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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-06-17 · 24 (17.6.1910) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
24 (17.6.1910)
Date
1910-06-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 406 Nr. 23 Dr. Blochs Wochenschrift. sich taufen ließ. Die Frau des getauften Winter ist auch eine getaufte Jüdin. Deßwegen werden antisemitische Blätter aufgelegt und deu Lesern zugeführt. Juteruatiouale Hygiene-Ausstellung, Dresden 1911. Die Leitung der Gruppe „Hygiene bei den Juden" versendet <ra die Gemeiudevorstäude und andere berufene Stellen deu folgenden Fragebogen und erbittet von allen zuständigen Seiten in dieser Umfrage freundliche Unterstützung. Internationale Hygiene-Ausstellung Dresden 1911. Gruppe: „Hygiene der Inden". Wien, im Juni 1910. Hochgeehrter Herr! Für ein wissenschaftliches Referat erlaube ich mir, Sie um gütige Beantwortung der folgenden Fragen und wenn möglich, um Einsendung von Belegen (auch Photographien) zu bitten: 1. Welche jüdischen Wohlfahrtsvereine oder -verbände haben in Ihrem Gemeindebezirke ihren Sitz? 2. An welchen sind ganz oder teilweise Frauen beteiligt? 3. Was wissen Sie über die Geschichte dieser Vereine, vor allem der Chewra-Kadischa, und ihren Wirkungskreis zu berichten? 4. In welchem Maße beteiligen sich ungefähr Ihre Gemeindemitglieder an den allgemeinen Wohlfahrtsbestrebuugen Ihrer Stadt? 5. Welches ist Ihr Gemeiudeetat für Wohlfahrtspflege? 6. Welches sind die Wohlfahrtsinstitute (Alten-, Kranken-, Waisenhäuser u. dergl.), die vollständig oder zu erheblichem Teile von Ihrer Gemeinde oder in ihr wirkenden Vereinen oder Verbänden oder einzelnen Personen gegründet worden sind oder erhalten werden? Mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst Dr. Max Grunwald, Wien, XV., Mariahilferstraße 167. Die „Berjuduug" des spanischen Königshauses. Die bauernbündlerisch-antisemitische „Neue Boyr. Land.-Ztg." (1. 6.) hat eine furchtbare Entdeckung gemacht: ein Jude ist — schrecklich zu sagen — der Ahnherr der jetzigen spanischen Dynastie. Und das ist folgendermaßen gekommen: Die Königin Ena, bekanntlich eine Battenbcrgeriu, stammt angeblich von einem simplen sächsischen Gutssekretär Haugk, der m deu 7Oer Jahren des 18. Jahrhunderts auf dem Gute Seifersdorf als Verwalter fungierte. Ueber die Karriere der Nachkommen dieses braven sächsischen Verwalters hat man dann folgendes ausbaldowert: „Der Verwalter lohn trat in die polnische Armee ein, zeichnete sich aus, und die Zaren beförderten ihn rasch. 1800 heiratete er die Tochter eines wohlhabenden Petersburger Zuckerbäckers, ein Fräulein Lafontaine. 1825 wurde er als Generalleutnant und kgl. polnischer Kriegsminister in den polnischen Adel ausgenommen, 1829 zum Grafen erhoben. 1630 fiel er durch meuternde Truppen in Warschau. Seine Tochter Julie, 1825 geboren, wurde im kaiserlichen Katharinenstift erzogen und Hofdame der russischen Kaiserin Maria. Als solche heiratete sie 1851 in morganatischer Ehe den Bruder der Kaiserin, Prinzen Alexander von Hessen, und erhielt den hessischen Fürstentitel von Battenberg. Ihre Nachkommen sind die Prinzen und Prinzessinnen mit dem Titel Durchlaucht, und eine dieser Prinzessinnen, eine Enkelin von ihr, eine Urenkelin des Verwalterssohnes, ist die jetzige Königin Viktoria von Spanien." Das alles wäre noch zu ertragen gewesen; nun aber kommt ein königlicher preußischer Offizier a. D. und teilt dem bayerischen bauernbündlerischen Blatt schreckensbleich mit: ..In der Mitteilung ist aus Unwissenheit oder Absicht der interessanteste Punkt verschwiegen, nämlich der, daß der alte angebliche Gutsverwalter Haugk nichts anderes war als ein Hofjude, wie ihn fast jeder Rittergutsbesitzer