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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-04-25 · 17 (25.4.1913) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
17 (25.4.1913)
Date
1913-04-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 17 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 303 schmidt der gesamte Vorstand wiedergewählt. Zum Präsidenten für das Iahr 1913 wurde der Professor am' College de France sylvaine, Levy, gewählt. Die Juden als Beispiel für Reinheit. Im Londoner Royal Sanitary Institute hielt vorige Woche der bekannte englische Hygieniker Sanitätsrat Dr. H. R. Kenwood eine Serie von Vorträgen über die Gesundheit des Heims. Der Gelehrte, der Sanitätsoberinspektor von London ist, machte in seinem Referate die von den Tag es blättern besonders heroorge- Hobene Bemerkung: Es ist recht auffallend, daß in zwei verschiedenen Straßen meines Rayons, in denen genau dieselben Vorbedingungen herrschen, dir Mortalität eine grundverschiedene ist. Ich ging der Sache nach und fand nun. daß die eine Straße fast ausschließlich von Juden bewohnt ist, die hinsichtlich der Reinlichkeit und der Lebensweise fast hygienisch einwandfrei sind, was von den Bewohnern der anderen Straße, dir zum größten Teile aus Christen bestehen, nicht gesagt werden kann, deshalb ist auch die Sterblichkeitsziffer in dieser Straße eine größere. Zur Genealogie des Stammvaters der Familie Lger. Geehrte Redaktion! In Nummer 12 Ihrer gesch,ätzten Zeitschrift bringen Sie gleich vielen anderen Blättern die Nachricht, daß die Nachkommen.Rabbi Akiba Egers aus 'Anlaß des 150. Geburtstages ihres berühmten Ahnen, der im März d. I. gefeiert werden soll, einen 'Familienverband zu stiften beabsichtigen. Hier ist ein chronologischer Irrtum unterlaufen, denn Akiba- Eger wurde nach den Quellen, die in Iewish Encyclopedia zitiert sind, wozu noch die neueste Arbeit von L. Wreschner: Rabbi Akfba Egers Leben und Wirken iJahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft, Vol. II und III, Frankfurt a. M. 1904—1905) nachzutragen wäre, am 11. Marcheschwan 5522 — 8. November 1761 geboren. Kayserling in „Gedenkblätter. Hervorragende jüdische Persönlichkeiten des neunzehnten Jahrhunderts" hat die falsche Angabe, daß Akiba Eger am 14. Marcheschwan 1752 geboren sei. Es wäre interessant zu wissen, wie sich die christlichen Nachkommen des großen Talmudisten zu diesem Verbände stellen. Nach der Angabe des galizischen Korrespondenten des Newyorker jüd. „Tageblatt", 17. Juli 1912, wäre der österr. Minister Bilinski ein Urenkel des Pofener Oberrabbiners, nämlich ein Enkel des bekannten Mendel Braunstein aus Zaleszczycki in Galizien, der ein Schwiegersohn Akiba Egers war und nach seinem Uebertritte zum Christentum als Baron Brunicki geadelt wurde. Auch ein anderer Urenkel, der Gerichtsassessor Dr. Otto Rosanes, Sohn des Breslauer Mathematikers, gehört der Kirche an. Ergebenst Cincinnati, April 1913. Gotthard Deutsch Eine Beschwerde gegen die VeröffenAchung der AustrittsWen. Man schreibt uns aus Frankfurt a. M.: Das Kartell freigeistiger Vereine Frankfurt a. M. hatte sich mit einem offiziellen Schreiben an den Vorstand der hiesigen israelitischen Gemeinde gewendet mit der Frage, ob der Vorstand gewillt sei, die Veröffentlichung der ihm amtlich bekannt gegebenen Austrittserklärungen aus dem Iudentume zu verhindern. Der Vorstand hat in seinem Antwortschreiben aus die analogen Veröffentlichungen der jüdischen Gemeinde Berlin hingewiesen, sowie mit vollem Recht daraus, daß, wer aus dem Judentum austrete, nicht nur, wie bei dem Austritte aus einer der christlichen Religionen, sich von der' Religion abkehre, in die er hineingeboren sei, vielmehr bedeute dies auch das Verlassen einer noch durch andere Bande als durch die Religion