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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-03-31 · 13 (31.3.1911) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
13 (31.3.1911)
Date
1911-03-31
Page
– (sequence 8)
Language
German
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-j<M»MMM««g^M>«HWBB^:in:*M«iw*»aMHaii»sia»aaBBW6BBWgsaB!gKSg5D<aiaaB Sette 208 Kundgebungen dör jüdischen Gemeinden in der Türkei gegen dM Zionismus. Die letzten Vorgänge im türkischen Parlament haben eine eigenartige Wirkung in den jüdischen Gemeinden in der Türkei ausgelöst. Die Gemeinden der größeren Städte richten, eine nach der anderen, Loyalitätstundgebungen an den Großvezier, die alle mit einer mehr oder minder scharfen Ablehnung des Zionismus schließen. Am schärfsten in dieser Richtung sind die Beschlüsse der zwei großen Gemeinden Smyrna und Salonichi. Die Kundgebung der Iudengememde von Salonichi trägt außer den Unterschriften der Präsidenten auch diejenige des Grand Rabbin ^Jacob Meir und' schließt mit den Worten: „Niemand von uns könnte sich der zionistischen Bewegung anschließen, da er weiß, daß diese Bewegung einen reaktionären Charakter trägt und geeignet ist, unter den einzelnen Teilen der Bevölke-- rung Zwietracht zu säen."_ Ein protestantischer Bischof gegsn die Blutlüge. Sehr zur rechten Zeit äußert sich der reformierte Bischof von Hajdu Böszönieny, Desider Balthasar, über die gewöhnlich vor dem Pessachfeste da und dort auftauchende Blutlüge. Anlaß hiezu gab die Verbreitung eines Ritualmordmärchens in der Diözese des Bischofs, das sich bald als Märchen herausstellte. In seinem offenen Brief schreibt Bischof Balthasar: Wir sind ganz im Klaren darüber, woher die Blutbeschuldigungen stammen und genährt werden. . . . Die ungarischen reformierten Geistlichen nähren sich nicht von Lüge und Haß, sondern von Wahrheit und Liebe, und wer solche Nahrung genießt, der pflegt die dumme Fabel der Blutbeschuldigung mit Abscheu von sich zu weisen. Ich bin übrigens überzeugt, daß kein gebildeter Mensch existiert, — sei er Katholik oder Nichtkathvlik — der daran glauben würde, daß jene jüdische Religion, in deren Zehngeboten seit Jahrtausenden geschrieben steht: „Du sollst nicht morden", ihren Anhängern Menschentötung, Blutverguß suggerieren sollte. Es gibt keinen solchen gebildeten Menschen, der an das höllische Märchen vom Ritualmord glauben würde. Dieses ist ein Märchen, erfunden und genährt von jenem Hasse, der aus wirtschaftlichen Ursachen und Eifersucht den Juden haßt und ehrlos genug ist, auf dem heiligsten Gebiete, aus dem der Religion, verlogene Hilfe zu suchen. Gegen diesen ehrlosen Haß und gegen diese höllische Schlauheit auszutreten ist Pflicht eines jeden aufgeklärten Menschen. Korrespondenzen Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 19. März 1911 unter dem Vorsitze des Präsideuteu Dr. Alfred Stern. Spenden: Von Herrn Paul Hopfner, Restaurateur und Hotelbesitzer je zur Halste für Kinder, deren Eltern durch die Gewalttaten in Rußland gelitten haben, und für arme kranke Israeliten.*.K 600.— Von Frau Sophie von Borkenau der Erlös ihres Tempel» fitzeS f. d. Ver. Brustleidender auf dem Lande ... per „ 60,— Von Herrn und Frau Eduard Pollak anl. ihrer silbernen Hochzeit für den Bau eines neuen Stadttempels ..... 60.— Von T. W. für die armen Witwen des Jaitele» PfründnerhaufeS . .... 10.— Entnahme aus d. Sammelbüchsen im Gemeindebethause Stad.t: Für: Allianz ..• . . K 40.— „ Waisenverein. 226.08 „ Arme in Jerusalem. 24.40 „ Frauenverein.„ 37.41 „ Wöchnerinnenverband.