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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-03-15 · 11 (15.3.1912) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
11 (15.3.1912)
Date
1912-03-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 11 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 169 biläum innerhalb eines von allen Drangsalen erlösten und freien russischen Judentums feiern soll. Es ist dies der beste Wunsch, den wir ihr bei ihrer 50jährigen Jubiläumsfeier darbringen können. Das Jubiläumsfest wird in Warschau am 16. April stattfinden. Ein Festkomitee leitet die Vorbereitungen, um die Feier zu einem nationalen Festtag im großen Stile zu gestalten. Adresse für Zuschriften und Telegramme ist: Samuel CH. Lurje, Warszawa, Kocebu IO. Die Bibel in Esperanto. In Nummer 41 des vorigen Jahrganges unseres Blattes haben wir davon Mitteilung gemacht, daß der geniale Erdenker der Welthilfssprache Esperanto, Dr. L. L. Zamenhof, die Bibel aus dem Urtext in diese Sprache übersetzt und daß das erste Buch Mosis »La genezo« (Genesis) erschienen ist. Heute liegt das zweite Buch, betitelt «Eliro« (Exodus) vor uns.* Esperanto ist heute schon auf der ganzen Erde verbreitet. Angehörige von 61 verschiedenen Nationen sind in großer Zahl Esperantisten geworden und durch die allmälig zunehmende Einführung des Esperanto-Unterrichtes in die Schulen wird diese Sprache in absehbarer Zeit das Gemeingut aller Völker werden. So wird denn Zamenhofs rastlose Arbeit es ermöglichen, daß die Schätze unserer Bibel allen zugänglich gemacht werden, die trotz der großen Zahl von Bibelübersetzungen sich ihrer noch nicht erfreuen können. Die Esperanto-Uebersetzung der Bibel kann entschieden in die Reihe der klassischen Uebersetzungswerke gestellt werden, handelt es sich ja um die Wiedergabe des Originals, von einem Manne, der beide Sprachen vollkommen beherrscht, in eine Sprache die zufolge ihres logischen und sinnreichen Aufbaues mehr denn irgend eine andere zur genauesten Ausdrucksweise geeignet erscheint. Allen unseren geehrten Lesern, die sich für Esperanto intressieren, empfehlen wir es, nach der Aneignung der Grundzüge dieser schönen und leicht faßlichen Sprache, wozu sie sich nur einer geringen Mühe von kaum einigen Wochen unterziehen müssen,**) sich an der Hand der Bibel in Esperanto zu vervollkommnen. Um jenen, die von Esperanto bis jetzt noch nichts erfahren haben, einen Einblick in diese Sprache zu gewähren, bringen wir anschliessend einige Absätze aus dem soeben besprochenen Buche »Eliro« und verweisen auf die in der »Bemerkung« angeführten Regeln der Aussprache. Chapitro VIII. 1. — Kaj la Eternulo diris al Moseo: diru al Aaron: etendu vian manon kun via bastono super la riverojn, super la torentojn kaj super la lagojn kaj elirigu la ranojn sur la landon Egiptan. 2. — Kaj Aaron etendis sian manon super la akvojn de Egiptujo, kaj la ranoj eliris kaj kovris la landon Egiptan. 3. — Tion saman faris la sorcistoj per siaj soröoj, kaj 111 elirigis la ranojn sur la landon Egiptan. 4. — Tiam Faraono alvokis Moseon kaj Aaronon kaj diris: pregu al la Eternulo, ke Li forigu la ranojn for de mi kaj de mia popolo; tiam mi forliberigos la popolon, ke gi alportu oferon al la Eternulo. 18. — Kaj mi distingos en tiu tago la teron de Gosen, sur kiu trovigas Mia popolo, ke tie ne estu fiinsektoj, por ke vi sciigu, ke Mi estas la Eternulo meze de la tero. 19. — Kaj mi faros apartigon inter mia popolo kaj via popolo; morgaü okazos la signajo. VIII. Kapitel. 1. Und der Ewige sagte zu Moses: sage Aaron: strecke Deine Hand mit deinem Stabe über die Flüsse, über die Ströme und über die Seen und lasse herauskommen die Frösche auf das Egyptische Land. 2. Und Aaron streckte seine Hand über die Wässer Egyptens und die Frösche kamen heraus und bedeckten das Egyp tische Land. 3. Das gleiche taten die Zauberer mittels ihrer Zauber, und sie ließen herauskommen die Frösche auf das Egyptische Land. 4. Dann rief Pharaon Moses und Aaron zu sich und sagte: betet zu dem Ewigen, damit er wegschaffe die Frösche, weg von mir und von meinem Volke; dann werde ich das Volk frei lassen, daß es seinem Ewigen Opfer bringe. 