zusammengehaltenen Gemeinschaft, nämlich durch die Bande gemeinschaftlicher Abstammung, einer gemeinschaftlichen, mehrtausendjährigen Ruhmes- und Leidensgeschichte, namentlich aber auch durch die Bande des gemeinsamen Kampfes um die religiöse und politische Gleichberechtigung der Juden. Der Gemeindeoorstand kennzeichnet deshalb die Austretenden als Fahnenflüchtige in dem Kampfe „um eines der höchsten Ideale der jüdischen Gemeinschaft" und erklärte, daß dieser Kampf nach seiner kleberzeugung „nicht nur ein Kampf für Juden und Judentum, sondern in letzter Linie ein Kamps für Vaterland und Menschheit" sei. Die Taufst» ke m Rußland. Immer größer wird die Zahl derjenigen Juden in Rußland, die aus den schweren politischen und wirtschaftlichen Druck seitens der Russen mit dem Uebertritte zum Christentum reagieren. So haben in letzter Zeit in Kiew zahlreiche jüdische Advokaten aus die Nachricht hin, daß sie als Juden nicht zur Ausübung' der Advokatur zugelassen werden, mit dein Hinweise daraus, daß sie keinen anderen Ausweg hätten, die Tause genommen. In Warschau haben in den letzten Tagen nicht weniger als 50 jüdische Techniker den liebertritt zum Christentum vollzogen. Diese Massentausen haben bisher allerdings nur die Wirkung gehabt, daß seitens der Negierung über Maßnahmen beraten wird, um das Eindringen getaufter Juden in russischer Gesellschaft zu verhüten. So z. B. enthält die Berordnullg bezüglich der Aus nahine von Militärär zten eine ganz neue Bestimmung, wonach IudenstämmUnge bis zur dritten Generation vom militärörztlichen T'enste ausgeschlossen sind. D ieser Kurs macht sich aus der ganzen Linie fühlbar, und es wird von einem Min'stergehilfen erzählt, der gleichfalls getauft ist, vor kurzem jedoch zum Staatsrate versetzt wurde, weil im Ministerium n'emand mit ihm verkehren wollte. Aber auch aus seinem neuen Posten war seines Bleibens nicht lange, und so mußte er schließlich in Pension gehen, trotzdem er noch sehr rüstig und arbeitsfähig ist. Znm Rechtsschutz der jüdischen Emigranten «nd deren Angehörigen. In der letzten Zeit erschienen in den österreichschungarischen Zeitungen Warnungen vor amerikanischen Nachlaßjägern, welche es daraus abgesehen haben, sich Vollmachten von den in Oesterreich lebenden Erben zur Erlangung der Erbschaften nach verstorbenen Oesterreichern und Ungarn in Amerika zu verschaffen, jedoch diese Erbschaften einheben und sie nicht an die hiesigen Erben absühren, wodurch dieselben schwer geschädigt werden. Es wird aus diesem Grunde in den erwähnten Zeitungsberichten wärmstens empfohlen, mit der Vertretuna in Erbschafts- und anderen Rechtssachen stets die österreichisch-ungarischen Konsulate im Auslande und niemanden anderen damit zu betrauen; eventuell neue Vollmachten zugunsten der Konsulate auszustellen, in welchen alle früher ausgestellten widerrufen werden. Diese Warnungen dürften umso eindrucksvoller wirken, als sie, wie von einigen Zeitungen erklärt wird, vom k. k. Handelsministerium ausgehen und einen Erlaß ähnlichen Inhalt zitieren, der vor drei Jahren auch vom k. k. Justizministerium herausgegeben wurde. Nun zählt bereits die jüdische Emigration nach Amerika und Kanada nach Tausenden und Zehntausenden. Im Hafen von Newyork allein sind im letzten Jahre über 63.000 Juden gelandet. Aus diesem Grunde haben auch diese veröffentlichten Warnungen ein ganz beesonderes Interesse für die Iudenschast und verdienen die sorgfältigste Beachtung. Von einer Seite, welche seit Jahren Gelegenheit hatte, sich mit dem Konsularwesen zu befassen, erhalten wir nun hinsichtlich dieser Veröffentlichungen, welche also auch besonders für die jüdischen Interessenten an amerikanischen Erbschaften von Wichtigkeit sind, eine Auf-' Närung.

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