Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 25 (24.6.1910)
- Date
- 1910-06-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seüe 420 Dr. Blvchs Wochenschrift. Nr. 2h genutzt und bezieht die Worte, die im oberwähnten Schreiben angeführt sind: „respeetuprivilexiorum suo tempore confirmaiidorum“ (mit Rücksicht auf die Privilegien, die seinerzeit bestätigt werden sollten) auf die Privilegien der polnischen Judenschaft. Im Jahre 1897 bewies Dr. Moses Schorr, daß dieser Passus auf private Handelsprivilegien, die dem großen Minister von den polnischen Königen erteilt wurden, sich bezieht und wenigstens in dem Falle mit dem Wohl uud Wehe der ganzen Judenschaft nichts zu tun hat.3) Au der Hand archivalischer Dokumente wollen wir hier die Dinge beleuchten und ein kleines Bildchen der Handelstätigkeit der Portugiesen in Polen entwerfen. Am 22. Jänner 1567 verleiht König Sigismund August auf Fürsprache „des erhabensten und gewaltigsten Sultan Selim, Kaisers der Türken" „dem Hofmann Seiner Majestät" Don Joseph Nasi, „der Uns (dem König) und Unserem Gesandten immer geholfen und bei jeder Gelegenheit behilflich ist", die Erlaubnis, in Polen ein Weiulager zu gründen und zu dem Behufe zwei Agenten nach Lemberg zu schicken. Die beiden Herren Chaim Kohen und Abraham de Mosso Kohen erhielten das Recht, überall und speziell in Lemberg zu wohnen, dort zu handeln und Waren über die Grenze zollfrei zu führen; auch wurden sie von der Gerichtsbarkeit der Stadt und des Wojewoden befreit und sollten nur dem Könige oder dessen Kommissären Rede stehen. ^) Die Faktoren kamen nach Lemberg im Mai d. I. und legten dem Stadtrat das Privileg vor; dieser prüfte seine Echtheit und ließ es in die Stadtakta einverleiben. Damit war aber die Sache noch nicht abgetan. Die Lemberger Kaufmannschaft wollte die neue Kvukurreaz nicht dulden und zwang den Stadtrat, eine Vorstellung an den Reichstag zu machen. Der Reichstag fand die Beschwerde begründet und leistete ihr auch durch die Aufhebung des königlichen Privilegs Folge. Doch dlieb der König seinem Worte treu und verweigerte dem ihm vom Kanzler Dembinski vorgelegten Beschluß seine Sanktion. Auch richtete der König ein Mahnschreiben aü den Stadtrat, in welchem er denselben unter Androhung einer Strafe von 2000 fl. vor der Mißachtung des Privilegs warnt, und um seinen Worten einen Nachdruck zu verleihen, schließt er sein Schreiben mit folgender Begründung3): „ . . . cumque ea res ad tuendam Majestatem nominis Nostri apud exteros atque etiam amicitiam nostram cum Serenissimo Turcarum Imperatore fo vendam pertineat. . ... mandamus usw. „Da obige Angelegenheit zur Hebung Unseres königlichen Namens im Auslande, wie auch zur Pflege der Freundschaft mit dem erhabensten Kaiser der Türken beiträgt ... befehlen wir Euch strenge usw...." Die Kaufleute konnten nichts tun und suchten auf Umwegen die Portugiesen zu treffen. Die Zöllner und Mautpächter ließen ihre Ware nicht durch, oder nahmen immens hohe Zölle ein. Diese kleinen Reibungen konnten die politischen Beziehungen Polens mit der Türkei trüben und daher befahl -er König dem reussischen Zöllner K o r u i a k t u s, die Ware der „Fränken" frei passieren zu lassen.fl) Die Kassabücher der beiden Agenten zeigen, daß ihre Konkurrenz wirklich zu befürchten war. In den Jahren 1567 bis 1569 verkauften sie in Lemberg 377 Faß Malvasierwein, 212 Faß Muskateller und um 5000 fl. andere Ware, vom 25. Mai 1569 bis 25. Mai 1570 verkauften sie 374 Faß Malvasierweiu und 70 Faß Muskateller. Diese enormen Zahlen erklären uns die Wut der christlichen und jüdischen *) Scharr: Zur Geschichte des Don Joseph Rast (Monatschrist Gesch. und Wiff. des Judentums, Bd. 41, S. 170—177 u. 228-237. 