Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 49 (8.12.1911)
- Date
- 1911-12-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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9t.'47 Dr: Bkochs Gedenkfeier für Dr. Hirsch Hildesheimer. Aus Berlin wird uns berichtet: Am 28. November, dem ersten Jahrzeilslage nach Dr. Hirsch Hildesheimer, fand auf Einladung des Dozentenkollegiums am Hildesheimerischen Rabbinerseminar auf dem Friedhof der Adaß-Jisroel-Gemeinde die Enthüllung des Grabdenkmals für Dr. Hirsch Hildesheimer statt. Die Trauerfeier, an welcher eine überaus zahlreiche und ansehnliche Trauergemeinde teilnahm, wurde mit dem Vorträge des 16. Psalms des Oberkantors Dubowski eröffnet, sodann sprach Herr Dozent Dr. E p p e n st e i n im Namen des Dozentenkollegiums zu Herzen gehende Worte des Gedenkens. Nach ihm sprach im Namen der älteren Schüler des Dahingegangenen Dr. Liebermann Worte warmer Empfindung. Namens der Familie dankte Dr. Meier Hildesheimer bewegten Herzens den Dozenten des Rabbinerseminars für die Veranstaltung der Feier und den zahlreichen Teilnehmern für ihr liebevolles Gedenken, das sie durch ihr Erscheinen seinem Heimgegangenen Bruder bezeugt haben. Von der Friedbofshalle begaben sich die Versammelten nun an das Grab Dr. Hildesheimers, woselbst Oberkantor Dubowski das Gebet Menucho Nechauno vortrug und Rektor Dr. Hoffmann ein von ihm verfaßtes El-mole-rachamim-Gebet las, das die Verdienste Hirsch Hildesheimers im Kampfe für die Rechte unseres Volkes, im Dienste einer allumfassenden Menschenliebe und in der Lehrtätigkeit am Rabbinerseminar schilderte. Mit dem Kaddisch-Gebet der Leidtragenden schloß die Feier, die bei allen Teilnehmern einen tiefen Eindruck hinterlassen hatte. Sieg der Susfragettes m.einer KMiisgememd:. Wie uns aus Budapest gemeldet wird, hat der - Vorstandder -israelitischen Kultusgemeinde in Groß-Kanizsa, einer der größten Judengemeinden Ungarns, beschlossen, jenen Frauen, welche Kultussteuer zahlen, das gleiche Stimmrecht einzuräumen, wie den Männern. Die jüdischen Damen dieser Stadt haben, wie echte Suffragettes, für die Erringung ihres Stimmrechtes in der Kultusgemeinde schon seit Jahren einen heftigen systematischen Kampf geführt, der nun für sie durch den erwähnten Beschluß ein siegreiches Ende fand und infolgedessen wahrscheinlich auch in anderen fortschrittlichen Kultusgemeinden bald Nachahmung finden wird. Eine jüdische Dame — Offizier der Akademie. Die letzte Nummer des französischen Amtsblattes „Journal l'Offiziel" enthält eine Reihe von Auszeichnungen, welche einer jüdischen Dame zuteil wurden. Das Amtsblatt meldet hierüber: Madame Salamon, geborene Wormser, Sous-Directricedes College Sevigne in Paris, wurde für ihre Verdienste auf dem Gebiete des öffentlichen Erziehungs- und Unterrichtswesens zum Offizier der Akademie ernannt. Ein neuer jüdischer Universitätsprofessor. Wie das Budapester Amtsblatt meldet, hat der Kaiser den Direktor des Budapester israelitischen Lehrerseminars, Dr. Josef Banoczy, der bisher außerordentlicher Professor war, zum ordentlichen Professor für ungarische Literatur und Literaturgeschichte an der Budapester Universität ernannt. Professor Banoczy ist auch Lehrer am Budapester Rabbinerseminar und Mitglied der ungarischen Akademie der Wissenschaften. Zwei Rudel für die Schändung jüdischer Gräber. Die Petersburger „Rjetsch" berichtet, noch im Jahre 1907 haben einige russische Feldarbeiterinnen auf einer Plantage in der Nähe des jüdischen Friedhofes von Janufcho, einem ruffischen Städtchen, gearbeitet. Wäh- Wochenschrift