Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 43 (27.10.1911)
- Date
- 1911-10-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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was-.-i jurttaoßr.2ia£. j Nr. 43 Dr. Mochs Abgeordneten -der französischen Kammer haben ihn der Bildungsminister und der Minister des Auswärtigen zu dieser großen Ehre erhoben. Dabei ist nicht zu vergessen, daß Doktor Wolk noch jetzt russischer „Bürger", Jude und erst 26 Jahre alt ist. Schon im vorigen Jahre hat Dr. Wolk große Ehre in Frankreich erworben dadurch, daß die „Französische Akademie der Wissenschaft" eine Abhandlung von ihm über ein chemisches Salz, das von großer Bedeutung für die Agrikultur ist, in ihren „Comptes Kendus“ lobend veröffentlicht hat. Der junge Offizier d'Akademie, ein Rang, zu dem es noch kein einziger ausländischer Jude in diesem Alter in fremdem Lande gebracht hat, ist ein Rabbinersohn; sein Vater war der große jüdische Gelehrte, Herr Oberrabbiner Hirsch Wolk zu Pinsk, der vor einigen Jahren starb. Dr. Wolk ist auch selbst ein bedeutender Talmudist und ein vorzüglicher Hebräer und setzt noch jetzt seine jüdischen Studien fort. Auszeichnung jüdischer Rechtsgelehrter. Die französische Regierung hat den Professor an der Pariser Rechtsfakultät, Mitglied des „Institut", Lyon-Caen, und den Direktor der Administration der Strafanstalten beim Justizministerium, M. Schrameck, zu beratenden Mitgliedern der im Justizministerium etablierten kondifikatorischen Kommission ernannt. Eine jüdische Deputation beim König Karl. Bukarest. Eine Abordnung der „Vereinigung der eingeborenen Juden" wurde vor einigen Tagen in der königlichen Residenz in Jaffy von dem Könige in Audienz empfangen. Die Abordnung überreichte dem Könige eine Denkschrift, in der die Beschwerden der „Israelitischen Vereinigung" dargelegt werden und unter anderem darauf hingewiesen wird, daß die Lage der eingeborenen Juden seit dem Jahre 1904, wo ihre Abordnung die Ehre hatte, vom Könige empfangen zu werden, sich in nichts geändert habe. Im Wesentlichen verlangt die Denkschrift Schutz für die eingeborenen Juden und Initiative für die Verbesserung ihrer Lage. Der König empfing die Deputation recht huldvoll und richtete an sie wohlwollende Worte, ohne jedoch irgend eine positive bindende Versprechung zu machen. Die bedrohte Existenz der jüdischen Gemeinden in Polen. Die geplante Einführung der Selbstverwaltung der polnischen Städte scheint für -die altehrwürdigen Juden gemeinden eine vernichtende Folgewirkung zu zeitigen. Das Ministerium des Innern hat, wie aus Petersburg gemeldet wird, sich an sämtliche Gouverneure von Polen mit der Anfrage gewendet, ob die Aufrechterhaltung der selbständigen jüdischen Gemeindeverwaltung auch nach Einführung der Selbstverwaltung notwendig und opportun erscheine. Eine große Zahl der Gouverneure gab ihr Gutachten dahin ab, daß, nachdem die Juden das Recht haben werden, Stadträte zu wählen und demnach in den Munizipien ihre Vertreter haben werden, die Existenz eigener jüdischer Gemeindeverwaltungen überflüssig sei, da deren Funktionen auch durch die Stadtverwaltungen besorgt werden können. Prekäre Lage der zurückgewiesenen Studenten. Die zahlreichen jüdischen Studenten, welche mit Rücksicht auf die in Rußland bestehende Perzentnorm in den russischen Universitäten keine Aufnahme fanden, befinden sich in einer sehr prekären Lage, da ihnen auch in den ausländischen Hochschulen große Schwierigkeiten bereitet werden. Eine Gruppe solcher jüdischer Studenten erhielt von dem Rektorate der Universität in Halle auf eine diesbezügliche Anfrage, wie der „Haint" in Warschau meldet, die bündige Antwort, daß russische Juden überhaupt nicht ausgenommen werden. Die Verurteilung eines antisemitischen Polizeikoutrollors. Der Alteisenhändler Martin Müller war am 21. Juni mit seinem Wagen von Offaer Markt auf dem Heimwege nach Kispest begriffen, als er