„ 4.58 „ Chewra Kadischa. 106.30 Armenanstalt.. . .„ 111.79 K 550.66 Nr. 13 Entnahme aus d. Sammelbüchsen im Gemeindebethause Leopoldstadt: Für: Waisenverein.K 87.52 ., Arme in Jerusalem „ 9.53 „ Frauenverein.. 42.16 „ Chewra Kadischa.• . . . „ 64.97 „ Armenanstalt..„ 42.40 K 236.58 Entnahme aus der Sammelbüchse in der Kanzlei auf dem Zentralfriedhof für den Waisenverein. ..„ 149,82 Entnahme aus der Sammelbüchse im Gemeindebethause Fünfhaus für Arme. 137.37 Entnahme aus der Sammelbüchse im Matrikelamte für den Waisenverein. 46.20 Entnahme aus der Sammelbüchse im Versargungshause für Arme.79.80 Entnahme aus der Sammelbüchse im Gemeindebethause Ottakring für Arme .. 12.66 Von Herr Anton Winter anl. ves Todestages seiner Mutter Frau Rosalie Winter für Arme ... . „ 100.— Von Herrn Generaldirektor des „Tabarm" Filipp Eigner aus dem Ertragnisse der Armenredoute für hum. Zwecke „ 500,— Weiters befinden sich im Einlaufe: Dankschreiben Dr. Leopold Langfelders für die Ehrungen anläßlich seiner Versetzung in den dauernden Ruhestand. Dankschreiben des k. k. Regierungsrates Dr. S. Frankfurter für die Gratulation des Kultusvorstandes anläßlich der Allerhöchsten Auszeichnung. Dankschreiben des Prof. Dr. Franz von Liszt, Berlin, für die Gratulation anläßlich feines 60. Geburtstages. Der Präsident berichtet über die im abgelaufenen Winter stattgefundenen Vorträge aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur: . Der diesjährige Vortragszyklus hat am 15. Dezember 1910 begonnen und wurde am 16. März 1911 geschlossen. In dieser Zeit haben 11 Vorträge im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines stattgefunden, welche durchwegs einen so starken Zuspruch aufwiesen, daß zur Vermeidung von Saalüberfüllung zahlreiche Einlaßbegehrende abgewiesen werden mußten und vielfach der Wunsch laut wurde, die Vorträge künftighin in einem größeren Saale abhalten zu lassen. Der 12. in Aussicht genommene Vortrag, der des Herrn Prof. Dr. Ludwig Stein in Berlin, mußte wegen Erkrankung des Genannten entfallen. Es haben folgende Borträge stattgefunden: Rabbiner Dr. Max Grunwald, Wien, Thema: 1. Adolphe Cremieux (zum 50jähr. Bestehen der Alliance israölite universelle); 2. Hygiene der Juden; 3. Juden als Welt- und Forschungsreisende; 4. Jüdische Geschichts- und Kulturdenkmäler. Rabbiner Dr. Alois Schweiger, Erlau: Die Religion im Lichte der Völkerpsychologie. Rabbiner Dr. Ludwig Lazarus, Göding: Ahasver in der Weltliteratur. Rabbiner Dr. A. L ö w e n t h a l, Hamburg: Heitere und ernste Moralprediger aus dem Mittelalter. Rabbiner Dr. I. Taglicht, Wien: Pharisäer. Rabbiner Dr. S. Funk, Boskowitz: Alt-Babylonien Land und Leute. Schriftsteller H. Jork-Steiner, Wien: Vorlesung der eigenen Dichtung „Die heilige Million", eine Tragikomödie aus dem Leben der Wiener Juden. K. k. Hofburgschauspielerin Lia Ro se n, Wien: Vorlesung von Bibelstellen und Psalmen, eingeleitet durch eine Conference des Rabbiner Dr. D. Feuchtwan g, Wien, über die Poesie der Bibel. Der Präsident teilt mit, daß er bereits Veranlassung genommen habe, jedem einzelnen der Vortragenden den Dank des Vorstandes zum Ausdrucke zu bringen. Angesichts des großen Erfolges, den auch dieser Vortragszyklus erzielte, könne er jedoch nicht umhin, nochmals auch in dieser Versammlung den allerwärmsten Dank und die vollste Anerkennung des Kultusvorstandes den Vortragenden auszusprechen. Die Ausführungen des Präsidenten wurden mit dem lebhaftesten Beifall entgegengenommen. D r. Wochs Wochenschrift

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