Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 43 (27.10.1911)
- Date
- 1911-10-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Nr. LS Dr. WoM WochWWkfft Seite 716 der Tag, an dem Sie, hochgeehrter Herr kais. Rat, Ihr siebeuzigstes Lebensjahr vollenden, dem Kultus Vorstande und der Gemeinde einen sehr willkommenen Anlaß, der Verehrung der Gemeinde für Ihre Person Ausdruck zu geben. Schon Ihre Berufung als Nachfolger Sulzers gab Ihrer Stellung und Persönlichkeit Bedeutung und Charakter. Tausende und Abertausende wurden durch Sie zur Andacht angeregt und durch die Weihe des Gebetes erbaut. In Ihrer nie versagenden Pflichttreue, in Ihrer warmen Liebe zu Ihrem heiligen Berufe und in Ihrer Lebensführung waren Sie stets das leuchtende Vorbild eines Scheliach-Zibbur. Der traditionelle Synagogengesang unserer Vorfahren war Ihnen ehrwürdig und durch Ihre literarischen Arbeiten haben Sie den wissenschaftlichen Nachweis erbracht und wortwörtlich ausgesprochen, daß diesem Vermächtnis unserer Väter der diamantene Kranz des grauen Alters zuerkannt werden muß. Ihr geklärtes Urteil fand stets volle Beachtung in allen Fragen Ihres Amtes. Den verwaisten Kindern und der Jugend, die des freundlichen Lichtes entbehrt, waren Sie ein fürsorglicher, selbstloser Lehrer. Ihr segensvolles Wirken wurde Allerhöchsten Ortes durch die Verleihung des Titels eines kaiserlichen Rates gewürdigt. Freude und Befriedigung erfülle Sie daher heute bei Ihrem Rückblick auf Ihr Gesamt - wirkeu! Die Gebete des Segens, die Sie, sehr geehrter Herr Oberkantor, an ihrem Ehrentag für die Gemeinde sprachen, steigen empor zu des Schöpfers Throne. Mögen sie an Ihnen und Ihren Kindern und' Enkeln sich erfüllen. Dies sind die besten, innigsten Wünsche, die ich Ihnen namens unserer Gemeinde, namens des Kultusvorstandes und in meinem eigenen Namen vom Herzen ausspreche. Mit vorzüglicher Hochachtung Dr. Lieben Der Präsident: Erster Sekretär. Dr. Alfred Stern. Tiefbewegt dankte kais. Rat Singer für die ihm seitens des Präsidenten und des Vorstandes zuteil gewordene Ehrung. Persönlich gratulierten: Oberrabbiner Dr. G ü d emaun, Rabbiner Dr. Max Grunwald und Frau, der Direktor des Wiener Bank-Vereins Herr Felix K u r a n d o, der Direktor des Blindeninstitutes kaiserl. Rat Heller und eine Deputation des Lehrkörpers dieses Institutes, namens der Zöglinge des Mädchenwaisenhauses drei Waisenmädchen, von denen eines ein ergreifendes Gedicht deklamierte, eine Deputation des Tempelchores der inneren Stadt und Leopoldstadt, ferner Direktor Klappholz samt Frau, Frau Dr. W e ch s b e r g, Dr. I. S. Bloch, Dr. Friedberger, Prof. S u! z e r. Armeurat I e l l i n e k, Dr. M. L ö w y, Religionslehrer A. R o t t e r und viele andere. Am Ausgang des Festtages erschienen der Vorstand des Oesterr.-uug. Kantoren-Vereines und fast sämtliche Wiener Kantor-n unter Führung des Vizepräsidenten des Kantoren- Vereines Oberkantor Bauer. Letzterer hielt namens der Kollegenschaft eine Ansprache, in welcher er die hohen Verdienste des Jubilars würdigte und ihm baldige Genesung wünschte. Zum sichtbaren Ausdruck ihrer Verehrung wurde dem Jubilar ein silberner Lorbeerkranz überreicht. Tiefgerührt dankte dieser für die herzliche Ovation seiner Kollegen. Unzählig waren die eingelangten brieflichen und telegraphischen Glückwünsche, unter anderen von der Gemeinde Nürnberg, von Professor Friedman n-Berlin, vom Hofburgschauspieler Reimers, vom Komponisten Leo F a l l, Leo Stein re. rc. Die Teuerung und die Lehrerschaft der Pefter israelitischen Religionsgemeinde. Das aus 135 Mitgliedern bestehende Lehrpersonal der Pester israelitischen Religionsgemeinde: Volksschullehrer, Professoren und Religionslehrer, hat sich vor kurzem versammelt, um die zur Verbesserung seiner Lage notwendigen Schritte zu besprechen. Die Lehrer der Religionsgemeinde find. schlechter situiert als die