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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-07-29 · 30 (29.7.1910) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
30 (29.7.1910)
Date
1910-07-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 500 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 30 Vom Zabrmarkt des Lebens. Inter«. Hygiene-Ausstellung Dresden 1911.. Gruppe: »Hygiene der Juden". Bericht des Berliner Lokalkomitees.*) Sitzung vom 4. Juli 1910, 7 Uhr abds., Oranienburgerstr. 29 Anwesend: R.-A. Dr. Blau, Dr. E l b o g e n, Rabbiner Dr. E s ch e l b a ch e r, Geheimrat Dr. M a r e tz k i, Dr. P r e u ß , Professor Dr. R o s i n , Stadverordneter L. Sachs, Geheimrat Senator, Professor Dr. Strauß. Entschuldigt: Geheimrat Dr. Baginsky, S.-R. Dr. Feilchenfeld, Profeffor Dr. E. Holländer, Direktor Dr. Minden, Geheimrat Dr. P r o s k a u e r, James Simon. Herr Sachs begrüßt die Anwesenden und erläutert kurz den Zweck der Versammlung. Er beantragt die Konstituierung des Berliner Lokalkomitees und erklärt sich außerstande, den Vorsitz zu führen. Es werden hierauf gewählt die Herren Senator zum Vorsitzenden, Sachs zu seinem Stellvertreter, E l b o g e n zum Schriftführer. Die Leitung der Sitzung behält Herr Sachs. Hierauf erstattet Herr E l b o g e n ein Referat über die Aufgaben der Gruppe „Hygiene der Juden" und über die bisherigen Vorarbeiten des Leiters dieser Gruppe, Dr. Grunwald in Wien. In der sich anschließenden Diskussion werden besonders zwei Punkte besprochen: 1. Ob es sich empfiehlt, einen besonderen jüdischen Pavillon zu errichten, 2. inwieweit die Leistungen der Juden auf dem Gebiete der Hygiene in der Neuzeit vorgeführt.werden sollen. Herr Geheimrat Maretzki tritt dafür ein, haß die Modelle moderner jüdischer Krankenhäuser, Erholungsheime u. a. ausgestellt werden und verspricht sich davon eine Beseitigung mancher noch herrschender Vorurteile. Ferner wünscht er eine graphische Darstellung der Bewegung zur Heranbildung jüdischer Krankenpflegerinnen, aus der ersichtlich ist, wieviele bisher ausgebildet wurden, welche Krankenhäuser die Ausbildung leiten, wieviele Schwestern die Prüfung bestanden haben und wo sie untergekommen find. Herr Profeffor R o s i n billigt diesen Antrag und spricht fich für die Errichtung eines eigenen Pavillons aus. Er legt besonderen Wert auf die Vorführung der modernen Leistungen. Herr Profeffor Strauß schlägt vor, eine systematische Darstellung der historischen Entwicklung der jüdischen Krankenpflege zu bieten, beantragt ferner, graphische Darstellungen des Einflusses der Lebensgewohnheiten der Juden auf ihre Gesundheit anzustellen, zum Beispiel den Anteil der Juden am Alkoholismus, an der Tuberkulose, Syphilis und anderen Volksseuchen. Herr Esche!- b a ch e r wünscht ebenfalls eine übersichtliche Darstellung der jüdischen Krankenpflege, Nachweise über alte Krankenhäuser und die Tätigkeit der Chewra-Kadischa. Er tritt ferner für eine systematische Zusammenstellung der Literatur über Krankheiten, Hygiene und Lebensgewohnheiten rc. der Juden ein. Unter Anderem verweist er auf die Schrift von Wolf „Krankheiten der Juden", 1784, und auf die des Elsäffers Weil über sexuelle Hygiene, endlich auf die Wolfsche Sammlung im Besitz der jüdischen Gemeinde. Herr Geheimrat Senator legt den größten Wert darauf, daß die Bestrebungen der Juden auf diesem Gebiete im Altertum und im Mittelalter in das rechte Licht gefetzt werden. Er beantragt, in der Ausstellung einen kleinen Führer aufzulegen, in dem die Leistungen der Juden in Bezug auf Krankenpflege und Hygiene übersichtlich dargestellt sind. Herr Blau schlägt vor, ein Werk über die Medizinal-Statistik der Juden auszuarbeiten und aus¬ *) Dem Komitee gehören an die Herren: Geheimrat Dr. Baginsky, Dr. B. Blau, Geheimrat Dr. Blumenthal, Dozent Dr. Elbogen, Rabbiner Dr. Efchelbacher, San.