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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-12-08 · 49 (8.12.1911) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
49 (8.12.1911)
Date
1911-12-08
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Nr. 47 ik. ■|ff!|hw<ftr 'ffRiufutiiTifirlft Sette 61« tfr der Lage sind, einen- Rabbiner'' fir zu besolden. Dieser UmstaM führt den allmählichen Verfall dieser Gemeinden herbei/undes wurde daher beschlossen, diese Gemeinden zu veranlassen, sich an. den Verband der jüdischen Gemeinden zu wenden, um eventuell durch die Unterstützung seitens .des Verbandes in die Lage versetzt zu werden, einen, Rabbiner anzustellen. Hierauf wurden in einer vÄrgulichen Sitzung sowohl die internen Angelegenheiten einzelner Gemeinden, als auch politische Fragen, die sich aus dem italienischen Feldzug ergeben haben, besprochen. Am Abend fand ein Bankett statt, an Welchemauch Vertreter politischer Behörden teilnahmen und verschiedene patriotische Trinksprüche gehalten wurden. Die Schrift eines katholischen Geistlichen über die Ritualmordlegende. In der in Paris erscheinenden Kevue du Elerge trangäis 'erschien in den letzten Nummern eine Artikelserie des,Abbe Vacandard vom Lyzeum in Rouen unter dem Titel „La question du meurtre rituel.cliez lesjuifs“ Der gelehrte Abbe hat für seine Arbeit das gesamte grobe Datenmaterial benützt, und. wie er behauptet, aus.ersten undverläßlichsten Quellen geschöpft. Auf Grund dieser Dokumente beweist der geistliche Autor, daß alle diese Anklagen und Verdächtigungen im Laufe der Jahrhunderte sich, stets als haltlos erwiesen haben. Er zitiert unter anderem das Wort eines anderen französischen Geistlichen, des Mitgliedes der französischen Akademie Monsignore Duchiesne, der in seiner Histoire ancienne de l’Eglise unter anderem schreibt: „Der Blödsinn der Wäschen, dex durch religiöse Beeinflussung entsteht und zu Verleumdungen führt, ist unausrottbar. Sehen wir es denn nicht selbst, wie. jeden Augenblick.die stupide Anklage des Ritualmordes sich gegen die Juden erhebt und breit macht." In gleichem Sinne zieht auch Abbe Vacandard seine Schlutzfplgerungen aus dem historischen Material, das er gründlich und ohne Voreingenommenheit studiert hatte: Nicht nur heute, sondern schon viel früher haben sich entrüstete Protestkundgebungen gegen' die Anklage, datz Juden christliches Blut zu rituellen Zwecken brauchen, erhoben. Vom Beginne des vierzehnten Jahrhunderts haben sichdie unabhängigsten Geister, z. B. Päpste wie ein Innozenz iv., Gregor X., Martin V., Paul in. und Clement xiv., mit Entschiedenheit gegen diese böswilligen und gefährlichen Verleumdungen gewendet. Monarchen wie Friedrich m., Karl v., Maximilian n. und Ferdinand i. oder Historiker und Kritiker aller Religionen, wie die katholischen Wagenseil und Schudt, haben offen und klar für die Beschuldigten Partei ergriffen und sie für die verwerflichen Verleumdung«:, deren Opfer sie geworden, gerächt. Anläßlich der großen antisemitischen Campagne, die länger als 50 Jahre anhielt und ihren Höhepunkt 1881—1892 erreicht hatte, hat eine Unzahl von Gelehrten auf Grund der ihnen gerade von christlicher Seite zur Verfügung gestellten. Dokumente alle jene Prozesse studiert und revidiert, -die gegen die Juden wegen ihres angeblichen blutigen Passah angestrengt wurden, und dieses unbefangene Studium hat stets mit der öffentlichen Erklärung der lütschuld der verdächtigten Juden geendet. Es wäre nun bereits die höchste Zeit, einen Schluß zu machen mit diesen Ritualmordanklagen. Sie sind das Erbe kritikloser/ Jahrhunderte, einer Zeit, in welcher Generationen nacheinander sich blindlings dem Rassenhasse hingegeben