nach langer Ueberlegung akzeptierte ich sie." Aus die Frage, ob nicht in Kreisen der Regierungspartei diese Ernennung eines Juden ungünstig ausgenommen wurde, antwortete her Staatssekretär: „Nein, nichts von alldem. In Kreisen der nationalen Arbeitspartei ist die Ernennung mit ungeteilter Sympathie ausgenommen worden." Ueber seine Stellung zum Judentum sagte der Staatssekretär: „Ich Habe die Liebe zum Juoenlum schon von meinem seligen Vater gelernt, der in Klein- Wardein Präsident der Chewra-Kadischa war. In der Volksschule hohe ich, die Bibel fleißig studiert und pflegte am Samstag zum greisen Oberrabviner zu gehen, mich über das Pensum der Woche prüfen zu lassen. Der verehrte Oberrabbiner hatte ein Vergnügen daran, daß ich in allen Teilen der BMl Bescheid wußte und manche Teile wörtlich auswendig rezitieren konnte. Der gottselige Oberrabbiner, dessen ehrwürdige Gestalt mir unvergeßlich blieb, hielt große Stücke aus mich; er hoffte, ich werde ein großer pwerden. Indes kam ich auf das Gymnasium und das Geschick lenkte mich in andere Bahnen." Im weiteren Verlaufe des Gespräches erwähnte der Staatssekretär, daß er, in Budapest seit einem Jahre wohnend, Mitglied der Klein-Wardeiner orthodoxen Gemeinde blieb. Er erkundigte sich sodann über einzelne ak welle jüdische Fragen, worauf der Redakteur mit dem Bemerken sich empfohlen hatte, daß speziell das orthodoxe Judentum es mit Stolz erfülle, daß der Angehörige einer orthodoxen Gemeinde zu solch hoher Staatsstellung emporgestiegen sei. Ein neuer jüdischer Richter in Irland. Wie aus London berichtet wird, hat der Lordkanzler für Irland den bekannten Dubliner Rechtsanwalt Lionel Henry Rosenthal zum Richter in Dublin ernannt. Richter Rosenthal, der der Sohn eines vor einiger Zeit verstorbenen bekannten Rechtsgelehrten ist, wurde wiederholt in wichtigen Rechtsfragen als Experte seitens der Regierung herangezogen und besitzt auf diesem Gebiete eine besondere Autorität. Jüdische Mitglieder des amerikanischen Senats. Infolge des Ablebens des Senators William Rayner und des Erlöschens des zweiten jüdischen Senatsmitgliedes Simon Guggenheim von Colorado gibt es gegenwärtig kein einziges jüdisches Mitglied int amerikanischen Senat. In eingeweihten Kreisen ist man jedoch der Ueberzeugung, daß sowohl Maryland, das den verstorbenen Rayner in den Senat entsandt hatte, wie auch Colorado wieder jüdische Mitbürger als Senatoren wählen werden. Aber ebenso hält man es für wahrscheinlich, daß der gewesene Handelsminister Oskar o. Straus (Newyork) und A. Leo Weil (Pennsylvania) ein Mandat für den Senat erhalten werden. Warnung vor Masseneinwanderung wach, Vulgarim. Der Warschauer „Haint" erhielt von seinem Korrespondenten aus Sofia die folgende bedeutsame Meldung: Trotzdem die Lage der Juden auf dem Balkan bisher noch eine völlig ungeklärte ist und Bulgarien sich vorläufig in einem geradezu schrecklichen wirtschaftlichen Zustande befindet, zeigt sich dennoch schon eine starke Tendenz für eine jüdische Einwanderung nach Bulgarien. Aus den verschiedenen Orten Galiziens und Rußlands, ja sogar aus Deutschland kommen Anfragen von jüdischen Vertretern aller Berufe nach Sofia, in denen der Entschluß sich kundgibt, nach Bulgarien auszuwandern, und Erkundigungen über die dortigen Lebensbedingungen eingeholt werden. Da es in Sofia keine speziellen Jnformarionsbureaus für Emigrationsangelegenheiten gibt, so bleiben diese