18. Und ich werde auszeichnen (unterscheiden) an jenem Tage die Erde von Goschen auf welchem sich mein Volk befindet, *) Eliro. La biblio, dua libro, el la originalo tradukis d££ L. L. Zamenhof, Paris, Hachette & Co. **) Als bestes Lehrbuch sei empfohlen: *J. Glück und Doktor Sös, Vollständiger Lehrgang des Esperanto.« Verlag Paul Knepler, Wien I., Preis K 150. (Die Red.) daß dort kein Ungeziefer sein möge, damit ihr erfahret, daß Ich bin der Ewige mitten auf der Erde. 19. Und ich werde Unterschied machen zwischen Meinem Volke und euerem Volke; morgen wird dieses Zeichen geschehen. Bemerkung: Es wird jeder Laut für sich ausgesprochen. Es werden ausgesprochen: c wie z in Ziel; s wie ß in Faß; z wie s in Rose; c wie tsch in matsch; g wie dsch in Mandschu; j wie j in journal; s wie sch in schön; aü und eü bilden zusammen ein Zwielaut. Der Hauptton ist immer auf der vorletzten Silbe, über alle Fragen Esperanto betreffend wird bereitwilligst Auskunft erteilt vom »Esperanto-Verein Wien«, 1., Stubenring 24. Den Verlegern des Werkes Hachette & Co., die zu den eifrigsten Förderern der Esperanto-Bewegung gehören, gebührt die Anerkennung für die tadellose Ausstattung der Bücher, die um den geringen Preis von je 2 K durch alle Buchhandlungen bezogen werden können. E. 8. Peffach Ift mt der Türe. Das Herannahen des Pessachfestes macht sich schon da und dort in der unangenehmsten Form fühlbar. Antisemitische Hetzer machen sich 'bereits an ihre verwerfliche Saisonarbeit, indem sie versuchen, durch Erfindung von Blutlügen die Bevölkerung gegen die Juden aufzuhetzen. Besonders rührig sind diese Ritualmordfabrikanten in Rußland an der Arbeit. In dem Städtchen Rzsiszew im Kiewer Gouvernement kam es wegen einer solchen Blutlüge dieser Tage fast zu einem Pogrom. 2n dem genannten Städtchen lebt auch eine jüdische Familie Schwarz, deren Tochter sich mit Privatunterricht durchbringt. Unter ihren Schülern befand sich auch, der Knabe eines Bauern. Am ersten Februar russischen Stils verschwand der Bauernknabe spurlos. Als das Kind trotz Suchens zwei Tage nicht zum Vorschein kam, verbreitete jemand unter den Bauern das Gerücht, daß die Juden das Kind entführt hätten, um es zu dem bevorstehen-' den Pessachfeste zu ermorden. Die Bauern entsandten eine Abordnung zu der jüdischen Lehrerin und forderten energisch die Herausgabe des Kindes, das, wie ihnen versichert worden ist, bereits dem Rabbiner überantwortet wurde, um es für das Pessachfest vorzubereiten. Die Situation für die Familie Schwarz gestaltete sich immer gefährlicher, sie wurde die ganze Nacht von Bauern belagert, bis schließlich am andern Morgen der vermißte Knabe in einer Schottergrube neben der Wohnung seiner Eltern entdeckt wurde. Der Knabe erzählte, daß er am Tage seines Verschwindens eine Lampe zerbrochen habe und aus Furcht vor Strafe sich nicht traute heimzukehren. Die Bauern glauben aber noch immer nicht, daß die Juden nicht ihre Hand im Spiele gehabt hätten. Wenn sich! die Toten schämen. Das Budapester Montagblatt macht zu der schmachvollen Taufe eines sterbenden glaubenstreuen Juden folgende Glosse: Vor einiger Zeit erschien in unserem Blatte eine Notiz unter dem Titel: „Wenn sich die Toten schämen", und wir führten darin aus, wie seltsam es ist, wenn die Hinterbliebenen die Konfession und den Beerdigungsort des Toten nicht erwähnen, um dadurch nicht zu verraten, daß dr Jude gewesen. Wir wiesen darauf hin, daß derlei Erscheinungen nur bei Juden zu konstatieren sind und wie seltsam dieses Vorgehen mit dem Verlangen Sombarts kontrastiert, die Juden mögen sich, da ihre Assimilierung unmöglich, stolz als Juden bekennen. Die Affäre, da ein Jude auf seinem Totenbette getauft wurde, damit der einzige Sohn nicht angeben müsse, sein Vater sei Jude gewesen, hat während der ganzen verflossenen Woche von sich reden gemacht. Man verurteilte es allenthalben, daß der Architekt Albert Körösi seinen 74jährigen Vater, der in der Agonie lag, taufen ließ. Wenn sich sein Vater nicht selbst hatte taufen lassen, so hatte er wohl die Absicht, als Jude zu sterben und auf dem jüdischen Friedhof begraben zu werden, und wenn nun der Sohn diesen Wunsch des Vaters nicht

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