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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-03-15 · 11 (15.3.1912) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
11 (15.3.1912)
Date
1912-03-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 170 Dr. Blochs Wochenschrift erfüllte, so hat er das mit seiner Kindesliebe und seinem Gewissen auszumachen. Empörend und in höchster Weise beleidigend aber sind diese Fälle für das Judentum, und wir begreifen nicht, wie die israelitische Gemeinde derartige Handlungsweisen ohne Retorsion hinnehmen kann. Wir meinen nicht eben den erwähnten Fall. Nachdem der Tote einmal getauft war, konnte ihm keine Macht das Judentum Wiedergeben, wir meinen jedoch, die zahlreichen Fälle, wo die Hinterbliebenen sich schämen, daß der Verstorbene Jude gewesen, sich aber doch nicht helfen können und ihn nach jüdischem Ritus begraben lasten müssen. Wenn sie nämlich in der Parte weder die Religion des Verstorbenen, noch den Friedhof angeben und ihn am liebsten in aller Stille begraben möchten, damit kein Mensch von ihrer „Schande" erfahre. Dort, wo die israelitische Kultusgemeinde auf solche Erscheinungen stößt, sollte sie mindestens für die Beerdigung eine so Hohe Summe berechnen, daß den Hinterbliebenen der Spaß recht teuer zu stehen kommt, läßt aber einer, um diesen Kosten zu entgehen, den Sterbenden in der Agonie taufen, dann müßten die Gerichte angerufen werden, die ja doch irgend eine Retorsion gegen solche Vorgänge haben dürften. Große Spenden für jüdische Kulturzwecke m Rußland. Die Erben nach dem in Petersburg verstorbenen Baron Horaz Ginsburg haben anläßlich der Aufteilung der Erbschaft beschlossen, 200.000 Rubel für jüdische kulturelle Zwecke zu widmen. Diese Spende soll an solche jüdische Gesellschaften verteilt werden, die sich die Verbreitung von Kultur und Wissenschaft unter den russischen Juden zur Aufgabe gemacht und in dieser ihrer Tätigkeit auch bewährt haben. — Die Brüder Wawelberg in Petersburg haben der jüdischen Gesellschaft zur Verbreitung höherer Bildung unter den russischen Juden für die nächsten 10 Jahre einen jährlichen Beitrag von 3000 Rubel zugesichert, welche als Stipendien für jüdische Hochschüler verwendet werden sollen. „Samson nnd Delila" in hebräischer Aufführung. In Petersburg werden jetzt Vorbereitungen getroffen, um die bekannte Oper „Samson und Delila" in hebräischer Sprache zur Aufführung zu bringen. Die besten Künstler des „Narodni Dom" haben sich zur. Mitwirkung bereit erklärt. Die nicht unerheblichen Kosten dieser Aufführung, welche, wie aus Petersburg geschrieben wird, auf hohem künstlerischen Niveau stehm soll, werden von einem jüdischen Kaufmann, dessen Name nicht genannt ist, bestritten. Die englischen Juden und die-russische Paßfrage. Aus London berichtet man der „N. I. K.": In einer der letzten Nummern der „Times" ist eine von Mr. L. Merander, Präsident des Jewish Board of Deputies, und Mr. Elaude G. Montefiore, Präsident der Anglo-Jewish Association, Unterzeichnete Erklärung abgedruckt, in der gegen das Vorgehen der russischen Behörden gegen jüdische Reisende aus England Protest erhoben wird. U. a. heißt es in dieser Zuschrift: In der Regel werden die Passe englischer Juden, die nach Rußland reisen wollen, überhaupt nicht vidiert, geschieht dies aber dennoch, so werden die Inhaber solcher Passe in Rußland verschiedenen unerträglichen Beschränkungen unterworfen. Dies alles widerspricht offenkundig den Bestimmungen des englisch-russischen Handelsvertrags vom 12. Januar 1859. Die Unterzeichner der Erklärung beziehen sich auf einen Artikel der „Times" zum amerikanisch-englischen Paßkonflikt, in dem gesagt würde, diese Streitfrage „berühre