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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-10-27 · 43 (27.10.1911) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
43 (27.10.1911)
Date
1911-10-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Vl£3tv5i -' -j.'-.'- «-r>> ’SV^JT»» «je. Nr. 43 Dr. Blocks Wochenschrift Seite 715 mit bebendem Herzen die Geschichte von Simson gehört, der untergeht, indem er seinen Feinden . ..." Und unter dem Zauber dieser vor ihm hinaufleuchtenden Welt beginnt der Schüler an seiner eigenen Vervollkommnung zu arbeiten, wie es seine Aufgabe ist." Weil die Bibel für Tolstoi ein Werk von unantastbarer Vollkommenheit ist, gestattet er auch nicht, daß Abkürzungen irgend welcher Art mit ihrem Text vorgenommen werden. Alles Umschreiben, Kürzen, Präparieren erscheint ihm als der Ausstuß einer falsch verstandenen Sittlichkeit, als ein Frevel an der Heiligkeit und der poetischen Schönheit dieses Werkes. „Ich glaube," so schließt er, „das Buch der Kindheit des Menschengeschlechtes wird stets das beste Buch für die Kindheit des einzelnen Menschen sein; dieses Buch zu ersetzen ist unmöglich. Es gibt zwar Pädagogen, die da sagen, die Bibelhabe sich überlebt und sei überhaupt kein Lehrbuch; wenn diese Leute mir ein Buch vorlegen, mit dem sie gleiche pädagogiiche Erfolge erzielt haben, wie ich mit der Bibel, so werde ich mich mit ihnen einverstanden erklären, eher nicht." Der Verband der russischen Advokatursgehilsen gegen die Taufseuche. Aus Odessa wird der „N. I. K." geschrieben: Die in der letzten Zeit in manchen Kreisen des Advokatenstandes überaus häufig gewordenen Uebertritte zum Christentum aus Gründen der Karriere veranlaßten eine Gruppe Odessa r jüdischer Advokatursgehilfen (dies ist gewöhnlich der Charakter der in der Advokatur tätigen Juden, die das Justizministerium wegen ihrer Zugehörigkeit zum Judentum nicht für würdig hält, zu „Rechtsanwälten" befördert zu werden), auf der am 18. Oktober stattgefundenen Generalversammlung ihrer Organisation an das leitende Komitee folgende Interpellation zu richten : „Hat das Komitee Kenntnis davon, daß in letzter Zeit häufig Advokatursgehilsen jüdischen Bekenntnisses aus Gründen der Karriere zum Christentume übergetreten find; daß die unlängst stattgehabte Weigerung des Zentralausschusses der Friedensrichter, einigen neubekehrten Christen eine Bescheinigung ihres Rechtes auf Führung von Zivilprozessen auszustellen, allgemein auf diese betrübende Erscheinung zurückgeführt wird; daß dadurch die Würde des Anwaltsstandes überhaupt und der jüdischen Advokatursgehilfen im Besonderen, auf die der Verdacht der Prinzipienlosigkeit und Unmoralität fällt, schweren Schaden leidet? Eine Gruppe jüdischer Advokatursgehilfen des Odessaer Gerichtsbezirkes erachtet es deshalb als ihre Gewissens- und Standespflicht, das Komitee zu befragen, was es zu tun gedenkt, um derartige Erscheinungen innerhalb unseres Standes zu bekämpfen." Der Obmann der Organisation, Herr I. Brodowsky, erklärte, daß das Komitee sich mit dieser Frage bisher nicht befaßt habe, daß es aber diese Erklärung zur Kenntnis nehme und über die Angelegenheit ernstlich beraten werde. Der König von England bei Baron Rothschild. Am ersten Halbfeiertage des eben vorübergegangenen Sukkothfestes gab Baron Leopold de Rothschild, wie aus London berichtet wird, eine Soiree, bei welcher auch König Georg mit der Königin erschienen war. Dieser hohen Auszeichnung wird in den Londoner Hofkreisen umso höhere Bedeutung beigemessen, als gewisse Kreise gerne die Behauptung verbreiteten, daß König Georg kein Freund der Juden sei und die Beziehungen, die zwischen König Eduard und den jüdischen Häusern Rothschild und Sassoon bisher bestanden, nicht fortzusetzen gedenke. Es wird nun behauptet, daß König Georg Gewicht darauf lege, diese Gerüchte zu zerstreuen, weshalb er vor kurzer Zeit den Chef der Familie Sassoon und jetzt denjenigen des Hauses Rothschild mit