Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 52 (24.12.1909)
- Date
- 1909-12-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 888 Dr. Vlochs Wochenschrift. Nr. 53 Dr. Max Grunwald in seiner vor zwei Jahren bei Kaufmann in Leipzig erschienenen Broschüre „Oesterreichs Juden 1813 bis 1815" nachgewiesen. Von den wenigen jüdischen Individuen, die während der Nopoleonischen Kriege und der unmittelbar darauffolgenden Epoche Offrziersrang erlangten, verdient es nur Einer, hier genannt zu werden. Die übrigen - kaum erhielten sie die Offiziersepauletten — verloren die nötige, den Offizier am meisten zierende Charakterfestigkeit und kehrten ihren Stammesgenossen den Rücken. Neben den ehrenwerten Namen, welche den Juden aller Länder zur Zierde gereichen und in die Ehrenhalle des jüdischen Volkes gehören, dürfen Fahnenflüchtige — wenn fie auch die höchsten Ehrenstcllen erreichen — keinen Platz finden. Simon P r ü s k e r, geboren 1797 in Prag, wurde am 22. Juni 1815 als Lxxroxrlis-Gemeiner zum Kinsky-Regiment Nr. 47 affentiert, absolvierte die Unteroffizierschargen bis 1839, in welchem Jahre er auf neuerliche 14 Jahre reengagiert wurde. Am 16. Oktober 1630 zum Leutnant ernannt, rückte er am 29. August 1835 in die Oöerleutnantscharge vor, und avanziertc am 1. Mai 1843 zum Kapitänleutnant. Am 16. August 1844 wurde er Hauptmann und am 3. August 1850 Major, in welcher Eigenschaft er, nach bald vierzigjähriger Dienstzeit, am 28. November 1854, in den Ruhestand übersetzt wurde. Prüsker starb am 16. Dezember 1864 in Prag. Noch ein Mann verdient es, besonders pietätvoll genannt zu werden, wenn er, zwar auch Oesterreichcr, doch in französische Kriegsdienste trat. Als der Stern des großen Korsen aufging, strömten Abertausende Kriegslustiger zu dessen siegreichen Adler, in großen Mengen die Polen, welche vom ersten Konsul und späteren Franzoseukaiser eine Förderung ihrer nationalen Wünsche erhofften. Auch Hunderte jüdischer Jünglinge aus aller Herren Länder ließen sich in die französischen Legionen einreihen, womit fie gleichsam ihren Dank für die liberale Gesetzgebung Napoleons bezüglich der Juden entrichten wollten. Gegen Enve des 3 8. Jahrhunderts nahm nun ein gewisser Tauber, geboren in Proßnitz, Mähren, französische Kriegsdienste und erklomm unter dem Kommando des Generals Murat die militärische Stufenleiter bis zum Colonell (Oberst). Als nun das von ihm kommandierte Regiment im Feldzuge 1805 gegen Oesterreich zog, erbat er seine Versetzung in einen auf einem andern Kriegsschauplätze verwendeten Truppenkörper, um gegen sein einstigesVaterland nicht kämpfen zu müssen. Noch einmal, und zwar im Jahre 1808, bat er um Transferierung, diesmal in ein Regiment, welches zu den auf der iberischen Halbinsel operierenden Truppen gehörte. Nach Spanien zog es ihn, um mit seinem Arm die seitens dieses Volkes seinen Stammesgenossen zugefügten Grausamkeiten wenigstens teilweise zu rächen. Vor den Toren von Saragossa — nach Angabe seines Urenkels Tr. Emil Eisler. Troppau, in der Schlacht von Reconville — fand n den Heldentod. Während der folgenden drei Jahrzehnte waren im österreichischen Heere nur wenig jüdische Off ziere anzutreffen. Erst im sturmbewegten Jahre 1848 erwachte die arHrichtige Lust zum Militärberufe. Als nämlich der in seinen Fugen krachende Kaiserstaat an das Gewissen und die Hilfe aller Kaisertreuen appellierte, da ging es auch durch die jüdischen Familien Oesterreichs wie ein Rauschen. Söhne aus Häusern, deren Namen im österreichischen Judentume guten Klang hatte, gingen mit schönem Beispiele voran. Mit anerkannter Bereitwilligkeit und mit jüdisch-traditioneller Treue scharte sich Jung-Juda von anno 1848 um die stolzen Fahnen des österreichischen Doppelaars. Noch wandeln manche dieser ehrwürdigen Veteranen unter uns: So der hier in Wien im Ruhestande lebende Generalmajor Alexander Ritter von E i ß, geboren 1832 in Prißling, Mähren, welcher sich am 27. Dezember 1848 freiwillig zum Jäger-Bataillon