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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-06-17 · 24 (17.6.1910) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
24 (17.6.1910)
Date
1910-06-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 24 Sette 405 Dr. Blochs Wochenschrift. mögenden Juden ein Schutzgeld, wofür hie und da durch eine Militär- oder Polizeiwache der Einbruch des raublustigen Mobs verhütet wird. Dieser Schutz, sowie der Aufschub der verfügten Ausweisungen können allerdings gegen Barzahlung erlangt werden, sind aber teuer und wiederholen sich sehr bald, so daß die Hand, die sich im Geben geübt, rasch verdorrt und zum Nehmen einschrumpft. Diesem sich so oft und unvermutet wiederholenden Jammer unserer russischen Brüder gegenüber tun wir nur in ungenügender Weise unsere Pflicht; wir, die wir in glücklicheren und gesich rten Verhältnissen leben. Wohl treten wir zu Hilfsaktionen zusammen, tragen unsere Spende herbei; studieren Geographie und Statistik fremder, entlegener Länder, wir lassen durch unsere Geologen, Landwirte und Finanzmänner Forschungsreisen nach Asien und Afrika machen, um ullbekannte Terrains zu rekognosziere» — viel Zeit und viel Geld sind bereits verausgabt, aber noch nicht Ein Asyl ist entstanden, groß genug, um auch nur einen Teil des jüdischen, aus Rußland importierten Elends aufzunehmen. Der früher blendende Traum eines selbständigen Judenstaates hat sich verflüchtigt, die rauhe Wirklichkeit rüttelte uns zu realer Arbeit und bescheidenerem Wirken auf; wir stehen jetzt bloß vor der Aufgabe, einige tausend Ausgestoßene in irgend einem sicheren Winkel der Erde zu plazieren und ihnen Spaten und Haue in die Hand zu drücken. Können wir es? Wohin sollen jetzt die neuesten Scharen der Flüchtlinge und jene, die ihnen morgen oder demnächst unzweifelhaft aus Odessa, Charkow, Elisabetgrad, Kischinew oder Berdyczew folgen dürften, gebracht werden? Ohne Heimat und ohne Mittel, auf einem morschen Wrack, dem Kompaß und Steuer fehlen, wo sollen sie landen, um unangefochten ein neues Leben zu beginnen, ein Leben der Arbeit, der Menschenrechte und Menschenwürde? Es ist allerdings nicht gleichgiltig, in welchem Lande und unter welchem Himmelsstriche die Zufluchtsstätten für die Verstoßenen errichtet werden. Die Preise und die Ergiebigkeit des Bodens, die Regierungsversassung d^s Landes, die Charaktereigenschaften der benachbarten Volksstämme, die Verkehrs-, Handels- und Jndustrieverhältnisse müssen studiert und erwogen werden; aber schließlich muß doch irgendwann und irgendwo was geschehen, um eine Strecke Erde abzustecken, auf welcher totgehetzte Menschen von den überstandenen schweren Leiden aufatmen können! Es war früher eine höchst günstige Zeit, in Mesopotamien Erwerbungen zu machen, im fruchtbaren Delta zwischen Euphrat und Tigris, wo es Raum genug für Millionen Menschen gibt und wo man, nach Herstellung der verfallenen alten Wasserleitungen, bloß den Boden ein wenig aufkratzen muß, um brillante Ernten zu erhalten. Ich habe in diesen Blättern unzählige Male auf dieses paradiesische Land hingewiesen, wo die Natur noch ihre Urkraft bewahrte und verschwenderisch die Arbeit lohnt, ungleich reicher und müheloser als die steinigen, engbegrenzten