plötzlich vom Polizeikontrollor Ladislaus WochsNschrist Seite 717 Vize mit den Worten angehalten wurde: „Stillgestanden Jude!" Müller hielt und gab dem Polizeikontrollor die gewünschten Auskünfte. Anstatt nun Müller friedlich ziehen zu laffen, zog der anscheinend betrunkene Polizist den Säbel und hieb auf den armen Menschen erbarmungslos ein. Nicht genug daran, brachte er Müller auch noch auf das Wachzimmer. Der insultierte Eisenhändler erstattete anderen Tages gegen Vize die Strafanzeige wegen Mißbrauches der Amtsgewalt und schwerer körperlicher Verletzung. Gegen den angeklagten Polizeikontrollor, der sich wegen ähnlicher Delikte schon wiederholt zu verantworten hatte, wurde dieser Tage die Hauptverhandlung durchgeführt. Im Verlaufe des Beweisverfahrens erklärte sich Vize für nichtschuldig, hingegen sprachen sämtliche einvernommenen Zeugen gegen den Angeklagten belastend aus. Der Gerichtshof verurteilte Vize wegen Mißbrauches der Amtsgewalt und leichter körperlicher Verletzung zu zweiwöchentlichem Gefängnis. Staatsanwalt Dr. Aczel appellierte zu Lasten des Angeklagten, weil der Gerichtshof nicht auch den Amtsverlust ausgesprochen hat. Die Jude» im belgische« Kongo. In Katanga (Kongo) besteht eine jüdische Gemeinde, die nahezu hundert Mitglieder zählt. Die Gemeinde wird demnächst an den Bau einer Synagoge schreiten. Anläßlich der letzten hohen Feiertage wurde der Gottesdienst nach alter Tradition in einem provisorischen Bethause abgehalten. Ein Ansruf an die jüdische» Flüchtlinge aus Tripolis. In London eingelaufene Kabelmeldungen aus Malta, Gabes und Djerba schildern die große Notlage mehrerer tausend Juden, die aus Tripolis in die obgenannten Orte geflüchtet find. Die Rabbiner dieser Städte bitten dringendst um Geldsendungen, damit die Flüchtlinge, die zum Verlaffen von Tripolis gezwungen waren, mit Nahrung versehen werden können. Unter den Flüchtlingen befinden sich ebenso reiche Kaufleute, die gezwungen waren, all ihre Habe zvrückzulaffen, wie einige tausend arme Juden, die auch in Tripolis von der Wohltätigkeit ihrer reicheren Glaubensbrüder abhängig waren. Nachdem diese Juden Tripolis verließen, haben Araber die jüdischen Kaufläden geplündert, so daß die jüdischen Flüchtlinge, die zumeist italienische Untertanen sind, selbst wenn ihnen die Rückkehr ermöglicht wird, ihre Häuser und Geschäfte ausgeraubt und geplündert vorfinden werden. Die Judengemeinde von Tripolis hat in der letzten Zeit überhaupt mehrere Krisen durchzumachen gehabt, indem sie einerseits an den Folgen der Mißernten der letzten fünf Jahre zu laborieren hatten, andererseits auch die Cholera, die in den letzten Monaten in Tripolis wütete, im Judenviertel viele Opfer forderte. Ein in London gebildetes Komitee hat bereits eine Hilfsaktion zu Gunsten dieser armen tripolitanischen Juden eingeleitet. An der Spitze derselben steht der Chacham der Portugiesischen Gemeinde in London, 193 Maida Vale W. Die Schadenersatzklage der Juden von Wales- Die durch die antisemitischen Unruhen in Tradegar, Rhymney und Ebb Vale geschädigten Juden haben bereits ihre Schadenersatzansprüche bekanntgegeben. Laut den bei dem Polizeigericht von Monmouthshire bisher eingelaufenen Klagen beträgt der angerichtete Schaden 16.176 Pfund Sterling. Das Oberrabbinat von England. Eine Forschungsreise durch Europa. Das offiziöse Organ der „Federation of Synagoguea“, in London „Jewish Chronicle“, veröffentlicht an auffallender Stelle die folgende Meldung: Der Vorstand der Bereinigten Synagogen hat sich in letzter Zeit mit verschiedenen Anerbieten zu befaffen, welche ihm vom Auslande wegen Besetzung des englischen Großrabbinates zugekommen waren. Der Vorstand hat nun beschloffen, vor Beschlußfaffung über eine etwaige Einladung der einen oder der anderen in Betracht kommenden Persönlichkeit die Betreffenden kennen zu lernen und sich an Ort und Stelle ihrer gegenwärtigen Wirksamkeit von ihrer Qualifikation und