S ite 815 rend der Ruhezeit drangen die Bauernmädchen in den jüdischen Friedhof und rissen 75 Grabsteine aus den Gräbern und verunreinigten fast sämtliche Gräber, dabei unflätige Lieder singend. Die Polizei hat nach vielem Drängen die Ausforschung der Miffetäter vorgenommen. Erst jetzt wurde die Angelegenheit vor das Gericht gebracht. Sämtliche Angeklagte, ungefähr 20 an der Zahl, wurden nach kurzer Verhandlung und trotzdem sie alles reumütig gestanden, zu einer Strafe von sage und schreibe je — 2 Rubel verurteilt. Kommentar überflüffig. Juden in der Petersburger Kunstakademie. Wie wir dem letzten Berichte der Petersburger Kunstakademie entnehmen, wurde dieselbe im verflossenen Jahre von 34 jüdischen Schülern (9 Prozent der Gesamtzahl) besucht. Im vorletzten Jahre gab es in der Kunstakademie 11 Prozent jüdischer Schüler. Die Verringerung der jüdischen Schülerzahl ist eine Folge der Prozentnorm, welche auch auf die Kunstakademie Anwendung gefunden hat. Wohl hat das russische Hofministeriumi im Interesse der Akademie selbst schon vor längerer Zeit eine Anfrage an den Professorenrat der Akademie gerichtet, ob und in welcher Weise die Aufnahme einer größeren Zahl jüdischer Kunstschüler möglich wäre. Das Professorenkollegium hat aber trotz mehrfacher Argenz diese Frage bis heute gar nicht beantwortet. Eine Folge davon ist, daß in dem soeben begonnenen Schuljahre nicht mehr als sechs jüdische Schüler neu ausgenommen werden konnten. Als außerordentliche oder sogen, freie Zuhörer wurden Juden diesmal überhaupt nicht ausgenommen. j Die zweite Versammlung des Verbandes jüdischer Gemeinden m Italien. Vorige Woche fand in Florenz unter Vorsitz des Präsidenten der dortigen jüdischen Gemeinde Cavaliere Vitta die zweite Versammlung der Delegierten der jüdischen Gemeinden Italiens statt. Von den wichtigeren Beschlüssen seien hier die folgenden hervorgehoben: Nach einem Nachruf für den vor einigen Monaten verstorbenen Oberrabbiner Castiglioni von Rom brachte der Präsident die politische Lage Italiens und dessen tripolitanischen Feldzug zur Sprache. Die Versammlung gab ihrer Entrüstung über die in mehreren italienischen Blättern unausgesetzt erscheinenden Angriffe gegen die Juden von Tripolis und der Cyrenaica in einer Resolution Ausdruck und beschloß, den Rabbinern von Tripolis und Benghafi einen ermunternden Aufruf zuzusenden, in welchem die Juden der genannten Gebiete aufgesordert werden, bei der italienischen Sache treu auszuhallen und das freie Italien in seinen Bemühungen zu unterstützen. Der Delegiertentag nimmt mit besonderer Genugtuung die stattgehabte Konferenz der italienischen Jugend und die auf diesem Kongreffe laut gewordenen Anregungen zur Kenntnis. Der Präsident wird beauftragt, diese Bewegungen zu unterstützen und mit den Initiatoren des Jugendkongresses zu dem Zwecke in Fühlung zu treten, um sobald als möglich, eine Federation aller jüdischen Kulturvereine in Italien zu schaffen. Mit Rücksicht auf die aufgetauchte Idee eines Rabbinerkongreffes in Italien, Lessen Abhaltung für die nächste Zeit in Aussicht genommen ist, beschließt die Konferenz, dem Rabbinerkongresse einen motivierten Vorschlag behufs Vereinigung der beiden bestehenden Rabbinerseminarien in Italien zu unterbreiten. Es wird hiebei der Wunsch ausgedrückt, daß diese Fusion auch gleichzeitig mit einer gründlichen Reorganisation des Rabbinerbildungswesens in Italien verbunden werde. Bei diesem Punkte stellten mehrere Redner fest, daß es in Italien eine Anzahl Gemeinden gebe, die so Mittellos sind, daß sie nicht in