Nr. 6 affentieren ließ. Der Major ad honores Theodor Jerusalem, Edler von Salemfels, geboren 1831 in Prag, ließ sich am 12. März 1849 als unobligater Regiments- Kadett, zum Jnfanterie-Regimente Nr. 11 assentieren. Der in Budapest lebende Major Heinrich Oppenheimer, geboren 1829 (dessen Grundbuchsblatt noch nicht abgeschrieben), der hier in Wien, noch rüstiger Geistes- und Körperfrische sich erfreuende Hauptmann Wilhelm Löwy, geboren 1826 in Aussee, Mähren, und affentiert am 17. August 1842 zum 3. Feldjäger-Bataillon. Der im Jahre 1860 als Rittmeister pensionierte Karl Straß, geboren 1834 in Holleschcwitz, Böhmen, am 1. Dezember 1848 als Expropriis-Gemeiner zum 6. Feldjäger-Bataillon assentiert, im darauffolgenden Jahre zur Kavallerie transferiert und nach kaum fünfmonatlicher Dienstzeit infolge Jnhabersbefehl zum Leutnant ernannt. Hauptmann Jonas Beutler, geboren 1827 in Kolin, Böhmen, wurde am 25. April 1849 zum 11. Jnfanterie-Regimente assentiert. Hauptmann Bernhard Baltinester, geboren 1833 in Czernowitz, gestorben 1900 in seinem Geburtsorte, ließ sich im Jahre 1849 als Expropriis-Kadett zum 41. Infanterie-Regiment assentieren. Hauptmann Jonas Wittlin, geboren 1819 in Lemberg, assentiert am 3. April 1840 zum 30. Infanterie-Regiment; war schon im Jahre 1848 Leutnant. Ebenso sein Regimentskamerad Hauptmann Sawuel Tarier, geboren 1821 in Niemirow, Galizien, im Juli 1849 zum Offizier ernannt. Der Gendarmerieleutnant Adolf G i n tz, geboren 1830 in Planian, Böhmen, am 6. Oktober 1849 zum 11. Jnfanterie-Regimente affentiert. Die in Wien lebenden Majore Karl H erzl, geboren 1829 in Nikolsburg, Mähren, und Josef Kadi sch, geboren 1828, begannen auch in den Revolutionsjahren ihre Karriere. Und so viele andere. Die sturmbewegten Jahre 1848/49 waren für die jüdischen Soldaten eine nützliche Schule. Der das Gemüt veredelnde Patriotismus, der während so vieler Jahrhunderte — nein, nicht versäumt — sondern verhindert wurde, kam unter der Führung des Heldenmarschalls, in dessen Lager Oesterreich war, zur vollen Entfaltung. Die Vielen, die sich hervorragend auszeichneten, werden zum Schluffe dieser Artikelserie genannt werden. Noch soll die wackere Tat eines damals in Bukarest lebenden jüdischen Oesterreichers gewürdigt werden. Im Sommer des Jahres 1849, zu einer Zeit, in welcher das Siebenbürgische Armeekorps infolge harter Entbehrungen in des Wortes vollster Bedeutung darbte, Mangel an Schuhwerk empfindlich litt und einer Not hätte ausgesetzt werden können, deren Folgen nicht abzusehen gewesen wären, wurde nur dadurch abgeholfen, daß es dem Hauptmann-Auditor Nahlik gelang, bei dem in Bukarest lebenden Bankier Hilel Ben Manoach 100.000 fl. Konventionsmünze in Zwanzigern zu kontrahieren, wovon er einen bedeutenden Teil sofort, den Rest anfangs Juni nach Turn-Severini brachte (Geschichte des Infanterie-Regiments Nr. 55. Seite 242 und 251). Die Zeit heilt alle Wunden! Längst haben die österreichischungarischen Juden die Schmach verziehen, daß des Feldzeugmeisters Baron Haynau erste Tat nach der Unterdrückung des Aufstandes war: den ungarischen Juden eine Strafkontribution von einer Million Gulden Konventionsmünze aufzuerlegen. vom Aabrmarkt des Lebens. Dornröschen Staatsanwalt. Vor einigen Monaten hat die Regierung sehr strenge getan und bestand sogar auf Durchführung ihrer Vorschriften gegen den Boykott. Die Staatsanwälte, namentlich die in Böhmen, zogen die Zügel etwas straffer an und siehe da, es half. Die Presse beider Volksstämme, die bisher geistig von der Nichtbeachtung des Paragraphen über Haß und Aufreizung gelebt hatte, wurde durch die Konfiskationen kirre gemacht und wenn endlich im Parlament und Volke die Herstellung erträglicher Zustände, einer nationalen Verständigung möglich war, so ist das schließlich dem Umstande zu danken, daß sich die Regierung auf ihre einfachste Pflicht besann. Das sollte fie wohl veranlassen, bei ihrer Praxis zu bleiben und der Verhetzung her Bolksstämme unter einander