Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 34 (26.8.1910)
- Date
- 1910-08-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 34 Dr. Blochs Wochenschrift. Seite 863 regieren verstehen. Die Wasserstraßen, die sie für Galizien so sehnsüchtig herbeiwünschen, werden ihren Zweck ohne die Vorbereitung eines gesunden, tüchtigen Handelsstandes im Lande selbst nicht erfüllen. _ I. Grobtuch. IDom Jahrmarkt des Lebens. Internationale Hygiene-Ausstellung Dresden 1911. Gruppe: Hygiene der Juden. Bericht des Lokalkomitees in Frankfurt a. M. Sitzung am 15. Juli d. I., nachmittags V26 Uhr, auf dem Gemeindebureau. Anwesend sind die Herren: Dr. med. Benario, Dr. med. W. Hanauer, Sanitätsrat Dr. Jaffö, Sekretär der israelitischen Gemeinde Dr. A. Worms; verreist zurzeit die Herren : Rabbiner Dr. Horovitz, Dr. Hülsen, R. Kirchheim und Professor Dr. Krakauer. Vorsitzender: Sanitätsrat Dr. Jaffs. Dr. Hanauer berichtet über die vom Frankfurter Komitee auszustellenden Gegenstände nach einem von Dr. Hülsen und ihm verfaßten Entwurf. Es kommen in Betracht: 1. Der Belagerungsplan von Frankfurt 150 X 80 6m. 2. Der Meriansplan (110 X 80 cm.,) beide Pläne vorzüglich in der Größe der Originale, darauf ist die Judengasse in ihrer ganzen Ausdehnung zu sehen. 3. Plan (110 X 80 cm.) und Photographie des alten Friedhofes. 4. Alte Spitäler und Judenhäuser, eine Anzahl großer farbiger Zeichnungen und modellartiger Ansichten. 5. Die alten Waschgeräte der Chewra-Kadischa. 6. Pläne, beziehungsweise Modelle vom neuen Waisenhaus, Siechenhaus, Kindergarten, Schwesternhaus, der Milchküche des Philanthropins. 7. Beschneidungsinstrumente. 8. Statistische Tabellen über den Gang der Sterblichkeit bei den Juden in Frankfurt. Die Anwesenden erklären sich damit einverstanden, bis auf die Abteilung 6, die nach Ansicht der Herren Sanitätsrat Dr. Jaffa und Dr. Benario entsprechender in einer der allgemeinen Abteilungen unterzubringen wäre. Es wird beschlossen, die hygyienischen Vorschriften der jüdischen Lehre aus einem drehbaren Ständer auszustellen. (Ueber weitere Zusagen aus Frankfurt ist früher berichtet worden.) Dr. Max Grunwald, Wien, XV. Cholera und Antisemitismus. Die russische Reaktion wirkt wie eine politische Epidemie, die auch Westeuropa infiziert: zugleich war das Zarenreich stets der Herd wirklicher Seuchen, die Krankheit und Tod über die Völker Westeuropas brachten: zwischen den politischen Zuständen Rußlands und der Seuchengefahr, die von dort die zivilisierte Welt bedroht, besteht aber ein inniger Zusammenhang. Dieser Zusammenhang leuchtet bereits Leuten ein, die jeder politischen Agitation vollkommen fernstehen. Herr Professor Dr. Rudolf Kraus, eine anerkannte Autorität auf dem Gebiet der Choleraforschung, schlägt öffentlich — in der „Reuen Freien Presse" — eine „gemeinsame Aktion der europäischen Länder" Rußland gegenüber vor. um der Eholeragefahr zu begegnen. „Vielleicht könnte", schreibt er, „eine Art der Sanitätsdelegierung aller europäischen Staaten nach Art der Genfer Konvention Remedur schaffen". Worauf es in erster Linie ankomme, das ist, Kanalisationen und Wasserleitungen durchzujführen. Professor Dr. R. Kraus war 1907 bei der Choleraepidemie in Petersburg, er kennt also die Verhältnisse am Orte. Dem „Pester Lloyd" wird aus Petersburg geschrieben: Die Cholera hat das ganze Zarenreich ergriffen und einen Umfang angenommen, der die Bevölkerung in