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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1910-04-01 · 13 (1.4.1910) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
27 (1910)
Issue
13 (1.4.1910)
Date
1910-04-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 13 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 223 zeitiger Vorführung einer langen Reihe von überaus gelungenen Lichtbildern durch fast lx/a Stunden in eindruckvollster Weise sprach. Der Redner ging zunächst von den Werken fremder Kunst aus, deren charakteristische Momente er an einer bunten Reihenfolge im Wege des Skioptikons dargestellter Gemälde demonstrierte und dabei aufzeigte, daß die Werke der berühmtesten Meister, insoferne sie jüdische Stoffe behandeln, zwar an sich unsterbliche Werke sind und bleiben, aber keineswegs jüdisch gefühlt find und auch nicht sein können, und daß dieser Umstand selbst für Maler jüdischen Stammes zutrifft, sofern die spezifisch jüdische Note und Eigenart nicht bei ihnen zum Ausdrucke gelangt, daß vielmehr der Stoff immer nur so dargestellt erscheint, wie ihn der betreffende Meister gesehen und empfunden. Anders bei dem derzeit berühmtesten Künstler Hollands, dem Juden I 0 z e f I s r a e l s, der von Kindheit an in jüdischem Milieu ausgewachsen und jüdisches Fühlen schon im Elternhause eingesogen. In breiten Strichen schildert nun der Redner, der in mancher persönlichen Begegnung den jetzt greisen Meister kennen gelernt hat, dm Werdegang Jozef Israels und weist an dessen einzelnen, zu den Geleitworten vorgeführten Bildern in deutlicher Weise die unterschiedlichen Merkmale nach, die das Jüdische in Israels Kunst charakterisieren und die Tatsache zum klaren Ausdrucke bringen, daß eine eigenartige jüdische Kunst erwächst und daß es nur Sache der Juden ist, sich auch mit Stolz deffen bewußt zu werden. Insbesondere die Bilder: „Allein auf der Welt", „Der Thoraschreiber", „Der Sohn des alten Volkes" zeigen die von keinem anderen Maler in diesem Genre erreichte Ausdrucksart und auch die übrigen Schöpfungen des heute trotz seines Alters noch ungebrochen wirkenden und nicht nur in seiner Heimat gefeierten Künstlers lasten immer den Unterton herausklingen, wie das Auge des jüdischen Künstlers das Leben in seinen Einzelheiten erschaut und immer aus dem jüdischen Herzen empfunden dem genießenden Beobachter vorführt. -Die trefflichen, von erlesenem Kunstfinne nicht minder, wie von reifer Sachkenntnis zeugenden Ausführungen, ebenso aber auch die vorgeführten Lichtbilder von nicht gewöhnlicher Qualität weckten den lebhaftesten Beifall der bis zum Schluffe gespannten Zuhörerschaft und wurde die Veranstaltung allgemein als vorzügliches Mittel zur Propaganda für die Kunst Jozef Israels anerkannt und gewürdigt. Salzburg. Sehr geehrter Herr Redakteur! Lassen Sie mich Ihnen Bericht erstatten von den Heimgang und dem L-ichenbegangnisse eines der besten und edelsten unserer Religionsgemeinschaft. Moritz Feuchtwanger in München, der Nestor der gesetzestreuen Judenschaft in München und in Bayern überhaupt, der außergewöhnlich großzügige, weit über die Grenzen Bayerns bezw. Deutschlands wohlbekannte und verehrte Philanthrop ist nicht mehr. Im 81. Lebensjahre verschied er am Purim morgens und Sonntag den 27. b. M. hat das Leichenbegängnis in München stattgefunden. Die große Bedeutung dieses Mannes lag darin, daß er wie unter Taus nden selten einer, echle, tiefe, herzinnige Religiosität mit aufopferungsvoller Menschenliebe dermaßen zu vereinigen verstand, daß sein Wirken in ganz Deutschland geradezu sprichwörtlich