hauptstädtischen Lehrer und leiden infolgedessen noch mehr als die letzteren unter der unerträglichen Teuerung. Den Vorsitz in der Versammlung führte Philipp Csukassi. Einhellig wurde konstatiert, daß es höchste Zeit sei, die minimalen Forderungen der Lehrerschaft nachdrücklichste zu verfechten, denn die Lage kann bei der heutigen Teuerung gor nicht mißlicher sein, als sie in Wirklichkeit ist. Die Versammlung beschloß, die Gravamina der Lehrerschaft der Religionsgemeinde in ein Memorandum zu fasten und dieses durch eine Dsputativn dem Vorstande der Religionsgemeinde zu übermitteln. Die Deputation wird vom Reichstagsabgeordneten Dr. Wilhelm Vazsonyi geführt werden. Eine Verleumdung galizisch-jüdischer Kausleute. Aus Lemberg wird uns geschrieben: Laut der Mitteilung polnischer Blätter hat der hiesige Gerichtshof gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft beschlossen, gegen die jüdischen Kaufleute besonders strenge vorzugehen, weil viele derselben in letzterer Zeit betrügerische Krida begingen, indem sie sich von Anverwandten pfänden ließen, wodurch die Gläubiger ausgespielt wurden. Zufolge dieser verleumderischen Meldung begab sich eine Deputation des Vereines der jüdischen Kaufleute Galiziens ins Gerichtspräsidium, um den Vorwurf, daß gerade die jüdischen Kaufleute betrügerisch bankerottieren, zu entkräften. Der Präsident des Gerichtshofes erklärte der Deputation, daß die erwähnte Zeitungsmeldung der Wahrheit nicht entspreche, da gar kein spezielles Vorgehen gegen die jüdischen Kaufleute beschlossen wurde. Zugleich gab der Präsident die Versicherung, daß das Gerichtspräsidium sich von Antisemitismus oder konfessioneller Voreingenommenheit nicht beeinflussen laste. Da durch die obenerwähnten Berichte der polnischen Zeitungen der Kredit der polnisch-jüdischen Kaufleute stark beeinträchtigt wurde, soll nun darüber beraten werden, auf welche Weise die Blätter, in welchen die verleumderischen Nachrichten erschienen sind, sowohl zivilals auch strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden.. Eine jüdische sozialdemokratische Partei in Galizien. Lemberg. Am 14. und 15. d. fand in Lemberg der Kongreß der vereinigten jüdischen sozialdemokratischen Partei Galiziens statt. Die Bestrebungen zur Gründung einer besonderen Organisation des jüdischen Proletariats gaben sich bereits seit Jahren kund, sie stießen jedoch auf den Widerstand der polnischen Sozialdemokratie. Vor den letzten Reichsratswahlen kam es zwischen den bisher nicht anerkannten Organisationen der jüdischen Sozialdemokratie und der Parteivertretung der polnischen Sozialdemokratie zu einer prinzipiellen Verständigung, wonach die jüdische Sozialdemokratie als eine selbstständige Parteiorganisation anerkannt wurde. Bei dem letzten Kongreß wurde nun der Antrag auf Gründung einer besonderen jüdischen Partei mit Akklamation angenommen, worauf eine Resolution beschlossen wurde, die sich gegen die zionistischen und assimilatorischen bürgerlichen Parteien richtet. Ersatzwahlen in Galizien. Lemberg. Ende nächsten Monats werden die Ersatzwahlen für das Abgeordnetenhaus in Drohobycz und Zloczow stattfinden. In Drohobycz wird zweifellos Dr. v. Löwenstein wiedergewählt werden. In Zloczow soll Dr. D u l e m b a kandidiert werden. Seine Wahl gilt als sicher. Paris. Herr Dr. Daffy. W o l k, Jng.-Chem., Mitglied der „Socidte Chimique de France“ in Paris, ist von der französischen Regierung durch die Minister des Auswärtigen und des öffentlichen Unterrichtes unter Zustimmung des ruffischen Konsuls zu Paris zum Offizier d'Akadämie ernannt und mit dem Talmes-Akademiques-Orden, an blauem Bande zu tragen, beehrt worden. Der junge Gelehrte Dr. Wolk hat sich bei der französischen Regierung durch seine wissenschaftlichen Arbeiten und Propaganda für die französische Industrie sehr beliebt gemacht, und . auf Veranlassung verschiedener Gelehrten und eines