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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-06-24 · 25 (24.6.1910) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
25 (24.6.1910)
Date
1910-06-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 25 Dr. Möchs „Ich werde informiert, datz das Kabinett in einer jüngst abgehaltenen Beratung beschloß, Juden fremder Nationalität den Ankauf von Boden oder anderem unbeweglichen Gute in Palästina zu verbieten. Am 2. Juni erhielt das hiesige Grotzrabbinat Briefe und Telegramme aus Jerusalem, welche besagen, daß der Gouverneur von Jerusalem, Azmi Bey, entsprechend den vom Großvezier und dem Minister des Innern erhaltenen Instruktionen es kategorisch abgelehnt habe, an Juden Eigentum obenerwähnten Charakters zu verkaufen und weigerte sich sogar, den Auftrag zu erteilen, daß einigen Juden, die vor Einlangen' dieses Ministerialbeschlusses Immobilien gekauft hatten, die Eigentumsurkunden ausgefolgt werden." Soweit der sensationelle Berscht, dessen Authentizität, wie gesagt, erst erwiesen werden mutz. Inzwischen wurde diese Mitteilung allerdings dahin ergänzt, daß das Verbot sich nicht nur auf Juden, sondern auf alle Nichttürken beziehe und daß der englische Konsul gegen diesen Beschluß bei der türkischen Regierung bereits Protest erhoben habe. Und zu alledem scheint es innerhalb der jüdischen Gemeinde in Konstantinopel in sehr bedenklichem Matze zu gähren, scheint die Iudenschaft der ottomanischen Reichshauptstadt gerade jetzt, wo eine Einigkeit am meisten nottäte, von einer Zerklüftung bedroht zu sein, die auch dem politischen Ansehen der Juden leicht den Todesstotz versetzen kann. Unter dem Titel „Unzeitgemäße Reise" knüpft die Konstantinopler „Aurore" an die Jerusalemer Reise des Chacham Baschi Haim Rahum die folgenden beunruhigenden Bemerkungen: „Wir können es nicht gut annehmen, daß der Grand Rabbin in seiner hohen Stellung von der großen Spannung der Geister und den schweren Kämpfen, die bevorstehen, keine Kenntnis gehabt habe: ebenso wie wir nicht zugeben wollen, daß er in dieser ungeklärten und verworrenen. Sitpatiory in der wir uns befinden, aus freiwilligen Stücken die Verantwortlichkeit einer gefährlichen Nachlässigkeit oder einer unglaublichen Interesselosigkeit auf sich geladen habe. Niemand wird es leugnen können, daß .der Platz des Grand Rabbin jetzt in Konstantinopel ist : niemand wird es leugnen, daß die Konstantinopler Gemeinde jetzt eine Krise durchmache, die ihr fatal werden könnte und daß unter solchen Verhältnissen die Abreise des Grand Rabbin in höchstem Matze unzeitgemäß war." Das Blatt spricht schließlich die Befürchtung aus, daß die Regierung diese Uneinigkeit, die zu einer Stagnation Uhren müsse, bemerken könnte und daß daraus Ur die Gemeinde katastrophale Konsequenzen gezogen werden könnten. - Der Begründer der Hydrotherapie in den Vereinigten Staaten. Im porigen Monat starb in Philadelphia der Begründer der Hydrotherapie in Amerika, Doktor Michael Brinkmann, im Alter von 83 Jahren. Dr. Brinkmann wurde in Cassel in Deutschland geboren, absolvierte seine Universitätsstudien in Marburg und diente während der Revolution als Militärarzt beim Badener Regiment, worauf ..er zum Hofarzt ernannt wurde. Im Jahre 1855 wgnderte.er nach Amerika aus, woselbst er der Schöpfer derersten^ amerikanischen Badeheilanstalten in Willow Grove und anderen. Orten wurde. Ein jüdischer Militärmstruktor in Indien. Eine recht ergreifende Szene, die sich Ungst in Karachi (Indien) abgespielt hat, schildert ein englisches Blatt. Es ist die Abschiedsfeier zu Ehren des Militärinstruktors vom 122, Infanterie-Regiment