ward. Besonders waren die beiden Weltkurorte Reichenhall und Meran seit mehr als 30 Jahren die Schauplätze seiner einzigartigen milden Werktätigkeit. Tausenden unserer doppelt leidenden, armen und kranken Glaubensgenossen und ebenso vielen äußerjüdischen Bekenntnisses hat seine allezeit offene Hand entweder aus eigenen Mitteln oder auf dem Wege von Sammlungen geholfen. Sein Wohltun war unbegrenzt, noch unbegrenzter aber war die Liebe und die Herzinnigkeit, mit der er alles Gute übte. Die ergreifenden Nekrologe der Herren Rabbiner Dr. Werner und Dr. Ehrentreu in München haben in herzerhebender Weise ein Bild dieses grobangelegten, nunmehr abgeschlossenen Lebens entworfen. Hervorzuheben wäre nur noch einerseits der lliääuseb haschem, den sein interkonfessionelles Wirken hervorrief, was sich besonders voriges Jahr, anläßlich der Feier seines 80jährigen Geburtstages zeigte, indem u. a. der Magistrat der Stadt München, nebst einer kunstvollen Aufmerksamkeit, ein Schreiben an den nunmehr Entschlafenen richtete, das in der Tat dem Namen Jude überhaupt eine außergewöhnliche Ehrung brachte — und anderseits die besondere Gunst der Vorsehung, Kinder zu hinterlassen, die nicht nur das echt jüdische Lebenswerk des Vaters fortsetzen, sondern vielfach noch überbieten. Der Name speziell eines Sohnes Dr. August Feuchtwanger in München ist als Muster der gesetzestreuen Gemeinschaft der Münchener Judenschaft und als Zierde des Judentums überhaupt, viel zu bekannt, als daß es noch ein Hervorheben nach dieser Richtung hin bedürfte. Wie sie beide geliebt und geehrt sind von Jud und Christ, von Jung und Alt, aus der Nähe und der Ferne, das hat sich bei dem Leichenbegängnis gezeigt. Nach tausenden Teilnehmern zählte dasselbe. Auch haben die bedeutendsten Tagesblätter Münchens Nachricht gebracht. Möge die trauernde Familie auch aus dieser außergewöhnlichen Teilnahme heraus Trost schöpfen. Der teure Tote aber ruhe in Frieden und möge sein Vorbild unverwischlich bleiben in seiner weitverzweigten, hochachtbaren Familie, in der israelitischen Gemeinde uhd besonders der Chewra-Kadischa München, deren jahrzehntelanger Obmann er gewesen, und in der Erinnerung aller derer, die das Glück hatten, ihn zu kennen. Rabbiner Adolf Altmamr, Salzburg. Dessau. (Schneller Glaubenswechsel.) Hier herrscht augenblicklich ein heftiger politischer Kampf zwischen den Freisinnigen und der Mittelstandspartei. Führer auf beiden Seiten sind Juden. Auf jener Seite der Landtagsabgeordnete Rechtsanwalt Dr. Cohn, auf dieser Dr. Ascher. In diesem Streite spielen auch speziell jüdische Fragen eine Rolle, nämlich die Judentaufe und der Antisemitismus der Mittelstandspartei, die in verschiedenen „Eingesandt" des „Anhaltischen Staatsanzeiger" erörtert werden. Dr. Cohn schreibt dort über Dr. Ascher: „Die Kritik, welche Herr Dr. Ascher an meiner Grundsatzfestigkeit und an meiner Ueberzeugungstreue übt, läßt mich kalt. Er ist nicht der richtige Mann dazu. Wer, wie Herr Ascher es fertig bringt, zu gleicher Znt nationalliberaler Deutscher, zionistischer National- Jude und Führer in der antisemitischen Neigungen huldigenden Mrttelstandsvereinigung zu sein, sollte doch peinlichst vermeiden, anderen Leuten Grundsatzlosigkeit vorzuwerfen. Ich lehne es daher ab, Herrn Dr. Ascher auf das persönliche Gebiet zu folgen." — In einer anderen Kundgebung des „Anhaltischen Staatsanzeiger" heißt es: „Hat denn Herr Dr. Ascher ganz vergessen, daß er erst zum Rabbiner gelernt hat, dann sich hat taufen lassen, dann wieder Jude und Zionistenführer und in der Dessauer jüdischen Gemeinde Repräsentant geworden