glücklicherweise England itidjfDemgegenüber wird in der Protesterklärung nachdrücklich hervorgehoben, daß die Angelegenheit aller- Nr. 11 dings unglücklicherweise auch England berühre. Die Art, wie die russische Regierung mit englischen Staatsbürgern jüdischen Bekenntnisses umzuspringen wage, sei eine Herausforderung Englands. „Darum sind wir der Meinung, daß die Regierung Sr. Majestät verpflichtet ist, uns aus diesem Zustand der Rechtlosigkeit zu befreien." — Die Erklärung wird in politischen Kreisen lebhaft besprochen und hat auch in Rußland Eindruck gemacht. Dies kann man am besten aus einem Hetzartikel der „Nowoje Wremja" ersehen, der sich mit Bezugnahme auf diese Kundgebung der englischen Juden in wüsten Schimpfereien gegen das „internationale Judentum" ergeht, welches in die souveränen Rechte des russischen Staates eingreife. Die einzige Antwort, die Rußland darauf geben könne, führt das vornehme Patriotenblatt aus, sei eine allgemeine ausnahmslose Grenzsperre gegen alle Juden. Korrespondenzen. Generalversammlung des „Jüdischen Museums" und „Jüdischer Volksliederabend". Unter reger Teilnahme der Mitglieder hielt die Gesellschaft zur Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums am 6. d. im Festsaal des Hotel Continental ihre diesjährige Generalversammlung ab. Um 71/2 Uhr er öffnete der Vorsitzende Herr Hofrat Dr. Politzer die Versammlung, die sich zu einer eindrucksvollen Trauerkundgebung zu Ehren des unverg'ßlichen Gründers der Gesellschaft, des verewigten Baurates Wilhelm S1 i a ß n y, und der gleich ihm durch den Tod ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder Adolf Ritter von Sonnen- 1 h a l, Baurat Ritter von Goldschmidt und Oberbaurat Sigmund T a u s s i g gestaltete. Das Kuratorium ergänzte sich durch die Herren: Regierungsrat Dr. Frankfurter, Rabbiner Dr. Max G r u n w a l d, Regierungsrat Prof. Jerusalem, Universitätsdozent Doktor Hajek, Bankier H i l l e r, Bankier K 0 l i s ch, Dr. Ignatz Schwarz, Dr. Sigmund S t i a ß n y und Sandor Wolf. Wertvolle Dienste hat sich um die Neuordnung des Museums Herr caud. jur. Diamant erworben. Von der Uebersiedlung des Museums in das Haus Wien, II., Malzgasse 16, wurde mit Befriedigung Kenntnis genommen, ebenso von den Auszeichnungen, die dem Museum als solchem, sowie den Herren Dr. Max Grunwald (Ehrendiplom für wissenschaftliche Mitarbeit) und Isidor Kaufmann (Plakette) seitens der Dresdener Hygiene-Ausstellung zuteil geworden sind. Nach dem Bericht des Revisors Herrn Tugend hat wurde dem Kuratorium das Absolutorium erteilt. Unter den — nicht dem Kuratorium angehörenden — Anwesenden bemerkte man das gesamte Präsidium der israelitischen Kultusgemeinde, den Präsidenten des Humanitätsvereines „Wien", Herrn Petschek, die Expräsidenten Dr. Edmund Kohn und Dr. Kuh, die Herren Kultusvertreter Dr. M. Spitzer und kaiserlichen Rat Jonas Weil, Herrn Rabbiner Dr. Bach nebst Gemahlin und viele andere Damen und Herren aus der besten jüdischen Gesellschaft Wiens. Nachdem Herr Präsident Dr. Stern in äußerst beifällig ausgenommener Rede die Gesellschaft zu ihren Erfolgen beglückwünscht und sie des Wohlwollens des Kultusvorstandes versichert hatte, schloß der Vorsitzende um 8 Uhr die Generalversammlung. Es folgte nun programmäßig der Vortrag des Schriftführers der Gesellschaft Herrn Dr. Max Grunwald über „das Volkslied des Ostjuden" und im Anschluß hieran Proben, die von Herrn Ersten Kaytor Kaufmann, Frl. Stein und Herrn Oberkantor Morgenstern mit einer sochen Meisterschaft dargeboten wurden, daß der Beifall nicht enden wollte und trotz der vorgerückten Stunde jeder der Sänger eine Zugabe bewilligen mußte. Schon

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