in Bombay, Leutnant Abraham, Samson Shapurker, : der; den Dienst quittiert, weil er den Sabbath heiligen mpchte Md dies beim Militär nicht kann. Selbst so lange er im Dienste war, hat dieser wackere Mann sich um die Hebung der jüdi- Wochenschrist. Seite 4192 schen Gemeinde an seinem Dienstorte große Verdienste erworben und hielt an dienstfreien Sabbathen in der Synagoge Vorträge über „die Pflichten des Menschen und die Mische Religion". Ebenso widmete er seine ganze dienstfreie Zeit der körperlichen Entwicklung der jüdischen Jugend, die ihm bei seinem Scheiden aus Karachi ein Ehrengeschenk überreichte. Mr. Shapurker wurde jetzt mit viel geringerem Gehalt, als er beim Militär bezog, zum Sekretär der Schaure Rachamim-Synagoge in Bombay gewählt. _ Ein jüdischer Hugmotte. Ein Londoner Blatt schreibt: Der Name des ersten von König Georg ernannten Peers bringt die Tatsache in Erinnerung, daß wir in Mr. John A. I. de Villiers, Bibliothekar am British Museum, das einzige Mitglied der großen Kap-Familie der französischen Hugenotten in Europa besitzen, zu welcher auch der neue Erwählte, Präsident des Obersten Gerichtshofes der Vereinigten südafrikanischen Staaten, Sir John de Villiers, gehört. Geboren und auferzogen im Mischen Glauben, hat de Villiers, obgleich stolz auf seine Hugenottenabstammung, stets an allen Bestrebungen des Judentums großen Anteil genommen. Gleich seiner Schwester Mrs. Oskar Selinger war er ein eifriges Mitglied und Förderer verschiedener jüdischer Anstalten. In jüngerer Zeit ist Mr. de Villiers hauptsächlich auf literarischem Gebiete mit großem Erfolge tätig. _ Skizze« und Studien zur Geschichte der Jude« i« Pate«. Von Dr. Majer Balaban (Lemberg). n. Die Portugiesen in Lemberg undZamosä. Dr. Max Grunwald hat in seinem Werke: „Portugiefengräber auf deutscher Erde" ein interessantes Kapitel aus der Geschichte der Altonaer Gemeinde geliefert. Die Grabsteine und Friedhoftafeln geben uns ein Bild gut entwickelter Kunst bei den Juden Portugals, von der wir bis dahin so viel wie gar nichts wußten. In Westeuropa entstanden zwei portugiesische Gemeinde»: in Amsterdam und Altona, in Polen ward auch der Grundstein für zwei Gemeinden gelegt: in Lemberg und in Z a m o s 6; beide verliefen sich aber in den Sand und nur wenige Grabinschriften auf den Friedhöfen beider Städte schließen mit dem Passus: „tibd rv6aa r6n tok*« Der Aufenthalt dieser Juden in Polen bildet eine Episode, die nicht länger als ein halbes Jahrhundert dauerte; ihre Ein- Wanderung geht auf einen Mann zurück, der kein anderer ist, als Don Joseph Nasi, Herzog von Naxos. Die politischen Beziehungen Polens mit der Türkei waren im XVI. Jahrhundert die besten und es lag der polnischen Regierung stark am Herzen, dieselben nicht zu trüben. Die Sultane waren Herren von Europa, die Truppen eines Soliman oder Selim drangen weit nach dem Westen und so war der Minister Don Joseph Nasi die gesuchteste Persönlichkeit in politischen Kreisen. Bon ihm war die Einführung fremder Gesandten bei der Hohen Pforte abhängig und dadurch läßt sich der Stil der Briefe, die von den polnischen Königen an ihn gerichtet waren, erklären. Sigismund August dankt ihm in einem Schreiben aus dem Jahre 1570 Ur die dem polnischen Gesandten Taranowski erwiesene Zuvorkommenheit und tituliert ihn: „E x c e 11 e n s D o m i n e A. m i e e NosterDilecte“ — „Erhabener Herr und Unser lieber Freund." —*) Grätz meint8) Don Joseph habe seinen Einfluß in Polen nur zugunsten seiner dortigen Glaubensbrüder ans- 0 Grätz: Geschichte. Bd. IX, S. 556. a) Grätz Geschichte. Bd. IX, S. 386.

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