ist und schließlich sein einziges Kind wieder hat Christ werden lassen?" — Dr. Ascher seinerseits begründet diese Tatsachen, deren Richtigkeit er nicht bestreitet, folgendermaßen: „Es ist richtig, daß ich vor 13 Jahren zum Christentum übergetreten war. Diesen Schritt hatten nicht, wie man gemeint hat, die Tränen und Bitten meiner damaligen Braut und ihrer Verwandten bestimmt. Maßgebend waren für mich die Worte meines damaligen Führers und Erziehers, des Philosophen Arthur Schopenhauer: „den vernünftigen Juden, welcher, alte Fabeln, F'ausen und Vorurteile aufgebend, durch die Taufe ans einer Genossenschaft heraustritt, die ihm weder Ehre noch Vorteil bringt, mutz ich durchaus loben, selbst wenn es ihm mit dem christlichen Glauben kein großer Ernst sein sollte: ist es denn ein solcher jedem jungen Christen, der bei der Konfirmation sein Credo hersagt?" Dieselben Anschauungen wurden vertreten von Eduard von Hartmann, in dessen Philosophie ich mich vertieft hatte, und von einem Kreise meiner Berliner Bekannten, die inzwischen in hohe Staatsstellungen eingerückt sind. Ich meinerseits aber erkannte sofort, daß ich in dieser ernsten Sache übereilt gehandelt hatte, daß jener Schritt nicht meiner Individualität angepaßt war. Deshalb tat ich das, was ein ehrlicher und mutiger Mensch, der sich bewußt wird, einen Fehltritt begangen zu haben, tun muß. Ich verharrte nicht hartnäckig in der eingenommenen Lage, sondern trat noch im selben Jahre in aller Form zum Judentum zurück. Die Schopenhauersche Moral paßte für mich nicht, sie störte mein inneres seelisches Gleichgewicht." Er führt dann die bekannten Gedanken aus, weshalb man ein Zionist, und ein guter Deutscher zugleich sein könne und fährt dann fort: „Die Taufe meines Kindes gründet sich auf mein Wort, das ich in der Schopenhauerzeit meiner Frau verpfändet hatte. Heute hätte ich's nicht gegeben. Das hat mich nicht gehindert, mein Wort zu halten. Richtig ist, daß ich als Schüler einmal die Absicht hatte, jüdische Theologie zu studieren. Vorher wollte ich Omnibuskutscher werden. Insoweit hat sich mein Geschmack geändert." — Die letztere Zusammenstellung ist nicht sehr geschmackvoll. Im übrigen steht man in jüdischen Kreisen, Personen, die mehrfach ihren Glauben wechseln, nicht sehr vertrauensvoll gegenüber. Für die Allgemeinheit weit wichtiger als diese im Grunde genommene persönliche Polemik ist die von einem anderen hiesigen Führer der Mittelstandspartei im „Anhaltischen Staatsanzeiger« abgegebene Erklärung: „Die Mittelstandsvereinigung kann vom Antisemitismus nicht abrücken, da sie niemals etwas mit Antisemitismus zu tun gehabt hat." Diese Erklärung ist, wenn sie nicht nur zu augenblicklichen Parteizwecken abgegeben ist, erfreulich, wenn sie auch nach dem bisherigen politischen Verhalten dieser Partei und ihrer Leiter zunächst noch mit Vorsicht aufzunehmen ist. Rabbiner Dr. M. Horovitz. Frankfurt. Am Sonntag starb hier nach schwerer Krankheit Rabbiner Dr. Markus Horovitz, der fich weit über den Kreis seiner Gemeindemitglieder und das Weichbild von Frankfurt hinaus einer seltenen Beliebtheit und Verehrung erfreute. Geboren am 5. März 1844 in Ladany bei Tokay legte er zunächst in den Rabbinerschulen in Ujhely, Verbo und Eisenstadt den Grund zu einer umfassenden Kenntnis der talmudischen Literatur und wurde bald der erklärte Lieblingsschüler des damaligen Eisenstädter Rabbiners, späteren Begründers des Berliner Rabbinerseminars, Dr. Israel Hildesheimer, der im Gegensatz zu vielen seiner ungarischen Amtsgenosten für dl.' Not-

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