Strecken in Palästina. Aber meine Stimme verhallte im Streite der Parteien und nun sind Engländer und Deutsche daran, sich zu Herren des Bodens zu machen, Kanäle anzulegen. Schienenstraßen zu bauen und mit Dampfern die beiden alten biblischen Flüsse zu befahren! Jetzt ist es fast zu spät, das Land zu gewinnen, in dem der Erzvater Abraham wandelte und unsere Vorfahren so lange in einem glücklichen Exile wohnten. Die Wahl wird immer schwieriger, die Aussichten werden immer enger — wohin? Wohin steuern die Männer, die oben im Mastkorb Auslug halten? Das Schiff muß doch endlich einmal in den Hafen, um die armen Passagiere zu landen, denen man daheim die Luft und die Nahrung entzog und denen nun die Welt zu enge ist! Es ist hohe, es ist die höchste Zeit, die jahrelangen Debatten zu schließen und sie in Taten umzusetzen, damit man den neuen Opfern der russischen Barbarei eine menschenwürdige Unterkunft verschaffe, auf die sie vermöge ihres unsäglichen Elends, ihres Unglückes, Untertanen herzloser Tyrannen zu sein, gerechten Anspruch haben! T e p l i tz. Leo H e r z b e r g-F r ä n k e l. Vom Aabrmarkt des Lebens. Verzeichnis getaufter jüdischer Kurärzte. In Karlsbad: Die Herren Dr. Gustav A r a n y i,. Dr. Adolf C h a r m a tz, Dr. Franz F o k s ch a n e r, Dr. Edgar Ganz, Dr. Emil Goldscheider, Dr. Hugo G u t h, Dr. Stefan K e l e n, Dr. Rudolf K o l i s ch, Dr. Alexander Komaromy, Dr. Friedrich Kraus, Dr. Arnold L o r a n d, Dr. Heinrich Munk, Dr. Gustav Töpfer, Dr. Ignaz W e r m e r, Dr. Leo ZuPnik.. HerrDr. Eugen F r a n k ist konfesfionslos und hat seine Kinder taufen lassen. Herr Dr. Defiderius Sipos ist konfesfionslos. In Marienbad: Dr. Emil Loewy, Dr. Leo Martens, Zahnarzt, Dr. Julius S ch u e tz. In Ebensee: Dr. Nobel. In Bad Ischl: Kais. Rat Dr. H e r z k a. In Meran: Dr. Binder, Besitzer des Sanatoriums Stefanie, Meran-Obermais, Dr. Träger, Zahnarzt. In Franzensbad: Dr. Josef S t e i n b a ch, Dr. Gustav Egger, Dr. Bruno Fellner, Sohn des in Franzensbad praktizierenden kais. Rates Dr. L. Fellner. In Bad Nanheiyt: Die Söhne des Herrn Professors Dr. Isidor G r ö d e l: Dr. med. Theo G r ö d e l, Dr. med. Franz G r ö d e l, Prof. Dr. Schott. In Kolberg: Medizinalrat Dr. B e h r e n d. Dr. Margulies, Dr. Fabian. Antisemitische Neigungen gelauster Juden. Alls P ö st y e n wird uns geschrieben : Im vorigen Jahre waren ungefähr 13.000 Kurgäste in Pöstyen, darunter befanden sich sehr viele Juden. Die Kurdirektion unterhält einen Lesesaal, in welchem nebst mehreren belletristischen Zeitungen in deutscher und ungarischer Sprache eine Anzahl von Tageszeitungen aufliegen. Es muß hervorgehoben werden, daß die Kurdirektion ihre Unparteilichkeit dadurch manifestiert, daß sie zwei Wiener antisemitische Zeitungen — das „Deutsche Volksblatt" und die „Reichswehr" — aber absolut keine jüdische Zeitung anfliegen läßt. Wahrscheinlich hat das Geld, welches die antisemitischen Kurgäste bezahlen, einen höheren Wert, als dasjenige, welches die Kurdirektion den zahlreichen jüdischen und sonstigen nicht antisemitischen Kurgästen abnimmt. Zur Erklärung dieser Tatsachen dient, daß die Pächter des Bades zwei Brüder Namens Winter find, von denen einer

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