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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-03-01 · 9 (1.3.1912) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
9 (1.3.1912)
Date
1912-03-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. S ■ Dr. Wtschs WschErift Sette 145 schichte vertreten. Wo König Achaschwerosch mit Waschti, Mordochei mit Esther und der vom Galgen wiedererstandene Ham an erschienen, ging ein Brausen und Jauchzen durch die Menge, die sich der Truppe in endlosem Zuge anschloß. Die hellerleuchteten Häuser der Wohlhabenden öffneten sich und man lud die fröhliche Gesellschaft gastlich zu Wein und Kuchen. Es war eine Purim-Maskerade, wie sie in T. noch nie erlebt wor? den war. Und der weise Mann, der prophezeit hatte, daß ein Purimfest Verl Goldlust großes Glück bringen werde, hat Recht behalten. Abraham Gimpel ging in den nächsten Tagen von Haus zu Haus zu den reichen Leuten und stellte ihnen vor, welch' großes Talent, welch' reicher Schatz in dem jungen Manne verborgen sei. Man schoß Geld zusammen und schickte Berl nach Krakau ins Konservatorium. Als er dieses mit einem glänzenden Zeugnisse verließ und in die Residenz ging, nahm sich seiner ein vornehmer und reicher Mann an und ließ ihn von einem ersten Gesangsmeister weiter ausbilden, ja er schickte ihn später sogar nach Pavia, weil seine Stimme sich, insbesondere für die italienische Oper eignete. Mit eisernem Fleiße überwand Berl Goldlust alle Schwierigkeiten und nach drei Jahren debütierte er an der Oper einer großen deutschen Stadt mit sensationellem Erfolge. Der junge Mann, der sich einen klangvollen vom de gaerre beigelegt hat, ist heute ein Künstler ersten Ranges und sein Name ist in der ganzen Welt berühmt. Ein Purimkind! _ S. F. f fttevotnv. Wohlfahrtspflege — Ein Avis für verlassene Mütter. Das im Verlage der Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden von Dr. Max Grunwald herausgegebene Werk »Hygiene Her Juden“ enthält im Anhänge eine Arbeit über „Wohlfahrtspflege bei den Juden“/, von Dr. Heinrich Haase. Es wird darin zum ersten Male eine Zusammenstellung) aller in biblischen und talmudischen Zeiten, im Mittelalter, in neuer und neuester Zeit von Juden geschaffenen Wohltätigkeitseinrichtungen geboten. Besonderes Interesse erheischt die Zentralisierung derselben, wie sie namentlich in den großen Städten Nordamerikas mit bestem Erfolge durchgeführt erscheint. Das Ersprießliche und das Bedürfnis einer solchen Publikation dürfte am deutlichsten daraus ersehen werden, daß dieselbe bereits einen praktischen Erfolg gezeitigt hat. Eine Wiener jüdische Waisenstiftung beherbergt ein Kind, dessen Vater seit dem Jahre 1899 als verschollen gilt. Die Mutter hatte wohl angenommen, daß sich derselbe in Amerika aufhalte, konnte jedoch trotz vieler Bemühungen seine Adresse nicht erfahren. Von zuständiger Seite, welche von der genannten Publikation Kenntnis hatte, an den Autor gewiesen, wandte sich die Prau Ende November v. J. an das im Rahmen der National- Konferenz jüdischer Wohlfahrtseinrichtungen in den Vereinigten Staaten Nordamerikas bestehende Desertions- Bureau, welches sich ausschließlich mit der unentgeltlichen Eruierung solcher Väter befaßt, welche ihre Familie verlassen und im Elend zurückgelassen haben. Bereits anfangs Jänner d. J. erhielt die Frau einen vom 27. Dezember v. J. datierten Brief mit der Nachricht, daß der Mann ausfindig gemacht werden konnte und sich zur Zahlung von 3 Dollar pro Woche verpflichtet habe, wovon die ersten drei Raten angewiesen worden seien. Als Sekretär des Bureaus war Monroe M. Goldstein, 3 5 6 Second Avenue, N e w - Y o r k, gezeichnet. Kurze Zeit darauf erhielt die Frau einen Brief ihres Mannes, in welchem derselbe sie bittet, von weiterer Klage abzusehen und sich zur pünktlichen Zahlung einer größeren Summe bereit erklärt. — Das Desertions-Bureau hat in jeder größeren Stadt Nord-Amerikas Filialen, welchen Mitglieder des Executive-Commitees der National-Conferenz vorstehen, so in Cincinnati, Philadelphia, Chicago, Baltimore, St. Louis u. a. — Da sich in Wien und Oesterreich leider, viele, namentlich aus Galizien stammende Frauen in ähnlicher trauriger Lage befinden dürften, erscheint diese Veröffentlichung nicht unangebracht. H. Jos. Feiner, Ludwig Philippson. Sein Leben und sein Werk. Ein Buch für jung und alt. Berlin 1912. Louis Lamm. Die hundertste Wiederkehr des Geburtstages Ludwig Philippsons hat uns ein schmuckes Buch beschert, das für. das Verständnis von Philippsons Persönlichkeit und Wirken in (weiteren Kreisen von Bedeutung ist. Der Verfasser läßt liebevoll uns hineinblicken in die Tiefe dieser für „Juden