Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 13 (1.4.1910)
- Date
- 1910-04-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 334 Dr. Blochs Wochenschrift. irr. 13 Wendigkeit einer gründlichen Profanbildung der Rabbiner eintrat. Horovitz besuchte das Preßburger Gymnasium, wo er das Reifezeugnis erwarb, bezog die Universitäten Wien, Budapest und Beäin, promovierte mit einer Arbeit über Rabbi Jochanan bar Napcha in Tübingen und veröffentlichte eine Studie über den Ursprung der ungarischen Juden in ungarischer Sprache. In der Tochter des Altonaer Oberrabbiners Ettlinger, eines der hervorragendsten Talmudkenner der Zeit, fand er eine treue und hingebungsvolle Lebensgefährtin, die ihm auch in seiner philanthropischen Tätigkeit verständnisvoll zur Sette stand. Er bekleidete zuerst die Rabbinate in Lauenburg i. P. und Gnesen. Als 1876 das sogenannte Anstrittsgesetz den preußischen Juden die Befugnis gab, aus Gewissensbedenken aus ihrer Gemeinde auszuscheiden, machten viele konservative Mitglieder der Frankfurter Gemeinde von diesem Recht Gebrauch und schloß sich lediglich der von Rabbiner Hirsch geleiteten Religionsgesellschaft an; diejenigen, die in der Hauptgemeinde zu verbleiben wünschten, erwählten Horovitz zu ihrem Führer, da dieser sich stets für ein friedliches Nebeneinanderleben der verschiedenen Richtungen innerhalb der Gemeinden ausgesprochen hatte. Horovitz nahm an, nachdem die Gemeindeverwaltung erklärt hatte, auch für die Bedürfniste der Konservativen ausreichend sorgen und die rituellen Einrichtungen ausschließlich seiner Leitung unterstellen zu wollen. Unberührt von Angriffen, denen er stets vornehmste Ruhe entgegensetzte, ging er an die Schöpfung und den Ausbau religiöser und philanthropischer Anstalten. Er begründete drei Synagogen, zwei Religionsschulen, den Verein zur Pflege jüdischen Wiffens uud den Montefiore-Verein zur Förderung der idealen Juteresteu jüdischer junger Leute, den Talmud-Thora-Verein und den Verein für jüdische Geschichte und Literatur, Vorberettungskurse für den rabbinischen Beruf und eine Bildungsaustalt für osteuropäische Lehrer. Gleichzeitig versuchte er durch die Begründung des Jsraelttischen Hilfsvereins eine geordnete Wohlfahrtspflege an Stelle des Wanderbettels zu setzen. Auch au juterkonfesfionellen Bestrebungen nahm er regen Anteil; sein Eingreifen in die Verhandlungen des Frankfurter Kongrestes der Sittlichkeitsvereine erregte allgemeine Aufmerksamkeit. Während seiner letzten Lebensjahre zählte er zu den anerkannten Führern des deutschen Judentums und zu den unentbehrlichen Beratern der großen jüdischen Organisationen; er gehörte zu den Begründern und Leitern des Rabbinerverbandes in Deutschland, des Verbandes gesetzestreuer Rabbiner, des Vereines Lemaan Zion, des Vereines zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina und namentlich des Hilfsvereines der deutschen Juden. Neben der Sorge für die Vereine und eine ständig wachsende Gemeinde fand der Vielbeschäftigte Muße zu zahlreichen jüdisch-rechtlichen Gutachten und literarischen Arbeiten. Seine „Frankfurter Rabbinen" sind von Bedeutung für die Geschichte des jüdischen Religionsgesetzcs, seine „Grabsteine des Frankfurter Friedhofs" für diejenige der mittelalterlichen Grabsteintechnik. Von seinen stets geistreichen und gehaltvollen Predigten erschienen mehrere im Druck. Dr. Markus Horovitz, ein Mann von vollendeter Uneigennützigkeit und bestrickender Liebenswürdigkeit, wußte mit treuer Hingabe an die religiöse Tradition die weitestgehende Duldung gegen Andersgläubige und Andersdenkende zu vereinigen, eine heute fast beispiellose Beherrschung der talmudischen Literatur mit modern wissenschaftlicher Schulung, reife Menschenkenntnis mit dem