4) Balabau: Zydzi lwowscy. Allegat. Nr. 9. s) Schorr I. c. Beilage II. ®) ibidem: Beilage VIII. Weinhändler. Die polnischen Juden haßten vom Anfang an ihre südlichen Glaubensgenossen; der große Unterschied in Kultur, Sprache und Ritus grub eine unüberbrückbare Kluft zwischen der alten Lemberger Judengemeinde und den neuen Ankömmlingen. Auch hatten die Portugiesen einen einflußreichen Protektor gewonnen, den Reichskanzler J a n Z a m o j s k i. Dieser geniale Mann lernte bald den Wert der neuen Einwanderer kennen und schätzen, gewährte ihnen seinen Schutz und gründete eine portugiesische Kolonie in seiner Stadt Z a m o 8 6. Inzwischen starb Abraham Mosso und das Geschäft übernahm sein älterer Sohn Mosche de Mosso Kohen. Er wohnte in Konstantinopel und übergab die Leitung seinem jüngeren Bruder Mordochaj de Mosso K o h e n. 7 8) Mordochaj mietete in Lemberg drei Keller: 1. Bei Konstantiuus Korniaktus, 2. „zum Fabian", 3. bei Johann dem Goldschmied, und begann das Geschäft aus großem Fuß zu führen.3) Anbei machte er hinter dem Rücken seines Bruders Weingeschäfte auf eigene Hand in Kompagnie mit Jakob S y d i s und D a w i b Passy aus Konstantinopel. Die Konkurrenz saß nicht still, sie setzte alle Hebel in Bewegung, um den aüfblühenden Portugiesenhandel niederzudrücken und erreichte ihren Zweck. Mordochaj geriet in Schulden und verpfändete die Ware seines Bruders beim griechischen Händler Leo Warschani aus Kandia. Am 13. April 1587 gibt der Stadtrat der Firma Mosso den Auftrag, die Schuld von 250 ungarischen Dukaten dem Warschani zu decken.9 * *) In der Zeit weilte Mose de Mosso in Zamosd wo er eine neue Kolonie anlegte. Der Reichskanzler Zamojski sorgte für das Gedeihen der neuen Kolonie nnd Mose schrieb voll Dank an seine Freunde in der Türkei: „Ich sage Euch, daß große Herren und Könige sorgen, überall uud besonders hier in Polen, dafür, daß ihren Untertanen keine Ungerechtigkeit zukomme, es sei ein Jude, -Zigeuner oder Tatar." „Der Herr Kanzler will seine neugegründete Stadt (Zamosc), die viel mehr Vorzüge hat als Lemberg, weil sie in der Mitte des Reiches, in einer schönen Lage, vier Meilen vom Hafen entfernt, **) der nach Warschau und Danzig führt, erbaut ist, kolonisieren; hier gibt es genug freie Plätze zur Errichtung von Häusern, ebenso Felder genug, die in Lemberg sehr teuer sind. Auch wünscht es der Kanzler, daß sich daselb.fi fränkische Juden ansiedeln, dagegen will er nicht die Einheimischen haben. Die dortigen Bürger sind im Besitze vieler Privilegien und der Herr ist ein so guter Mensch, daß sich die Steine an ihn herandrängen, geschweige denn die Menschen. Mir aber erwies er sich gnädig und bestimmte mir einen Platz, damit ich mir ein Haus errichte, das mich 400 fl. kosten würde und von großer Schönheit wäre; wenn ich den Malvasierwein gut verkaufe, will ich mir sicher eines errichten. . . . Wenn nun manche sich dort finden, die sich in Zamosd ansiedeln wollten, so werden sie genug Platz finden und große Freiheiten genießen, nicht nur die U n s e r i g e n12), sondern jeder türkische Mann."13) Trotz der Unterstützung des Kanzlers sollte Mosche große Enttäuschungen in Lemberg erleben; er kam hieher, um die Geschäfte zu ordnen und seine Ware zu retten. Da erfuhr er, daß die Agentur geschlossen sei und Mordochaj im Schuldnerturm sitze; er habe dem Antonio Katakallo einige tausend Gulden nicht bezahlen können^). Mosche will die ganze Schuld nicht decken, da sein Bruder seine eigenen 7) 2 0 % t n 8 f i: Patrycyat i mieszczaristwo lowskie S. 52-4 und nach ihm Scharr verwechselten beide Brüder. Das Richtige ist in A. C. L. 350, pag. 243 bis 260. 8) A. C. L. Bd. 345, pag. 954 bis 256. B) A. C. L. 345, pag. 913 bis 914. ") A. C. L. 350, pag. 243 bis 260. ") Hasen an der Weichsel. 12) Juden. is) Sckorr 1. c. 177. ") A. E. L. 345 pg. 789.