-R. Dr. Feilchenfeld, Red. Dr. H. Hildesheimer, Prof. Doktor Holländer, Geheimrat Dr. Maretzki, Syndicus Dr. Minden, Prof. Dr. Pa gel, Dr. Preuß, Geheimrat Dr. Proskauer, Prof. Dr. Ro sin, Stadtverordneter Louis Sachs, James Simon, Pros. Dr. Strauß, Geheimrat Dr. Wassermann. zustellen. Herr P r e u ß betont die Wichtigkeit der Schächtapparate rc., zumal im Königreich Sachsen den Juden das Schächten verboten ist. Er warnt im übrigen vor zu weitgehender Apologetik, wie sie häufig gerade in Bezug auf biblische Vorschriften, z. B. Speisegesetze, getrieben wird. Es wird darauf einstimmig die Errichtung eines besonderen jüdischen Pavillons gutgeheißen. Ebenso werden die Anträge Senator-Blau angenommen, die die Darstellungen der jüdischen Hygiene im Altertum und Mittelalter sowie der modernen Medizinal-Statistik fordern. Behufs Beschaffung eines Beitrages für die Kosten der Ausstellung soll im Herbst ein Aufruf versandt werden, den Herr Dr. Elbogen entworfen hat. Schluß der Sitzung 81/* Uhr. L. Sachs. Dr. I. Elbogen, Altonaerstraße 14. Diesem Referat aus Berlin sollen in kurzem Berichte anderer Lokalkomitees folgen. Ausstellungsgegenstände sind uns bisher eingesandt, oder in bestimmter Form zugesagt worden von: Ahlem: Jüd. Erziehungsanstalt. — Amsterdam: Bibliotheca Rosenthaliana. — Berlin: König!. Bibliothek, Bibliothek der jüd. Gemeinde, Lokalkomitee, Rabbiner Dr. Rosenthal, Dr. H. L. Eisenstadt. — Boskowitz: L.-R.-S.-V. Dr. Funk. — Bremen: Rabb. Dr. Rosenack, Kaffee-Handels-Aktiengesellschaft. — Breslau: Synagogengemeinde, Komitee der „Lessing"-Loge (Dozent Dr, Brann), Rabb. Dr. Jmm. Deutsch. — Brünn: Dr. Oppen, heimer. — Cöln: H. Silberbach (Schächtutenfilien). — Dresden- Rabb. Dr. Auerbach. — Florenz: Oberrabb. Dr. Margulies: — Frankfurt: Israel. Gemeinde, Israel. Religionsgesellschaft. Stadtbibliothek, Ges. z. Erforsch, jüd. Kunstdenkmäler, Hugo I. Bondi, Verlag Sauerländer. — Gleiwitz: Rabb. Dr. Münz. — Halle a. S.: Deutscher Verein zur Erforschung Palästinas. — Hamburg: Stadtbibliothek, Deutsch-Israelitische Gemeinde, Ges. f. jüd. Volkskunde, Dr. E. Fink. — Karlsruhe i. B.: Oberrat der Israeliten. — Lemberg: Heinr. Sprecher. — Lübeck: B. Goslar. — München: „München-Loge" (Dr. Feuchtwanger). — Nagybicscse: Rabb. Dr. Wellesz. — Nürnberg: Dr. P. Münz. — Oberdorf-Bopfingen: Rabb. Dr. Kroner. — Padua: Dr. Morpurgo (eine planmäßige Sammlung italienischer Gegenstände des Comitato pro Coltura ifr.). — Paris: Jewifh Colonif. Affoc. — Pecs: Oberrabb. Dr. Perls. — Petersburg: Dr. I. Markon. — Schönlanke: Rabb. Dr. Bamberger. — Schwetz: Rabb. Dr. Nordheimer. — Straßburg: Prof. Dr. Euting, Jüdisches Museum. — Stuttgart: Kirchenrat Dr. Kroner. — Visselhövede: Norddeutsches Honig- und Wachs-Werk. — Wien: Jsr. Kultusgemeinde; Arbeiterinnen-Erholungsheim Seebenstein; Jüdischer Turnverein in Fünfhaus; Prof. Dr. Ehrmann; Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnenheim; Verein zur Ausspeisung armer israelitischer Kinder für die Bezirke XII—XV; Dr. H. Haase; Kinderheim in Laa; Prof. Js. Kaufmann; M. S. Knöpfelmacher. — Wiesbaden: Dr. Rattner. — Worms: Dalberg-Loge. Dr. Max Grunwald Wien, XV., Mariahilferstraße 167. Moses Montefiore. Zur 2 5. Jahreswende seines Todestages. Am 25. Juli führte es sich zum 25. Male, daß der große Philanthrop Sir Moses Montefiore gestorben ist. Montefiore war am 24. Oktober 1784 als Sohn des Josef Montefiore und der Rahe! Mocatta zu Livorno geboren; er war der Sprößling einer jener südeuropäischen, auch „Sephardim" genannten Äudenfamilien, von denen ein Teil sich später in England niedergelassen hat und dort zu Reichtum und Ansehen gelangt ist. Der Staatsmann Benjamin Disraeli, später Lord Beaconsfield, entstammte ebenfalls einer solchen Familie. Anders als Disraeli war aber Montefiore, von Hause aus sehr reich, und dieser Reichtum vermehrte sich noch durch seine Vermählung mit Judith Cohen im Jahre 1812. Sein jüngerer Bruder Abraham war. übrigens mit einer Rothschild (Henriette) aus Frank-

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