panischen Schrecken versetzt. Was die Ausbreitung der Epidemie noch unheimlicher gestaltet, ist der Mangel an Aerzten und Sanitätspersonal. In Petersburg. Odessa, Charkow, Rikolajew, Kiew und noch vielen anderen Herden der Seuche macht sich dieser Mangel besonders fühlbar. Für die Zustände in Rußland ist jedoch die Tatsache äußerst charakteristisch, daß die Regierung und ihre Beamten trotz der erschreckenden Ausbreitung der Cholera ihren .Antisemitismus weiter kultivieren und die Aufnahme von jüdischen Aerzten und jüdischen Sanitätsmännern, die mit Todesverachtung in den Kampf gegen die Seuche ziehen wollen, rundweg abweisen. Der Petersburger Oberbürgermeister Glasunow ordnete an, daß Gesuche jüdischer Aerzte um Aufnahme in den städtischen Dienst zur Bekämpfung der Cholera abgewiesen werden müssen. Vergebens traten einige rechtdenkende Stadträte für die Aufnahme jüdischer Aerzte ein: das Oberhaupt der Stadt blieb seinem Antisemitismus treu, wiewohl die Epidemie erschreckend um sich greift. Roch verhängnisvollere Folgen zeitigte dieser Antisemitismus im südrussischen Kohlenrayon. Dort erkranken täglich gegen zweitausend Kohlenarbeiter und sterben gegen tausend Personen, so daß alle Kohlenarbeiter die Flucht ergreifen und die Arbeit im Stich lassen. Wer aber hat die Schuld an der erschreckenden Verbreitung der Epidemie im Kohlengebiete? Das Charkower Blatt „Utro" erklärt offen, daß es die Behörden sind, die seit dem Ausbruch der Cholera alle jüdischen Aerzte und jüdischen Sanitätsmänner aus dem Dienste vertrieben und ganze Ortschaften ohne ärztliche Hilfe beließen. Dasselbe tut der berüchtigte Stadthauptmann von Odessa, General Tolmatschew, der die Ernennungen jüdischer Aerzte im Choleragebiete annullierte und kategorisch erklärte, daß er die Aufnahme von Juden nicht zulassen würde. Ilnd während die Regierung so ihren Judenhaß betätigt, macht die Cholera unbeschreibliche Fortschritte und ruft unter den Volksmassen sogenannte Choleraunruhen hervor, die in vielen Ortschaften bereits blutig unterdrückt werden mußten. In Charkow fand neuerdings eine Beratung der Vertreter der von der Cholera am meisten betroffenen Gouvernements statt. Es wurde wiederum ein allgemeiner, weitgehender Mangel an ärztlichem Personal festgestellt. der im wesentlichen darauf zurückzuführen ist, daß das Ministerium des Innern jüdischen Aerzten und Heilgehilfen den Sanitätsdienst im Choleragebiete nicht gestattet. Die Epidemie zeigt schon jetzt die schwersten Folgen für Industrie und Handel, besonders der Kohlenbergbau leidet darunter. Bei dem rapiden Umsichgreifen der Cholera in Südrußland scheint eine kurze Charakteristik des russischen Dorflebens in dieser Hinsicht geboten. So berichtet ein Telegramm der Abendausgabe der russischen ..Börsenzeitung" aus Iekaterinoslaw: „Die Cholera nimmt durch die furchtbare Unwissenheit der Bauern im Kriwoirogbassin ständig zu. Die Bewohner von Rowo-Woronzowka trinken einen Aufguß aus Pferdemist gegen die Cholera". Da braucht man sich in Westeuropa nicht weiter über die Verbreitung der Cholera in Südrußland zu wundern, die nach Angaben von Professor Rein bereits an 60.000 Menschenleben gefordert hat. Der Petersburger Rubinsteinpreis und die Juden. (Eine Erklärung Stolypins.) Wie bereits berichtet, wurde einem russischen Juden, der als Komponist an der Rubinslein-Preiskonkurrenz teilzunehmen beabsichtigte, mitgeteilt, daß ihm, da er