Schwung eines unüberwindlichen Optimismus zu verbinden. Berlin. Der „Vossischen Zeitung" wird berichtet: Vor einiger Zeit wurde ein hervorragender jüdischer Arzt aus Berlin, der zu einem Kranken nach Moskau berufen wurde, von der dortigen Polizei ausgewiesen. Auf seine Beschwerde hin wandte sich die deutsche Regierung an das russische Ministerium des Aeußern mit dem Ersuchen. jüdischen Aerzten zu gestalten, sich vorübergehend in Rußland aufhalten zu dürfen. Wie die Blätter jetzt melden, ist dieses Ersuchen abgelehnt worden. Die erste Jahrzeit nach Baron Horaz de Ginsburg. Die Tagung der Rabbinerkommission in Petersburg gestaltete die erste Jahrzeitfeier nach dem im Vorjahre verstorbenen Baron Horaz de Ginsburg zu einer imposanten Trauerkundgebung. Die zwei bedeutendsten Redner Rußlands, der Moskauer Rabbiner Maze und der Elisabethgrader Rabbiner Temkin, hielten die Trauerreden. Im Namen der Petersburger Gemeinde sprach Advokat Sliosberg. An der Trauerfeier, die in der großen Synagoge stattfand, nahmen sämtliche Mitglieder der Rabbinerkommission teil. Die wichtigsten Beschlüsse der russischen Rabbinerkommission. Wie aus Petersburg gemeldet' wird, hat die jetzt tagende Rabbinerkommission bisher die folgenden prinzipiellen Beschlüsse gefaßt: 1. Die wirklichen (geistigen) Rabbiner sollen in Zukunft unter der Bedingung legalisiert werden, daß jeder Rabbiner eine .Prüfung in jüdischer Wissenschaft bestehe. Die Prüfung soll von einer aus berühmten Rabbinern bestehenden Prüfungskommission vorgenommen werden. 2. Der gegenwärtig in Rom bestehende Bildungszensus für Rabbiner soll auf ganz Rußland erstreckt werden. 3. Die Dajanim unterliegen keinem Bildungszenslis. 4. Die Rabbinerkommission spricht sich prinzipiell für die Schaffung jüdischer Kultusgemeinden aus. 5. Die Einrichtung der jetzt bestehenden sogenannten Kronrabbiner soll abgeschafft werden. Die ersten jüdischen Zöglinge der türkischen Offiziersschule. Aus Salo nicht wird uns geschrieben: Vorigen Samstag wurden die ersten zwei Juden als Zöglinge in die hiesige Offiziersschule ausgenommen. Es sind dies die hiesigen jüdischen Bürgerssöhne Joseph Abraham V e n r u b i und Jsaac Haim Handali. Die beiden neuen Zöglinge wurden von den Offizieren mit herzlichen Sympathiekundgebungen ausgenommen. Der Kommandant der Anstalt, Rifaat Pascha, hat nach Abschluß der Aufnahmsformalitäten an die ersten jüdischen Offizierszöglinge im türkischen Reiche die folgende kurze Ansprache gerichtet: „Meine lieben Kinder! Ihr seid die ersten Salonichier Juden, die in eine Militärschule eintreten. Ihr werdet die Blumen unseres Gartens sein. Arbeitet tapfer, zeichnet euch aus und ihr werdet einen Ehrenposten einnehmen in der oltomanischen Armee!" Jüdische Gemeinderäte in Alerandrien. Anfangs März fanden in Alerandrien, Egypten, die Neuwahlen in den dortigen Gemeinderat statt. Die Jesuiten entfalteten eine heftige Preßcampagne, damit Juden nicht in den Gemeinderat gewählt werden. Die Wahlagitation war eine so heftige, daß der Redakteur des „Mestagero Egiziano" in verschiedene Duellaffären verwickelt wurde. Trotz der klerikalen Gegenagitation wurden die zwei jüdischen Kandidaten Dr. Gustav Valensin, Chefarzt des jüdischen Hospitales, und Ingenieur Aldo Ambron mit großer Majorität gewählt. Dr. Valensin gehört schon seit einer Reihe von Jahren dem Alexandriner Gemeinderate an. Ingenieur Ambron ist der Schöpfer mehrerer großer technischer Werke in Egypten. Beachtenswert ist der Umstand, daß die beiden jüdischen Gemeinderäte ihre Wahl hauptsächlich den Stimmen der Griechen und Italiener zu danken haben. Präsident Taft und die russische Patzfrage. Präsident Taft beauftragte den amerikanischen Gesandten in Petersburg, beim Kaiser von Rußland um