seinem Besuche auszeichnete. Ter Zusammenbruch der Göttinger Bank. Wiederum ist in Deutschland ein Bankinstitut, das von einem höchst frommen Direktor geleitet wurde, fallit geworden. Die klerikale Bevölkerung von Duderstadt, wo die Göttinger Bank eine Filiale unterhielt, hielt das kleine Institut mit den großen Sparguthaben wegen der Rechtgläubigkeit ihres Leiters als besonders sicher. „Glaubensbank" nannte der klerikale Volksmund die Göttinger Bank, dieweil der Herr Direktor Riepenhausen der katholischen Kirche des Oertchens ein Kirchenfenster im Werte von 1000 Mk. gestiftet hatte. Mit Kirchenfenstern konnte der ebenso spekulationslustige wie kircheneifrige Direktor zwar Depositengelder an sich ziehen, aber die Kirchenfenstermacht reichte nicht aus, um das Mißtrauen der Kundschaft in anderen Orten niederzuschlagen und die Depositengelder dauernd festzuhalten. Der „Welt am Montag" wird über diesen frommen Herrn noch geschrieben: „Der Bankdirektor Riepeiihausen hat es. ebenso wie seinerzeit Ohm und Terlinden, durch seine raffiniert zur Schau getragene Frömmigkeit verstanden, alle Welt zu düpieren. Riepen Hausen war ein Geschäftskatholik, der in den letzten Jahren sehr häufig zur Kirche ging, bei Sammlungen sich sehr generös zeigte und für die Duderstädter katholische Kirche ein gemaltes Fenster stiftete, wofür er dann von der Kanzel herab gelobt und seine Bank den Gläubigen empfohlen warde. Auch die Sammolgelder für die Duderstädter Abgebrannten wurden b:i der Göttinger Bank deponiert und find verloren. Ebenso der t iefige katholische Kirchenbaufonds. Riepenhausen lebte sehr flott, war vor kurzem in Borkum und im Frühjahr beim Papst in Rom. Ec baute sich voriges Jahr die schönste Villa hier, die fürstlich und verschwenderisch eingerichtet ist, obwohl der Mann früher vermögenslos war. Eine Katastrophe ist über Göttingen und Süd-Hannover durch diesen Menschen hereingebrochen, die zahllose Existenzen vernichtet. Als die Bank die Notwendigkeit, ihre Kaffen zu schließen, bekanntgab, wies sie auf den störenden Abfluß von Depositengeldern hin, der durch die politische Bedrängnis hervorgerusen sei. Später hat sich herausgestellt, daß die Bank mehr als zwei Millionen Mark für Verluste in Spekulationen an der Londoner Börse aufzubringen hatte. Und die geschädigte Kundschaft der Bank behauptet, sie sei von ihr selbst zum Spekulieren veranlaßt worden! Korrespondenzen Kaiser!. Rat Josef Singer. Am Simchas-Thorafeste beging kaiserl. Rat Oberkantor Joscf Singer seinen 70. Geburtstag und die mannigfachen ehrenden Kundgebungen, die ihm aus diesem Anlasse zuteil wurden, gaben beredtes Zeugnis für die hohe Wertschätzung, die er in den weitesten Kreisen genießt. Leider war die Festesstimmung getrübt durch ein Unwohlsein des Jubilars, das denselben ans Haus fesselte und die vom Vorstande der Wiener Kultusgemeinde geplante Ehrung im Tempel unmöglich machte. Aber in der Wohnung des Jubilars, wo die Kinder desselben, Frau Oskar Straus, Direktorstellvertreter Eugen Singer aus Lemberg und Herr Hans Singer, die Honneurs machten, war den ganzen Tag über ein Kommen und Gehen von Gratulanten, die durch sinnige Widmung und herzliche Glückwünsche ihrer Sympathie für den Jubilar Ausdruck gaben. Um die Mittagsstunde erschienen der Präsident der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, der Vizepräsident Dr. Gustav K o h n, die Kultusvorsteher Dr. Markus Spitzer und Karl Lemberger, Sekretär der Dr. Adler, sowie die Bethausvorsteher Rudolf K o h n und Dr. Elias Münz mit dem Sekretär Braun, um die Glückwünsche des Kultusvorstandes und Bethausvorstandes zu übermitteln. Nach einer herzlichen Ansprache des Präsidenten brachte Sekretär Dr. Emil Adler folgende Adresse zur Verlesung: Im Laufe der Jahrzehnte, während deren Sie als Oberkantor unserer Kultusgemeinde wirkten, haben Sie jede Gelegenheit zur Ehrung Ihrer Person gemieden. Nun bietet

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