haben. Haben wir doch einmal den Mut, dieser Vlut- Die israelitischen Religionslehrer beim Anterrichtsminister. Vorige Woche empfing der Anterrichtsminister die Vertreter des Verbandes der israelitischen Religionslehrer an den Mittelschulen Böhmens, Obmann Professor Dr. Hirsch-Karolinenthal und Schriftführer Rabbiner Dr. Knöpfelmacher-Prag, welche mündlich und schriftlich in einem Memorandum die Bitte unterbreiteten, daß die Regierung bei der gegenwärtigen Aktion zur Verbesserung der materiellen Lage der Staatslehrpersonen sich auch der gegen Remuneration angestellten Religionslehrer annehmen möge. Der Minister sagte die Prüfung dieser Angelegenheit freundlichst zu. Ein Memorandum in derselben Angelegenheit wurde auch dem parlamentarischen Ausschuß für Staatslehrpersonen übermittelt. Ausstellung von Erzeugnissen der israelitischen Erziehungsanstalt Ahlem. In diesen Tagen findet in der Frankfurt-Loge eine Ausstellung von Arbeiten der Schülerwerkstätten der israelitischen Erziehungsanstalt zu Ahlem statt. Wie aus den ausgestellten Objekten hervorgeht, besteht das Ideal des Leiters der Anstalt, Direktor Silberberg, darin, die dort uytergebrachten Zöglinge, Knaben und Mädchen^ zu praktischen Menschen zu erziehen und ihnen eine Vorbildung zu geben, die es ihnen ermöglicht, dereinst fest auf ihren eigenen Füßen zu stehen. Die Ausstellung enthält eine Abteilung für Erzeugnisse der Schuhmacherei, der Schneiderei, Bäckerei, Gärtnerei, für Naturholzarbeiten, Handfertigkeitsunterricht usw. Die Abteilung für Mädchen weist kunstvolle Stickereien, Kleider- und Wäscheverfertigungen nebst Nähereien auf. Ueberall zeigt sich das Bestreben der Zöglinge, die im Alter von 7—14 und von 15—18 Jahren stehen, unter methodischer Anleitung sich immer mehr zu vervollkommnen. Der rege : Fortschritt der Schüler - und Schülerinnen wird durch die Papparbeiten und die selbstverfertigten Gegenstände für den physikalischen und geometrischen Unterricht, den Jntarfiaarbeiten, Holzschnitzereien, Planzeichnungen usw. bewiesen. Aus den aufgestellten Modellen geht hervor, daß die Anstalt, die auch für das körperliche Wohl der Zöglinge durch Turnen und Freiübungsspiele sorgt, nach den modernsten hygienischen Vorschriften eingerichtet ist. Dem gemeinnützigen Unternehmen ist auch eine Waldschule angegliedert. vermwebtes. Hofrat Dr. Julius Schlag. Der Archivdirektor im k. k. Eisenbahnministerium Dr. Julius Schlag wurde, wie wir erfahren, vom Kaiser zum k. k. Hofrat ernannt. Diese Mitteilung wird von den zahlreichen Freunden und Verehrern des Hofrates Dr. Schlag sicherlich mit großer Freude und Genugtuung ausgenommen werden. Hofrat Doktor Schlag erfreut sich in Berufs- und Fachkreisen eines sehr guten Rufes und hat fich auch im öffentlichen Leben unserer Gemeinde an allen jüdischen Bewegungen mit besonderem Interesse betätigt. Seit vielen Jahren ist Hofrat Dr. Schlag Mitglied der Bezirkskommission I der Wiener israelitischen Kultusgemeinde und förderndes Mitglied zahlreicher anderer jüdischer Institutionen Bortrag aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur. Donnerstag den 14. Dezember 1911, präzise halb 8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekten-Vereines, I., Eschenbachgaffe 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Max Grunwald statt. lüge offen und ehrlich zu entsagen: Abgesehen von der christlichen Nächstenliebe, ist es das Gefühl der Rechtlich- Thema: Samuel Oppenheimer, der Neubegründer der keit,dasuns einefölMehxliche Offenheit zurPflrcht Wiener israelitischen Kultusgemeinde. Mit Vorführung von s.Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karten.

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