und Judentum, für Recht und Wahrheit, für Licht und Erkenntnis“ erglühten Seele und sucht dabei, wie er dies meisterhaft schon in seiner Lebensbeschreibung Gabriel R i e ß e r s*) durchgeführt hat, den menschlichen Persönkeitswert besonders hervorzuheben. Diese Charakter-Analyse, die als ein wohlgegliedertes, schön abgerundetes Ganzes dargeboten wird, bietet nicht nur dem Historiker wertvolles Material, ein so lebensvolles, farbensattes Bild wird vor allem in der reiferen Jugend wie den Erwachsenen innere Teilnahme wecken und ihnen diese überragende Gestalt lieb und verehrungswert machen. Das warm geschriebene, verdienstvolle Buch wird sich darum sicherlich viele Freunde gewinnen. Heidelberg. 8. Müller. „Das freie Wort“. Frankfurter Halbmonatsschrift für Fortschritt auf allen Gebieten des geistigen Lebens. Begründet von Carl Saenger. Herausgegeben von Max Henning. XI. Jahrgang Nr. 23. Erstes Märzheft 1912. Inhalt: Die Landtagswahlen in Bayern. — Heinz Hauphoff: Bayern. — Intimus: Den Diplomaten ins Album. — Max Seber: Fleischnot oder Fleischteuerung? II. Teil. — Lipsiensis: Schulgesetzentwürfe in Sachsen. — Sind Hochkonjunkturen ein wirtschaftspolitisches Ideal? — Werner Daitz: Große Männer. II. Teil. — Dr. Karl Nötzel: Vom Dogma. — Kleine Mitteilungen. — Beilage: Der Dissident Nr. 12. — Neuer Frankfurter Verlag G. m. b. H. Frankfurt am Main. Krüfkaste«. N D. i« OlmÜtz. Anonyme Angriffe, besonders so schwerwiegender Natur, wie der Ihrige gegen eine palästinensische Wohlfahrtsunternehmung, können unmöglich berücksichtigt werden. Auch eine Warnung, die Sie zu veröffentlichen beabsichtigen, härte nur einen Wert, wenn Sie sich vorher über die Richtigkeit Ihrer Angaben informiert haben und dieselbe mit Ihrer vollen Unterschrift versehen. Reservist. Im französischen Generalstab nehmen die zwei Juden, der General und der OberstValabregue, eine hervorragende Stellung ein. General Valabregue hätte vor kurzem in Anerkennung seiner Tüchtigkeit zum Che d'Etat Major ernannt werden sollen. Die Ernennung blieb nur aus dem Grunde aus. weil mit diesem Amte auch ein jährlicher Besuch^nach Rußland verbunden ist und dies mit Rücksicht auf die Zugehörigkeit Valabregue's zum Judentum zu manchen Schwierigketten hätte führen muffen. Da General Valabregue nicht geneigt ist, wegen eines noch so hohen Avancements den jüdrschen Glauben aufzugeben, ist seine Ernennung zum Generalstabschef unterblieben. Statistiker. Im deutschen Reichsrate fitzen jetzt fünf jüdische Abgeordnete. Wieviele von den 69 Konfissionslosenvom Judentume ausgetreten sind und wievrele getaufte Juden unter den christlichen Abgeordneten sich befinden, ist noch nicht bekannt. Taufe auf dem Sterbebette. Die Nachricht von der Taufe des 74jährigen Max von Neumann in Budapest einige Tage vor seinem Tode ist uns nicht entgangen. Wie uns jedoch aus Budapest mitgeteilt wird, ist die Untersuchung darüber, ob die Taufe an dem alten kranken Manne in dessen bewußtlosem Zustande vollzogen wurde, noch im Zuge. Bis dahin halten wir die Schlüsse, die Sie aus diesem Falle ziehen, für verfrüht. Es ist auch nicht richtig, daß dieser Fall an Wegtaufen auf dem Sterbebette vereinzelt dasteht. Wir hatten vor einigen Jahren einen ähnlichen Fall in Wien in der jüdischen Adelsfamilie der damals gleichfalls Aufsehen erregte und für alle außer den nächsten Beteiligten eine Ueberraschung war. „Zukunft der Juden". Ad 1. Sie können sich die Szenen am letzten Sonntag in der Strauchgaffe nicht erklären. Dieses Schicksal teilen mit Ihnen sehr viele und besonders diejenigen, die sowohl beim Vortrage Sombart's als auch bei demjenigen des Dr. Grunwald anwesend waren. Es ist beffer, man beschäftigt sich nicht mit diesen Vorgängen, denn sie tragen wenig zum Ansehen des Judentums bei. — Ad 2. Daß die >,Reichspost" abermals perfid gelogen hat, als sie schrieb, daß während des Vortrages im Saale oder auf der Straße das Christentum beschimpft worden sei, brauchen wir nicht erst besonders zu betonen. Wäre der Lügner dieser Notiz am letzten Sonntag in der Strauchgaffe gewesen, so hätte er zu seiner Freude sehen können, daß es wieder einmal Juden waren, die von Juden beschimpft wurden, und zwar bloß deshalb, weil ein Jude sein Volk gegen verhüllte Angriffe in Schutz nahm. _ Notizen. Jüdische Bühne. Direktion: M. Siegler. »Hotel Stefanie" IL, Taborstraße 12. Freitag den 1. und Samstag den 2. März „28 ir schwachen Frauen", Komödie von Jakob Mestek. Minderjährige Kinder haben zu dieser Vorstellung kernen Zutritt. Sonntag *) Gabriel Rießers Leben und Wirken von Jos. Feiner. 3. Aufl. Leipzig 1911. Gustav Engel.

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