in Sachsen und Polen, die ja auch längere Zeit unter einem gemeinsamen Könige standen, hatte. Wann und wo der Stammvater Haugk sich etwa taufen ließ, das konnte , ich, obschon ich in der Gegend, wo er hauste, genau bekannt bin und alle Quellen der Forschung mir zur Verfügung standen, nicht auskundschaften. Es ging auch so. Mit der Uebersiedlung des Sohnes Haugk nach.Polen ward die Erinnerung an seine jüdische Herkunft verwischt, doch hörte ich in adeligen Häusern Sachsens und Schlesiens noch vor 30 Jahren davon erzählen. In Spanien wird natürlich, ebenso wie in England ihre Abstammung von einem Juden streng verschwiegen, zumal die Aristokratie beider Länder außerordentlich viel auf ..ebenbürtige Heirat". In Spanien noch viel mehr als in England Geradezu unerhört wäre in Spanien die eheliche Verbindung eines Granden mit einer Jüdin oder einer jüdischen Bastardin. König Alfons hat dieses strenge Rassengesetz durchbrochen." Und so etwas muß dem „allerchristlichsten" König von Spanien passieren, dessen Vorfahren so erfolgreich alle Ketzerei mit Stumpf und Stil ausgerottet haben. Am Ende wird gar noch diesem Judensprößling, wie ihren Vorgängerinnen auf dem Thron, die päpstliche Tugendrose verliehen? Wehe, dreimal wehe! Nationaljudentum ohne Religion. Aus Konstantinopel wird berichtet, daß ein gewisser Paul Levertoff, der vor kurzer Zeit in Rußland eine „Geschäftsreise" unternommen hat, jetzt in der türkischen Hauptstadt auftritt und den Juden den Abfall predigt. Dieser Herr Levertoff, der sich übrigens in Konstantinopel einer großen Zuhörerschaft erfreut, gibt eine neue Parole aus. Er gebärdet sich als nationaler Jude, tritt begeistert für den jüdischen Nationalismus ein, will eine Organisation zur Förderung der hebräischen Sprache gründen. Aber die Juden sollen dabei ihre Religion aufgeben und ein christliches Volk jüdischer Nationalität werden. Diesen Gedanken hat derselbe Herr bereits in manchen hebräischen Schriften ausgesprochen, und es muß leider festgestellt werden, daß er damit in manchen Kreisen auch Anklang gefunden hat. Dazu bemerkt Dr. Bernfeld in dem „Israelitischen Gemeindeblatt": . „Herr Levertoff predigt nationales Judentum und Förderung der hebräischen Sprache gegen Preisgabe der jüdischen Religion. Es ist geradezu Unsinn, zu glauben, daß die jüdische Nation ohne die jüdische Religion für längere Zeit existieren könnte. Die Juden bilden keine kulturelle Einheit, sie sind sprachlich und kulturell äußerst zerklüftet. Nur die Religion hält sie zusammen, und ohne diese verschwindet das jüdische Volk schnell genug vom geschichtlichen Boden. Das soll mir jemand beweisen, daß zwischen den englischen und rumänischen Juden irgend eine andere Gemeinschaft vorhanden sei als die religiöse. Selbst das nationale Gefühl, soweit es bewußt oder unbewußt unter den westeuropäischen Juden vorhanden ist, wurzelt lediglich im religiösen Instinkt. Es ist nicht wahr, daß die Juden in Palästina auf breitester nationaler Grundlage die jüdische Religion guf die Dauer entbehren könnten. Alles, was in Palästina zugunsten der Juden geschieht, ist nur dem religiösen Gemeinsinn zu verdanken. Selbst das Interesse für das Heilige Land ist mehr religiöser als nationaler Natur bei uns wie bei den Christen. Korrespondenzen Zum Kaiserbesuch in Sarajewo. Sarajewo, 12. Juni 1910. Verehrliche Redaktion! Als Ergänzung der schon gebrachten Mitteilungen über die Kaiserreise nach Sarajewo würde ich Sie Höflichst ersuchen, nachstehendes in 'Ihrem sehr geschätzten Blatte erscheinen lassen gu wollen : In Begleitung der Minister Aehrenthal, Burian, Schönaich, Bienerth, Khuen-Hederyary und Allerhöchst Seiner Suite erschien Seine Maje-

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