Anfragen, die in allzu großer Zahl einlangen, bis auf weiteres unbeantwortet. Im allgemeinen aber muß daraus hingewiesen werden, daß Bulgarien ein Ackerbauland ist, in welchem sich die Industrie nur sehr schwach entwickelt. Das Land macht jetzt nach dem Kriege eine große wirtschaftliche Krise durch, und es muß daher vor einer größeren Zuwanderung von Juden mit allem Nachdruck gewarnt werden. Dies umsomehr, als es durchaus nicht unwahrscheinlich ist, daß die Regierung, um einjer weiteren Verschärfung der Krise vorzubeugen, einer solchen Art von Einwanderung Schwierigkeiten in dfen Weg legen würde. Die kanarisch,e Regierung und W ruWchr Patzfrage. Der gewesene Ministerpräsident von Kanada, Wilsried Laurier, hat durch eine energisch! in Angriff genommene Aktion nunmehr auch in Kanada die Frage der Anerkennung der kanadischen Pässe jüdischer Bürger in Rußland aufs Tapet gebracht. Angeregt wurde diese Aktion durch folgenden Fall: Vor vielen Jahren wanderten drei russische Juden nach, Kanada aus und wurden dort, nachdem sie allen gesetzlich,en Vorbedingungen entsprochen halten, vollwertige englische Bürger. Diese drei Bürger des britischen Reiches hatten, mit ihren kanadischen Pässen versehen, vor einiger Zeit ihre Verwandten in Rußland besucht, wo sie bei vollständiger Ignorierung ihrer Dokumente verhaftet und zur Verschickung nach Sibirien verurteilt wurden. Der gewesene Ministerpräsident 'fordert nun, daß Kanada sich ihrer sBürger ann,chme, denn es sei ein öffentlicher Skandal, daß, England die Bürger Kanadas nicht in Schutz nehmen will. Infolge dieser Intervention hat dfe gegenwärtige kanadische Regierung beschlossen, die Angelegenheit dem Iustizdepartement zur schleunigen Berichterstattung zu überweisen und von demselben Vorschläge darüber abzuverlangen, auf welche Weise für bije genannten drei jüdischen Bürger Kanadas sofort das Nötige veranlaßt werden könnte und durch welche Mittel die Wiederholung solcher Fälle hintangehalten werden könnte. Auch die Russen verlassen Rußland. Großes Aufsehen erregt ein Aufsatz in der Petersburger Zeitung „Rjetsch" über die Auswanderungsbewegung aus Rußland: „Bis jetzt," heißt es in diesem Artikel, „haben jährlich Hunderttausende von Juden, Polen, Littauern und Angehörigen anderer nichtrussischrr Nationalitäten das Land verlassen. Nach Schätzung selbst der „Nowoje Wremja" haben in den letzten 12 Jahren nur von Juden allein mehr als 1,300.000 Rußland den Rücken gekehrt. Laut der Statistik des Generalkommissärs für Einwanderungtzwesen in den Vereinigten Staaten sind im abgelaufenen Jahre aus Rußland 65.000 Juden mehr, 40.000 Polen, über 16.000 Littauer, ungefähr 9000 Finnen und zirka 9000 Deutsche emgle-wandert. Das Blatt weist nun darauf! hin, daß, diese Erscheinung eine geradezu schrecklich,e ist. Die nationalistischen Blätter haben sich hierüber allerdings gefreut, indem sie den Standpunkt vertraten, daß. die Nichtrussen eine Plage für das Land feien, ihr AUug daher nur mit Freuden zu begrüßen sei. Plötzlich wurde jedoch, die Entdeckung gemacht, daß mit den Juden, Polen, Littauern auch echte Russen aus dem Laude fliehen: es fliehen russische Bauern, es fliehen russische Feldarbeiter und gewöhnliche russische Arbeiter, also jene Elemente, wegen deren die feindselige Politik gegen die nichtrussischen Nationalitäten inauguriert wurde, und diese echten Russen

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